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Menschenrechte - antike Wurzeln z.B. Hebräische Bibel

berniewa schrieb am 19.09.2015 um 22:26

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Moderne Menschenrechte - antike Wurzeln z.B. in Hebräischer Bibel und bei griechischen Philosophen und Philosophinnen


Als "moderne Menschenrechte" verstehe ich zunächst Erklärungen wie die der UN-Vollversammlung vom 10.12.1948 ("Allgemeine Erklärung der Menschenrechte", siehe Foto oben) - oder die Europäische Menschenrechtscharta, wie auch Grundrechtskataloge in Verfassungen wie dem GG der Bundesrepublik Deutschland u.v.a..

Freilich bedürfen auch diese Texte - wie alle Texte - der Interpretation durch Leserinnen/Hörerinnen ...

Wie wichtig dies ist, zeigt sich letztlich jeden Tag in Abermillionen von Beispielen, die als Nicht-Achtung bzw Verstöße durch durch Personen oder Unternehmen oder Staaten betrachtet und empfunden werden, von Vielen, aber von Vielen anderen offenbar nicht - etwa von manchen Regierungsvertretern, Polizeipräfekten u.s.w. zumindest nicht bzgl. ihrer offiziellen Statements.

Es zeigt sich aber auch an berühmten historischen Beispielen:

Noch die Unterzeichner der Virginia Bill of Rights vom 12.06.1776 oder kurz darauf der
Declaration of Independence am 04.07. desselben Jahres, waren euro-amerikanisch "weiße"
Männer, die bei dem Satz "all men are created equal ..." anscheinend weder an Frauen dachten,
noch an Männer, die eine deutlich dunklere Hautfarbe hatten, bzw. die sie zu den sogeannten "Wilden" zählten (an Frauen und Kinder derselben ebensowenig).
Allerdings hatten einige offenbar doch Gewissensbisse, zumindest Thomas Jefferson
verfüfgte in seinem Testament die "Freilassung" aller seiner "Sklaven".

Mit den Jakobinern der Revolution von 1789 in Frankreich war es nicht viel anders. Die Hinrichtung von Marie Olympe de Gouges zeigt, wie es mit der Egalité in Bezug auf Frauenrechte bestellt war, und für einen Mann wie Voltaire, der als "Philosoph der Aufklärung" galt, war Sklaverei ähnlich selbstverständlich wie für den antiken Aristoteles, welchem allerdings schon damals wache Geister widersprachen, etwa der heute weniger bekannte Alkidamas, der zugleich als ein Vorläufer der "Stoa" gilt (der bekannten philosophischen Richtung mit universellen ethischen Gedanken). Er kann damit als einer der ersten antiken Vorkämpfer der Menschenrechte gelten. Sogar noch früher hat der (später von Platon als "Sophist" bezeichnete) Philosoph Antiphon argumentiert, dass soziale Hierarchien nicht einfach naturgegeben sind, und auch die sogenannten "Barbaren" letztlich ebenso Menschen wie die Griechen, mit letztlich den gleichen natürlichen Anlagen usw. Zu erwähnen in diesem Zusammenhang sind auch Euripides (Dramen-Autor, z.B. "Die Troerinnen")), Herodot (Historiker der implizit gegen Kulturchauvinismus/Ethnozentrismus argumentiert hat), und insbesondere Thukydides, welcher unmenschliche Kriegsführung der Athener im Peloponnesischen Krieg unbeschönigt und damit implizit kritisch seinen Zeitgenossen und der Nachwelt zu Papier brachte, insbesondere der Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Insel Melos, die in diesem Krieg neutral sein wollten, was die Athener aber nicht zulassen wollten und daher mit der Insel verfuhren, wie es damals von Großmächten gegen besiegte Städte oder Länder durchaus 'üblich' war, aber eben für Thukydides nicht selbstverständlich, gerade aufgrund des "zivilisatorisch-humanen" Anspruchs des damaligen Athen.

Krates von Theben und seine Gefährtin Hipparchia sind hier m.E. ebenfalls ausdrücklich zu erwähnen.

Krates lebte ~ 365-285 v. Chr. Sein geerbtes Vermögen, immerhin 200 Talente (damals eine große Summe), soll er - von einem Drama im Theater existentiell berührt - an seine Mitbürger verschenkt haben, und daraufhin ein außergewöhnlich bescheidenes Leben geführt haben - Später wurde er (auch deshalb) zu den sogenannten "Kynikern" gezählt (Mehr dazu z.B. bei Wikipedia oder dergl.). Bemerkenswert ist desweiteren, dass er mit seiner Gefährtin Hipparchia für damalige Verhältnisse offenbar sehr "gleichberechtigt" emanzipiert zusammen lebte. Der Überlieferung zufolge war es übrigens keine 'arranigerte' Heirat, sondern eine Liebesheirat - was damals schon ungewöhnlich genug war; noch ungewöhnlicher war, dass die Initiative dazu offenbar von .i.h.r. ausging.

Krates (oder beide) hatte(n) offenbar auch interessierte Schüler (heute würde eine/r eher "Studenten" sagen, da dies Erwachsene waren), mit denen er diskutierte und die sich von ihm inspirierren ließen. Der heute bekanntester von ihnen war der Stoiker Zenon von Kition.

Auch bei Platon gab es bereits Frauen als Studentinnen der Philosophie, Mathematik etc. Noch gleichberechtigter waren die Geschlechter bereits bei Pythagoras und seiner 'community', die deshalb hier ebenfalls ausdrücklich zu erwähnen sind.

Berühmt wurde einige Jahrhunderte später Hypatia, die sogar Leiterin der Bibliothek von Alexandria war. Ein christlicher Mob, der heute als "rechtspopulistisch" bezeichnet werden könnte, ermordete sie - im Zusammenhang mit der Zerstörung der gesamten Bibliothek (erwähnt ist dies z.B. in der "Geschichte der Philosophie" von Bertrand Russell).
In "Agora - Die Säulen des Himmels" sind diese Ereignisse in Alexandria (mit freilich fiktionalen Ausschmückungen) in die zeitgenössische Roman- und Film-Kunst eingegangen.



Entgegen einer verbreiteten Meinung gibt es jedoch auch im vorder-asiatischem Raum
alte, schriftlich überlieferte Gedanken, die als Vorläufer heutiger Menschenrechte gelten können.

Zu den ältesten zählt die Hebräische Bibel (im Christentum meist "Altes Testament" genannt). Kein Geringerer, als der hellenistisch-jüdische Philosoph Philo von Alexandria würde im Übrigen dieser Einschätzung heute sicher ebenfalls zustimmen.

Es handelt sich, wohlgemerkt, um eine sehr heterogene Sammlung, bzw Kompiliation und Komposition von Schriften
aus verschiedenen Regionen, Epochen, Gesellschaftsschichten
(vgl. z.B.: Crüsemann et al: Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel ...)
mit jeweils auch unterschiedlichen Absichten der Verfassung und Überlieferung etc,
sodass nicht einfach jeder beliebige Teil herausgegriffen und neben einen anderen beliebigen Teil gestellt werden kann,
wenn eine/r nicht jeden Bezug zu besagten sozial-historischen Entstehungskontexten verlieren will.

Seit jeher gibt es darin jedoch Teile, die von der Allgemeinheit als besonders wichtig gehalten werden,
so etwa die Schöpfungserzählungen/hymnen.
(genau genommen sind es mindestens 2 - beide im "1. Buch Mose" (Genesis).
Meist bekannt ist die erste, zeitlich allerdings wahrscheinlich spätere -
ein vermutlich im babylonischen Exil verfasster Hymnus, der sich bewusst abgrenzt von dortigen Schöpfungsmythen und die in Babylon als Götter verehrten Sterne als bloße, von 'Elohim' erschaffene Lichter 'entmythologisiert' (so betrachtet einer der frühesten Texte der "Aufklärung" - am Rande erwähnt)

In 1. Mose (Genesis) Kapitel 1, Vers 27 heute üblicher Zählweise wird nun gesagt,
'Gott' habe "den Menschen" als Gottes Ebenbild erschaffen, und zwar "Mann und Frau".

Dies bedeutet, dass alle Menschen, so betrachtet, vor Gott als seine Ebenbilder *gleich* sind,
unabhängig von solchen Äußerlichkeiten wie etwa der Hautfarbe, oder anderer biologischer Merkmale,
oder der Sprache oder der Weltanschauung und anderer kultureller Merkmale,
nicht zuletzt auch unabhängig vom Geschlecht
(das bekanntlich, sowohl biologische wie kulturelle Komponenten hat (vgl. moderne Gender-Forschung).
wobei die Formulierung im hebräischen Text noch die dichotome schlichte Zweitteilung in "Mann" und "Frau" zugrunde legt, was aber weitere Differenzierungen letztlich nicht aussschließt - siehe auch obige Anmerkung zur Interpretierbarkeit jedes Textes)

Darüber hinaus wird in der hebr. Bibel oft zu mehr Verantwortung gegenüber sozial 'Schwachen' aufgerufen und quasi implizit damit an ihre Menschenrechte erinnert (dafür stellvertretend meist genannt : Witwen Waise, Fremdlinge, manchmal auch allg. Arme (etwa bei Amos Hosea und Jesaja))

Kein Zufall, dass Humanisten der Renaissance wie Pico della Mirandola sich keineswegs nur auf die griechisch-römische Antike bezogen haben,
sondern auch auf diese Wurzel der Hebräischen Bibel (Hebräisch wurde als Sprache damals geradezu wiederentdeckt - vgl auch Humanisten wie
Johannes Reuchlin im Deutschen Sprachraum - eine Entwicklung in deren Kontext auch die spätere Bibelübersetzung M. Luthers gehört,
(die bekanntlich nicht nur, wie zuvor üblich, die lateinische Vulgata, als Grundtext heranzog, sondern - soweit auffindbar - auch möglichst alte griechiche und hebräische Papyri, Pergamenti u.s.w.)

Nebenbei sei erwähnt, dass sogar die meist irrtümlich als "christliche Errungenschaft" geltende "Feindesliebe" Wurzeln in der Hebräischen Bibel hat, z.B. an folgenden Stellen:
- Exodus (2. Mose) 23,4
- Hiob 31,2
- Jeremia 29,7 (zumindest indirekt)
- Sprüche Salomos 25,21

Unter "Liebe" ist hier, wie auch in späteren christlichen Texten des "Neuen Testaments" allerdings weniger eine sehr starke emotionale Zuneigung gemeint, sondern eher etwas, das wir heute bezeichnen wüden als "sich einer Person gegenüber sozial verhalten" Verschiedene hebräische und griechische Vokabeln und ihr Kontext legen dies nahe. Erwähnenswerf finde ich - not least - in diesem Zusammenhang dennoch einen Text, der auch explizit auf die erotische Dimension der Liebe abhebt, das meist als
das "Hohe Lied" bezeichnete Werk der hebräischen Bibel, wörtlicher übersetzt :

Lied der Lieder


Es ist eines der ältesten schriftlich erhaltenen Liebesgedichte der Menschheit überhaupt, und auch die Komposition ist bemerkenswert. Verschiedene alte Gedichte wurden kompiliert zu einem Flirt-Dialog eines unverheirateten Liebespaares, das sich heimlich in Gärten (vor) der Stadt trifft.
Die offenkundige Gleicheit des Ranges der beiden, und dies in sicher männer-dominierten Zeiten, zudem der ausdrückliche Hinweis dass die 'Braut' sehr dunkle Hautfarbe bestitzt, und dies ihrer Schönheit keinen Abbruch tut (eine explizite Absage an Rassismus) macht auch diesen Text meines Erachtens zu einem oft in diesem Kontext gar nicht mitbedachten Text mir Vorbildcharakter für den Gedanken von allgemeiner Menschenwürde bzw Menschenrechten.

Genau betrachtet wären noch etliche andere Passagen und ganze Bücher zu nennen, etwa das Buch Esther u.v.a. doch ich will es an dieser Stelle mit diesen Hinweisen belassen, das es m.E die wohl wichtigsten sind.

Danksagung, Quellen-Hinweise und Tips für weitere Vertiefung:

Bzgl des Themas "Nächstenliebe", "Feindesliebe" und anderer Aspekte in der Hebräischen Bibel beziehe ich mich z.B. auf die nun schon als 'alten Klassiker' einzustufende Einführung:
W. H. Schmidt: Alttestamentlicher Glaube in seiner Geschichte.
Betreffs des sog Hohen Liedes hat mich unter anderem auch inspiriert :
Helmut Gollwitzer : Das hohe Lied der Liebe , Christian Kaiser Verlag, München 1988

Wer sich weiter für historische Fragen rund um die hebräische Bibel interessiert,
empfehle ich unter anderem nach folgende Autorinnnen/Autoren zu suchen
-- (ich beschränkte mich der Übersichtlichkeit halber auf 6) --
[deutsch] Frank Crüsemann, Renate Jost, Willy Schottroff
[englisch (teils in dt. Übersetzungen erhältlich)] Joel Baden, David M. Carr, Israel Finkelstein

Betreffs erwähnter antiker griech. Philosophen - Antiphon, Alkidamas, Philo v. Alexandria usw ... - gibt es mittlerweile auch recht gute Wikipedia-Einträge. Dort auch einschlägige Literaturhinweise.

(c) Bernie J. Wagner, im Sommer 2015

    berniewa schrieb am 22.09.2015 um 13:15

    Papier ist allerdings sowieso geduldig Würde auf dem Papier noch alles Mögliche ergänzt (derzeitigen Verfassungen etc hinzugefügt), würde das nur sehr bedingt etwas bringen Schauen wir z.B in die Welt und lesen dann mal im vollen Wortlaut die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, welche die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 10.12.1948 deklariert hat (mit Enthaltung der stalinistischen Staaten, sowie Südafrikas und Saudi-Arabiens) und vergleichen das mit der Realität - Immerhin waren nun fast 67 Jahre Zeit, die Erklärung "umzusetzen" Und wenn noch 10.000 Seiten kluger Texte verfasst werden, die eine extrem kleine Minderheit vielelicht liest, was wird das bringen? Ich bin zurzeit eher dafür offensive öffentliche Debatten anzustoßen, an denen auch möglichst viele Menschen beteiligt sind, damit Veränderungen nicht nur auf klugen Papieren stattfinden

    Das wäre nun freilich missverstanden, daraus zu folgern, ich hielte deshalb alle schlauen neuen Bücher , Erkläungen u.s.w. für ganz überflüssig, nur sollten sie nicht überschätzt werden (was v.a. in akademisch gebildeten Kreise sehr oft geschieht (kenn ich von mir selber, ist insofern auch eine Selbstkritik))

    berniewa schrieb am 22.09.2015 um 20:12

    Wer's detaillierter mag:

    Wo in den meisten Übersetzungen "Mensch" steht, steht im Hebräischen ein Wort, das primär eigtl. "Mann" bedeutet ( אָדָם֙ / Adam) . Ich habe das absichtlich oben nicht weiter thematisiert,
    weil (a) für Laien dann zu kompliziert, und v.a. (b) weil eben ähnl. wie im Englischen "men" oder im Spanischen El Hombre auch so verwendbar ist, dass damit Frauen ebenfalls gemeint sein können. Das ist aus heutiger Sicht gewissermaßen ein typisch 'androzentrischer' bzw. 'patriarchalischer' Sprach-Habitus.

    Sind wir aber heute sprachlich soooo viel weiter? Etwa "der Mensch" im Deutschen ist nicht ganz zufällig maskulinum (und eher mit "Mann" verwandt, als mit "Weib" (in der Bedeutung die frühere Entsprechung des heutigen "Frau"), ebenso "homo", l'homme , el hombre und ähnlich in vielen anderen Sprachen bzw. Sprachfamilien (nicht nur germanischen und romanischen Sprachen)

    Entscheidend ist bei diesem Punkt, dass ausdrücklich einige Verse weiter geschrieben wird, "als Mann und Frau" (wurden sie geschaffen ...), bzw wörtlicher "männlich" זָכָ֥ר und "weiblich" נְקֵבָ֖ה .

    Dass nach der anderen Erzählung die Frau erst nach dem Mann, und zwar aus der "Seite" geschaffen wird, ist selbstverständlich ein Indiz, dass damals noch "der Mann" als höher in der allgemeinen Hierarchie betrachtet wurde
    - wobei es verschiedene Hierarchien gab, z.B. Altershierarchien, wonach dann eine alte Frau durchaus über einem jungen Mann, erst recht über einem Jungen stehen konnte, dazu andere soziale Hierarchien, etwa nach Vermögensstand, oder "Freie" und "Knechte/Mägde", letztere teils eher wie 'Angestellte' heute, teils aber auch regelrecht wie Sklavinnen und Sklaven - und dies in offenbar in allen Gesellschaften der damaligen Zeit - wobei in sogenannten "Hochkulturen" die Hierarchien allg. stärker ausgeprägt zu sein scheinen, als etwa in sogenannten "segmentären" Gesellschaften (vgl. dazu etwa Christian Sigrist et al.)

    Nicht zuletzt ist zu bedenken: Ich behaupte keineswegs, dass die Menschenrechte damals schon in der heute von 'uns' gemeinten Bedeutung vertreten wurden, sondern dass es dafür dort bereits deutliche "Wurzeln" gab, die heute allgemein noch eher unbekannt zu sein scheinen.

    Soviel nur dazu.

    berniewa schrieb am 27.09.2015 um 19:03

    Menschen nicht in Schubladen zu pressen, in Stereotype, in Vorurteilsmuster u.s.w. sie niemals primär oder sogar ausschließlich als Angehörige irgendeiner Gruppe zu betrachten und zu behandeln (bzgl Aussehen, Sprache, Herkunft, Staatsangehörigkeit, Religion oder sonstige Anschauung, sexuelle Orientierung u.s.w.), sondern als die Individuen die sie jeweils sind,
    und dies auch nicht als fertige, unveränderliche, sondern als sich ständig verändernde und letztlich nie völlig "erfassbare"
    - diese philosophisch - sozial-ethische Haltung findet sich z.B bei so verschiedenen Denkern wie
    Th. W. Adorno (Kritik am "Identifzieren" und an "Klassifikation", am Beherrschen des "Anderen", wie besonders ausgeprägt beim "manipulativen Charakter", bei Adorno häufiger auch als "autoritärer" oder "faschistischer" Charakter bezeichnet) ,
    Emmanuel Lèvinas (vgl. seine Metaphern des "Antlitz" und der "Spur") und
    Max Frisch (vgl (vgl. die Figur des "Andri" im Theaterstück "Andorra", sowie die kurze Geschichte "der andorranische Jude" in den Tagebüchern)

    Sie knüpfen hierbei an das "Bilderverbot" der hebräischen Bibel an (Gott sei nicht in üblichen Götzenbildern "verfügbar" nicht nur unsichtbar, sondern überhaupt unendlich und ungreifbar)
    und wenden gewissermaßen konsequent den oben schon zitierten Satz an, dass der Mensch Gottes "Ebenbild" sei, denn dann gilt das Bilderverbot ja doch vielleicht auch für den Menschen, so diese Schlussfolgerung genannter Philosophen und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

    Beispielsweise scheint mir die Metapher der "Spur" bei Lévinas eine Anspielung auf die Geschichte in der hebräischen Bibel zu sein, als Gott sich Moses in einem vorüberziehenden Wind offenbart; Moses aber ihn nicht sieht, nur nachträtlich seine Spur erkennt; analog auch: Gott lässt sich nicht in (Götzen)bildern verfügbar machen, sondern "ich bin, der ich bin/der ich sein werde", so versch. mögliche Übersetzungen); nb. ist diese Levinas-Deutung diesbezüglich nur eine Hypothese meinerseits, und ich gebe offen zu, dass mein Französisch nicht überdurchschnittlich gut ist, ich auch mitnichten die Mehrheit der Texte von Lévinas gelesen habe (es ist eher eine intuitive Deutung aufgrund meiner punktuellen und teils zufälligen Lektüre von Passagen seiner Werke)

    Diese "Warnung" vor Schubladen, Vor-Urteilen etc finde ich einen bis heute extrem relevanten Punkt, wie Menschenrechte konkret "anwendbar" sind, und genannte philosopische Interpretationen zugleich ein Beispiel, wie auch diese Ethik, wenn auch nur indirekt, in sehr alten Überlieferungen einige Wurzeln hat

    berniewa schrieb am 27.09.2015 um 19:05

    Auch Martin Buber wäre hier vielleicht noch zu erwähnen, bzw seine 'Warnung' vor "Verdinglichung" des jeweilgen "Du" zum "Es" (Entmenschlichung etc, aber auch auf Mensch-Gott--Beziehung anwendbar, Gott z.B. als 'Objekt' (Götzenbild etc), statt als dialogisches Gegenüber)

    berniewa schrieb am 25.10.2015 um 14:20

    Im Übrigen : Was wir (a l l e Staaten Europas) jedenfalls viel mehr brauchen, als neu-rechte Parolen und Pseudolösungen, etwa bzgl der nun auch uns mit voller Wucht erreichten globalen Flüchtlingskrise(n) (an der auch ´wir´ nicht gänzlich unschuldig sind),

    ist zuallererst mehr von einem (auch allen Immigrantinnen/en überzeugender vorgelebten) "Verfassungspatriotismus".

    Er wäre auch die passende Antwort auf die irrationale, ideologische Propaganda von PEGIDA & Co

    .... und würde, wie ich ihn verstehe, z.B. beinhalten,
    sowohl über Kritik am Islam oder bestimmten Auslegungen desselben nachzudenken, wenn sie so formuliert sind wie etwa von Sabatina James oder Hamed Abdel-Samad,
    als auch über Tatsachen wie der, dass es auch tolerante Auslegungen des Islam gibt, wie Muslime wie Khola Mariam Hübsch, Aiman A. Mazyek und Navid Kermani durch ihr Beispiel beweisen.

    Ganz besonders empfehlenswert z.B. von Letztgenanntem ( http://www.navidkermani.de/view.php?nid=183 ) seine Rede bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche : http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2517542/Friedenspreis-Kermanis-bewegende-Rede#/beitrag/video/2517542/Friedenspreis-Kermanis-bewegende-Rede

    Zum Thema "(a) für Flüchtlinge (b) gegen Nazis - Einige Impulse, Vorschläge für bessere Politik ua Initiativen"
    dazu mehr auch hier: https://utopia.de/0/gruppen/politik-gesellschaft-93/diskussion/heidenau-etc-210741?

    p.s.: Schon das Wort "Abschiebung" ist in vielen Fällen, wenn nicht sogar überhaupt doch eigtl ein Symptom von gefährlicher Abstumpung und ethischer Geschmacksarmut, auch wenn klar ist, dass nicht alle Anträge positiv beschieden werden können, finde ich.

    berniewa schrieb am 24.02.2017 um 14:16

    sogar Kritik am Zins-Nehmen sowie an Bestechung gibt es bereits in der Hebräischen Bibel,
    vgl. z.B. viert- und dritt-letzte Verszeile im Psalm 15
    in der Übersetzung von Martin Buber:

    DU
    wer darf gasten in deinem Zelt?
    wer wohnen auf deinem Heiligtumsberg?
    Der in Schlichtheit geht,
    der Wahrhaftigkeit wirkt,
    der treulich redet in seinem Herzen (...)
    seinem Genossen Übles nicht tut (...)
    sein Geld gibt er nicht auf Zins,
    Bestechung nimmt er wider Unsträfliche nicht:
    der dies tut,
    wird in Weltzeit nicht wanken.


    p.s. Das "DU" in Bubers Übersetzung korrespondiert selbstverständlich mit seiner Philosophie
    Vgl. sein Hauptwerk : Ich und Du

    berniewa schrieb am 02.09.2017 um 15:44

    Gelöscht von berniewa am 05.11.2017 um 17:38

    berniewa schrieb am 03.09.2017 um 18:20

    Gelöscht von berniewa am 05.11.2017 um 17:37

    berniewa schrieb am 05.11.2017 um 17:38

    4 weitere Beispiele:

    "Wertschätze den Menschen neben Dir wie dich selbst!"
    2. Mose, Kapitel 19, Vers 18*
    (*gemäß Zählung etc. der meisten heutigen Übersetzungen)

    "Was dir selbst unangenehm ist, das tue niemandem!"
    Buch Tobith, Kapitel 4, Vers 15*
    (*gemäß Zählung etc. der meisten heutigen Übersetzungen)

    "Ich will aber nicht tun, was ich an meinem Mitmenschen tadle."
    Maiandrios, Nachfolger des Polykrates von Samos, nach: Herodot, Historien III, 142

    "Verhaltet Euch so, dass Ihr Freunde nicht zu Feinden,
    aber Feinde zu Freunden macht!"
    Pythagoras, nach: Diogenes Laertios, VIII, 23