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heute, 9. März auf ARD: Die Pangasius-Lüge

Fredegar schrieb am 09.03.2011 um 21:07

In der Reihe "ARD-exklusiv":

"Das große Geschäft mit dem Billigfisch

Ob tiefgefroren im Supermarkt oder gebraten in der Kantine – der Pangasius erfreut sich großer Beliebtheit. 40.000 Tonnen des Zuchtfisches landeten im vergangenen Jahr allein auf deutschen Tellern. Der Exot aus Asien schont die überfischten Meere, heißt es. Doch jetzt schlagen Umweltschützer Alarm: Der Pangasius belastet Tier, Mensch und Umwelt.

Was ist dran an den Vorwürfen rund um den beliebten, kostengünstigen Speisefisch? Die Autoren Michael Höft und Christian Jentzsch gehen dieser Frage nach. Sie begleiten die Fischexpertin Catherine Zucco von der Umweltorganisation WWF, dem "World Wide Fund For Nature", bei ihrer Recherche in deutschen Supermärkten und im Produktionsland Vietnam. 90 Prozent der Pangasius-Filets stammen aus der Sozialistischen Republik Vietnam – aus dem Mekong Delta am südlichen Zipfel des Landes. In der Provinzhauptstadt Long Xuyen liegt das Zentrum der Pangasius-Industrie.

Nur mit Hilfe eines Insiders gelingt es den NDR-Autoren, einen Blick hinter die Kulissen der Großindustrie zu werfen. Auf ihrer Recherchereise entdeckt das Team zahlreiche Missstände: Vom Einleiten chemisch belasteter Abwässer aus der Fischzucht in den Mekong bis zum Masseneinsatz von Antibiotika. Und immer wieder treffen sie auf Aquakulturen, in denen die Fische auf engstem Raum gehalten und gemästet werden. Das Bild vom Fischkutter auf der Gefrierverpackung mit dem Hinweis auf schnellfließende Gewässer als Produktionsort entpuppt sich als reine Werbefantasie.

Die Autoren können auch mit der Legende aufräumen, dass dieser Zuchtfisch geeignet sei, die Überfischung der Meere zu stoppen. Das Gegenteil ist der Fall. Als ein Kutter seinen Fang in einer Fischfabrik abliefert, wird das Team Zeuge, wie unterschiedlichste Fischarten aus dem Süd-Chinesischen-Meer zu Pangasius-Futter verarbeitet werden. Vor der Schlachtung muss der Pangasius ein wahres Martyrium erleiden. 24 Stunden dauert der quälende Transport zur Fischfabrik.

Doch nicht nur für Tier und Umwelt hat die Aquakultur in Vietnam Folgen. In den Fischfabriken werden die Pangasius-Filets häufig mit Phosphaten angereichert, damit das Fleisch Wasser speichert und schwerer wird: Ein umstrittenes Verfahren, das auf der Packung deklariert werden muss. Der Kunde erhält nicht nur eine Mogelpackung, was das Gewicht belangt, zu viele Phosphatzusätze können auch der Gesundheit schaden.

Am Ende der Reise gibt es jedoch einen Hoffnungsschimmer: Die Autoren entdecken eine Pangasius-Biofarm, die von einem Deutschen betrieben wird. Die einzige Biofarm des Landes produziert natürlich etwas teurer. Catherine Zucco, die Fischexpertin des WWF, ist überzeugt, dass allein die Verbraucher die Zuchtbedingungen in Vietnam beeinflussen können. Nur wenn sie bereit sind, für einen "sauberen" Pangasius mehr zu bezahlen, werden die Züchter umdenken.

Film von Michael Höft und Christian Jentzsch"

Dieser Text und weitere Links zum Thema auf http://www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,evqqm7v3h4xntcvd~cm.asp

    biomare1 schrieb am 10.03.2011 um 12:08

    Pangasius - erschreckende Wahrheiten..

    Mit Erschrecken haben die Verbraucher zur Kenntnis genommen, wie Sie manipuliert werden. Eigentlich haben die verantwortungsvollen Verbraucher und auch Fischhändler es schon immer gewußt. Wie kann denn Fisch in guter Qualität zu solchen Preisen gezüchtet und verarbeitet werden - zudem noch von Vietnam nach Europa gelangen?

    Die Ware kann nur von minderer Qualität in Punkto Sensorik und Hygiene sein. Die ökologische Bilanz ist katastrophal - Ausbeutung der natürlichen Ressourcen - Transportprobleme und erhebliche Umweltschäden sprechen eine eigene Sprache.

    Vor diesem Hintergrund verwundert es sehr, dass die Einschätzung zu Pangasius vom WWF dennoch recht positiv ist - Pangasiusprodukte gehören aus dem Markt! Oder bestehen mal wieder Abhängigkeiten der sog. NGO bezüglich Lobby und Sponsoring? Eine andere als ROTE Listung im Fischratgeber ist nur so erklärbar.

    In den Niederlanden wird Pangasius numehr als Räucherfischprodukt angeboten - obwohl es eine vielzahl von heimischen Fischen gibt, die sich dazu bestens eignen. Auch dies ist nicht nachvollziehbar. Die Umwelteinflüsse durch Transport scheinen keine Rolle mehr zu spielen.

    Biomare1

    Billo.Heinzpeter.Studer schrieb am 11.03.2011 um 10:56

    Absolut richtig, biomare1.
    Der WWF spielt hier eine Doppelrolle, einerseits als Kampagnenorganisation, andererseits als Inhaber des Labels ASC, für das er die vietnamesische Zuchtindustrie mit Zuckerbrot und Peitsche gewinnen möchte…
    siehe http://www.fair-fish.ch/blog/archive/2011/03/10/ueber-pangasius-luegen-und-andere-zufaelle.html

    Fredegar schrieb am 11.03.2011 um 23:17

    Letzter Satz des interessanten Artikels: "Wenn es überhaupt Zuchtfisch sein muss, und wenn es denn Pangasius sein muss, weil der nicht nach Fisch riecht und so schön weisses, grätenfreies Fleisch hat, dann schon lieber FOS oder ASC als irgendwas."

    Aber vor FOS oder ASC noch "Naturland" und andere Bio-Labels wegen der vorgeschriebenen schnellen Betäubung und "ordentlichen" Tötung sowie Bio-Fütterung: https://utopia.de/0/blog/der-regenwald-muss-gerettet-werden/die-pangasius-luege#comment-504561

    Billo.Heinzpeter.Studer schrieb am 12.03.2011 um 08:21

    Danke, Fredegar – Du hast recht, und ich füg das dort und in einer parallelen Notiz auf Facebook gleich noch ein! Ist halt immer gut, wenn vier Augen einen Text anschauen :-))

    Fredegar schrieb am 13.03.2011 um 00:11

    Dankeschön für die schnelle Reaktion!

    Billo.Heinzpeter.Studer schrieb am 13.03.2011 um 08:08

    :-)