Du bist unterwegs, hast dreckige Klamotten und es gibt weit und breit keine Waschmaschine? Dann hab ich ne Idee: Bau dir doch selber eine! Alles was du brauchst, ist ein geeigneter Behälter mit Deckel, warmes bis heißes Wasser, ein paar runde Kieselsteine und einen Esslöffel feiner Asche. Fertig ist die Aschmaschine.Die Asche liefert das Lagerfeuer. Steine findest du am Strand. Schmutzige Wäsche hast du selbst (bei uns sorgen die Kinder dafür) genug. Die einzige Anschaffung, die Geld erfordert, ist der Behälter. Wir haben uns einen etwa 40 Zentimeter großen Eimer mit schraubbarem Deckel und zwei Henkeln in Portugal in einer Ferreteria für zwölf Euro gekauft. Wo man Wasser herbekommt muss man halt sehen, irgendwo findet sich immer ein Brunnen, ne Stranddusche, ein Bach oder sonst eine Quelle.

Das Ganze funktioniert folgendermaßen: Wäsche rein, etwas Asche und die Kieselsteine dazu, Wasser drauf gießen, Deckel zu. Die Wäsche lassen wir rund 24 Stunden einweichen, dann wird geschleudert.

Den Eimer vor der nächsten Fahrt so im Auto platzieren, dass er sicher steht. Bei uns ist das vorne im Bus, auf der Beifahrerseite, so kann Marlon bequem seine Füße darauf stellen. Während der Fahrt wird die Wäsche ordentlich durchgerüttelt, das ist unser Gratis-Schleudergang (am besten sind Schotterpisten). Nach der Fahrt wird klargespült – zwei, drei Mal, das reicht vollkommen. Anschließend auswringen und auf die Leine. Trocknen tut’s von allein, also Füße hoch!

Das Resultat ist verblüffend. Die Sachen sind echt sauber und sie riechen neutral. Von Asche oder Geruch nach Feuer keine Spur! Das Gute ist, dass wir im Vergleich zu herkömmlichen Waschmitteln relativ wenig klarspülen müssen, was super ist, denn Wasser ist auf der Reise oft knapp. An den in Asche gewaschenen Klamotten kleben zwar hinterher ein paar Partikel, doch die lassen sich nach dem Trocknen leicht abschütteln. Dafür sind die Kleider nicht so seifig wie nach der „herkömmlichen“ Waschmittel-Wäsche. Und nach künstlichem Aroma riechen die Sachen erst recht nicht, ergo muss auch keiner Angst vor Hautirritationen und so weiter haben.

Fazit: Für unsere Zwecke ist die Aschmaschine perfekt geeignet. Erstens müssen wir nicht an irgendeinem Ort lange warten, bis die Maschine (oft sind es amerikanische „Maytag“-Toplader, die eh schlecht reinigen) fertig ist. Zweitens nutzen wir die Schüttelenergie während der Fahrt, und die gibt’s umsonst. Drittens können wir unser Waschwasser unbedenklich überall hin kippen ohne Umweltschäden zu verursachen. Denn synthetische, also auf Erdöl basierende Tenside oder nicht abbaubare Substanzen, etwa Polyacrylat, gibt es bei uns nicht.

Das Einzige, was etwas tricky ist, ist das Timing. Wir müssen zusehen, dass die Wäsche auch beim nächsten Stopp klargespült und vor allem aufgehängt werden kann. Dazu brauchen wir Wasser und zudem muss der Wettergott mitspielen. Ist es zu kalt, oder regnet es, wird es mit dem Trocknen schwierig. Und wollen wir weiter, bevor alles trocken ist, hängen während der nächsten Fahrt halt ein paar Klamotten im Bus rum.

Da fragt man sich doch, weshalb man unbedingt einen sündhaft teuren, Wasser verschleudernden, Strom schluckenden und auf künstliche Waschmittel angewiesenen Automaten braucht?

Der Trick mit der Asche (Pottasche) ist übrigens uralt und weiß Gott keine neumodische Hippie-Aussteiger-Selbstversorger-Idee. Es soll dafür sogar einen Nachweis aus Mesopotamien geben, 2500 Jahre alt, ein auf Ton geritztes Rezept. Und da steht, dass Asche wäscht. Is ja klar: die Verbindung aus Asche und Wasser ergibt eine alkalische Lösung, eine Lauge. Und die reinigt. Übrigens, das Wort alkalisch bezieht sich auf al-quali, das ist arabisch und bedeutet Pflanzenasche.

Ach ja, bevor die Hygienediskussion wieder leidenschaftlich im Forum „aufkeimt“: Sind tatsächlich stark Keim belastende Kleidungsstücke dabei, Unnerbuxen, Spültücher oder gar Waschlappen für den Allerwertesten, dann empfiehlt es sich, 60 Grad heißes Wasser zu nehmen. Wer ganz sicher gehen will, wäscht derartiges extra und mischt es erst gar nicht mit den anderen Klamotten. Okay?

Aber müssen denn unbedingt immer alle Keime sterben? Die Römer haben das wohl anders geseh‘n. Die sollen zum Waschen nämlich vergorenen Menschenurin genommen haben. Das soll übrigens gar nicht so eklig sein wie es klingt. Denn beim Verfaulen des Urins entsteht eine chemische Substanz, die Schmutz löst. Die damaligen Wäscher sollen mit ihrer Arbeit so gut verdient haben, dass der Kaiser eine Urinsteuer erhob.

Ob die Urinsteuer kommt, wenn alle mit Asche statt teuer erkauftem Waschmittel waschen? Wir werden sehen. Wichtiger ist die Frage, ob man mit Asche im Waschvollautomaten überhaupt waschen kann, ohne, dass die Maschine gleich den Geist aufgibt? Wer Erfahrung hat, teile sie bitte!