Die Tagung fand vom 29.-30.09.2010 an der Hochschule für Agrar- und Umweltpaedagogik in Wien statt.


Ein paar Eckpunkte habe ich aus dem Vortrag (s.u.) herausnotiert:

Versuchsaufbau: Über 11 Jahre wurden auf einem Versuchsacker Parzellen mit Kompost, Mineraldünger und einer Mischung aus beidem versorgt und im Vergleich zueinander und zu ungedüngtem Boden ausgewertet.

Die Untersuchungsergebnisse ermöglichen Schlussfolgerungen

- zur verbleibenden Fruchtbarkeit des Bodens nach der Ernte,

- zur Lebendverbauung (gemeint ist das Bodenleben, das sind die "Mistproduzenten" im Boden beim nutztierlosen Landbau. Ihre Versorgung mit energiereichem Material ist wichtig, damit sie ihre "Aufgaben" erfüllen können: die Aufarbeitung der Ernterückstände mitsamt der Sporen, also auch die Umwandlung der Pathogene im Boden und an den Ernterückständen, damit die folgenden Kulturen nicht infiziert werden).

- zum Kohlenstoffgehalt,

- zum Stickstoffgehalt.

Weitere Untersuchungskriterien und Ergebnisse:

- Bodenverdichtung (alle 3 Jahre Kompostgaben, statt jedes Jahr verringert die Bodenverdichtung).

- Stickstoffauswaschung: Kein Anstieg der N-frachten im Grundwasser bei Kompostdüngung.

- Anfälligkeit gegen Krankheiten: Mineralische Stickstoffdüngung fördert Getreidemehltaubefall im Ggs. zur kompostversorgten Parzelle. (Offenbar wurden keine Pestizide eingesetzt).

- Erträge: Kompost ist eine langsam fließende Nährstoffquelle, wohingegen Mineraldünger die Pflanzen eher mästet, was die Pflanzen anfangs üppiger aussehen läßt, zum Erntezeitpunkt jedoch haben die biologisch angebauten aufgeholt.

- Schwermetallbelastung (weniger Cadmium u.a. Schwermetalle bei Kompostdüngung gegenüber Mineraldüngung. Begründung: Schwermetalle werden festgelegt im Humus. Der Gegenspieler Kali ist im Kompost dauerhaft pflanzenverfügbar - eine gute Kaliversorgung wiederum verdrängt das Cadmiumangebot im Boden. Es besteht eine Konkurrenz zwischen Kali und Cadmium).
Die geringere Schwermetallbelastung des Biogemüses ist eine mögliche Erklärung, warum Kaninchen, Hühner und Ratten Bioprodukte bevorzugen.

- Die Mykorrhiza wird durch Kompost gefördert und unterstützt die Pflanzen, die mit Mykorrhizen Gemeinschaften eingehen, bei der Nährstoffaufnahme aus größerer Entfernung, wo die Pflanzenwurzel nicht hinkommt, über Hyphen, was auch zu höherer Trockenheitstoleranz der Pflanzen führt.
Mineraldünger verträgt die Mykorrhiza hingegen nicht.

- Regenwürmer kommen, wie kaum anders zu erwarten bei Kompostdüngung in großer Zahl vor, bei Mineraldüngung kaum. Folglich finden sich dort auch weniger Röhrengänge, die von Pflanzen gern genutzt werden.

- Kompost im Apfelanbau verbessert das Wasser- und Nährstoffhaltevermögen im Boden und das Zucker-Säure-Verhältnis in der Frucht.

- Auch im Weinbau Verbesserungen durch Kompost u.a. zur Unkrautregulierung.

- CO2-Kreislauf:
Bekommt das Bodenleben energiereiche Nahrung, atmet der Boden CO2 aus. CO2 = ertragsbestimmender Faktor: Pflanzen brauchen - gerade bei Wassermangel - CO2.
Permanente Begrünung des Bodens ist daher sinnvoll, um CO2 gleich wieder aufzufangen auf dem Feld (Gründüngung).

Noch etwas zur Gründüngung:
- Zottelwicke z.B. sorgt für eine kontinuierliche Ernährung des Bodenlebens. Die Wurzeln wachsen im Winter in die Tiefe dorthin, wo der Boden warm ist, mit der Folge einer guten Humus- und Nährstoffversorgung und Bodenlockerung auch in der Tiefe: Gute Voraussetzung für Nachfrüchte.
- Verschiedene Leguminosenuntersaaten (unter Weizen, Mais ...) werden vorgestellt,
- Buchweizen mobilisiert Phosphor.

Hier gehts zum Vortrag: "Ergebnisse aus langjährigen Kompostversuchen; Humusaufbau im Biolandbau - Dr. Wilfried Hartl, Bioforschung AUSTRIA" (41 Minuten)