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6. 11. 2016

Geht es um Werte, dann gleichzeitig um das, woran ein jeder glaubt oder glauben können möchte. In der Zeit meines Heranwachsens, in den 50er und 60er Jahren, glaubte man im westlichen Kulturkreis fest daran, dass materieller Wohlstand für alle machbar ist: durch persönlichen Fleiß und mit Hilfe moderner Technik.
(Doch woher kam dieser Glaube eigentlich? Worauf gründete er? War dieser 'Glauben' nicht vielmehr das Ergebnis jahezehntelanger Manipulation - vorwiegend durch Werbung, Lobbyisten, Konzernvertretern und Regierenden? Ich will hier nicht urteilen, da ich diese Zeit als Kind und Pubertierender durchlebte. Doch eine Antwort darauf kann jeder finden, der sich an weltoffene alte Menschen wendet.)


Schon in den 70er Jahren wurde deutlich, dass viel von unserem tatsächlich auf diese Weise erzielten Wohlstand auf der Ausplünderung von Umwelt und Menschen (vor allem auch in der so genannten ‚Dritten Welt‘) beruhte. Was uns (damals wie auch heute) das Leben angenehm und bequemer machte, schaffte anderswo Chaos, Leid und Armut. Es bildete sich erstmals ein Bewusstsein von den begrenzten Ressourcen auf dieser Erde, was bei fortdauernder unveränderter Ausbeutung auf die Dauer sogar unsere Lebensgrundlagen beschädigen, ja vernichten würde – nicht unbedingt die eigenen, aber sicher die unserer Nachkommen.
(In der politischen Debatte der späten sechziger und frühen siebziger Jahre wurden Menschen, die in Diskussionen auf diese Problematik zu sprechen kamen, in der Regel verunglimpft: als solche, die keine Ahnung von der Materie hätten, als linke Revoluzzer oder einfach als Spinner abgetan. Allerdings wurde die Zahl der Besorgten größer, so dass noch in 1980 die politische Partei der Grünen gegründet wurde, die seither ein fester Bestandteil deutscher Politik blieb.)

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Dennoch ging und geht diese Art unseres ausplünderischen Wirtschaftens weiter – nicht unverändert, aber in globalem Ausmaß noch aggressiver als früher, weil sich andere Länder auf allen Kontinenten am Beispiel des westlichen Lebensstils orientieren und auf die gleiche Weise leben wollen. Ob einige hundert Millionen Menschen so zerstörerisch wirtschaften oder gleich Milliarden, das macht allerdings einen gewaltigen Unterschied.

Wir haben, so will ich hier pointiert sagen, eine Tod bringende Wirtschaftsweise und Kultur in dieser Welt verbreitet. Sie ist für viele so attraktiv, weil sie – von falschen Voraussetzungen ausgehend – schöne, aber falsche Erwartungen auslöst.

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Wo liegen die grundsätzlichen Fehler, die geistigen Schieflagen?

1. Beginne ich mit einem Urbild des so genannten ‚amerikanischen Traumes‘. Jeder kann es vom Tellerwäscher zum Millionär bringen“: Hier wird etwas zum leuchtenden Vorbild hochstilisiert, was jedem gesunden Menschenverstand und auch den Gesetzen der Ökologie völlig zuwider läuft. Niemand benötigt Millionen eines Tauschmittels oder Sachbesitz in solchem Wert, um ein funktionierendes und erfülltes Leben gestalten zu können. Sehr viel weniger reicht dafür aus. Es wird so getan als existierten ausreichend Ressourcen auf dem Planeten, um jedem Menschen den Erwerb solcher Massen von Gütern zu ermöglichen. Der 'amerikanische Traum stellt Habgier und Machtsreben tendenziell als etwas Wertvolles dar.

2. Darüber hinaus gründet unser System darauf, dass nur ein ständiges Wachstum den Wohlstand aller ermöglicht und sichert. Auch hier liegt der gleiche Denkfehler vor: Das kann nur funktionieren, wenn die verfügbaren Ressourcen unendlich sind. Der Traum von der Kolonialisierung des Weltalls für menschliche Zwecke ist zwingende Konsequenz dieses Strebens. Die Erde kann nicht hergeben, was wir in diesem geistigen Modell für uns beanspruchen.

3. Damit die Ansammlung großer Geld- und Sachvermögen möglich ist, wird denen, die ‚mehr leisten‘, ein (beliebig) größerer Anteil am Erwirtschafteten zugesprochen. Dafür wird im Gegenzug die Armut vieler als Selbstverständlichkeit in Kauf genommen.

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Soweit die grundsätzlichen Denkfehler und somit Strukturfehler unseres Lebensmodells, was weit mehr umfasst als nur das reine Wirtschaftsleben:
Alles menschliche Wirken ist in weitestem Sinne Wirtschaften mit eigenen und fremden Ressourcen - materiellen wie auch immateriellen. Jeder der mit offenen Augen durch den Alltag geht, kann beobachten, wie das Denken in wirtschaftlichen Modellen auch vor sozialen Beziehungen und der eigenen Lebensplanung keinen Halt macht. Geld lassen wir unsere Welt regieren und dieser unerbittliche, gefühllose Regent ist unersättlich.

Was nun kommt, sind die logischen Folgen dieser geistigen Fehlhaltungen bzw. Denkfehler:

- Das ermöglicht in steigendem Ausmaß eine ständige Ausweitung dessen, was als Wirtschaftsgüter verstanden wird: Dazu gehören heute auch soziale und medizinische Dienste – ja sogar Grundnahrungsmittel wie Wasser. Selbst Grundstrukturen jedes Gemeinschaftslebens wie Ausbildung, Verkehr, sozialer Wohnungsbau, Energieversorgung – ja sogar Begräbnisse und Friedhöfe werden privatwirtschaftlichem Profitdenken untergeordnet und von Konzernen als Einkommensquellen betrachtet. Willst du auch noch für deine Atemluft bezahlen müssen?

- Grundlage für das Aufkaufen solcher Großstrukturen ist einerseits eine Gesetzgebung, die den unbegrenzten Ansprüchen von Begüterten keine ausreichenden Schranken auferlegt. Dazu kommt ein Geldsystem, das durch die Geldschöpfung aus dem Nichts (also ohne reale Grundlage) ermöglicht. Staaten können einfach Geld drucken. Banken erzielen ihre Gewinne aus Mehrfachverleihung von Einlagen. Bleiben noch die Spekulationsgeschäfte aller Art, in denen die Akteure um Geld spielen und der Gewinner sich auf Kosten des Verlierers bereichert. Verlierer ist dabei oft die Gemeinde, der Staat und damit jeder ‚kleine Mann‘. Willst du mit deinem Spargeld Banken retten oder bankrotte Staaten? Willst du Krieg und Sklaverei finanzieren? Alles längst Realität!

- In diesem (unserem!) System gilt es als akzeptiert, dass wenige unermessliche Reichtümer anhäufen, wobei die größten Privatvermögen Einzelner selbst den Umfang von Staatshaushalten übersteigen. Siehst du das als ‚alternativlos‘ an?

- Gleichzeitig gilt es als akzeptiert, dass ein freier, unreglementierter Handel mit seinen Gütern und Dienstleistungen in den Bereichen anderer, schwächerer Volkswirtschaften eindringen und durch Dumpingpreise die dortigen Strukturen zerstören kann. Willst du Ähnliches demnächst auch hier z. B. mit den in Ausarbeitung befindlichen so genannten Freihandelsabkommen namens Ceta und TTIP, die privatwirtschaftliche Großstrukturen (Konzerne) sogar über Staaten (und damit demokratisch legitimierte Macht) stellen?

- Selbst ein in unserem Land von sozialen öffentlichen Mitteln Lebender (ja sogar ein Haustier!) – also nach unserer Definition ein Mensch in Armut – verfügt heute über eine materielle Grundlage, die am Gesamtsystem der Ausplünderung unseres Planeten einen deutlichen Anteil trägt. Alle in den reichen Ländern sind somit Teil des weltweiten Ausbeutungssystems. Betrachtest du das als ein Naturgesetz?

- Auf Dauer praktiziert zerstört unser heute praktiziertes Wirtschaften unserer aller Lebensgrundlagen. Nach dir die Sintflut?

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Letztlich ist unser Wirtschaftssystem so organisiert, dass ein ständiger Abfluss von Wirtschaftsleistung von den weniger Begüterten hin zu den Reicheren möglich ist und erhalten bleibt. So verarmen letztlich immer mehr Menschen auf dieser Welt. Hunger, soziale Unruhen bei extrem knappen Ressourcen und schwache staatliche Strukturen in wirtschaftlich ärmeren Regionen begleiten das Leben dieser Menschen in scheinbar alternativloser Weise. Dabei beruht dieses System keinesfalls auf natürlichen Gesetzen, sondern es ist menschengemacht.

Um im Vergleich dazu von der Natur auszugehen:

In ihr wird seit Milliarden von Jahren von allen Lebewesen in Symbiose und Konkurrenz gewirtschaftet. Es gibt für alle genug. Die Lebensgrundlagen werden grundsätzlich erhalten. Es gibt keinen Müll, keine Ausbeutung und keine Armut. In höher organisierten Lebensformen mit sozialen Strukturen führen selbst Vormachtbestrebungen einzelner besonders Fitter innerhalb ihrer Lebensgruppen nicht zu Ausbeutungssystemen, wie sie unsere westliche Kultur in den vergangenen 5.000 Jahren hervorgebracht hat. Dass ein anderes Wirtschaften dauerhaft funktioniert, macht uns die Natur also seit kaum denkbaren Zeiten vor.

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Es gibt immer noch Menschen, die heute noch in diesen Naturkreislauf eingebettet leben. Das sind die indigenen Völker, die sich als Teil der Natur verstehen und sich nicht wie wir über sie stellen: „Macht euch die Erde untertan“, heißt es in der Genesis (als ‚göttliches Zitat‘ aus Menschenhand) innerhalb des alten Testamentes, dem religiösen Grundwerk unseres 'christlichen Abendlandes'.. Dort ist offensichtlich bereits der Keim der geistigen menschlichen Fehlhaltung gegenüber der Natur aufgegangen. Der dort grandios geschilderte 'Sündenfall' mit der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies bebildert das grundsätzliche Dilemma der Freiheit des Menschen.

Nun kann der Einzelne nicht einfach aus dem heutigen weltumspannenden System aussteigen und wieder naturverbunden leben, wie es die konsequenten Aussteiger leben. Aber warum nicht, obwohl es doch einige mit Erfolg praktizieren? Er würde dann auf die Vorteile verzichten müssen, die ihm dieses System Tag für Tag bietet. Bequemlichkeit, Annehmlichkeiten und Komfort sind die ‚Segnungen‘, mit denen uns unsere scheinbare Weltgemeinschaft beglückt.

Somit wird hier überdeutlich, wie jeder Einzelne Teil dieses insgesamt auch mörderischen Wirtschaftssystems ist, das anderswo Armut, Krankheit und Chaos bewirkt – verbunden mit dessen trügerischer Hoffnung, dass das eigene Haus schon davon verschont bleiben wird.

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Wir sehen medial verbreitet die zunehmenden Klimakatastrophen, den ansteigenden Meeresspiegel und die abschmelzenden Gletscher. Wir sehen das Leid in Kriegsgebieten. Wir erleben auch zunehmende Gesundheitsprobleme durch Lärm, verschmutzte Luft, minderwertige Nahrungsmittel und nicht zuletzt die Erosion unserer eigenen, früher so stabilen Sozialsysteme und das Zunehmen unsicherer, gering bezahlter Arbeitsstellen. Doch anderswo geht es ja noch viel schlimmer zu – also ruhig halten!

Als gut ausgebildetes ‚Mittelstandskind‘ mit leicht überdurchschnittlichem Einkommen und einem mutig fragenden Geist weiß ich heute, dass mein materieller Wohlstand weitgehend nicht auf echtem persönlichen Verdienst gründet, sondern auf Teilhabe an einem System, das seinen dort günstig postierten Mitgliedern materielle (und damit auch soziale) Vorteile zukommen lässt, die darauf beruhen, dass anderen und ‚der Welt‘ etwas entzogen wird – auch wenn ich das selbst gar nicht selbst aktiv betreibe.

Ich lebe heute im Ruhestand und habe (bzw. nehme mir) mehr Zeit und Energie als früher dafür, meinen scheinbar ’sorgenfreien Lebensabend‘ genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Resultate gefallen wir in weiten Teilen gar nicht und so sehe ich die unbedingte Notwendigkeit, mein Leben an den Grundlagen der Natur auszurichten.

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Das krempelt den Alltag ganz ordentlich um. Konsum und Genuss, Besitz, Reisen und Komfort werden absolut fragwürdig. Echte Bedürfnisse gelangen in den Vordergrund. Was benötige ich wirklich? Was bedeutet deren Befriedigung an Lasten für andere und Mitwelt? Was kann ich ganz von mir aus in diese Welt einbringen, um die Verhältnisse in ihr nicht weiter zu belasten, sondern vielleicht sogar zu bessern?

Diese letzten Fragen bedeuten einen geistigen Umschwung gegenüber dem eigenen Leben, das weniger das eines Ausbeuters bleiben soll, sondern mehr das eines Kooperierenden innerhalb der Weltgemeinschaft als großer Einheit zu werden hat.

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Die in der Überschrift gestellte Frage nach kollektiver Schuld muss ich eindeutig bejahen – auch die dort nicht gestellte Frage nach persönlicher Schuld an den Missständen auf dieser Welt. Ich muss sie ebenso bejahen für alle anderen Systembevorteilten auf allen gesellschaftlichen Ebenen meiner Lebensumgebung – nicht nur für die materiell wirklich Reichen.

Es stellt sich nach den Vorstellungen der (westlichen) Weltreligionen somit die Frage nach Reue, Wiedergutmachung und Besserung. Letztere bedarf ‚besseren Wissens‘, wie ich es mir angeeignet habe und weiter aneignen will. Das hat dann praktiziert und verbreitet zu werden, damit die Welt auch für spätere Menschengenerationen lebenswert bleiben kann, wie es in der Natur von je her eine Selbstverständlichkeit war und ist.

Es bedarf zu einer das Leben achtenden und wahrenden Änderung aber nicht unbedingt der Religion. Schon der gesunde Menschenverstand fordert den Erhalt der Lebensgrundlagen. Niemand kann sich vor dieser Aufgabe drücken, ohne daran Schaden zu nehmen – sei es körperlich, seelisch, geistig oder auch sozial.

Daraus folgt:
Du hast es selbst in der Hand; die Verantwortung kann nicht übertragen, ‚abgeschoben‘, veräußert, outgesourct - also nach außen hin verlagert werden. Die Ergebnisse dieser wirklichkeitsfernen Geisteshaltung bedrohen uns und unsere Lebensgrundlagen. Es wird den 'Tod der Geburt' wirklich geben, wenn wir nicht rasch lernen, uns und unsere Nachkommen von dieser krankhaften, korrupten Grundeinstellung abzubringen, die uns gehirnwäscheartig von kleinst an eingetrichtert wurde - zum Wohl von Konzernen und Begüterten.
Solche Gedanken verletzen das eigene Ego. Aber ich bekomme erst Zugriff auf eine andere Gedankenwelt, wenn ich die Vorgenannte als 'nicht meine' erkenne und mir eingestehe, in welch ungeheurem Ausmaß ich bis in die tiefsten Winkel von Gehirn, Seele und Geist von einem anti-nachhaltigen Denken, Fühlen und Streben durchdrungen bin. Äußerst geschickte und perfide Geschäftsleute und Machthaber haben mich mit diesem 'Gut' gekapert und besetzt, ohne dass ich davon viel bemerkt hatte. Ich lernte, dieses fälschlicherweise als das meine anzunehmen.
Änderung bzw. Besserung ist nur möglich, wenn ich tagtäglich immer wieder anderes Gedankengut, Fühlen und Wollen an mich heran lasse und eine zukunftsfähige, nachhaltige Haltung in mir und in dieser Welt kultiviere.

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