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Herbert Gruhl: Das irdische Gleich­gewicht

lukita schrieb am 29.12.2010 um 16:34

Ökologie unseres Daseins. Vom Wert des Daseins und der Rettung des Planeten.
1982 by Erb-Verlag, Düsseldorf

Aus dem Klappentext zur gebundenen Ausgabe:
Die einseitige mechanistisch-naturwissenschaftliche Richtung des neuzeitlichen Denkens führte zum Irrglauben an perfekte Lösungen. Neue große Entwürfe und phantastische Utopien führen jedoch nicht weiter. Der steigende Lebensstandard dient längst nicht mehr dem Heil des Menschen, sondern wirkt selbstzerstörerisch. Wir müssen uns anderen Werten zuwenden. Anpassung heißt das Gebot; statt Aggression ist Gelassenheit notwendig.

Aus der Taschenbuchausgabe:
Das irdische Geichgewicht schwankt: Was sich über Millionen Jahre die Waage hielt, hat der industrialisierte Mensch in nur 200 Jahren gründlich gestört. Herbert Gruhl nennt in diesem Buch die Ursachen, die zu dieser labilen Lage auf unserem Planet geführt haben. Er fordert die Abkehr von einer Weltauffassung, die sich dem Materialismus verschrieben hat, sich an der Technik orientiert und die Künstlichkeit der geschaffenen Welt zu ihrem Ideal erhebt. Gruhl zeigt, wie diese mechanistisch-naturwissenschaftliche Sicht ein ständiges wirtschaftliches Wachstum und damit die Plünderung des Planeten Erde in ihre Rechnung mit einbezieht.

Aus diesen Erkenntnissen entwickelt der Autor seine organische Weltauffassung. Wesentliche Bestandteie dieser Denkweise sind Verzicht auf ständig steigenden Lebensstandard, Solidarität mit der Schöpfung, Transzendenz und Einbeziehung organischer Prinzipien. Der Autor stellt sich dabei bewußt gegen Rationalismus und Aufklärung, wie sie seit dem 17. Jahrhundert das abendländische Denken prägen, und legt ein klares Bekenntnis zur konservativen Ökologie ab.


Das Buch zum Nachlesen online:
http://rudolf-bahro.de/G/Gruhl-Herbert/1982-Gleichgewicht/index.htm

    berniewa schrieb am 29.12.2010 um 16:46

    Gruhl o Schreck. Was hast du denn da ausgegraben? Schade um die Bäume, die für das Papier sterben mussten

    Er hat in manchen Punkten fast recht, aber nur fast, und zwar nur fast, weil z.B. weil seine Ansichten durchzogen sind von 'antimodernistischen' und 'anti-wissenschaftlichen' Feindbildern, die in dieser Form einfach unhaltbare Stereotype sind.

    lukita schrieb am 29.12.2010 um 17:00

    Gruhl scheint in der Tat umstritten zu sein. Hast Du konkrete Beispiele für 'antimodernistische' und 'anti-wissenschaftliche' Feindbilder? Praktischerweise kannst Du diese Beispiele mit der Copy & Paste Funktion herholen über oben genannten Link.

    topist schrieb am 29.12.2010 um 17:23

    "Gruhl zeigt, wie diese mechanistisch-naturwissenschaftliche Sicht ein ständiges wirtschaftliches Wachstum und damit die Plünderung des Planeten Erde in ihre Rechnung mit einbezieht. Aus diesen Erkenntnissen entwickelt der Autor seine organische Weltauffassung. (...) Der Autor stellt sich dabei bewußt gegen Rationalismus und Aufklärung, wie sie seit dem 17. Jahrhundert das abendländische Denken prägen,..."

    Ach du Sch... Dieser reaktionäre Mist! Das treibt nun die Utopia übliche Heiligsein-Sehnsucht auf die ökoschrullige Waldschratspitze. Dass Gruhl einst die Grünen verließ, weil er "nicht Mitglied in einer Abreibungspartei" sein wollte, braucht da wohl keiner Erwähnung mehr.

    Das ist Taliban auf deutsch. Nein Danke!

    Gruß vom Topisten

    topist schrieb am 29.12.2010 um 18:05

    Der Seite 225 ist z.B. eine der Blüten zu entnehmen, die Gruhls Hass gegen Aufklärung hervor brachten:

    "Da mußte bereits für die unteren Schulklassen (es könnte ja sonst jemand zuvorkommen) sexuelle »Aufklärung« verordnet werden. Was bleibt einem Lehrer oder einer Lehrerin — gerade dann, wenn sie sich noch einen Rest von Scham bewahrt haben — anderes übrig als die rein technische Erklärung »der Sache«. Das Kind kann sich dabei gar nichts anderes denken als: »Das ist es also, nichts weiter!« Es ist naheliegend, daß es dann auch im späteren Leben dabei bleibt: beim technischen Vorgang. Andernfalls wäre die sich immer aufdringlicher zur Schau stellende Verrohung auf diesem Gebiet gar nicht erklärlich. Konsequenterweise wird dann die Verge­waltigung auch nur noch als ein physikalischer Vorgang abgetan. Welcher Kahlschlag der Gefühle bereits in kindlichen Seelen angerichtet wird, darauf kann natürlich ein ökonomisch denkendes Zeitalter keine Rücksicht nehmen. Gnadenlos rollt die Walze der Aufklärung!"

    berniewa schrieb am 29.12.2010 um 18:25

    Danke HH, dass du dir die Mühe machst! Ich hab dazu näml. keine Motivation und hoffe, dass mein Hinweis (nun zusammen mit Deinen Zitaten) notfalls ausreicht, um bei Leserinnen und Lesern einen kritischen Blick zu schärfen. Deinen Vergleich mit den Taliban finde ich allerdings vielleicht doch übertrieben.

    Beim letzten Zitat finde ich v.a. den Schluss bezeichnend: "Gnadenlos rollt die Walze der Aufklärung" Das ist in diesem Kontext noch dümmer als die leider auch nicht ganz luciden ersten Sätze von Horkheimer & Adorno in der Dialektik der Aufklärung, obwohl die beiden m.E. wesentlich scharfsinniger über das Thema "Aufklärung" nachgedacht haben, als Herr Gruhl.

    Lukita, ich hoffe einfach, mein Impuls zum kritischen Lesen reicht, und vertraue im Weiteren auf die Fähigkeiten derer, die es evtl. lesen, dafür entsprechend die Ohren bzw Augen offen zu halten.

    So ähnlich wie wenn jmd in den Wald geht und ich sage: Vorsicht, da gibt es gefährliche Fliegenpilze, die so und so aussehen, ohne dass ich im einzelnen jeden Standort sage (naja, so ungefähr; natürlich hinkt der Vergleich)

    lukita schrieb am 29.12.2010 um 18:34

    "Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit sich träumt."
    William Shakespeare

    berniewa schrieb am 29.12.2010 um 18:52

    Ein alter Hut ;`) passt aber immer noch manchmal. Bei Gruhl's "Weisheiten" z.B ...

    YouMe schrieb am 29.12.2010 um 20:04

    Gelöscht von YouMe am 08.07.2011 um 18:18

    berniewa schrieb am 29.12.2010 um 20:08

    Hi YouMe, fast hätte ich auch darauf hingewiesen, aber was soll's? ;`) Nehmen wir halt den neuen Shakespeare, der durch die Übersetzung entstanden ist (vgl. auch W. Benjamin in Sachen Übersetzung gleichsam als Neuschaffung ...) und lassen wir den Leuten ihren Spaß, die gern zu Zitaten greifen ;`) und drehen wir dann einfach den Spieß um (zumal Spieße auch bei Shakespeare vorkommen ;`)

    Übrigens eines meiner Lieblingszitate (dt. Übers. von mir, frei aus dem Gedächtnis)
    "Bernardo: He, wer da? ..."

    Hat das nicht eine unglaubliche philosophische, geradezu existenzielle Tiefe? Steckt nicht in der Anrede dieses "He" eine ganze Kommunikationsforschung, und dann erst dieses "wer" und dieses "da"! Wer sind wir? Wo, wohin, Was ist Raum? und - weil elliptisch auch ein "ist" zu ergänzen ist, auch: Was ist Zeit? Ahnte Shakespeare etwa schon die Rätsel quantenphysikalischer Phänomene wie etwa Heisenbergsche Unschärferelation und Verschränkung quantenphysikalischer Objekte (sogar solcher, die nach herkömmlichem Verständnis räumlich weit voneinander entfernt sind, aber vielleicht 'in Wahrheit' trotzdem irgendwie 'eins' sind, vgl. dieses "da" in besagtem Zitat. War nicht dieser Bernardo ein bis heute verkannter Genius? ... Freilich, sogar Shakespeare hätte sich das nicht träumen lassen ;`))

    lukita schrieb am 29.12.2010 um 20:19

    Interessant, was der Name "Gruhl" hier auszulösen scheint. Der Vergleich mit den Fliegenpilzen ist vielleicht tatsächlich sogar sehr passend. ;-)

    Wikipedia: “Der Fliegenpilz wurde und wird in manchen Kulturen als Rauschmittel verwendet.”

    “Obwohl der Fliegenpilz von den meisten Menschen für tödlich gehalten wird, wird dieser Giftpilz tatsächlich aber auch als Speisepilz gebraucht.” http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegenpilz

    Ich persönlich finde den Schreibstil von Herbert Guhl teilweise zu drastisch. Auch habe ich durchaus andere Meinungen zu verschiedenen Themen. Ich fand die Lektüre dennoch interessant.

    Also: “Die Stoffe im Pilz, die für Gift- und Rauschwirkung zuständig sind, befinden sich hauptsächlich in der Huthaut und sind größtenteils wasserlöslich. Die rote Haut wird entfernt und der Pilz in kleine Stücke geschnitten. Die Stücke werden 24 Stunden in Wasser (manchmal auch Buttermilch) eingelegt. Eine andere Methode ist, die Pilze gründlich zu blanchieren. Anschließend schüttet man das Wasser weg und dünstet den Pilz mit Butter in der Pfanne.”