800.000 Liter Schweröl laufen seit Tagen, ja Wochen schon ins Meer. Das Artensterben nimmt weiter zu. Der Klimawandel interessiert im Grunde keinen mehr – seit Kopenhagen herrscht dazu politische Grabesstille.

Seit vierzig Jahren etwa wissen wir nun von den Folgen unseres Tuns auf diesem Planeten. Was hat sich getan? Reichlich wenig. Seit der ersten Konferenz von Klimaforschern vor über zwanzig Jahren ist die weltweite CO2-Emission um weitere 42% gestiegen. Der Höhepunkt der weltweiten Ölförderung wurde ca. 2009 überschritten. Und wir verzetteln uns hier im Klein-Klein, die Photovoltaik-Förderung wird gekürzt, die Laufzeit der Atomkraftwerke dafür vielleicht verlängert.

Derweilen gehen Banken pleite wie 2008, jetzt schon Länder wie Griechenland in 2010. Immer größere Rettungsschirme müssen immer öfter aufgespannt werden. Jetzt melden auch noch deutsche Kommunen und Städte ihren Bankrott an, Meldung von heute abend.

Hat das alles nichts miteinander zu tun? Wir überlegen derweilen noch, ob Bio-Äpfel aus Chile oder die tiefkühlgelagerten hier ökologisch korrekter sind, ob Bio-Sprit nicht doch eine Lösung wäre, woher eigentlich all der Strom für die schönen Elektroautos der Zukunft kommen soll (Desert Tec?), und ob sich weniger Autofahren angesichts der Katastrophe im Golf von Mexiko überhaupt noch lohnt.

Das schafft Ohnmacht und Resignation. Wir ahnen, dass das alles so nicht weiter gehen kann, dass wir überall, ökonomisch und ökologisch, an Grenzen stoßen. Und das macht Angst, ein unheilvolles Gefühl der Bedrohung. Darüber können auch die vielen bunten Bildchen auf utopia.de nicht hinwegtäuschen, die suggerieren, es könne alles so weitergehen, nur mit grünem Mäntelchen vielleicht.

Aber wir können nicht so einfach aussteigen, auch wenn wir das System als krank erkannt haben. Das macht mürbe, frustriert, führt zu Verzweiflung. Das Hamsterrad muss weiter laufen, dieser Wahnsinn zwischen Montag und Freitag, wie es neulich so schön in der SZ hieß. Also weiter mit dem Auto in die Arbeit, weiter mit täglicher Arbeit oft mitwirken an der Umweltzerstörung, am Herstellen von Dingen, die keiner braucht, aber Ressourcen und Energie verbrauchen, 20 Millionen Autos fahren in Deutschland schon mit Navi, Plastikspielzeug für die Kinder.

Zum „Glück“: Arbeitsplätze, geschaffen durch die Entropie, die zunehmende Kompliziertheit des Daseins, die Bürokratie, die ausufernden Geräte, durch die Abhängigkeit vom kulturellen Irrtum des Kfz, durch Ämter und Behörden, die bald selbst nicht mehr durchblicken im Gesetzesdschungel. Am Abend dann ein Bier, oder mehrere, das Frühlingsfest ruft, oder sonst eben das Kino, Theater oder Konzert. Vielleicht auch der Kirchentag. Verdrängung und Betäubung, die Alternative zur Verzweiflung. Der Pfingsturlaub wartet schon. Und der da oben wird's schon richten. Der letzte Retter.

Es ist kaum auszuhalten, dass es keine Lösung für die Ökokrise gibt. Nur Verzögerungen und Linderungen der anstehenden schmerzhaften Umwälzungen sind möglich. Die Umwälzungen haben schon begonnen (Armut in weiten Teilen der Welt; Klimawandel; Kriege ums Öl in Afghanistan und Irak; zunehmende Allergien hierzulande; Finanz- und Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und reiche Armut als Ausdruck eines Grenzen überschreitenden Systems).

Und dennoch: eine eigene Verantwortung, ein eigenes mutiges Handeln, ein eigener Gewinn im vermeintlichen Verzicht ist möglich. Wie schön, dass ich mir nicht mehr an Flughäfen im Intimbereich herumfummeln lassen muss. Wie schön, dass man bei Zugfahrten in die Berge in Ruhe nachdenken kann. Wie schön, dass ich weder Navi, noch Plasmafernseher, noch i:pad, noch mobiles Internet brauche. Wie schön, dass die Biokiste jede Woche in mein Haus kommt und ich kaum noch den Pestizidfraß aus dem Supermarkt brauche. Wie schön, dass es Car-Sharing gibt. Wie schön, dass dies ein bisschen mein ökologisches Gewissen beruhigt.

Das Allmachts-Ohnmachts-Dilemma: niemals hatte bisher der Mensch im Kollektiv so viele Eingriffsmöglichkeiten in seine natürlichen Lebensumstände, aber noch nie war die Einflussnahme der einzelnen Person auf die Umweltprozesse so reduziert. „Umweltkatastrophe Mensch“! Ein Buch aus dem Jahr 1991, so aktuell wie nie.

Läßt sich trotzdem eine positive Lebenshaltung gewinnen? Schwer, aber möglich. Ich habe mir erlaubt, über all dies ein Buch zu schreiben: „Mensch, was nun? Wie wir der ökologischen Krise begegnen – können“, siehe www.mensch-was-nun.de.

Dazu auch ein Vortrag
am Mittwoch, den 19. Mai, um 19.30,
im Rahmen der Ringvorlesung Umwelt an der TU München,
Eintritt frei!
Arcisstraße 21, 1. Stock, Hörsaal 1100
(Siehe: http://asta.fs.tum.de/asta/referate/umweltreferat/ringvorlesung-umwelt/archiv/archiv/ss-2010)[/b]