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25. 11. 2016

Wie kann ein solcher Tageslauf im Scheinwerferlicht von klarer Aufmerksamkeit aussehen? Damit es nicht nur fiktiv dabei zugeht, wage ich einen ganz privaten Blick auf einen ganz gewöhnlichen Tag im 'Unruhestand' eines Pensionärs. Um nicht zu umfangreich zu schreiben, wähle ich einige der vielen möglichen Punkte des Tagesablaufes aus, wobei ich mich weniger an der Zeit orientiere als an dem, was sich tagtäglich wiederholt:



1. Schlafen und wohnen in Burg oder Schloss:

Besetzter Raum mit großem Materialbedarf

Der Tag beginnt in einem warmen Bett, das in einem gut gelüfteten Schlafzimmer des Eigenheimes steht. Wie wenig überraschend – oder doch? Wir städtischen Mitteleuropäer betrachten es als eine Art Grundrecht, auf diese Weise wohl geschützt und auf angenehme Weise Erholung vom vergangenen Tag finden zu können. Massive Wände, stabile Fenster und Türen schützen vor Wetter und Übergriffen – nicht nur bei Nacht, sondern auch am Tag. Lediglich mit Gewalt kann man ungefragt in eine solche Wohnung gelangen, wie wir sie kennen. Es ist nicht ganz einfach, diesem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis einen wirklich passenden Grundgedanken zuzuordnen. Am passendsten finde ich persönlich den Vergleich mit einer Burg, die jeder von uns als seinen alltäglichen 'Schutzmantel' um sich haben möchte. In die Sprache der Pädagogik und der Psychologie übersetzt, kann ich hier auch von einem Bedürfnis nach 'Überbehütung' sprechen. Es ist wie es eben ist: Auch ich bewohne solch eine Trutzburg.

Unser hier ausgeübtes 'Gewohnheitsrecht' bringt ganz automatisch einen gewaltigen Materie-Einsatz mit sich: Zig Tonnen Baumaterial sind darin üblicherweise mit enormem Energieaufwand und einer Unzahl von verwendeten Stoffen verschiedenster Art verarbeitet. Ein Naturvolk käme da mit maximal einem Prozent Baumaterial aus, das dazu noch aus reinen, oft kompostierbaren Naturmaterialien und mit Muskelkraft verarbeitet wird. Ich will hier nicht behaupten, dass das Leben in der Natur in jedem Falle das bessere Leben wäre. Es gibt jedoch vieles Grundsätzliche daran, was für uns Mitteleuropäer zur Orientierung für ein ökologisches Bauen bedenkenswert wäre: weniger Masse, weniger Energieaufwand, weniger Flächenverbrauch, gesundheitlich unbedenkliche und problemlos abbaubare Materialen, um hier nur Einiges zu benennen. Plastik im Bett? In Form von Holzschutz-Lacken, Kissen- bzw. Bettdeckenfüllungen sowie Mikrofaser-Bettbezügen! Gewonnen in petrochemischen Werken sowie mit großen Umweltschäden bei Förderung und dem Verbleib des 'Mülls' in Wasser und Boden! Nichts davon ist wirklich nötig.

Wir denken darüber für gewöhnlich nicht nach – weder beim Wachen noch beim Schlafen. Das sind alles scheinbare Selbstverständlichkeiten in unserem Kulturkreis. Doch wer die Natur nicht ausbeuten und seine eigenen Lebensgrundlagen in gutem Zustand vorfinden bzw. hinterlassen möchte, der kann sich mit solchen 'Selbstverständlichkeiten' nicht abfinden, weil sie neben ihren Annehmlichkeiten für uns auch gleichzeitig zerstörerisch wirken. Wenn nicht für mich, dann zumindest für andere. Und wie wirkt deren Leid auf mich zurück?

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(kompostierbare Kirche aus dem frühen Mittelalter: Symbol für eine ökologische Zukunftsvision)


2. Digitale Welt:

Alles stets im Blick und in schnellem persönlichen Zugriff bis in den hintersten Winkel der Welt

Nach dem Aufstehen, noch in der Dämmerung checkt der Verfasser seine Mails am Laptop oder per Smartphone, schaut wie das Wetter werden soll und in seinen Tagesplan. Er prüft das Konto und aktualisiert die Finanzen. Alles geht einfach und schnell über das Internet bzw. über das Funknetz. Komplizierte Hochtechnologie, eine aufwändige Infrastruktur und nicht zuletzt wertvolle, seltene Mineralien (die meist unter menschenunwürdigen Bedingungen gewonnen werden) wie auch große Energiemengen sind hier beteiligt.

Was findet hier statt? Organisation, Kontrolle, Überblick. Überspitzt ließe sich auch von einer gewissen 'Kontrollwut' und einem jederzeitigen Zugriffsrecht als innerer Motivation sprechen: 'Ich will alles jederzeit hier und jetzt nachsehen, überblicken, wissen, bekommen können.' Mit dem Anspruch der perfekten Vernetzung treten Internet und soziale Netzwerke an. Dass wir bei der Nutzung von Handy und Internet jede Menge Daten in kaum kontrollierbare Quellen abführen, ist eine noch kaum abschätzbare Hypothek dieser heute üblichen Datennutzungspraxis. Diese wird sehr gefördert von unserem Bestreben nach Einsparung: Es drückt sich aus in dem Versuch, Gratis-Angebote anderer für Leistungen zu nutzen, die eigentlich unsere eigene Sache sind. Wir geben der Versuchung nach, Leistungen anderer für uns nicht zu bezahlen, obwohl diese einen realen Aufwand für den Anbieter mit sich bringen. Als Gegenleistung für diesen im Grunde 'unlauteren Deal' bezahlen wir mit unseren Daten. Wir können und dürfen nicht danach fragen, auf welche Weise der genutzte Gratis-Anbieter dabei seinen angestrebten Gewinn macht. Das gilt u. a. für Konten, Suchdienste, Vergleichsportale, Mailanbieter und soziale Medien verschiedenster Art. Wer umsonst nimmt, der hat gefälligst keine unangenehmen Fragen zu stellen.

Computer, Handy, Funknetze und Internet sind hierzulande in wenigen Jahrzehnten zu einer Art von Basiskultur geworden, ohne deren Nutzung man sich sozial völlig abgehängt betrachtet. Zugegeben: Ohne das Internet wäre für mich die Wahrnehmung von Bürgerrechten weitaus weniger schlagkräftig; auch Informationen über Umweltnöte, Menschenrechtsverletzungen oder Ausbeutung von Tieren wären nicht so leicht und schnell erhältlich und darauf reagierbar. Die Betreiber der Netze einschließlich des Internets sähen mich allerdings lieber shoppen und konsumieren. Doch digitale Aktion mit Sinn reizt mich mehr.

Über diese Medien kann ich leicht und schnell auf Notsituationen von Menschen, Tieren und Umwelt reagieren. Aktionen lassen sich effektiv durchführen und so wirkungsvolle Hilfe schaffen bzw. organisieren. Damit sei aber nicht behauptet, ich hätte keine Erfahrungen mit Onlinekäufen. Gerade die großen Anbieter schaffen es dank ihrer Marktmacht spielend, mir ihre Angebote auf den Bildschirm zu drängen, so dass ich mich immer wieder aufraffen muss, dem 'Nächstliegenden' nicht nachzugeben, sondern bewusst gute Kleinanbieter aufzusuchen und zu nutzen. Im Bio-Lebensmittelbereich oder bei ökosozialer Kleidung habe ich längst meine Anbieter gefunden und nutze sie für die Geschäfte, die ich im eigenen Biolädchen nicht fündig werde, seit inzwischen 15 Jahren. Die Welt der großen Marken und der hinter ihnen stehenden Hochfinanz mit den oft unglücklich zu deren Vorteil agierenden Gesetzgebern lasse ich dabei erfolgreich außen vor.

Doch es gibt auch bei mir diese schwachen Minuten, in denen ich auf das aufdringliche Werben der 'Großen' hereinfalle und dem Drängen nachgebe – nicht ohne ein später folgendes Gefühl von Verrat an mir und der Mitwelt.

Ich mache mir keine Illusionen, dass sich die digitale Technik jemals wieder 'einfangen' ließe. Es gilt darum, sie sinnvoll und echten Nutzen stiftend einzusetzen. Das will gelernt und geübt werden.

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(Holzkunst an der Fassade oben abgebildeter norwegischer Stabkirche)


3. Körperreinigung, Ausscheidungen, Waschen und Putzen:

'Geschäfte' mit Materialverschwendung in einem Reinigungs- und Entsorgungspalast

Beim Betreten des Badezimmers komme ich in den Raum, der wie kein anderes Zimmer das folgende Prinzip verkörpert: zu groß, zu anspruchsvoll, gedankenlos. Mit Badewanne, Dusche, Klo und Waschbecken sowie mit Waschmaschine und Trockner und voll abwaschbarem Boden wie auch Wänden ist es der Inbegriff von Ordnung, Klarheit und Sauberkeit.

Leider ist es das aber nur bei ganz oberflächlicher Betrachtung: Für alles wird hier Trinkwasser benutzt – ein Lebensmittel. Pro Person und Tag werden in Deutschland ca. 125 Liter davon 'verbraucht'. Es wird dann mit Reinigungschemikalien und Fäkalien vermischt, die dann als 'Abwasser' – besser als Flüssigmüll zu bezeichnen – in ein öffentliches Flüssigkeits-Entsorgungsnetz geleitet. Wertvolle Rohstoffe werden also klassisch missbraucht bzw. verschwendet. Dass außerdem auch hier Hochtechnologie, äußerst viel Material und Energie eingesetzt wird, kommt noch hinzu.

Mal ehrlich: Mit Regenwasser ginge fast alles eigentlich ebenso gut. Unser Teich ist voller kleiner und größerer Wassertierarten sowie Pflanzenarten. Den Lebewesen darin geht es gut. Doch das Wasser für uns zu nutzen, kommt wegen der öffentlich geschürten Angst gegenüber Verunreinigungen und Mikroorganismen so gut wie nicht in Frage. Und dass unsere Ausscheidungen der Sache nach wertvolle Rohstoffe darstellen, kommt uns ebenso nicht in den Sinn. Also lieber ein aufwändiges Frisch- und Abwassersystem mit öffentlichen Gemeinschaftsanschlüssen, was immense Kosten nach sich zieht.

Warum werden Fäkalien nicht am Entstehungsort oder ganz ortsnah kompostiert? Das wäre eine nachhaltige Verwertung. Bei Verwendung von milden Reinigungsmitteln aller Art ist eine Abwasserreinigung durch Pflanzen problemlos möglich – ebenfalls ortsnah. Somit wären die kommunalen Abwasserleitungen weitgehend entlastet oder in erster Linie eine Zuführung zu nahe gelegenen Regenwassersammlern. Auch die aufwändigen Kläranlagen wären weitaus weniger beansprucht bzw. für den Privatbereich überflüssig.

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(anstößig? in freier Natur nicht: nach einem halben Jahr ist nichts mehr davon zu sehen, weil von Lebewesen vollständig abgebaut)


4. Essen und Trinken:

'Mahlzeit': ein eigentümliches Ding zwischen Ernährung und Wahrnehmungs-Manipulation

In unserer Gesellschaft gilt es als verpönt oder zumindest als unerwünscht, (außerhalb des eigenen Rückzugsraumes) nicht 'gut drauf' zu sein. Da dies aber nicht unserer Natur entspricht, lässt sich ein solcher Dauerzustand nur auf künstliche Weise herstellen bzw. aufrecht erhalten. Es geht uns von Natur aus allzu oft nicht besonders gut. Das ist halt so - aus guten Gründen. Wir sollen von Natur aus, passend zu unguten Situationen, das Unwohlsein spüren und uns passend darauf einstellen.

Was gilt allgemein als nicht o. k.? Auf jeden Fall z. B. müde zu sein, niedergeschlagen, schlecht gelaunt, antriebsschwach, wortkarg und in sich gekehrt. Wer so 'drauf ist', der ist nicht 'voll erreichbar', nicht belastbar; er steht nicht ganz zur Verfügung für andere, die sich ihm zuwenden wollen - meist um etwas von ihm/ihr zu bekommen.

Was im Gegenzug erwünscht ist: hellwach sein, stets ausgeglichen, freundlich, offen, aufnahmebereit und sprachlich wie auch mimisch klar, lustig, souverän und dienstbereit. Ein solcher Idealmensch existiert nicht von Natur aus. Wir wurden jedoch von klein auf kulturell darauf vorbereitet, wie man/frau jederzeit nachhelfen kann, um diesem Zustand so gut wie immer nahe zu kommen.

Das beginnt schon mit dem Wachwerden: Man soll sanft und wohlig in den Tag gerufen werden mit einem Wecker, der die Wunschmusik abspielt, während sein warmes, langsam zunehmendes Licht einen Sonnenaufgang simuliert. Eine warme Dusche soll Lebensgeister wecken, Lieblingsdüfte die Körperpflege begleiten, ein starker Bohnenkaffee die letzte Müdigkeit vertreiben, Süßes oder Herzhaftes bei einem raschen Frühstück die Laune heben. Da wird ganz schön aufgefahren, um dem Organismus in diese gewünschte Richtung einzuheizen, bevor sich in die Tretmühle der abhängigen Arbeitsverhältnisse begeben wird. Worum es hier geht:

Der eigene natürliche Zustand wird alltäglich vielfach und nicht nur am Morgen manipuliert, um dem erwünschten Bild eines 'guten Gesellschaftsmitgliedes' zu entsprechen. Und nicht nur das: So nebenbei wird ja auch versucht, auf diese Weise dem menschlichen Leid ein Schnippchen zu schlagen, indem es verdrängt werden soll.

Es gibt dazu allerlei Helferlein mit aufputschender, ausgleichender oder einschläfernder Wirkung. Die Stimmungshebung wird ganz besonders favorisiert. Süßigkeiten aller Art, Salziges, Geröstetes, Gebratenes, Gegrilltes, Geräuchertes, Fettiges - sie alle wirken in diese Richtung, weil sie Ur-Überlebensinstinkte ansprechen, für deren Befriedigung unsere Natur uns starke innere, euphorisierende Belohnungsimpulse geschaffen hat. Sie sind auch heute noch biologisch voll aktiv, obwohl wir ohne jegliche Ernährungsnot in einer Überflussgesellschaft leben.

Da alles hier Aufgezählte zum Standardrepertoire jeder 'gutbürgerlichen' Ernährung gilt, ist es allgegenwärtig und wird ständig genutzt. Alle diese 'Mittelchen' sind jederzeit frei zugänglich und keineswegs teuer. Dass Ernährung hier zur Stimmungsmanipulation missbraucht wird, ist eine kulturelle (Ab-)Normalität, die wir als Kultur betrachten, die aber in ihrer maßlosen Übernutzung eher den Stempel des Missbrauchs verdient, wenn man den Durchschnittskonsum entsprechender 'Nahrungsmittel' betrachtet.

Die eigenen inneren Impulse, soweit sie einem natürlichen eigenen Zustand entsprechen, werden künstlich überspielt und maximal noch am Rande wahrgenommen. Dieses selbstmanipulierende Alltagsverhalten ist ein wesentlicher Grund für die zahlreichenden Symptome, die unseren Alltag als (in der Medizin so bezeichnete) 'Dysfunktionen' unseres Organismus immer wieder belasten. Da gibt es organisch nichts festzustellen und trotzdem fühlen wir uns dann elend. Langfristig begünstigt dieser (aus Sicht unserer natürlichen Anlagen) stoffliche Selbstmissbrauch besonders das, was in der Schulmedizin als die (als unheilbar geltenden) Zivilisationskrankheiten wie Allergien, Rheuma, Zucker, Demenzkrankheiten und Krebs bezeichnet wird.

Was läuft da eigentlich ab?

Im Reich der Gedanken lässt sich umschreiben, wir betrachten das 'Gut-drauf-Sein' als eine Art von persönlichem Besitz, auf das wir einen Anspruch geltend machen und diesen realisieren können: „Ich will immer gut drauf sein (wie meine Vorbilder).“ Auf diese Weise machen wir uns einen eigentlich von außen her gestellten Anspruch innerlich zu eigen – so als ob er wirklich von dort her käme. So wie sich die eigene soziale Umgebung immer wieder anmaßt oder zumindest so tut, als könne sie über uns wie über einen Besitz verfügen, so unterwerfen wir uns leichtfertig diesem übergriffigen gesellschaftlichen oder kulturellen Diktat und sind bereit, uns dafür 'passend' zu machen. Sieht so etwa ein gesundes Selbstverständnis und eine realistische Selbstabgrenzung aus?

Wir lassen uns (vorwiegend durch Werbung und soziale Vorbilder) suggerieren, dass Wohlsein jederzeit machbar ist und dass seine ständige Herstellung gut für einen selbst wie auch für die anderen ist. Ein 'unkompliziertes' Miteinander wird dem So-sein-wie-man-ist vorgezogen - um den Preis der eigenen Selbstverleugnung.

Je mehr man selbst diesem immerwährenden Wohlsein nacheifert, entfremdet man sich selbst aktiv von sich selbst. Die smarte eigene 'Wellness' tut augenblicklich gut; sie führt aber auch zu einer falschen Selbst- wie auch Fremdwahrnehmung. Man sieht sich und andere über das zutreffende Maß hinaus positiv. So gelingt eine funktionierende Abgrenzung nicht angemessen. Es gibt also über die medizinischen Störungen hinaus auch eine soziale wie auch persönliche Fehleinschätzungen und dazu fehlerhafte Reaktionen, die auch zum eigenen Nachteil wirken.

In der Schulmedizin wird davon ausgegangen, dass ein Symptom mit der Krankheit übereinstimmt. Meist wird eine chemische Rezeptur als Mittel 'gegen die Krankheit' angesehen, verordnet und vom Patienten zu seiner Gesundung eingenommen. Die Behandlung ist somit in der Regel stofflich und lässt Geist wie auch Seele des Erkrankten außen vor. Er braucht nichts in seinem Alltag zu ändern und kann 'so weitermachen wie bisher'.

Der Arzt mit diesem Selbstverständnis betrachtet sich als derjenige, der als Fachmann über die Krankheit des Patienten Bescheid weiß und darum die Behandlung auch selbst bestimmen kann. Der Patient wird mehr oder weniger Objekt der ärztlichen Behandlung. Er braucht keine Selbstverantwortung zu übernehmen. Er schlüpft somit als Erwachsener zumindest in eine Kind-Rolle und das auch noch mehr oder weniger freiwillig!

Ganzheitliche Medizin im Gegensatz dazu schließt auch das Seelische und Geistige in seine Ursachenforschung und Behandlung mit ein. Was in mir und in meiner Lebensumgebung setzt sich wie zusammen und wie gehe ich damit um? Passt das, was ich denke, fühle und mache, zusammen und komme ich zu funktionierenden Lösungen meiner Probleme? Was ist dysfunktional und benötigt Überarbeitung?

Hier suchen also Therapeut und Patient gemeinsam nach Wesen, Ursachen und Lösungen für das, was sich als Gesundheitsstörung der eigenen gewohnten Alltagsführung in den Weg stellt. Zuhören und Zeit sind wesentliche Merkmale einer ganzheitlichen Behandlung, während Apparate und Chemikalien in ihr nicht eine zentrale Rolle spielen. Der gesundheitlich Hilfe und Begleitung Suchende bleibt Subjekt seines Lebens und übernimmt federführend Verantwortung für die aktuell unzufrieden stellenden Resultate. Doch diese Art Medizin fristet hierzulande nur ein Nischendasein, obwohl sie auch aktive Gesondheitsvorsorge betreibt, während die Schulmedizin gegen bereits vorhandene Krankheitssymptome vorgeht.
Wie kurzsichtig ein solcher Vorgang sein kann, soll ein so genanntes 'offenes Bein' belegen: Das ist eine vom Körper geschaffene Körperöffnung an Schwachstellen des Fußgelenkes oder unteren Schienbeins, über die er längerfristig im Körper angesammelte Problemstoffe ausscheidet. Das ist unappetitlich. Gleichzeitig besteht Infektionsgefahr über längere Zeit, in der man eine offene Wunde versorgen muss. Fast logisch erscheint hier vielen eine Hauttransplantation zum Wundverschluss. Nur übersieht diese Logik den eigentlichen Sinn dieser Körperöffnung und bekämpft sie darum als Krankheit: Der Körper reinigt sich über sie und befreit sich von eingelagerten Giften. Nicht selten erleiden Patienten nach einer solchen Hauttransplantation nach einigen Wochen einen Herzinfarkt oder Hirnschlag.
Medizin ist also sicher auch Sache des Geistes, anstatt kurzsichtig auf Hochtechnologie und Skalpell des 'Meisters' zu vertrauen.

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(anstößig? Ja, denn hier vegetieren eingesperrte Tiere in Schlamm und Exkrementen in unwürdiger Weise.)


5. Unterwegs sein: Mit motorisierten Kisten – Räder statt Beine

Hier geht es um jede Art von Fortbewegung – insbesondere aber um die, wenn die eigene Wohnung, der private Rückzugsort, verlassen wird. Für die meisten von uns steigt beim Öffnen der Haustür zum Straßenraum hin der Lautstärkepegel stark an. So ist das auch bei mir, obwohl ich in einer 'verkehrsberuhigten' Spielstraße wohne. Siedlungsverkehr, eine nahe gelegene Hauptstraße, die nicht weit entfernte Autobahn, eine Eisenbahnlinie sowie reger Flugverkehr und nicht zuletzt Maschinenlärm von Baustellen und aus privaten Gärten bescheren vor allem zwischen 6 und 20 Uhr eine zwar bewusst oft nicht wahrgenommene, aber doch allgegenwärtige, unterschwellige Lärmbelastung.

Wir leben in einer Welt der Maschinen. Das gilt sowohl im Privatbereich als auch im öffentlichen Raum und nicht zuletzt am Arbeitsplatz. Besonders massiv erleben das alle, die sich mit Auto, Bus und Bahn fortbewegen oder sich im öffentlichen Raum dort fortbewegen müssen, wo viel motorisierter Verkehr stattfindet.

Was für ein geistiger Hintergrund steht hinter dieser unglaublich intensiven Nutzung von Maschinen, die bei Förderung und Verbrennung erhebliche Belastungen mit sich bringt, u. a. weil diese in aller Regel von fossiler Energie angetrieben werden?

Ersparnis eigener Energien durch den Befehl an Energiesklaven, Zeitgewinn durch eine schnellere Erledigung von Fortbewegung (gegenüber dem natürlichen Bewegungsapparat) oder anderen Arbeiten vor allem. Ich spreche hier von Energie-Sklaven, weil wir die Geräte besitzen wie ein 'Herr' früher seine 'Leibeigenen'. Wir haben sie und verfügen nach Belieben über sie, um die Reichweite unserer Aktionen zu vergrößern. Ein interessanter Nebenaspekt: Durch das Nutzen bestimmter Maschinen kann man sogar sozialen Status deminstrieren.

Es ist ein selbstverständliches Bild vor unseren Augen, das sich mit dem öffentlichen städtischen Raum bietet: großflächig versiegelter Boden auf Gehwegen und Fahrbahnen, viele Lichtanlagen zur Verkehrsregelung und zur Ausleuchtung bei Dunkelheit, Gullys zur Entwässerung, viele abgestellte Autos am Straßenrand und nicht zuletzt der Geruchssinn und Ohren belästigende Verkehr durch Kraftfahrzeuge. Das präsentiert sich uns alltäglich so, als ob es sich dabei um eine Art von Naturgesetzlichkeit handeln würde.

Während ich diese Zeilen Tippe, höre ich den Lüfter meines Laptops, am Haus vorbei fahrende PKW und Düsenjets im Landeanflug. Was uns Beweglichkeit und rascheren Zugriff auf andere Orte ermöglicht, hat unsere gesamte Lebensumgebung reichlich naturfern umgestaltet.

Doch alles das ist menschengemacht und damit auch änderbar. Ich habe im Haushalt die Zahl der Küchenmaschinen deutlich verringert, obwohl immer noch etliche dort verbleiben: Kühlschrank, Elektroherd, Wasserkocher, Trinkwasser-Umkehrosmoseanlage, Mixer, Getreidemühle. Dennoch hat sich vieles verändert. Ich mache viel mehr mit der Hand und verwende vor allem vorwiegend Frischwaren vom Biohof. Auch die Fußbodenreinigung wurde wieder Handarbeit: Steinfußböden und Parkett lassen sich gut fegen und wischen. Die Gartenarbeit erledige ich ohne Maschinenlärm. Für meine Mobilität habe ich das Fahrrad aus der Nische geholt und es zum wesentlichen Transportmittel gemacht – für Kurzstrecken wie für Ausflüge.

Es ist vieles möglich, wenn der vernünftige Rotstift am üblichen Maschinenpark angesetzt werden soll. Dabei wird viel Lärm und Umweltbelastung durch Emmissionen vermieden, ohne dass die eigene Lebensqualität leidet. Es bereitet im Gegenteil Erfolgserlebnisse, wenn ich die Tätigkeiten als solche wertschätze, bewältige und mit Hingabe erledige. Arbeiten werden wieder der eigenen Natur mehr angepasst und die Maschine gibt nicht mehr den Takt vor.

Das ist weder ein Schritt zurück ins Gestern noch Nostalgie. Ich habe nur teilweise meine Technikverliebtheit zurückgefahren – mit Gewinn für mich und das 'Große Ganze'. Dennoch: Mein ökologischer Fußabdruck ist immer noch deutlich höher als das, was für die Erde als verkraftbar berechnet wurde.

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(auf Fahrradtour durch Venlo: Maasbrücke für Bahn, Fußgänger und Radfahrer - technikgetränkte Landschaft)


6. Was nicht mehr benötigt wird:

Unsere rein menschliche Erfindung des Mülls als kaum abzahlbare Zukunftshypothek

In einem stark materiebetonten Lebensalltag fällt extern massenweise Material an, das wir nicht mehr benötigen. Das meiste davon wird als sogenannter Müll weggeworfen. Ehe ich aber auf dieses eingehe, möchte ich unser innerorganisches Nicht-mehr-Benötigtes beleuchten. Innerorganisch sind wir durch die Evolution auf einen ständigen Materieaustausch zwischen Außen- und Innenwelt programmiert. Atmung, Nahrungsaufnahme und Zellerneuerung sind die massemäßig wesentlichsten Faktoren dabei.

Die Atmung transportiert die größte Masse an Materie: Etwa alle 3 Sekunden ein Atemzug von ca. 1,5 Liter Luft ergibt im Tageslauf mehr als 50 kg Gasaustausch mit der Außenwelt. Über Essen und Trinken, feste und flüssige Ausscheidungen und über die Haut werden weitere ca. 4 kg flüssige und feste Materie mit der Umwelt ausgetauscht. Aufnahme und Ausscheidungen halten sich dabei die Waage. Beim Punkt 'Badezimmer' kam unsere fatale Neigung, Werkstoffe der Natur als problematisch, wertlos und unerwünscht umzudeuten, bereits zur Sprache: Urin und Kot werden zu Müll und verlieren dabei Ihren Wert als Rohstoff für anderes Leben auf dieser Welt. Zum Glück gilt unsere ausgeatmete Luft noch nicht als ein technisch zu beseitigendes Abgas.

Hier bietet sich eine Frage nach unseren inneren Einstellungen an, die zu einem so naturfernen Verhalten führen. Wir scheinen uns wie autoritäre Potentaten aufzuführen, die wir als 'Demokraten' doch nach außen hin so heftig ablehnen. Dabei betrachten wir die Mitwelt als fast beliebige Verfügungsmasse ohne besonderen Wert, wenn wir es Gewerbetreibenden und uns selbst gestatten, Materialien aus der Mitwelt nach Gutdünken zu entnehmen, zu verarbeiten und nicht Erwünschtes ebenso dorthin wieder zurück zu geben. Wir stellen uns damit einen Persilschein aus, mit unserer (auch fernsten) Umgebung machen zu können, was wir wollen. Bestenfalls sind wir bereit, unsere unendliche Maßlosigkeit zur Beruhigung des eigenen Gewissens und zur Demonstration unseres fortschrittlichen Lebensstils ab und zu etwas zu zügeln. Auch lassen wir uns nur ungern staatliche Vorschriften gefallen, die diesem Treiben Grenzen setzen. Dabei wird gerne von einer 'grünen Diktatur' gesprochen.

Von Natur aus ist das, was wir als Müll bezeichnen, einfach nicht vorgesehen. Es kommt nur bei uns Menschen vor, die nicht mehr im Einklang mit der Natur leben wie im Gegenteil dazu die indigenen Völker, die wir hierzulande auch gerne als primitiv in ihrer kulturellen Entwicklung abwerten. Doch gerade diese 'Primitiven' leben tatsächlich müllfrei. Sie entnehmen der Natur nicht mehr als sie benötigen und lassen das nicht mehr Brauchbare in Form von kompostierbarem bzw. erodierbarem Naturmaterial in ihrer Umwelt zurück.

Wir jedoch empfinden diese Menschen als rückständig und als arm; ihre Kultur betrachten wir in unserer Hybris, 'Krone der Schöpfung' zu sein, als unterentwickelt. Dabei sind sie unter uns Menschen ohne Zweifel seit Jahrtausenden die erfolgreichsten Umweltschützer weltweit. Wir vertreiben sie dennoch gewaltsam aus ihren Lebensräumen durch unseren ungebändigten Rohstoffhunger und unsere ungezügelten Besitzansprüche. Es sind ja nur unbedeutende Kollateralschäden, wenn wir die Indigenen in unserem Überlegenheitswahn ihrer Lebensgrundlagen berauben.

Nun zum Müll: Gleich zu Beginn muss ich in Erinnerung rufen, dass wir nicht nicht nur unserer organisierten Abfallwirtschaft festen und flüssigen Müll anvertrauen. Es fällt durch unsere Lebensweise und Wirtschaftsweise auch gasförmiger, flüssiger und fester Müll an, der weitgehend unkontrolliert in Luft, Wasser und Böden gelangt.

Für 2013 veröffentlicht die Wikipedia von uns Deutschen einen Wert von 617 kg pro Person und Jahr. Hiermit sind allerdings nur die Mengen erfasst, die über die Müllabfuhr 'entsorgt' werden. Ist dieser Wert alleine schon Besorgnis erregend, so muss ich leider feststellen, dass das nicht mehr als die Spitze des tatsächlichen Müllberges ist.

Beziehe ich das Abwasser aus den Haushalten mit ein, dann sind das pro Person und Tag bereits ca. 125 Liter, die ebenfalls in Form von Urinsalzen, Kot-Feststoff und Reinigungsmitteln aller Art weitere 0,2 kg Feststoff enthalten. Es werden somit jährlich weitere über 45.000 kg Flüssigmaterial aufbereitet, deren Reinheit jedoch nach ihrer 'Klärung' in der Natur immer noch nicht unproblematisch ist. Mehr als 70 kg Feststoff pro Person bleiben jährlich als Klärschlamm übrig, der für die Landwirtschaft unbrauchbar ist, weil er mit belastenden Substanzen kontaminiert ist.

Mit viel Wohlwollen liegt das Müllaufkommen jetzt bei 690 kg pro Person und Jahr. Doch das ist noch nicht alles: Gut bekannt ist der Wert, der jährlich pro Person und Jahr an CO2 als Abgas aus fossilen Verbrennungsprozessen bei Produktion, Verkehr und durch das Heizen in die Atmosphäre geleitet wird. Er liegt aktuell für uns Deutsche bei ca. 10.000 kg jährlich.

Was die Statistiken also über das Müllaufkommen aussagen, suggeriert uns eine überschaubare Menge an Problemstoffen, die wir ständig in die Umwelt entlassen. Das stimmt aber kaum mit der Realität überein. Es sei vor meiner auf bescheidenen, unvollständigen Daten folgenden Addition daran erinnert, dass die von uns verantwortete Regenwaldabholzung Unmengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre gelangen, das Gleiche gilt für unsere Massentierhaltung. Die vorherrschende industrielle Landwirtschaft bringt Unmengen von Dünger, Mist und Gülle sowie Pflanzengiften auf die Felder aus, die die Böden kontaminieren und das Grundwasser schwer belasten.

Das alles geschieht großenteils völlig legal, was soviel bedeutet, dass unsere Gesetze so gemacht sind, dass sie diese Praxis für einen kurzfristigen Vorteil von niedrigen Handelspreisen deckt. Dieser Teufelspakt ist zwischen Produzenten, Konsumenten und den gesetzgebenden Regierungen geschlossen. Ein Herausreden des Einzelnen ist somit unmöglich. Jeder trägt unzweifelhaft Mitverantwortung daran.

Es ist eigentlich müßig, hier am Ende eine Zahl für das Müllaufkommen pro Kopf und Jahr aufzurechnen. Meine Zahlen liefern ja bereits mindestens knapp 11.000 kg nahe, wobei noch sehr Vieles unberücksichtigt bleibt. Ich wage zu behaupten, dass eine Masse von zigtausend Kilogramm pro Person und Jahr unsere wahre Müllfracht ist, mit der wir unsere Mitwelt belasten. Warum soll das so viel sein? Nur noch ein weiteres Beispiel aus der Statistik des Umweltbundesamtes: „Im Jahr 2014 war die deutsche Landwirtschaft für die Emission von rund 66 Millionen Tonnen (Mio. t) Kohlendioxid (CO2)-Äquivalenten verantwortlich. Das sind 7,3 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen dieses Jahres.“ (http://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas). Das bedeutet schon wieder eine enorme Müllmenge. Es ließen sich zahlreiche weitere Beispiele finden, doch ich will den Rahmen dieses äußerst unerfreulichen Themas hier nicht sprengen.

Das bleibt am Ende: Wir Menschen in den reichen Industrienationen belasten die Mitwelt durch unsere Lebensweise im Bereich von zigtausend Tonnen Müll verschiedenster Art, die größtenteils unkontrolliert in Boden, Gewässer und Luft gelangen. Sie strapazieren dadurch die natürlichen Kreisläufe in einem gewaltigen Ausmaß, weil diese nicht auf die Zusammensetzung der eingeleiteten Fremdstoffe vorbereitet und ausgelegt sind. Alles das bedroht unsere eigenen Lebensgrundlagen und nicht nur die der uns umgebenden Mitwelt.

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(Einblick in Teile des privaten Sanitärpalastes)


Es wird Abend und der im Verdrängen nicht mehr so fähige Autor steht wie seit Jahrzehnten vor dem, womit er und seine Mitmenschen dieser Welt und sich gegenseitig zur Last fallen. Es hilft nicht zu fragen, wie wir in eine solche Problemkultur geraten sind. Die Frage ist eher nach Wegen in eine lebensförderlichere Zukunft, die nur in unserem eigenen privaten Alltag beginnen kann – verstärkt durch unsere Vernetzung mit Menschen, die ähnlich wie wir sehen, fühlen und anders handeln wollen als es heute mehrheitlich üblich ist.

Meine Träume, mit denen ich den Tageslauf beschließe, bedrängen mich oft mit beklemmenden Bildern bzw. Situationen. Doch machen mich die nicht ängstlicher. Ich habe mir erarbeitet, sie als Hinweisschilder oder als Leuchtfeuer für neues Denken, Sehen, Fühlen und Handeln anzusehen und zu verwenden. Sie sind alles andere als bequem oder angenehm, doch die führen mich überdeutlich an wunde Punkte in mir, in meiner Mitwelt bzw. meiner Lebensführung.

Schlaf ist eben nicht nur Erholung vom Vortag, sondern auch Vorbereitung auf das, was der neue Tag bringt.

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(wo der neue Tag freundlich begrüßen soll...)