Buchtext:

Spätestens seit den aktuellen Diskussionen und Berichten in den Medien sollte klar sein, dass zu viel Fleisch auf dem Teller ungesund ist, den Klimawandel beschleunigt und noch andere unschöne Folgen wie Massen-Tierhaltung und Regenwaldabholzung hat. Doch welche Schlüsse zieht man als Verbraucher aus alledem? Muss man gleich ganz auf Fleisch verzichten? Ist das nicht genussfeindlich, überkorrekt oder gar ungesund. Reicht weniger Fleisch nicht schon aus oder ist das halbherzig und inkonsequent? Und – egal ob es um Fleisch, Milch oder Eier geht – gibt es überhaupt einen ethisch vertretbaren Weg, Tiere für unser Essen zu produzieren und zu nutzen? Wie schlimm sind die Folgen unserer Ernährungsweise wirklich? Da selbst der interessierte Konsument kaum unterscheiden kann zwischen Fakten, Halbwahrheiten und bloßen Mythen, macht sich Andreas Grabolle auf den Weg zu den verschiedensten Expert, um sich ein eigenes Urteil bilden und mit gutem Gefühl essen und genießen zu können.

Rezension:

Hatte eigentlich erwartet ein Buch voller wissenschaftlichen Abhandlungen und Analysen zu diesem Thema vorzufinden. Aber nein, A.G. schreibt und berichtet hier fast im Erzählstil, noch besser er bindet seine Person in das beschriebene Geschehen ein. Eigentlich fast sowas wie ein Stück Biographie, eben seine Wandlung vom genüsslichen Fleischesser zum Veganer. Das aber nur am Rande, sehr unauffällig, es sollte ja nicht das Hauptthema sein.

Das Buch ist trotz seiner 400 Seiten sehr kurzweilig, der Inhalt gut strukturiert in kurze Kapitel eingeteilt, seitenlange analytischen Betrachtungen, die so oft gähnend machen, sind nicht enthalten.

Es ist eine ehrliche Neugierde eines Menschen selbst zu erfahren, was hinter der Tierhaltung steckt, bzw. was dem Verbraucher oft vorenthalten wird. A.G.‘s Recherche-Einstieg zu Beginn des Buches lässt Widerliches vermuten, das wird auch bestätigt durch sein eigenes Undercover-Erlebnis.

A.G beschreibt in einer trockenen, nüchternen Art, untersetzt manchmal mit etwas Satire das gesamte System rund um die Nutztierhaltung, Fisch und Jagd und deren Auswirkung auf die Natur, die Umwelt, die Gesundheit. Selbst das Kern-Thema, die Wertigkeit und Ethik zwischen Mensch und Tier kommt zur Sprache, untermalt mit einigen Äusserungen zeitgenössischer Philosophen. Immer wieder eingeblendet wichtige Zahlen, die das Ausmass des Wahnsinns deutlich machen.

Es ist kein Zahlen- und Statistikbuch, darum auch die Kurzweile beim Lesen. Eingeflochten bei den verschiedenen Themen seine Interviews mit verschiedensten Menschen (Landwirte, Jäger, Wissenschaftler, Ärzte…), deren Argumentation.

All das und seine in dieser Zeit gemachten unterschiedlichsten Erfahrungen rund um den Vegetarismus/Veganismus mit Vegetarier/Veganer (auch Veganer sind nur Menschen) sind eine ehrliche Aufarbeitung und , scheint mir, haben zu Konsequenzen bei ihm, seiner Familie geführt, eben dass Fleisch und Co nicht glücklich macht.

Hinzu zufügen sei noch, dass seine gewonnenen Erkenntnisse nicht zu irgendwelchen moralischen Zeigefinger-Erhebungen führen.

Insgesamt, ein gut fundiertes, recherchiertes und umfassendes Buch zu diesem Thema, da m.E. gut mit Foers und Duve mithalten kann, zumal der Tatort hier ja wirklich Deutschland ist. Auch zu beachten ist seine Vielzahl an Literaturhinweisen, die belegen, dass hier ordentlich Arbeit dahintersteckt.

Meine Meinung, das Buch täte jedem gut, ob nun Omnivore oder Vegetarier/Veganer , mein Dank an Ihn für seine hier geleistete Arbeit.

Noch einige Buch-Kritiken:

„Unglaublich interessant, vielschichtig und augenöffnend.“ (PETA)

„Ein unterhaltsames aber dennoch eindringliches Buch…“ (Vier Pfoten)

„So locker, pointiert und dennoch faktenreich sind Bücher zum Thema ‚Vegan werden und bleiben‘ nur selten geschrieben.“ (animalfair.at)

„Ein sehr gelungenes Sachbuch, das nicht nur ‚eingepflanzte‘ Vegetarier, sondern auch interessierte Mischköstler zum Nach- und Umdenken anregt.“ (Vegetarierbund Deutschland)

[b] Zum Reinschnuppern (Leseprobe) der link: http://www.kein-fleisch-macht-gluecklich.de/


[/b]Interview mit Andreas Grabolle:

Herzlichen Glückwunsch Zu diesem Buch Andreas. Was waren eigentlich deine Beweggründe zu diesem Buch?

Ursprünglich wollte ich damit versuchen, eine öffentliche Debatte über unseren Fleischkonsum anregen. Mit den Büchern von Foer und Duve war das Thema 2010 und 2011 eine Zeit lang ausführlich in den Medien. Mir fehlte aber noch immer eine gerade für den Konsumenten hilfreiche Übersicht und Überprüfung der wichtigen Argumente für oder gegen das Essen von Tieren.

Du lebst heute vegan, hattest lange Zeit eine halbherzige Haltung als Vegetarier. Hat Dich die zweijährige Recherche und die Gespräche mit Deinen Interview-Partnern, Deiner Familie und neuen Bekannten dazu animiert vegan zu leben?

In der Tat dachte ich zunächst, dass die vegane Ernährung nur ein Randthema in meinem Buch werden würde. Aber die Argumente, warum man völlig auf tierische Produkte verzichten sollte, wenn einem das Wohl und das Leben von Tieren wichtig sind, fand ich sehr überzeugend. Also habe ich angefangen aufzuhören mit Milch, Käse, Eiern usw. Neue Kontakte zu sehr sympathischen Menschen, die vegan leben, haben mich dann sehr motiviert. Schließlich habe festgestellt, dass diese Lebensweise viel einfacher und erfreulicher ist, als ich mir früher vorstellen konnte. Jetzt mache ich das schon über zwei Jahre.

Kannst Du Dir vorstellen irgendwann wieder in der Zukunft zum Fleischesser zuwerden, bzw. wiedermal so herzhaft Deine Lust auf Fleisch zu frönen?

Naja, mit Prognosen für die entfernte Zukunft bin ich grundsätzlich zurückhaltend. Es müsste aber schon sehr viel in mir drin oder um mich herum passieren, um wieder zum Fleischesser zu werden. Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ich will dahin nicht mehr zurück und ich fühle mich mit meiner jetzigen Ernährung äußerst wohl. Für meinen „Fleischhunger“ kenne ich ja inzwischen genug tierfreie Alternativen.

Du hast eine kleine Tochter, ernährt ihr sie auch vegetarisch, vegan, bzw. hast Du Bedenken Kleinkinder vegan zu ernähren ( wohlgemerkt, darunter eine ausgewogene vegane Kost zu verstehen)? Oder sollen Sie alleine in ihrem Kindheitsprozess darüber entscheiden?

Zu Hause lebt sie weitestgehend vegan, mit geringen Anteilen an Milch- und Eiprodukten, da meine Frau sich vegetarisch ernährt. Das Essen in der Kita ist bis auf Fischstäbchen vegetarisch. Die Köchin dort hat aber mein Buch gekauft, vielleicht gibt es ja bald öfters auch mal veganes Essen. Bei Einladungen langt meine Tochter allerdings inzwischen gern bei Wurst und Schinken „mit Tier drin“ zu. Ich hoffe, sie entscheidet sich bald aus eigenen Stücken dagegen. Mit einer möglichst ausgewogenen Ernährung einschließlich Vitamin-B12-Ergänzung und gelegentlichen Blutuntersuchungen habe ich bei Kindern keine Bedenken mehr, wenn sie sich vollständig vegan ernähren. Diese Ernährung bietet ja auch langfristige gesundheitliche Vorteile.

Danke für die Beantwortung meiner Fragen!