Generation TO GO – immer fein unverbindlich bleiben, bloß nicht festlegen müssen

oder „old school“ digital remastered





Immer unterwegs – immer gehetzt

Nur keinen Trend verpassen, immer schnell noch auf den fahrenden Zug aufspringen.

Hauptsache Hipp sein.

Wir unterwerfen uns gnadenlos dem Diktat der Mobilität und Flexibilität.

Hauptsache, unverbindlich bleiben, bloß nicht festlegen.

Die Mode von gestern ist heute schon mega-out. Und überhaupt, die Lieblings-Boutique hat gerade SALE – da muß man natürlich hin.

Ich frage mich immer, ob überhaupt Jemand realisiert, was SALE eigentlich bedeutet..

Egal, Hauptsache englisch, auch wenn es keiner versteht…

Neulich hab ich erlebt, wie ein Kind zutiefst gefrustet war, weil es einen Kakao wollte.

Die Mutter hatte die Karte angesehen und „hot chocolate“ bestellt, bekam aber dann einen mit Schokolade gefüllten Brownie.

Solange niemand bei SUN FUN auch ein neues chinesisches Restaurant erwartet oder fragt, ob der Kaffee TOGO auch wirklich aus TOGO kommt, weil doch eigentlich der aus Guatemala besser wäre…..☺



Der aktuelle Wegwerf-Stil TO GO gilt jedenfalls mittlerweile für alle Lebensbereiche. Ex und hopp allenthalben.

Selbst in der Kirche, wo man ja sonst nicht unbedingt immer die allerneuesten Trends erwarten kann, gab es kürzlich „Advent To GO“.

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Und das nicht etwa in Berlin oder München, sondern in Prüm in der Eifel. ..


Früher gab es Arbeitnehmer, die 30 oder noch mehr Jahre in ein und derselben Position in ein und derselben Firma beschäftigt waren.

Heute wird umorganisiert, umstrukturiert, outgesourced, Tochterfirmen gekauft, andere verkauft und kaum eine Firmenstruktur bleibt über einen längeren Zeitraum unverändert.

Das gibt es wohl nur noch bei Behörden, wo manchmal ein wenig neue Struktur und etwas mehr Felixibilität durchaus hilfreich wären.

Ich will jetzt nicht auf „früher war mehr Lametta“ und „es war nicht immer alles schlecht“ rumreiten, aber irgendwie ist es doch so…

Der Streß von heute ist die gute alte Zeit von übermorgen.


DAMALS:

Es gab Menschen, die viele Jahre in der gleichen Wohnung lebten.

Es gab Paare, die Jahrzehnte miteinander verbracht haben.

Heute geht der trend zum One-Night-Stand oder maximal zum Lebens-Abschnitts-Gefährten.

Selbst im Sport legt man sich heute nicht mehr gern fest.

Warum denn in den Tauchverein gehen? Dieses Jahr geh ich tauchen, nächstes Jahr surfen und

im nächsten Jahr probiere ich vielleicht mal Bogenschießen.

Deshalb klagen viele Vereine über Mitglieder-Schwund und die Sportanbieter im Urlaub sind nicht mehr NUR Surf-Center oder Tauchschule, sondern bieten gleich das ganze Programm von Kiten, Segeln, Wasserski und Kanu fahren bis Paragliden.

Gut für die Qualität der gebotenen Leistungen ist das eher selten.

Von allem etwas und nix richtig – also genau richtig für den aktuellen Zeitgeist.



Sich festlegen müssen und Regelmäßigkeit in die Freizeit bringen, ist nicht beliebt.

Auch zum Chor wollen viele nicht mehr regelmäßig gehen. Dann lieber ab und ab, wenn es terminlich gerade paßt zum Rudelsingen. Das ist ja schließlich auch viel unverbindlicher.


Habt ihr schon mal versucht, euch schon Donnerstag mit Freunden zum Kinobesuch am Samstag zu verabreden?

Früher war das kein Problem. Da hat man einfach vereinbart, wir treffen uns am Samstag um 5 vor 8 vor dem Kino und alles war gut.

Heute telefoniert man am Donnerstag. Dann muß erst mal das Programm gegoogelt werden und dann spricht man noch mal kurz miteinander. Schließlich kann man sich so weit einigen, dass dieser oder jener Film eventuell sehenswert sein könnte.

Aber lass uns vorher noch mal telefonieren…



Also, zwei, drei Tage im voraus für irgend etwas verabreden, ist echt uncool.

Man weiß ja gar nicht, was noch so alles passiert.

Da kann man sich doch jetzt noch nicht festlegen.

Ist das irgendwie ziemlich anstrengend auf die Dauer?



Stress pur, wohin man sieht.

Kaum Jemand nimmt sich mehr die Zeit, irgendwas in Ruhe zu tun.

Hier noch schnell ein Selfie gemacht und hochgeladen, da eine what’s app beantwortet und schnell auch noch mal meine Profile bei Instagramm, Twitter und Facebook gecheckt.

Man muß ja schließlich wissen, was so gerade los ist.

Früher wurden Erlebnisse fotografiert, heute werden Events organisiert, um zu das zu fotografieren und das Ganze auf den sozialen Netzwerken hochzuladen. Das geht schon bei dem Kindergeburtstag los.


Ich bin noch analog aufgewachsen und nur digital remastered und muß sagen, es war nicht alles schlecht, was in der Vergangenheit so üblich war.

Aber ich bin auch nicht in der beliebten Zielgruppe AC.

Nein, das hat nichts mit Gleichstrom zu tun und auch nix mit Highway to hell.

AC steht für adult contemporary und meint die 20 bis 50 Jährigen.

Ehrlich, manchmal bin ich echt froh, dass ich schon etwas älter bin und nicht jedem neuen Trend hinterherjagen muß. Ich darf einfach „old school“ sein. Wie schön ☺.

Schließlich sind auch RETRO und VINTAGE STYLE neue Trends.

Ehrlich, ich finde, Jeder kreist nur noch endlos um sich selbst als Nabel der Welt.


Ich würde ja gern die Welt retten, aber schließlich muß ich erst noch eben meine e-mails checken.

Beherrschen wir noch die Technik oder tyrannisiert uns unser smartphone mit permanenten Nachfragen, updates, downloads, Apps …

i phone, i tunes, t pod – me myself and I

Geht’s noch?? Ich muß hier weg und fahr mal in die i-fel….

Im Ernst jetzt, Schwanzvergleich per Auto als Statussymbol ist auch nicht mehr der Bringer, viel besser definiert man sich heute über die Anzahl seiner smart phones, seiner apps, seiner tablets, seiner Alexa…..



Das Richtige bleibt richtig, auch wenn Niemand das Richtige tut.

Und das Falsche bleibt falsch, auch wenn alle es tun.



Al Gore


Immer schnell und multitasking..

Dabei fällt mir sofort eine Frau ein, die ich öfters morgens hier sehe.

Meist ist sie per Fahrrad unterwegs (prima, dann ist der Sport für heute schon gleich abgehakt), im Anhänger sitzt das Kind, was auf diesem Weg zum Kindergarten gebracht wird.

Am Fahrrad läuft der Hund, der gleichzeitig Gassi geführt wird und irgendwie schafft sie es auch noch, ein Handy in der Hand zu halten und mit dem Gatten den Einkaufszettel durchzugehen.

RESPEKT! Das ist multitasking par excellence…

Lieber wäre mir allerdings, die gute Frau hätte auch noch ein Auge auf den Weg.

Dann müsste ich nicht immer Angst haben, dass sie entweder mich oder sich selbst über den Haufen fährt.

Im Ernst, muß das sein??


Die Technik macht große Fortschritte und wir lassen uns helfen, wo immer es möglich ist.

Ob althergebrachte Errungenschaften wie Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler der Staubsauer-Roboter und schwarze Box, die für mich den richtigen Musiktitel raus sucht.

Alles wird mir abgenommen, ich brauche keinen Handschlag mehr zu viel zu tun.

Lebensmittel lass ich mir liefern. Klamotten lasse ich stylisch extra für mich zusammenstellen und ebenfalls in’s Haus liefern.

Zum Ausgleich fahre ich dann abends in die Mucki-Bude und stell mich dort auf das Laufband.

Aber auch das lässt sich noch kompensieren und optimieren. Manches Fitness-Studio bietet Spezialtraining, so daß schon 20 Minuten völlig ausreichen.

Aber auch das lässt sich noch verkürzen:

Dieses Video verspricht high intensity workouts schon ab 7 Minuten.

http://www.fitforfun.de/sport/weitere-sportarten/7-minuten-workout-was-bringt-das-kurze-workout_aid_14405.html

Dabei kann man natürlich ganz nebenbei auch noch Nachrichten sehen, seine Lieblingsmusik hören oder sogar eine Fremdsprache lernen.



Und wenn mir dann mein Leben zu stressig vorkommt, geh ich zum Yoga oder zur Atem-Entspannung.

Welch eine Idiotie!

Wen wundert es, dass viele Leute 1000 Dinge anfangen und doch nichts gebacken kriegen.

Auch das liegt voll im Trend.

Sich fest für eine Sache entscheiden, entschlossen vorzugehen und beharrlich dabei zu bleiben - vielleicht auch mal gegen Hindernisse anzukämpfen - ist doch auch ziemlich mühsam.

Da ist es doch viel einfacher, sofort umzuschwenken, sobald irgendwo Probleme auftauchen.

Mich durchbeißen – warum? Dann mach ich jetzt mal lieber was anderes.

Herausforderungen annehmen?

Das gilt wohl nur noch in Spiel-Shows – eher nicht im normalen Leben.

Da wird bei der kleinsten Krise sogar der Partner schnell ausgetauscht.



Spießig geht später immer noch. Irgendwann will ich vielleicht doch 9 to 5. Dann lass ich mich über Parship verlieben und finde den Elite Partner für das Reihenhaus am Stadtrand. Das Kind kann ich zukünftig sicher auch online in der Gen-Datenbank bestellen und alle gewünschten Eigenschaften zu meinem individuellen Mix kombinieren. Natürlich ohne lästige Nebenwirkungen wie zukünftige Erbkrankheiten, Krebserkrankungen etc.



Ich klinge wie uralte Oma, aber es gibt technische Errungenschaften, auf die ich gut verzichten kann.

Selektion im Mutterleib oder noch davor gehört dazu. Es gibt aktuell schon genug solcher Dinge.

Auch hier bin ich froh, dass ich das in letzter Konsequenz hoffentlich nicht mehr erleben muß.
Da lobe ich mir die Gnade früher Geburt - hihi..



Früher wurde morgens noch gemütlich zu Hause gefrühstückt. Jetzt gibt es den Cafe TO GO
unterwegs und ein verpacktes Sandwich von der Tanke.

Mittags der eingeschweißte, schon geschnippelte Salat. Das Dressing im separaten Becher direkt dabei.

Sogar verzehrfertig große Bananenstückchen kann ich fertig in Plastik für meinen
„Lunch“ kaufen.

Falls ich wirklich mal kochen will, lass ich mir die Kochbox kommen, dort sind schon alle Zutaten für das Rezept mit drin.

Mal ganz davon abgesehen, was dieser Lebensstil ernährungstechnisch bedeutet, ist uns eigentlich klar, welche Umweltkatastrophen wir damit anrichten??

Unmengen von Plastik, die unsere Erde komplett zumüllen.

Allein die Coffee-to-go Masche erzeugt 320.000 Plastikbecher pro Stunde allein in Deutschland.
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Die Meere sind voller Abfall, rieisige Plastikinseln haben sich gebildet.

Es ist mehr Plastik als Plankton in unseren Ozeanen.

Mikroplastik findet sich überall – auch im menschlichen Blut.

https://www.sein.de/plastik-im-blut/

Das kann doch so nicht weiter gehen, oder ?

Natürlich kann ich meinen eigenen Thermobecher mitnehmen und den Kaffee da rein füllen lassen.

Aber das eigentliche Problem ist meiner Ansicht nach dieser schnelllebige, stets unverbindlich bleiben wollende Lebensstil.

Was soll aus unseren Kindern werden, wenn die Erziehung schon jetzt oftmals dem Privatfernsehen überlassen wird?

Viele halten dann scripted reality Serien wirklich für echte Realität.

Da schneidet dann im Vergleich dazu die eigene erlebte Wirklichkeit schlecht gegen ab.

Egal: cool bleiben, Lockerheit vermitteln, kann alles, weiß alles, nichts kann einen überraschen. Zumindest nach außen tut man so.



Da sind Schulen und Lehrer oft auch hilflos.

Warum auch Vokabeln pauken und Formeln lernen, Kevin Justin Jason glaubt fest, dass er doch irgendwann einfach in die neue Supershow gehen, Millionen abräumen und ein Star werden kann.



Und wenn wirklich mal ein Jugendlicher Angaben machen kann, was er denn werden möchte, dann ist es „irgendwas mit Medien halt“.

Der künftige Entscheider und Global Player der Zukunft jobbt dann erst mal auf Probe, als Praktikant oder Trainee. Später vielleicht als Freelancer. Oder macht ein Start-up – das klingt auch immer gut.

Wer nix wird, kann sich immer noch für Supervision entscheiden oder selbst auf Coach machen und anderen erklären, was er selbst nicht fertig bringt.

Und wenn’s nicht passt, dann eben nicht.“ If in doubt, let out“.

Dann eben key accounts und Kernkompetenzen schärfen.

Im Job später sind heute ohnehin die „great pretender“ und Kompetenzsimulanten gefragt.

Es zählt nicht mehr, wer seinen Job wirklich erledigt kriegt.

Es zählt viel mehr, wer sich am besten darstellen kann.

Also, immer fein auf „Mister Wichtig“ machen.

Das ist viel effektiver, als seinen Job zu tun.

Was dabei raus kommt sieht man bei den CEO in der Wirtschaft aber genauso bei unseren Nachwuchspolitikern. Viel Seifenblasen, wenig Substanz.

Man hat halt von der Pieke auf gelernt, einen auf dicke Hose zu machen – auch wenn es eher eine Windhose ist.

Die Fähigkeit zur authentischen Selbstdarstellung ist die wohl die wichtigste Qualifikation, die man heute für den Erfolg braucht.

Wir sind eben auch nur human ressources mit wichtigen Projekten und high workflow.

Wir haben stets features und deadllines im Augen, wollen aber auch auf die work-life-balance achten und die after-work-party nicht versäumen.

„Play it cool“, kannst es immer noch pitchen, wenn’s suboptimal läuft.

Schaff dir einen creative point im coworking space oder im intelligence center oder mach gleich einen think tank daraus mit krassen peoples und fettem brainstorming.

Und natürlich mußt du nebenbei auch auf Xing stets präsent sein, um weiter connections für influencer people und business zu kriegen – networking ist essential nowadays.

BOAH EYE – ich kann es nicht mehr hören!

Kennt ihr auch Leute, die so reden??



Zugegeben, meine Schilderungen hier mögen überzogen sein, aber manchmal bin ich echt genervt von all dem.



Andererseits beobachte ich auch einen ganz anderen Trend.

Ich nenn es mal Extrem-Öko.

Da gibt es Leute, die es schaffen, komplett aus unserer „normalen“ Konsumwelt auszusteigen.

Ob Fruktarier, Selbstversorgen oder komplette Komsumverweigerer.

Manche ziehen in die Öko-WG, manche kaufen keine Lebensmittel mehr und können sich doch irgendwie ernähren.

Andere schaffen es komplett auf Plastik oder sogar fast völlig auf Müll zu verzichten.

Manche sparen Wasser, wo auch immer es geht, andere wollen 365 Tage lang das gleiche Kleid tragen.

Viele Menschen, die andere Wege gehen wollen und dabei auch sehr extreme Lösungen nicht scheuen.

Das scheint auch quer durch alle Generationen zu gehen.

Einfach ein neuer Trend von Menschen, die eine andere Welt wollen.

Bleibt zu hoffen, dass es kein schnelllebiger, kurzzeitiger Trend ist, sondern eine langfristig wachsende Entwicklung, die zu nachhaltiger Veränderung führen wird.



Ich bin da eher so dazwischen, ganz unverbindlich. Kann mich noch nicht festlegen, erst mal sehen, was geht…. ☺



Wie seht ihr das?

Könnt ihr dazu was sagen oder sollen wir lieber erst noch mal whatsappen??