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Schwarzbuch WWF-Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda

inaktiver User 40900 schrieb am 31.05.2012 um 19:21

sueddeutsche.de, 28.05.12
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Umweltstiftung WWF in der Kritik
Die dunkle Seite des Panda

Von Lars Langenau

Der World Wide Fund For Nature gibt sich als Retter der Wildtiere. Das "Schwarzbuch WWF" kratzt nun gehörig am sauberen Image der Umweltstiftung. Fünf Beispiele für fragwürdige Geschäftspraktiken - von der Großwildjagd bis zu Runden Tischen mit Gentechnikriesen wie Monsanto.

Würde es nach dem Willen des World Wide Fund For Nature (WWF) gehen, würde dieses Buch wohl nie erscheinen. Mit der Forderung, vor Gericht bestimmte Behauptungen zu unterlassen, versucht der Umweltschutzverband mit dem Panda-Logo das "Schwarzbuch WWF - Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda" (Gütersloher Verlagshaus, 19,99 Euro) zu verhindern.

Noch ist der Fall nicht juristisch entschieden worden, aber schon jetzt hat der WWF einen Teilerfolg errungen: Nahezu alle großen Online-Buchhändler haben nach massivem Druck von Medienanwälten im Auftrag des mächtigen Verbandes das Buch aus ihrem Angebot verbannt. Präventiv. De facto kann es nur direkt über www.randomhouse.de bestellt werden. Von 10.000 Exemplaren wurde bislang gerade einmal die Hälfte verkauft .

Der WWF fürchtet offenbar Ungemach in Folge der Publikation. Denn es scheint eine dunkle Seite des Panda zu geben, der vertrauenswürdigen Marke, mit der Unternehmen gerne werben: Das gibt einen grünen Anstrich und dem Verbraucher das Gefühl, ganz konkret Gutes zu tun. "Nachhaltigkeit ist zum milliardenschweren Zauberwort geworden", sagt Wilfried Huismann.

Der Journalist, Filmemacher und Autor hat viele Jahre recherchiert. Erst für seinen Film "Der Pakt mit dem Panda". Nun für das "Schwarzbuch". Er reiste nach Argentinien, Chile, Indien, Nepal, Indonesien, USA, Schweiz - und seine Erkenntnis raubt Illusionen. Bei der "Nobelmarke unter den Naturschutzorganisationen" laufe nicht alles so, wie es scheint.

Anders als viele andere Umweltschützer wie etwa Greenpeace, setzt der WWF nicht auf Konfrontation, sondern möchte die Industrie "umarmen" - und so das Verhalten selbst von höchst umstrittenen Konzernen ändern. Eine Taktik, die auch innerhalb des Verbandes umstritten ist. Im Gegensatz zu anderen Umweltschutzverbänden nimmt der WWF auch Spenden aus der Industrie an. Wo bleibt da die Unabhängigkeit? Die Lektüre dieses Buches lässt an der gegenteiligen Behauptung des WWF zumindest Zweifel aufkommen.

Die Rückkehr der Großwildjäger

Der WWF setzt sich in seinen Kampagnen vorwiegend für große, charismatische Tiere ein - oft Tiger, Wale, Eisbären, Elefanten. Jüngst machte pikanterweise der König von Spanien Schlagzeilen, als er sich bei der Elefantenjagd in Botsuana eine Hüfte brach. Juan Carlos ist spanischer WWF-Ehrenpräsident und Großwildjäger - mit diesem Hobby kommt er in der Führungsriege des WWF keineswegs allein daher.

Prinz Philipp von Großbritannien, einst WWF-Präsident, erlegte zumindest einen Tiger. Auch im vom WWF mit konzipierten und finanzierten Kavango-Zambezi-Park ist die Jagdsaison eröffnet. "Das Wild Afrikas", schreibt Huismann, "gehört wieder den weißen Großwildjägern und westlichen Jagdreiseunternehmen. Es ist fast so schön wie früher."

Der dreifache Grimme-Preisträger beschreibt die blutige Verflechtung des ersten WWF-Präsidenten Prinz Bernhard der Niederlande mit dem Apartheid-Regime, weist personelle Verquickungen zwischen Mächtigen und WWF nach, sei es in Juntas oder im Ölgeschäft.

Er zeigt, wie der WWF von einer "Allianz aus Geld- und Blutadel" im geheimen "Club der 1001" gestützt wurde - einem "Old-Boys-Network" mit Namen wie Henry Ford, Baron von Thyssen, Aga Khan, Juan Antonie Samaranch, Alfred Heineken, Berthold Beitz, Friedrich Karl Flick sowie von Kriegsverbrechern und Staatsterroristen wie Mobutu Sese Seko.

Im Dschungelbuch-Disneyland

4000 wilde Tiger soll es auf der Erde noch geben. Mit Tigerbildern hat der WWF eine apokalyptisch angehauchte Kampagne entworfen. Das braucht man auch zum Eintreiben von Spenden zur "Rettung des Tigers". Etwa 100 von ihnen sollen im indischen Kanha-Nationalpark leben. Dorthin werden Safaris für knapp 10.000 Dollar angeboten. Premiumpartner des Reisebüros: der WWF. 155 Jeeps auch anderer Veranstalter brettern jetzt täglich durch den Park. Doch was hat das mit Naturschutz zu tun?

Für die Errichtung des Nationalparks mussten Hunderttausende Ureinwohner weichen und verloren ihre Heimat, obwohl sie dort seit Jahrtausenden gemeinsam mit den Raubkatzen leben. Um den Behörden Beine zu machen, zwang der WWF Indiens sie mit Hilfe eines Gerichtsbeschlusses, die Massenumsiedlungen zu beschleunigen. Jetzt sollen noch einmal bis zu einer Millionen Ureinwohner umgesiedelt werden, denn die alten Reservate werden vergrößert und neue sollen entstehen, schreibt der Autor.

Eine Maxime, die auch anderswo gilt. "Allein in Afrika sind 14 Millionen Menschen gegen ihren Willen umgesiedelt worden, um Platz für wilde Tiere zu schaffen", schreibt Huismann. Der WWF habe Umweltschutz von Anfang an als eine Art Fortsetzung des Kolonialismus mit anderen Mitteln gesehen.

"Vertreibung ist ein ganz dunkles Kapitel des Naturschutzes", sagt auch ein WWF-Sprecher der SZ. Aber: "Der WWF hat dazugelernt und lehnt Zwangsumsiedlung schon lange ab." Huismann dokumentiert jedoch eine andere Realität.

Der Panda und der Lachs

Der WWF arbeitet auch mit Marine Harvest aus Norwegen zusammen. Haupteigner: John Frederiksen, Finanzinvestor, Eigner der größten Tankerflotte der Welt, Marktführer bei Ölplattformen und der Mann, in dessen Händen ein Drittel der weltweiten Lachsproduktion liegt.

Frederiksens Firma lässt in Norwegen und vor der chilenischen Küste Lachse züchten. In Chile werden sie in riesigen Käfigen gehalten und mit so viel Antibiotika vollgepumpt, dass Huismann sie "schwimmende Apotheken" nennt.

Nachhaltigkeit sei bei der Lachsproduktion unmöglich: "Um ein Kilo Lachsfleisch herzustellen, werden vier bis sechs Kilogramm wildlebende Fische getötet" und zu Fischfutter verarbeitet, schreibt Huismann. Marine Harvest sei ein "janusköpfiges Monster", das sich in Norwegen grün und transparent gebäre, in Chile aber die Meeresökologie und das Leben der Menschen zerstöre.

Trotzdem schlossen der Konzern und der WWF 2008 einen Partnerschaftsvertrag.

    inaktiver User 40900 schrieb am 31.05.2012 um 19:21

    Lasst uns das Buch bestellen :-))

    grüne Grüße Gabi

    Steffen Walter schrieb am 31.05.2012 um 19:36

    Das Buch habe ich vorgestern bestellt, es ist auch über den Shop von Rettet den Regenwald erhältlich: https://www.regenwald.org/shop

    Maria_L schrieb am 31.05.2012 um 19:51

    Danke für den Hinweis.
    Es gibt auch im Spiegel einen langen Artikel dazu diese Woche.

    words.i.said schrieb am 31.05.2012 um 20:07

    Ich habe vor einiger Zeit in einem anderen Zusammenhang schon einmal gelesen, dass der WWF Tierversuche bestimmter Firmen gutheißen und sogar unterstützen soll. Konnte ich gar nicht glauben, aber so abwegig scheint das ja nun doch nicht zu sein.
    Natürlich, wie das so ist, komme ich jetzt nicht mehr drauf, wo genau ich das gelesen hab...

    Maria_L schrieb am 31.05.2012 um 20:27

    Hier haben wir schon ausgiebig zum Thema WWF diskutiert:
    https://utopia.de/0/gutefragen/fragen/ist-der-wwf-noch-glaubwuerdig
    https://utopia.de/0/blog/chook-s-blog/schwarzes-wasser-gruene-verflechtungen-und-bunte-krupuk-mit
    https://utopia.de/0/magazin/krombacher-klimaschutz-projekt-torfmoorregenwaelder-unbekannte-brennpunkte-borneo-co2?all=

    ajna schrieb am 16.06.2012 um 12:47

    2010 gab es schon einmal einen Beitrag bei der ARD über Lachsfang ("Lachfieber"), auch dort wurde der WWF kritisiert, über die Zusammenarbeit mit John Fredriksen, aber scheinbar gab es nicht viele Reaktionen!
    http://programm.ard.de/Programm/Sender?sender=28106&datum=2010-03-10&sendung=281065729472356&list=main

    inaktiver User 40900 schrieb am 16.06.2012 um 19:58

    Autor darf WWF kritisieren
    „Schwarzbuch WWF“: Umweltstiftung und Kritiker vor Gericht

    Von LARS LANGENAU

    Das Schwarzbuch WWF – Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda darf ohne Änderungen zunächst weiter vertrieben werden. „Der WWF muss sich Kritik gefallen lassen“, sagte die Richterin des Kölner Landgerichts, Margarete Reske, im Verfahren des World Wide Fund for Nature gegen den Autor Wilfried Huismann. Vor Gericht einigten sich beide Seiten am Freitag lediglich darauf, dass eine von dem mehrfachen Grimme-Preisträger interviewte WWF-Funktionärin in einer zweiten Auflage nicht mehr namentlich genannt wird und ihre Zitate herausgenommen werden. Die WWF-Expertin für nachhaltige Biomasse hatte sich in einem Interview für den ARD-Film Pakt mit dem Panda um Kopf und Kragen geredet. Im Nachhinein argumentierte sie, sie habe das TV-Interview nicht eindeutig freigegeben. Auch sei sie gegen die Verwendung ihrer Zitate in dem Buch, das auf dem Film basiert, nicht einverstanden. Die Richterin argumentierte, dass man einen Film eher vergesse als ein Buch. Deshalb sollten die Zitate nicht mehr wörtlich in einer zweiten Auflage erscheinen. Für den Justiziar des Gütersloher Verlagshauses, Rainer Dresen, ist dieses Detail völlig nebensächlich, weshalb sich Verlag und Autor hier einem Vergleich nicht verschließen wollten. Der entscheidende Vorwurf des Buches sei, so Dresen zur SZ, dass der WWF zu industrienah sei und viel zu eng mit Umweltzerstörern wie Gentechnikunternehmen, der Agrarindustrie, Ölkonzernen und sogar mit Militärdiktaturen kooperiere. Der WWF hält dagegen: Wer wirklich etwas erreichen wolle, dürfe nicht nur demonstrieren, sondern müsse auch Kompromisse aushandeln. Mit reiner Opposition erreiche man gar nichts für die Umwelt.

    Der WWF hatte in dem Zivilverfahren die Unterlassung von 13 Punkten gefordert und eine entsprechende „einstweilige Verfügung“ beantragt. Nun vertagte sich das Gericht zunächst um eine Woche, um den komplexen Sachverhalt wenigstens annäherungsweise klären zu können.

    Die Streitparteien versuchten, ihre Positionen mit Karten und anderem zusätzlichen Informationsmaterial zu untermauern. Zeitweise kam es dabei zu emotional und engagiert geführten Debatten. „Das öffentliche Interesse hinsichtlich des Umweltschutzes ist ganz erheblich“, sagte die Richterin, beiden Seiten bekämpften sich mit einer Vehemenz, welche die Möglichkeit einer gütlichen Einigung zunehmend verstelle. Sie warne „sehr davor, dieses Verfahren hier aus dem Ruder laufen zu lassen“. Beiden Parteien gab sie noch Zeit bis zum 20. Juli, sich über die diversen Änderungsbegehren des WWF gütlich zu einigen.


    Süddeutsche Zeitung, 16.06.2012, Seite 23 (München)--------------------------------------------

    Steffen Walter schrieb am 16.06.2012 um 20:35

    Ich habe das Buch inzwischen gelesen und vertrete immer mehr die Auffassung, dass hier eindeutig ein klassisches David-gegen-Goliath-Szenario vorliegt. Der Autor trifft mit seinen Informationen ins Schwarze, und der WWF als Großorganisation mit sehr zweifelhafter Konzernnähe versucht, ihn mundtot zu machen - ein geradezu exemplarischer Fall von Asymmetrie. Weshalb sollte Winfried Huismann auch daran gelegen sein, den WWF einfach so "abzuschießen"? Seine im Buch verarbeiteten Recherchen sprechen eine andere Sprache.

    Und für den WWF gilt offenbar der berühmte Ausspruch „Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.“ (John Emerich Edward Dalberg-Acton, 1887). Getroffene Hunde bellen...

    Maria_L schrieb am 02.07.2012 um 19:25

    Neuer Artikel zum Thema WWF und Huismann

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/streit-um-den-wwf-gruenwaescher-oder-planetenretter-1.1399190-2