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(am 27. Januar 2017 in Berlin auf Demo für eine Landwirtschaft ohne industrielle Erzeugung, ohne Gentechnik und ohne Massentierhaltung)


27. 6. 2017



Keine Frage: Die geopolitischen Aussichten sind trotz der aktuellen europäischen Treueschwüre nicht gerade rosig. Es liegt zu vieles über Kreuz:

- Die europäische Union ist alles andere als gefestigt, weil die unterschiedlichen nationalen Interessenlagen kaum miteinander vereinbar sind.

- Es gibt über 60 Millionen aktuelle Flüchtlinge vor Gewalt, Krieg, klimabedingtem Verlust der eigenen Lebensgrundlagen, politischer Verfolgung und wirtschaftlicher und kultureller/gesellschaftlicher Perspektivlosigkeit in der eigenen Heimat.

- Autokratische und populistische Strömungen werden vor allem von denen als Heilsbringer gesehen, die sich in der bisher vorherrschenden Politik als abgehängt sehen und die sich für ihre Lage Verbesserungen erhoffen bzw. diese auch erwarten.

- Die weltweite Finanzkrise eines abgekoppelten und nach wie vor entfesselten Finanzsektors breitet sich ungebremst durch fast alle Lebensbereiche weltweit aus. Dieser Sektor verfügt über ungezügelte Kraft, die selbst von mächtigen Staaten nicht kontrolliert werden kann.

- Lobbyismus durchzieht die Parlamente und drängt mit Macht auf immer neue Konstruktionen, die Geldflüsse von 'unten nach oben' organisiert abziehen, wobei vor der Privatisierung von ureigenen Allgemeingütern nicht Halt gemacht wird. Auch Staaten sollen sich privaten, nicht demokratisch legalisierten Schiedsgerichten beugen müssen und finanziell bluten.

- Nicht zuletzt gibt es große militärische Deals in autokratisch geführte Krisengebiete und das offene Säbelrasseln von Lenkern der militärisch stärksten Staaten dieser Welt. Man ist sich scheinbar einig darin, dass Waffengang eine 'gute' und ordentliche Option im Bereich der Politik darstellt.

Auf den ersten Blick mag man meinen: Da habe ich doch wohl nichts mit zu tun. Das ist ganz 'hohe Liga'. Und was kann ich als Einzelner da schon zum Besseren bewirken? Gegen solche Kräfte bin ich doch machtlos.

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(am 25. Juni 2017 in Lüttich zur 90-Kilometer-Menschenkette für die Abschaltung der Atomkraftwerke Tihange und Doel)

[b]Wer Demokratie, Gerechtigkeit, Frieden, eine intakte Umwelt, Mitfühlen und Toleranz liebt, der kann sich solch einen passiven Fatalismus nicht leisten.
Er/sie fragt auch nicht nur in erster Linie nach äußeren Strukturen oder gar Sündenböcken für unerwünschte Begleiterscheinungen in seinem Leben, sondern untersucht zumindest ebenso entschlossen den eigenen Alltag danach, inwieweit er solche Strömungen begünstigt wie die

- von Autokraten und Populisten,
- von Reichtum und Macht Ansammelnden,
- von Gewaltbereiten und solchen, die bewaffnete Auseinandersetzungen für brauchbare Politik halten,
- von Konzernen, die eigenenen Profit über Menschenrechte, gerechte Einkommensverteilung und einen ausreichenden Schutz der Umwelt stellen, begünstigt.

Das alles will ich in seinen Auswirkungen für mich nicht und sie darum würde ich es auch von meiner Mitwelt gerne fern halten.
[/b]Doch die Realität zeigt mir, dass solche Strukturen gestärkt aus den vergangenen 10 Jahren hervorgehen. Insofern mache ich mir keine Illusionen für eine rasche Lösung in meinem Sinne.


Ich komme nicht daran vorbei, nach meinem eigenen Tun für eine intakte Mitwelt und soziale Strukturen sowie nach meiner eigenen Verstrickung in diese Unwesen' zu fragen:
- Stehe ich selbst aktiv im politischen Leben und gestalte es kreativ mit? Nehme ich alltäglich Einfluss auf das, was in meiner nahen und ferneren Umgebung die Welt und die Menschen bedrängt?
- Unterstütze ich persönlich, wirtschaftlich und mental das, was ich in dieser Welt verwirklicht sehen will?
- Welche eigenen Motivati':onen widerstreben den beiden zuvor genannten Bereichen?
- Was kann ich mit vertretbarem Aufwand daran ändern, um eine deutliche Entlastung meiner Mitwelt zu fördern?

Beispiele für problematische eigene Verstrickungen lassen sich bei eigenem guten Willen leicht auffinden. Ich betreibe das hier nur am eigenen Beispiel, um die Gedanken meiner Leser ein wenig anzuregen. Ich beleuchte dabei nur die laufende Woche:

1. Bei meiner Teilnahme an der Menschenkette für die Abschaltung der Atomkraftwerke ging es nicht ohne das Auto, wenn auch in einer Vierer-Fahrgemeinschaft. Dennoch: Treibstoffverbrauch und Beteiligung von Ölkonzernen, Aotoherstellern, Straßenverschleiß zugunsten von großen Bauunternehmen und nicht zuletzt dem Staat als Steuereinnehmer - ein Gemeinwesen, das ziemlich konzernorientiert arbeitet und somit Demokratie, Umweltschutz, Verbraucherschutz und Verteilungsgerechtigkeit nicht ausreichend fördert.

2. Wenn ich am Sonntag vor dem G20-Gipfel in Hamburg für mehr Demokratie, Umweltschutz, Einkommensgerechtigkeit und eine friedliche Politik demostriere, nutze ich die Deutsche Bahn, die kräftig Atom- und Braunkohlenstrom verwendet. Ich füttere ihre Geldanleger und wiederum den konzernfreundlichen Staat. Auch so eine persönliche Entscheidung ist eine zweischneidige Sache.

3. Im Alltag ernähre ich mich etwas zu üppig, wie ich an meiner Figur ablesen kann. Mit 15 kg weniger würde ich etwa ein Siebtel Ressourcen von meiner Ernährung für andere frei geben.

4. Ich nutze Smartphone und Laptop - beides nicht aus nachhaltiger Produktion - wie auch? Die Hersteller-Konzerne und deren Geldgeber profitieren. Das gilt gleichermaßen für die Internet- und Funk-Infrastruktur, die wiederum von überwiegend großen Anbietern betrieben werden. Außerdem sind diese Bereiche sehr energieintensiv und damit alles andere als umweltschonend. Über die Mehrwertsteuer ist der Staat auch wieder mit im Boot - fast alles schön konzernlastig und einen daran orientierten Staat stärkend!

5. Biologische Medikamente habe ich über eine niederländische Versandapotheke bezogen, statt über die Ortsteil-Apotheke zu bestellen. Das fördert die Konzentration im Anbieterbereich und auch den Versandbereich, in dem der Niedriglohnbereich sich ständig ausweitet - eigentlich mehr die Regel als die Ausnahme ist.

6. Fahrten zu einem Pflegeheimbesuch und zu einem Einkauf fanden wegen unsicherer Wetterlage mit dem Auto statt. Wieder Umweltbelastung, Ölförderung, Staat und Autohersteller, anstatt das Ganze terminlich zu verlegen oder sich mit dem Rad regenfest zu machen.

Diese kurze Beispielsammlung zeit, wie 'automatisch' leicht ich in die Fänge von Strukturen gerate, durch die die Mitwelt aller so erheblich belastet und geschädigt wird - ebenso das Einhergehen mit Demokratieabbau, Terrorismus-Begünstigung, Gewalt, Bewaffnung und Kriegführung, ungerechte Verteilung der Mittel, Umweltzerstörung etc..

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(auf der Protestwelle 2. Jli 2017 für eine andere Politik der G 20-Staaten) in Hamburg: Dies ist das kreative Werk einer jungen süddeutschen Gruppe)

Wie gerne würde ich sagen, dass ich damit nichts zu tun hätte. Geht leider nicht! Das gilt praktisch für jeden von uns und insofern sind wir fast alle erheblich daran beteiligt, dass gerade die Strukturen gestärkt werden, die wir ökologisch Interessierten eben eher schwächen und zurückdrängen wollen. Wir sind mitschuldig und daraus folgt die praktische Alltagsaufgabe, daran in unserem Sinne zu wirken, dass es sich zu einem Besseren entwickelt.

zu 1. und 2.: Wenn ich meine politischen Aktivitäten stärker im eigenen Ortsbereich konzentriere, dann kann ich zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sein, telefonieren oder mailen. Ob ich ohne Großdemonstrationen auskomme, habe ich von Fall zu Fall zu entscheiden.
zu 3.: Die Sache mit Essen und Trinken bleibt bei meiner charakterlichen Disposition eine lebenslange Aufgabe, dabei sparsamer zu sein, saisonal und regional sowie auch möglichst wenig verarbeitet. Für einen in eine üppige Genusswelt Sozialisierten keine leichte Aufgabe!
zu 4.: Auch hier ist Sparsamkeit oberstes Gebot. Das Smartphone ist vorwiegend zum Telefonieren, zum Nachrichten schreiben und auswärts bei Bedarf fürs Internet. Ansonsten links liegen lassen. Am Computer regele ich Geldsachen, Mailverkehr und ab und zu einen Blogbeitrag, ansonsten einige Recherchen.
zu 5.: Für mich ist die Online-Apotheke finanziell vorteilhaft, aber nicht für den Fortbestand der Ortsteil-Apotheke. Auch der Versand zu ihr ist effektiver als der zu mir. Ich selbst kann dort mit dem Rad abholen.
zu 6.: Solche Fahrten mache ich alleine mit dem Rad; zu zweit fahren wir ohnehin mit dem Auto. Generell ist das Rad in der Stadt fast immer günstiger, kaum langsamer und immer umweltfreundlicher. Wann immer zum Einkaufen, Besuchen und zu Botenfahrten oder Terminen: Das Rad hat erste Wahl zu sein.


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