Die Artengrenze kommt uns natürlich vor, weil wir sie von Natur aus gegeben betrachten. Gezogen wurde diese Grenze im 18. Jahrhundert als die Naturgeschichte in den entstehenden Naturwissenschaften geschrieben wurde. Daher rühren die klassifikatorischen Verwandtschaften, die wir unter den Tieren denken. Der Mensch ist mit dem Affen verwandt, Affen sind Säugetiere. Vögel sind keine Säugetiere, Insekten und Reptilien auch nicht. Uns so weiter.

Eine ganz andere unwissenschaftliche alltägliche Artengrenze ziehen wir tagtäglich:
Foer schreibt in TIERE ESSEN:

Zu Knuts erstem Auftritt in der Öffentlichkeit erschienen 400 Journalisten, weitaus mehr als zum EU-Gipfel, der gleichzeitig stattfand. Es gab Knut-Krawatten, Knut-Rucksäcke, Knut-Teller, Knut-Schlafanzüge, Knut-Figürchen und wahrscheinlich, wobei ich das nicht überprüft habe, Knut-Unterhosen.

Knut hat einen Paten, Sigmar Gabriel, den damaligen deutschen Umweltminister. Knuts Beliebtheit war sogar Schuld am Tod eines anderen Zootiers, des Pandas Yan Yan. Tierpfleger nehmen an, dass die 30 000 Besucher, die in den Zoo drängten, um Knut zu sehen zu viel für Yan Yan waren - das hat sie entweder zu Tode aufgeregt oder zu Tode deprimiert (das war mir nicht ganz klar). Und wo ich gerade beim Tod bin: Als ein Tierschützer die Fragte stellte - rein hypothetisch, wie er später betonte -, ob es nicht besser sei, ein Tier einzuschläfern, als unter solchen Bedingungen großzuziehen, gingen Schulkinder auf die Straße und skandierten : "Lasst Knut leben!" Fußballfans grölten für Knut statt für ihre Mannschaft.

Wenn man Knut besucht und Hunger bekommt, gibt es ein paar Meter neben seinem Gehege eine Bude, die "Knutwurst" verkauft. Sie besteht aus dem Fleisch von Schweinen aus Massentierhaltung, die mindestens so intelligent sind wie Knut und unsere Aufmerksamkeit genauso verdient haben wie er. Das ist die Artengrenze.



Ich über Foers Buch: Glückliche tote Tiere essen? Ein Plädoyer für bewussten Konsum