Seit fast 38 Jahren wische ich mir den Hintern nach dem großen Geschäft ganz selbstverständlich mit Toilettenpapier – so lange, bis das Tuch weiß bleibt. Erst dann ist der Job des Wischers erledigt. Wie wir alle wissen, ist dazu manchmal ne Menge 4-Lagiges nötig. Doch weshalb ist dieser Vorgang so selbstverständlich? Gibt es etwa keine Alternativen?Als ich noch ein Kind war, gab es bei meinem besten Freund ein Bidet, doch der nasse Strahl mitten ins Vergnügungszentrum war mir nicht geheuer. Dann hörte ich von Menschen, die statt Papier zu wischen mit Wasser spülen. Ein Bekannter erzählte mir, dass er dazu immer ne kleine Flasche Wasser dabei hat … In manchen Kulturen ist es tabu, die rechte Hand zu reichen – es ist die Popo-Saubermachhand. Heute frage ich mich, weshalb ich nie ernstlich darüber nachgedacht habe, ob zur Ritzenhygiene nicht andere Verfahren als die Trockenreinigung sinnvoll sein könnten? Andere Völker kriegen ihren Allerwertesten ja auch papierlos sauber, wahrscheinlich sogar sauberer als wir mit unserer (Ver-) Wischtechnik, bei der wir auch noch riskieren, uns die Finger einzusauen.

Doch vorweg ein wenig Theorie zur Klopapierherstellung: Circa jeder fünfte Baum, der weltweit gefällt wird, landet in der Papierherstellung. Davon stammen wiederum rund 20 Prozent aus Urwäldern. Wie viel davon in die Kackpappenproduktion landet, ist nicht näher definiert. Jedenfalls wird das Holz zunächst zu Zellstoff verarbeitet, dann per Schiff, Zug oder LKW um die halbe Welt transportiert.

Der Zellstoff wird anschließend unter hohem Energieeinsatz verarbeitet, bis irgendwann Toilettenpapier auf ein Pappröllchen gewickelt werden kann. Man kann sich leicht vorstellen, dass bei diesen Arbeitsschritten Unmengen an CO2 und anderen Giftstoffen entstehen, gerodete Waldflächen zurück bleiben und reichlich Umverpackungen (ganz genau: Plastik) anfallen. Und wozu das alles? Ganz genau: fürn Arsch.

Der Selbstversuch zeigte jedenfalls, dass der Allerwerteste auch ohne Toilettenpapier „porentief“ rein wird, und zwar schon seit mehreren Monaten. Statt Papier mit in den Wald zu nehmen und nach getanem Geschäft einfach neben dem Haufen liegen zu lassen, tiger ich mit nem nassen Waschlappen los. Zurück beim Bus wasche ich den Waschlappen ordentlich aus und mir die Hände. Den Waschlappen hänge ich zum Trocknen auf (was meiner Frau nur bedingt gefällt). Nun wurde bei uns im Bus aus der Not eine Tugend: Da wir kein WC im Bus eingebaut haben, sondern nur einen Eimer mit Deckel zur Verfügung haben, empfiehlt es sich, in den Wald zu gehen, ne Schaufel mitzunehmen und ins Loch zu ... ihr wisst schon. So gesehen, ist Papier eher ungeschickt, man müsste es ja wieder mit zurück bringen (was meine Frau tut und mir nicht uneingeschränkt gefällt).

Jetzt mag mancher einwenden, dass er ja mit Recyclingpapier wischt. Doch ist das gut für die Umwelt? Wohl kaum. Denn auch zur Herstellung desselbigen sind Bäume nötig, zudem fallen auch hier reichlich Emissionen für Produktion, Transport etc. an. Und mit der Produktion ist es ja noch lange nicht getan. Nachdem das weiße Tuch die Wurst bedeckend in der Schüssel liegt, braucht es Unmengen Wasser, um das Papier durch die Kanalisation zu jagen und aufzulösen, dann erst wird das Grauwasser, wie die Fachleute bei der Stadtreinigung sagen, aufbereitet. Ganz klar, es wird ein Riesenaufwand betrieben, dass wir uns den Hintern mit Papier abwischen können – vor allem ein energetischer!

Hier ein paar Fakten:

Pro Kopf (oder besser gesagt Arsch?) und Jahr konsumieren die Deutschen rund 18 Kilogramm Hygienepapier.

Wer hat‘s erfunden? Die Briten: 1880 entstand die British Perforated Paper Company. In Deutschland waren es mal wieder die fleißigen Schwaben (Hans Klenk, 1928 in Ludwigsburg), die zuerst weiche, abreißbare Blättchen produzierten.

Davor, so heißt es, setzen die deutschen auf Lumpen, Schwämme, ja sogar lebendes Federvieh oder wischten, siehe da, feucht. Oder machten es wie die Bayern: Sie nahmen Blätter. Funde in einem Salzbergwerk legen jedenfalls nahe, dass Pestwurzen-Blätter in der Bronzezeit als Toilettenpapier verwendet wurden. Die Bayern nennen diese Pflanze noch heute Arschwurzen. Was mich anspornte, ebenfalls Naturprodukte zu testen. Ich kann nur sagen: lasst die Finger weg vom Moos, das fusselt.

Tja, was man alles zu diesem wundervollen Thema schreiben könnte. Für mich steht fest, nachdem ich meinen beiden Söhnen mittlerweile sicherlich schon an die Tausend mal den Popo mit dem Waschlappen sauber gewischt habe: ich will das auch. Ich möchte mir den Hintern nicht mehr mit toten Bäumen abschrubben, dabei Kotreste in die hinterste Falte reiben, Krankheiten riskieren und dann eventuell auch noch den Abfluss verstopfen und Hunderte Liter Trinkwasser vergeuden. Nein, ich wische nass. Das ist hygienischer und umweltfreundlicher. Ich muss mir nur noch überlegen, wo ich meinen Lappen zuhause aufhängen werde und wie ich Besucher (und mich) davor schütze, diesen wozu auch immer zu benutzen.

Zu guter Letzt noch eine tragische Geschichte aus Japan, die zeigt, wohin der Einsatz von Klopapier führen kann (sozusagen als Warnung). 1973, es war gerade Ölkrise und das Gerücht ging um, Klopapier würde rationiert werden. Also hamsterten die Japaner wie wild. Im November eskalierte die Situation. In einem Supermarkt wurde eine 83-jährige Frau bei einer Massenschlägerei um die Klopapierrollen schwer verletzt. Schlussendlich konnte die Regierung ihr Volk aber beruhigen, die Klopapierversorgung sicherstellen und weitere Paniken verhindern. Die Ereignisse von damals stehen heute als die “Toilettenpapier-Panik” in den japanischen Geschichtsbüchern.

Wer weiß, vielleicht steht in den Geschichtsbüchern der Zukunft ja, dass die Menschheit in früherer Zeit Toilettenpapier benutzte?



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