Von wegen Geiz ist geil. Sachen selber machen ist grandios. Wer ist nicht stolz auf ein gelungenes Abendessen. Sagen wir ne Pizza mit eigenhändig ausgerolltem Teig und anständiger Tomatensauce statt Blechdosenware? Oder das selbst gebaute Regal, das Billy und Co. in den Schatten stellt, selbst wenn es wackelt und nicht makellos weiß ist.

DIY – do it yourself. Früher war es Standard, dass wir Dinge selbst hergestellt, repariert oder instand gesetzt haben. Heute wird alles gekauft. Neu muss es sein. Glänzen soll es. Und möglichst teuer soll es sein. Dann sind die Nachbarn beeindruckt. Doch allmählich und zum Glück wendet sich das Blatt. Mehr und mehr Menschen sind es satt, immerzu billige und doch teure (Wegwerf) Waren zu kaufen und nach kurzer Nutzzeit gleich wieder in die Tonne zu treten. Repair-Cafes sprießen aus dem Boden, im Netz tauschen sich Leute aus, geben sich Ratschläge, wie kaputte Dinge wieder flott gemacht werden oder wie man Sachen selbst baut. Nachbarn schaffen Rasenmäher gemeinsam an, Haltergemeinschaften teilen sich Fahrzeuge.

Ich finde es toll, dass Reparieren wieder in Mode kommt. Warum auch sollte man das alte Fahrrad entsorgen, wenn es sich mit ein paar Ersatzteilen wieder flott machen lässt? Statt Unsummen in ein Neues zu investieren (wozu man ja auch wieder ordentlich Geld verdienen muss, also Zeit gegen Geld tauscht), ist es günstig und ressourcenschonend, die Lebenszeit von Produkten zu verlängern.

Die Sache ist nur die: man braucht Zeit, etwas Talent, Geduld und vor allem muss man eines: es wollen. Wir wollen, und wie ... Auf unserer Reise sind wir ganz bewusst dabei, Dinge zu reparieren, zweckzuentfremden, Sachen selbst herzustellen und Nutzzeiten ins schier unendliche zu verlängern. Mein Sohn Marlon hat sogar ein eigenes Wort fürs Reparieren kreiert: paparieren. Er denkt eh, dass sein Vater alles wieder hinkriegt, was leider nicht stimmt.

Hier ist ein Auszug der Dinge, Lebensmittel und sonstiger Sachen, die wir selbst hergestellt, papariert und/oder kreiert haben:

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- ich habe eine alte LKW-Dachluke in unseren Bus eingebaut. Und dazu gleich noch ne hübsche Verkleidung gebastelt. ‹berhaupt mache ich am Bus ja so ziemlich alles in Eigenregie

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- aus einem angeschwemmtem Stück Birkenholz habe ich einen Leuchtturm für Marlon geschnitzt

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- alte Weinkisten dienen als Schubfächer im Bus

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- wir lieben Kokosnuss. Daher basteln wir viel mit den Schalen. Eine halbe Kokosnuss dient an Marlons Rad als „Einkaufskorb“. Eine andere hängt zu Hause vor dem K¸chenfenster als Vogelh‰uschen und geviertelte Kokosnüsse haben wir im Bus an die Wand geklebt, als Regalfächer für Kleinkram

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- wir haben je ein Steckenpferd und -hund für die Kinder als Nikolausgeschenk gebastelt (aus gefundenem Holz)

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- ich habe eine kleine Leiter gebaut, damit die Kinder leicht aufs Bett klettern können
- wir haben alte Kerzen am Strand gefunden und daraus super Fackeln gebaut (zu St. Martin)

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- in unserem Reisebackofen „Omnia“ (das Ding ist für Busreisende so was von empfehlenswert!) backen wir regelmäßig Brot und Kuchen

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- wir haben ca. Ω Kilo Meersalz (feinstes Fleur de Sal) aus den Felsen Nordspaniens gekratzt, gesäubert und Ñkeimfrei-gekochtì. Es würzt fast all unsere Speisen ist aber fast leer ;-(

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- am Strand beim Lagerfeuern haben wir Holzkohle zum Grillen selbst hergestellt, bzw. Waschmittel, siehe Eintrag „Waschen mit Asche“

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- wir haben Brombeeren, Maronen, Orangen, Feigen und vieles mehr gesammelt und daraus Brotaufstrich oder Marmelade gemacht
-wir haben Mandeln und Walnüsse gesammelt, oder besser gesagt: gefunden
-wir haben etliche Kräuter, Blätter und Blüten gesammelt und daraus Gewürze und Tees zubereitet

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- wir haben Tintenfisch gefangen, getötet, ausgenommen, zubereitet und gegessen

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- ich habe Marlon zwei Mal die Haare geschnitten (tat gar nicht weh, bin ja Friseursohn ;-) Meiner Frau habe ich die Spitzen geschnitten. Was das gespart hat ...
-die Klamotten unserer Kinder sind mindestens secondhand (eher mehr). Sie, wie auch wir, tragen sie, bis es wirklich nicht mehr geht. Wir stopfen Löcher, nähen Knöpfe an und schneiden Beine ab
- eigentlich finden wir ja bei jedem Spaziergang, ob im Wald oder am Strand, irgendwas Brauchbares. Oh yeah: wir sind Sachenfinder. Sei es ein Stück Seil, schönes Holz, Muscheln und manchmal sogar Geld, irgendwas ist fast immer dabei. Also, Augen auf!