Das Ziel, den Temperaturanstieg bis Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad global zu begrenzen, ist dahin. Geahnt haben wir das schon lange. Heute nun kam die Meldung, dass die CO2-Emissionen weiter kräftig ansteigen – in den Schwellenländern wie Indien und China, aber auch in den alten Industrieländern.

Und, kümmert das jemanden? Nein, denn das Problem ist zu abstrakt, die Folgen sind noch zu weit entfernt (was juckt mich das heute, wenn vielleicht in 2100 die Meeresspiegel deutlich höher sind), CO2 stinkt nicht, sonst würden wir eher etwas dagegen unternehmen, und es ist auch kein arabischer oder sonstiger Despot dafür verantwortlich, gegen den man demonstrieren könnte.

Das wäre doch eigentlich mal was: so wie gegen Atomkraftwerke demonstrieren und das Abschalten einfordern könnten wir doch auch einmal gegen CO2 kämpfen und das Abschalten der dafür verantwortlichen Maschinen verlangen! Da haben wir aber ein Problem: da müssten wir ja bei uns selbst anfangen. Autos blieben stehen, Flugreisen würden storniert, der LKW brächte keine Lebensmittel mehr in den Supermarkt, und der Bauer könnte auch nichts mehr ernten.

Das ist genau das Problem: wir verleugnen nicht einfach nur, sondern unser Nicht-Handeln entspringt auch der Alternativlosigkeit. Natürlich können wir erneuerbare Energien ausbauen und AKW’s abschalten, aber wir sind so abhängig geworden von einem Standard, den sich vor 100 Jahren noch kein Mensch überhaupt vorstellen konnte, dass wir da ohne Druck und Nötigung nicht freiwillig heraus finden werden. Da reichen kein Fukushima, kein New Orleans, keine Dürren in Australien oder Russland, keine Tornados und Überschwemmungen in den USA.

Also Zeitung mit der CO2-Meldung zugeklappt, und weitergemacht wie bisher! Wird schon hoffentlich nicht so schlimm kommen! Und vielleicht nicht bei uns! Totstellreflex nennt man so was! Das Raubtier da vorne wird schon weiterziehen. Lösungen, Patentrezepte? Gibt es nicht. Konsumverhalten, Druck nach oben, verantwortliches Handeln des Einzelnen – alles wichtig und nötig, aber es ändert nichts am großen Trend. Und diese Perspektive muss man erst mal aushalten können! Da dies oft nicht geht: bleiben nur Verdrängung und Verleugnung. Wie verständlich!

Andreas Meißner
Autor des Buches "Mensch, was nun?"
www.mensch-was-nun.de

[image]