Haben Sie im Umkreis von 1 km eine Grünanlage? Gehen Sie regelmäßig dort spazieren? Und fühlen Sie sich hoffentlich wohl dabei, mit besserem Befinden und Schlaf danach?

Gut, dann dürfen Sie Ihr Erleben, dass Natur und Grün gut tun, nun als wissenschaftlich abgesichert betrachten. Amerikanische Ökopsychologen haben genau das jetzt herausgefunden (SZ 11.03.10). Bei Wohnsitz in der Nähe von Parks leidet man seltener unter Angststörungen, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch wer im Krankenhauszimmer ins begrünte Freie blickt, braucht demnach weniger Schmerzmittel und ruft seltener nach dem Pflegepersonal.

Einerseits ist es gut, dass so etwas erkannt wird und zukünftig gezielt genutzt werden kann. Andererseits – es tut mir leid – zeigen genau diese Untersuchungen wieder unsere Naturentfremdung. Denn es ist schon traurig, wenn wir erst aufwändige universitäre Forschungen brauchen, um fest zu stellen, wie gut uns Grün und frische Luft tun. Ist uns jeglicher natürlicher Bezug zu diesen Dingen abhanden gekommen?

Folgerichtig vermuten die Forscher zudem, dass der massive Naturmangel (ein schönes Wort!) in industrialisierten Gesellschaften psychische Krankheiten hervorruft. Für Kinder, die viel Zeit am Computer und Fernseher verbringen, dafür aber wenig draußen spielen, wird sogar das Krankheitsbild einer „Naturdefizitstörung“ formuliert.

Die aber haben wir doch im Grunde alle! Nicht nur der Naturmangel an sich schadet uns, etwa infolge des enormen Flächen- und Waldverbrauchs weltweit sowie des Vormarsches von Straßen und Gewerbegebieten, sondern auch der Zeit- und Interessemangel, uns überhaupt um ein Naturerlebnis zu bemühen. Das findet dann allenfalls in Wochenendstaus auf dem Weg in die Berge oder zu den Seen statt.

Die zunehmende Taktung in Schicht, Arbeit und Freizeit, seit Erfindung der Glühbirne auch die Nachtschicht, damit dann auch die Abnahme der Schlafdauer seit der Industrialisierung, weniger Geselligkeit und Rituale, dafür aber mehr Vereinzelung in seitdem entstandenen anonymen Großstädten, all das hat uns psychisch geschadet und zu mehr Depressionen geführt (auch das alles: wissenschaftlich belegt!). Dies kam somit parallel zu der Naturentfremdung und Naturdefizitstörung dazu.

Nun möge man aber, wenn man den Journalisten folgt, nur ja nicht daraus schlussfolgern, dass die moderne westliche Zivilisation schädlich sei, und wir wieder zu naturähnlicher Lebeweise zurückkehren müssten, um nachhaltig zu sein und die Depressionen ablegen zu können. Denn, so Petra Steinberger in der morgigen SZ: dieser Trend zu „neo nature“ entspringt doch im Grunde nur einer romantischen Verklärung. Offenbar also ist auch der Weg zurück zur Natur versperrt bzw. unrealistisch. Was dann eigentlich? Und wie geht man mit dem Schmerz und der Wut um, wenn man all diesen Wahnsinn erkennt? Ich werde weiter nach Antworten suchen (und lese mal wieder im eigenen Buch nach, welche Antworten ich eigentlich schon darauf gefunden hatte).

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www.mensch-was-nun.de : Ein Buch zur psychischen Bewältigung der Ökokrise, ein non-profit-Unternehmen, zu beziehen über diese Webseite oder den Buchhandel.
Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender vom Bund Naturschutz, zu dem Buch:

»Ein unverzichtbares Buch für alle, die ihren persönlichen Ausweg aus der ökologischen Krise suchen und zu einem Leben in wahrem Wohlstand nach dem Grundsatz ›weniger haben und trotzdem gut leben‹ unabhängig von materiellem Besitz finden wollen.
Dem Kant'schen Imperativ folgend wird das wissenschaftlich fundierte Buch dabei unversehens von einem Ratgeber für den Einzelnen zu einem wichtigen Beitrag für die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen öko-sozialen Gesellschaft.«





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