Deutschlands Website Nr. 1 für nachhaltigen Konsum

Bücher, Filme und TV / Allgemeines

Ressourcenverschwendung: das 'Klima-Magazin'

Anton Braunsfelder schrieb am 18.11.2008 um 23:09

Nun ist es auf dem Markt: Das Klima-Magazin. Ein großes Wagnis nach dem Scheitern von IVY und der Situation auf dem Zeitschriftenmarkt. Aber wozu das Ganze? Schon das Editorial erzeugt leichten Brechreiz: „Ich hatte einen Traum“ beginnt Herausgeber Uwe Dulias, ehemals stellvertretender Chefredakteur der Bild-Zeitung und seit 25 Jahren im Boulevard-Journalismus: „Da saß ich nun und bastelte an einem neuen Magazin. Einer Zeitschrift ausschließlich für das Wohl unserer Erde. Einem Magazin, das sich regelmäßig und ausschließlich mit dem Wohl unseres Planeten beschäftigen sollte“. So geht es weiter: „... ausschließlich zum Wohl der Welt“ endet der erste Traum. „Yes we can“ fehlt noch. Dafür das überstrapazierte Zitat Kennedys: „Wenn nicht jetzt – wann dann. Wenn nicht hier, dann wo. Wenn nicht wir, wer dann.“

Vielleicht bin ich nicht ausreichend mit dem Boulevard-Journalismus vertraut, aber wer den Titel sieht, der kann ahnen, wie das Innenleben des Hefts aussieht. Inhalte wie Layout schwanken zwischen Boulevard und – ok, nennen wir es Anspruch. Serviceorientiert, viele große Bilder, viele Menschen (häufig Promis) und wenig Text. Spiegel online trifft es recht gut: “Von der modernen Aufmachung von Heften wie Neon und Brand eins ist das Klima-Magazin weit entfernt. Auf dem in Blau-orange gehaltenen Cover der Erstausgabe: ein Foto von Barack Obama. Die Titelzeile: “Deutschland schreibt: Dear Mr. President. Erster Klima-Brief an den neuen Hoffnungsträger der Welt.”[…] Außer Barack Obama auf dem Titel: ein Eisbär, ein Orang-Utan, Fische, ein Haus und ein Auto. Das umreißt die künftige Themenpalette ziemlich genau.” „Deutschland schreibt Obama" – das hätte die Bild-Zeitung nicht besser machen können, ebenso den reißerisch-„kritischen“ Artikel über die "Gier" von "Klima-Guru" Al Gore. Der Rest hat eher Bunte-Niveau: Sexy Öko-Mode mit transparenten Oberteilen, spritsparende Autos und ökologisches Reisen. Kling nach LOHAS-Zielgruppe. Ach ja, dann noch ein Dossier zum Herausnehmen und Sammeln: „Die 16 Wunden aus denen unsere Erde blutet“ – wow, das ist gut getextet!

Erstes Fazit: Lieben kann man das Klima-Magazin nicht, lesen muss man es auch nicht. Man sollte es eigentlich auch nicht weiter produzieren, denn 150 Seiten Papier bei einer Auflage von 100.000 Stück, das ist schon eine ganze Menge Holz, die da sinnlos verarbeitet werden und offenbar nicht aus nachhaltiger Produktion (FSC) stammen (zumindest findet man keinen Hinweis darauf). Und jede Menge CO2-Emissionen, die noch nicht mal kompensiert werden (auch das würde sicherlich kommuniziert). Bei anderen Publikationen ist das jedenfalls bereits Standard.


[image]
Der aktuelle Titel (sorry für die Größe!)


http://www.klima-magazin.de/

    Betti Koch schrieb am 19.11.2008 um 21:43

    Warten wir doch mal gemütlich auf Öko in the City: Natürlich Hamburg und Natürlich München starten am 27.11., geplant sind später der Kohlenpott und die Hauptstadt. Die lokalen Magazine richten sich an nachhaltig denkende Leser. Sarah Wiener schaut auf den "Natürlich"-Titeln jedenfalls zunächst freundlicher als prima Klima Mr. New-President. Und ohne je einen Blick in das Heft geworfen zu haben: Ich muss gestehen, mit dem Titel kriegen sie mich nicht ? authentisch geht irgendwie anders. Ich war ja ein ivy-Fan, leider gab es ja nur zwei schwer zu kriegende Ausgaben. Schade.

    Anton, Dankeschön für den Beitrag.

    Brauchen wir ein Öko-Heft? Utopia auf dem Sofa lesen?

    Herbstlicht schrieb am 19.11.2008 um 23:19

    Alleine von Deiner Darstellung und der Aufmachung her wirkt das Magazin für mich wie Bravo für Erwachsene (die gerne über Umweltzeug reden). Irgendwie wirkt das arg lächerlich.

    J.Ö.R.N. schrieb am 20.11.2008 um 07:57

    BRAVO für Erwachsene..., ja stimmt. Ich dachte zuerst an die Apothekenrundschau mit Tierposter - jedanfalls nichts wofür ich Geld ausgeben würde..

    Jubai schrieb am 22.11.2008 um 21:08

    Also ganz ehrlich: Das war ja wohl garnichts! 1.) Nicht FSC und 2.) dieses Bild-Niveau. Frage mich gerade welche Zielgruppe das ansprechen soll? Die Leute, die "schon mal was von Klima gehört haben" und dann auch mal was "gegen das Klima tun wollen" :D oder wie?

    JoAlex79 schrieb am 08.01.2009 um 11:57

    Schließe mich eurer Meinung an: Das Magazin ist großteils sehr boulevardlastig, insbesondere der Gore-Artikel arg reißerisch - aber auf der anderen Seite gibts in dem Magazin auch ein langes, gut geführtes Interview mit Schellnhuber sowie lesenswerte Beiträge zu Wärmedämmung und zu Kohleverstromung.

    Stellt sich mir also die Frage: Ist es verkehrt, auf diesem kommerziell-massentauglichen Weg eine größere Zielgruppe anzusprechen und für das Thema zu sensibilisieren?

    Oder weiter gefasst: Wenn man die Messlatte für "ethischen Konsum" zu hoch legt - werden die Umwälzungsprozesse in der Gesellschaft dann breit genug sein, um tatsächlich eine Energiewende herbeizuführen?

    Nicht, dass ihr mich falsch versteht: Natürlich sollte man genau, hinschauen, ob mit dem Magazin lediglich unterm grünen Deckmantel Profit gemacht werden soll. Aber mein Eindruck war beim Lesen ein anderer.

    Und daher hoffe ich, dass das Magazin weiterhin besteht. Denn wenn es pleite geht, bedeutet das möglicherweie auch eine massive Abwertung für das Thema Klimawandel in den Chefetagen der bundesdeutschen Redaktionsstuben.