Herr Ermecke, Sie fordern andere und mich auf, ihr Papier „Rettung vor den Klimarettern“ zu kommentieren, ja sogar zu widerlegen.

Da stellt sich für mich, ohne das Papier erneut gelesen zu haben, eine ganz einfache Ansicht. Es gibt zwei Möglichkeiten: Es gibt einen Klimawandel (auf die Definitionsfrage haben Sie schon aufmerksam gemacht, dazu später mehr) oder nicht. Gibt es keinen Klimawandel, ist alles in Butter. Gibt es einen Klimawandel (immerhin ist der Begriff schon sehr viel besser, als eine Pauschalisierung zu Klimaerwärmung, auch dazu später mehr) gibt es circa zwei Möglichkeiten: Der Klimawandel ist überwiegend menschengemacht, oder er ist überwiegend menschenunabhängig. Nennen wir den menschenunabhängigen Klimawandel der Einfachheit halber „natürlich“. Gegen diesen natürlichen Klimawandel sind wir Menschen wohl machtlos beim Kurieren der Ursache, nicht aber bei den Symptomen. Die Symptome sollen hier aber nicht behandelt werden. Es steht außer Zweifel, dass das Klima seit „Geburt“ der Erde sich ständig wandelt. Von vielen Klimaskeptikern wird genau das gerne zum Anlass genommen, eben nichts auch gegen einen menschengemachten Klimawandel zu unternehmen. Wenn wir den menschengemachten Klimawandel leugnen, dann ist auch alles in Butter und wir müssen uns lediglich um die Symptome kümmern. Es geht in Herrn Ermeckes Papier aber um den menschengemachten Klimawandel. Oder eben auch nicht: Er und seine Mitstreiter haben mit dem Papier bewiesen, dass es den menschengemachten Klimawandel nicht gibt. Und zwar nach eigenen Angaben so unwidersprüchlich bewiesen, dass jede weitere Diskussion oder Forschung unnötig seien. Ich finde es schon sehr dreist, mit einigen wenigen Seiten jahrzehntelange Forschung auf vielen Gebieten von hundertausenden Wissenschaftlern ab absurdum zu führen. So ist Wissenschaft: meistens für die Katz. Wenn Herr Ermecke recht hätte, gönne ich ihm ein Nobelpreisabonnement in allen Fachrichtungen für die nächsten zehn Jahre. In seinem Papier versucht er die Basis für das ganze Thema zu wiederlegen, nämlich, dass CO2 keinen Treibhauseffekt verursacht. Ich vergleiche den Effekt gerne mit dem Beweis, dass 1+1 nicht 2 ergibt. Beide „Beweise“ würden ganze Heerscharen von Wissenschaftlern in arge Not bringen. Seit Jahrzehnten ist niemandem dieser Fehler aufgefallen? In meinen Augen ein sehr unwahrscheinliches Szenario.

Schaue ich mir sein Papier an, komme ich zum Schluss, dass Herr Ermecke die Welt doch nicht neu erfunden hat. Sein „Beweis“ ist für mich sogar so dilettantisch geführt, dass sich eine Diskussion eigentlich gar nicht lohnt. Aber sie muss wohl geführt werden. Beim Lesen des Papiers fällt mir als erste vertrauenserweiternde Maßnahme auf, dass noch nicht einmal die deutsche Rechtschreibung beherrscht wird. Nein, mir passieren auch mal Flüchtigkeitsfehler. Über den ganzen polemischen Vorspann brauche eigentlich auch keine Worte zu verlieren, trifft die Argumentation Herrn Ermecke selber. Cui Bono, wenn er selber als Wirtschaftsberater an Klimaleugnern verdient?

Seine Behauptungen:

1. Nur CO2 ist ein Treibhausgas.
2. Es gibt kein Treibhauseffekt.
3. CO2 ist kein Treibhausgas.

Zu seiner ersten Behauptung: er sagt, dass nur CO2 ein Treibhausgas sei. Und deswegen spricht er auch in seinem Papier nur von CO2 als der Stoff, der seiner Meinung nach das ganze Unheil anrichtet. Das ist falsch. Es gibt mehrere solcher Gase. Die wichtigsten sind daneben Methan, Distickstoffoxid, Halogenierte Fluorkohlenwasserstofe, Perfluorierte Kohlenwasserstoffe, Wasserdampf und Schwefelhexafluorid. Ihnen ist gemein, dass sie die Strahlung und Temperatur beeinflussen. Ja, Herr Ermecke kennt sich damit aus. Sein Beweis, dass CO2 eben kein Treibhausgas fußt darauf. Sollte CO2 wirklich kein Treibhausgas sein, übernehmen die anderen Gase diese Rollen. Man kann ja immerhin ausrechnen, welcher Faktor andere Gase Treibhauseffekt in Bezug auf CO2 haben (CO2-Äquivalent).
(Herr Ermecke arbeitet gerne mit Fußnoten. In einer Fußnote fügt er an, dass er in seinem Papier eben nicht nur CO2 als Klimagas meint, sondern es stellvertretend einsetzt für CH4 (Methan), N2O (Lachgas), O3 (Ozon), und H2O (Wasserdampfgas, also nicht Nebel bzw. Wolken!). Und wenn man noch genauer hinschaut, dann kritisiert er lediglich, dass der Begriff „Treibhausgas“, bzw. der Vergleich des Klimawandels mit einem Treibhaus benutzt wird. Über Begriffe kann man stets trefflich streiten. Ob man die Erde mit einem Treibhaus vergleichen kann? Nun gut: Er vergleicht sie auch mit einer Herdplatte. Ist das falscher? Richtiger? Dass in einem Treibhaus höhere Temperaturen herrschen als drumherum, mag kaum jemand ernsthaft bezweifeln. Aber genau das hat Herr Ermecke offensichtlich bewiesen: dass es in einem Treibhaus eben nicht wärmer ist als außen.)

Zu seiner zweiten Behauptung: Seine Analyse beginnt er indem er behauptet, dass es gar keinen Treibhauseffekt gibt. Er bestreitet konsequenterweise auch, dass Gase überhaupt in der Lage sind, auf einem Planeten Temperatur zu halten. Er nennt es „natürlichen Treibhauseffekt“, ohne den ist es auf der Erde -18 °C kühl. Der Mond ist zwar kein Planet, aber er eignet sich zum Vergleich. Er ist quasi genauso weit von der Sonne entfernt, hat aber kaum Atmosphäre. Und wie warm ist es dort? Schwer zu sagen. Die Oberflächentemperatur schwankt von -130 °C bis 160 °C. Weil eben die Gase fehlen, die die Temperatur halten. Genauso verhält es sich auch auf anderen Planeten, die keine oder nur sehr wenig Atmosphäre hat. Es gibt also einen Effekt, der auf Gase zurückzuführen ist. Dass Gase auf der Kugel Erde im Weltraum sind, bestreitet er aber indem er behauptet, Gase könnten keine Temperatur halten. So direkt sagt er das nicht. Er fragt aber: „Unter welchen Bedingungen könnte jetzt die Erde überhaupt erwärmt bleiben?“ und „beweist“ es. Oben habe ich bewiesen, dass die Erde erwärmt bleibt. Würde Herr Ermecke die Atmosphäre mit seinen Energie- und Strahlungshaushalt einbeziehen, sieht seine Rechnung ganz anders aus.
Allein diese Behauptung hat es in sich: Steigt die Temperatur um 2 °C, steigt auch Kühlleistung der Erde um 3 %. Wie kann man aus einem absoluten Temperaturanstieg einen relativen Anstieg ableiten? Das geht schon mal mathematisch nicht. Prozentual sind 2 K bei einem Anstieg von 2 °C auf 5 °C etwas anderes, als von 88 °c auf 90 °C. Das ist relativ egal, wenn der Temperaturanstieg innerhalb eines Stoffes innerhalb eines Aggregatzustandes stattfindet. Das nennt man spezifische Wärmekapazität c. Es geht in dem Beispiel von Herrn Ermecke auch nicht um die Atmosphäre, die es ja nach Herrn Ermecke gar nicht gibt, so kann es nur um die Erde gehen. Ok, bestimmt meint er nur die Erdoberfläche. Diese ist aber nicht nur einstofflich und einige dieser Stoffe ändern auch noch den Aggregatzustand.

Herr Ermecke „beweist“ seine dritte Behauptung mit dem Experiment von Wood. Robert W. Wood war Professor für Experimentalphysik an der Johns Hopkins University in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland, der schon 1909 bewiesen haben soll, dass es keinen Treibhauseffekt gebe. Aber schon in den Annahmen von Herr Ermecke unterläuft ihm ein Fehler. Er nimmt an, dass die Sonne lediglich sichtbares Licht auf die Erde sendet. Er unterstreicht dabei sogar das Wort „sichtbar“. Das ist falsch. Die Sonne strahlt ein breites Band, das von Röntgenstrahlen bis langen Radiowellen reicht. Das Maximum ist in der Tat im sichtbaren Licht bei ca. 500 nm Wellenlänge (gelb-grünes Licht). Herr Ermecke selber zeigt wie man eine Hypothese widerlegt: man überprüft die Grundannahmen. Da seine Annahme der Sonnenstrahlung schon falsch ist, sind die Schlussfolgerungen auch falsch, damit ist seine Behauptung also auch falsch. Oh, da bin ich ja zu schnell fertig. Nö, ich mache etwas weiter. Dass es keinen Treibhauseffekt gibt schließt Herr Ermecke ausschließlich aus dem Experiment von Wood. Was hat Wood denn bewiesen? Er hat lediglich bewiesen, dass in zwei gleichen Kästen mit verschiedenen Deckeln unterschiedliche Lufttemperaturen herrschen und dass diese höher als die Umgebungstemperatur sind. Sonst nichts. Er geht nicht auf die wichtigen Kennzahlen ein, wie zum Beispiel Durchlässigkeit des Glases für Infrarotstrahlung. In dem Wood’schen Experiment spielt Gas keine Rolle. Ein Upscaling von Kästen auf die Erdkugel wird nicht angedacht, analysiert oder durchgeführt. So kann ich auch „beweisen“, dass 1+1 nicht 2 ergibt: Ein Tropfen Wasser plus ein anderer Tropfen Wasser gibt nicht zwei Tropfen Wasser, sondern bleibt ein Tropfen Wasser. Und der „Beweis“ lässt sich sogar auf größere, festere Dinge upscalen: Ein Planet plus ein anderer Planet gibt neben einigen rumschwirrenden Brocken auch nur einen Planeten.
Die nun zusammengefassten Irrtümer verwirren mich. Was ist in „Irrtum 1“ der Irrtum? Wer irrt denn überhaupt? Hier der Text:

„Das Sonnenlicht durchdringt die Atmosphäre ungehindert, denn es ist „sichtbar“ bzw. „kurzwellig“. Wood zeigt, daß das Sonnenlicht einen großen IR-Anteil aufweist. Es kann daher die Atmosphäre nicht ungehindert durchdringen.“

Wer behauptet, dass Sonnenlicht die Atmosphäre ungehindert durchdringt? Wood? Ermecke? Klimaforscher? Nein, letztere nicht. Sie wissen, dass ein Teil der von der Sonne ankommenden Strahlung von der Atmosphäre reflektiert oder absorbiert wird (Herr Ermecke weiß das später in seinem Papier auch. Also ist die Irrtumsliste eine Liste der Wood-Irrtümer!?). Auch dass das Sonnenlicht nicht nur sichtbar, bzw. kurzwellig ist, weiß die moderne Forschung (Auch Herr Ermecke weiß das später, belegt es mit sogar mit einer netten Grafik. Weiter oben in seinem Papier setzt er aber voraus, dass die Sonne nur sichtbares Licht entsendet. Was gilt denn nun in dem Modell Ermecke?). Was hat das aber mit der Durchdringung der Atmosphäre oder dem Experiment zu tun? Was Wood zeigt, nämlich dass Sonnenlicht einen Anteil Infrarotstrahlung aufweist, war vor 100 Jahren vielleicht neu, heute aber Stoff für Gymnasien. Der einzige Satz, der stimmt, ist der letzte. Der ganze Irrtum ist also recht undurchsichtig. Zweifelhafte Behauptungen, komische Schlussfolgerungen. Ich weiß nicht, was Herr Ermecke damit sagen will. Auch die nächsten beiden „Irrtümer“ sind für mich undurchsichtig. Ich sehe hier nichts bewiesen oder widerlegt.

Aber Herr Ermecke geht noch weiter und beweist seine Thesen selber weg. Die ganzen wissenschaftlichen Begriffe, Definitionen und so sind ganz nett, geben dem Papier aber nur einen seriösen Anstrich, den es gar nicht hat. Oben „bewies“ er, dass die Erde gar keine Atmosphäre hat. Hier, im dritten Teil seiner Analyse setzt er sie voraus. Nun bedient er sich genau den Erkenntnissen und Forschungen der Klimaforschung, kommt aber zu einem ganz anderen Ergebnis. Seine Beschreibungen der Energiebilanz decken sich mit denen der Klimaforscher. Warum kommt er aber zu einem anderen Ergebnis? Er vereinfacht zu stark und überdreht Effekte. So tauchen Ergebnisse auf, die im Ansatz zwar richtig sind, aber durch die Überdrehung eben ins Gegenteil umschwenken, bis sie ihm passen. Alle Kritikpunkte, die er findet, sind bekannt. Er stürzt sich auf die Wolken. Es ist bekannt, dass Wolken Sonnenlicht zum Teil reflektieren. Seine „Berechnungen“ dazu sind aber ungenau. Es kommt weniger darauf an, wie viele Wolken am Himmel sind, sondern eher, wo sie sind. Das entscheidende Maß für die „Rückstrahlfähigkeit“ der Erde ist die gesamte Rückstrahlfähigkeit der Erde und nicht nur der Wolken. Die „Rückstrahlfähigkeit“ nennt man Albedo. Wolken über einer Eisfläche ändern am Albedo nichts, über einem Wald aber schon. Aber darum geht es gar nicht. Es geht doch darum, dass er beweisen will, dass es keinen Treibhauseffekt gibt. Nun, er beweist ihn sogar! Er schreibt richtig, dass die Treibhausgase wie ein Sonnenschirm wirken. Genau das ist der Treibhauseffekt. Treibhausgase sind nämlich recht dumm, sie wissen nicht, wo unten oder oben ist. Sie können daher nicht unterscheiden, ob sie einen Sonnenstrahl zurückwerfen sollen oder nicht. Das verlangt aber Herr Ermecke, wenn er möchte, dass die Strahlen zwar von der Erde weg strahlen dürfen (sein Abkühleffekt), aber nicht auf die Erde treffen dürfen (sein Sonnenschirmeffekt). Daher ist derselbe Reflexionsgrad, der die Sonnenstrahlen ins Weltall zurückwerfen auch der Reflexionsgrad, der die Sonnenstrahlen auf die Erde zurückwerfen. Herr Ermecke könnte den Treibhauseffekt mit seinen eigenen Zahlen sogar errechnen. Er schreibt:

„Wenn aber die Erde zu 70% durch die „Treibhausgase“ gekühlt wird, dann fällt es schwer zu verstehen, warum ein Mehr an diesen Gasen plötzlich zu einer schlechteren Kühlung führen soll!“

Folgt man dieser Argumentation, kommt man darauf: Wenn die Erde zu 70 % von Treibhausgasen gekühlt wird, dann kommen doch wohl 30 % auf der Erdoberfläche an. Nicht ganz, weil weitere 13 % von den Wolken reflektiert werden. Diese sind aber bereits in der Atmosphäre, womit also ein Teil dieser 13 % und alles, was vom Boden reflektiert wird (nach Ermecke 17 %) zurückgestrahlt wird, nach Aussagen Herrn Ermeckes also kühlen. Richtig! Aber die 17 % des Bodens werden ebenfalls zu 70 % von den Treibhausgasen und zu 13 % von den Wolken zurückgestrahlt. Von den 13 %, die von Wolken reflektiert werden, wird ein Teil ebenfalls von den Treibhausgasen auf die Erde zurückgestrahlt. Das mehr an Treibhausgasen erhöht also nicht nur den Anteil, der zurückgestrahlt wird, sondern auch den Anteil, der somit auf der Erde bleibt, die sich dadurch eher erwärmt. Bewiesen mit den Argumenten Herrn Ermeckes und eine klasse Überleitung zum Thema „Definition“ Klimawandel.

Herr Ermecke bedauert, dass er keine offizielle Definition des Begriffs „Klimawandel“ oder „Klimaerwärmung“ bekommt. Vorneweg: ich kann sie auch nicht geben. Das erste Problem ergibt sich schon mal aus der Unterscheidung von „natürlichem“ und menschengemachtem Klimawandel. Wie schon erwähnt, steht es außer Zweifel, dass das Klima sich auch ohne Menschen ständig ändert. Es geht aber bei der Klimadebatte um den Anteil, den die Menschen beitragen. Das perfide dabei ist, dass man höchstens abschätzen kann, wie sich das Klima mit veränderten Parametern ändert. Und nach allem, was die Wissenschaft glaubt zu wissen, gibt es keine gleichmäßige Erwärmung. Es gibt durchaus Gebiete, die sogar kälter werden sollen oder aus dem Klimawandel ihre Vorteil ziehen. Aber das sind nur Abschätzungen nach bestem Wissen und Gewissen. Somit gibt es also keine genaue Definition, was „Klimawandel“ ist. Sicher ist nur: das Klima ändert sich vor allem durch menschlichen Einfluss und es wird für die meisten Menschen eher ungemütlicher. Der Vergleich mit dem Auto ohne Sicht passt ganz gut. Sollen die Insassen auf die Bremse drücken oder nicht? Es ist nicht gewiss, ob sie einen Unfall bauen. Aber sinnvoller ist es schon, das Risiko nicht einzugehen. Genauso sinnvoll ist es trotz der Unsicherheit in der Prognose der Auswirkungen, auf die Bremse des Klimagasausstoßes zu drücken. Auch, wenn es noch ganz andere Argumente für solches Handeln gibt.