Was für die einen daherkommt wie eine typische Beschäftigung für Öko-Futzis, ist für mich die perfekte Kombination aus spaßigem Hobby und praktischer Nachhaltigkeit. Wenn ich mich mit Naturseife wasche - und es gibt sowohl Seife für den Körper als auch extra welche fürs Gesicht und die Haare -, dann weiß ich, was drin ist. Ich habe die Öle selbst ausgesucht, an ihnen vorher geschnuppert, ihnen bei der magischen Verwandlung im Topf von Fett zu Seife zugeschaut und sie voller Vorfreude in meine Lieblings-Förmchen gegossen. Es macht einfach Spaß. Ich kann mir aussuchen, welche Pflegewirkung ich möchte. Ich kann sie parfümieren oder es auch lassen. Ich kann sie mit Milch von Kuh, Schaf oder Ziege verfeinern, Honig und andere schaumfördernde Zutaten beigeben, oder sie zu einer Peelingseife mit Kräutern machen. Ich habe eine geruchsbindende Kaffeeseife für die Küche, eine Duschseife mit Milch und Honig, eine Shampooseife mit Rosmarin oder vielleicht auch eine lecker riechende Schokoseife mit echter Banane drin (macht cremigen Schaum) für die Gäste im Bad. Ich habe die Auswahl, die ich möchte.

Wenn ich Seife verschenke, werde ich manchmal mit den altbekannten Vorurteilen konfrontiert: Seife trocknet die Haut aus. Das mag für den Mist aus dem Supermarkt durchaus zutreffen. Ich selbst würde mir nicht freiwillig eine Markenseife aus dem Supermarkt auf den Körper schmieren. Meine eigene aber schon. Was ist der Unterschied?

Freunde und Bekannte, die meine Seifen probiert haben, sind meistens recht bald begeistert von der Pflegewirkung. Das liegt daran, dass meine Seifen eine bestimmte "Überfettung" besitzen, meistens haben sie 10% Fettüberschuss. Dieser Überschuss an Ölen kommt der Haut zugute, sie reinigt effektiv, aber eben sehr mild. Herkömmliche Seifen besitzen einen solchen Fettüberschuss meist nicht. Dafür sind sie vollgepumpt mit Konservierungsmitteln und anderen Hilfsmitteln. Industriell gefertigte Seifen werden aus Talg und synthetischen Chemikalien produziert. Glyzerin ist ein natürlicher Bestandteil von Ölen und Fetten, welcher aber bei konventionellen Seifen extrahiert und separat als Feuchtigkeitsspender verkauft wird. Da diese Seifen kein natürliches Glyzerin mehr enthalten, trocknen sie natürlich die Haut oft aus. Zusätzlich enthalten sie chemische Zusätze, meist synthetische Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe, die zu Hautreizungen oder zu allergischen Reaktionen führen können.

Naturseife, wie ich sie in meiner Küche herstelle, besteht nur aus pflanzlichen Ölen. Tierische Fette wie Rindertalg, wie es als Hauptgrundlage in Supermarktseifen vorhanden ist, lehne ich als Vegetarier ab, obwohl ich weiß, dass es ein sehr guter Rohstoff für Seifen ist. Ich weiß, dass ich es nicht brauche. Ich verwende unter anderem Olivenöl, Rapsöl, Sheabutter, Kakaobutter, Mandelöl, Kokosöl und Palmöl. Gerade letztere sind jedoch umstrittene Bestandteile, und ich habe damit begonnen, sie gegen andere geeignete Öle und Fette auszutauschen. Es ist ein sehr lohnendes Hobby und, so es der Geldbeutel nicht anders erlaubt, auch sehr preisgünstig. Man kann Margarine statt teurer Fette nehmen, Rapsöl statt Mandelöl, je nach Gusto.

Seifesieden ist ein nachhaltiges Hobby, das süchtig macht. Zum einen weckt es das Interesse an guten, gesunden Rohstoffen, Rohstoffe, die teilweise auch Nahrungsmittel sind. Zum anderen ist es ganz einfach auch ein Wasch- und Putzmittel, welches sehr gut biologisch abbaubar ist und damit den Wasserkreislauf kaum belastet.

Auf www.wasser-wissen.de findet sich folgende Info:
"Seife gilt in der Regel als leichter biologisch abbaubar als die meisten synthetischen Tenside. Beim Eintritt der Seife in die Abwässer bilden sich durch Reaktion mit vorhandenen Salzen und Säuren sofort Kalkseife und Fettsäuren, beides unlöslich und nicht oberflächenaktiv. Später erfolgt ein Zersetzungsprozess durch die im Abwasser lebenden Mikroorganismen (Totalabbau oder Mineralisation) zu Kohlensäure und Natriumhydrogencarbonat, in neutralem Abwasser . Fettstoffe, wie in Seife und Kalkseife vorhanden, sind auch Bestandteile lebender Zellen und Stoffwechselprodukte der beim Abbau aktiven Mikroorganismen und gelten somit als ohne negative Wirkung für Abwasser und Gewässer.

In der Regel ist Seife in 24 Stunden zu 80% und in ca. drei Tagen zu 99% abgebaut. Die Abbaugeschwindigkeit hängt allerdings auch entscheidend von der Seifenkonzentration und von der Art der Fettsäuren ab.
Unabhängig vom Abbauprozess der Mikroorganismen im Abwasser führt die Kalkseifenbildung und damit bewirkte Fällung dazu, dass sich die Tensidbestandteile zu 60 - 70% in der Vorklärung absetzen kann und mit dem Klärschlamm entfernt wird.
Im Gegensatz zu synthetischen, auf petrochemischer Basis hergestellten Tensiden beruht die Seifenherstellung auf einer natürlichen, nachwachsenden Rohstoffbasis. Zum Einsatz kommen vor allem Kokos- und Palmkernöl."

Das kann sich das Tensid aus dem Supermarkt nur wünschen. Ich verwende keine Konservierungsmittel. Das einzige, was die biologische Abbaubarkeit beeinträchtigen kann, sind die Zusätze wie Parfüm und Farbstoffe. Ich färbe meine Seifen zumeist mit pflanzlichen Stoffen, wie Kräutern und Extrakten. Es gibt aber auch Kosmetikpigmente. Sowohl bei diesen Pigmenten als auch den eingesetzten Parfümölen (ob ätherische Öle oder Parfümöle) bin ich mir wegen der Wirkung im Wasser nicht sicher. Zumindest kann man die Stoffe auf Allergene hin aussuchen. Einschlägige Siedershops im Internet leisten hier gute Hilfe zur Information.

Zum Sieden von Seife braucht man Lauge. Das unterscheidet echtes Seifensieden von dem Hobby des Seifengießens, bei dem fertige Seifenmasse (mit ordentlich austrocknendem Sodium Lauryl Sulfat drin) eingefärbt, parfümiert und in Formen gegossen wird. Seifensieder aber brauchen Lauge, und das macht das Hobby gleichzeitig spannend - und auch gefährlich. Man sollte es zwar nicht mit der Angst vor Natriumhydroxid oder "Ätznatron" (NaOH) übertreiben, aber gesunder Respekt ist mehr als angebracht. NaOH bekommt man in der Apotheke, oder auch in Online-Shops. Beim Sieden gehört eine komplette Sicherheitsausrüstung mit dazu: Schutzbrille, Schutzkittel und natürlich lange Handschuhe.
An dieser Stelle möchte ich allerdings keine Rezepte veröffentlichen. NaOH ist ein gefährlicher Stoff, und ich finde, vor dem eigentlichen Seifesieden sollte sich ein zukünftiger Sieder eingehend mit der Materie beschäftigen.

Wenn diese kurze Vorstellung eines wunderschönen Hobbys Interesse geweckt haben sollte, kann man sich auf www.naturseife.com umfassend über alles, was zur Herstellung einer guten Seife gehört, weiterbilden. Am besten, man lässt sich von einem erfahrenen Sieder in das Handwerk einführen, dann ist der Bammel vor der Lauge auch nicht mehr so groß. Als weiteres Forum für dieses Thema soll an dieser Stelle auch www.beautykosmos.de erwähnt werden, wo man wunderbare Rezepte finden kann.

Zusammenfassung der positiven Eigenschaften von Seifen

* natürlich vorkommende Ausgangsprodukte (Fett und Natronlauge)
* fast keine Verpackung nötig
* sehr kostengünstiges Produkt
* eine Überfettung der Seife erhöht die Hautverträglichkeit deutlich
* wenn die Seifenmoleküle in die Hautzellen eindringen, können sie vom Körper leicht
* abgebaut werden, da sie aus Fettsäuren bestehen, die auch in der Haut und dem Körper vorhanden sind.

Negative Eigenschaften von Seifen

* Kalkseifenbildung und dadurch schlechte Wirkung in Gebieten mit hartem Wasser (kann durch Beigabe von Zitronensäure in der Lauge ausgeglichen werden)

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel ein wenig Neugier auf mein Hobby geweckt habe. Nachhaltigkeit kann wirklich viel Spaß machen ;)

Naturseife - Infos