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Strompreis EEG Klimaschutz etc - gestern Thema der Phoenix Runde mit spannenden Gästen

berniewa schrieb am 23.01.2014 um 16:16

Die gestrige Phoenix-Runde möchte ich an dieser Stelle weiterempfehlen [Link im Text unten zu finden]

(auch wenn sie für mich selbst keine wesentlich neuen Argumente brachte - aber mensch soll ja nicht einfach von sich auf andere schließen)


Dazu auch folgende Glosse, die ich vor einigen Minuten getippt und schon an anderer Stelle gepostet habe (die Mitglieder und externen Leserinnen/er der versch. Gruppen sind ja nicht dieselben; daher kennen es evtl noch einige hier Lesende noch nicht)


Die Energiewende-& Klimaschutz-Dämmerung,
noch zu Zeiten von Scheer und Trittin vor gut 10 bis 15 Jahren
eher ein Sonnenaufgang,
ist dabei, zu einem Sonnenuntergang zu werden.


Die Regierung setzt, mit S. Gabriel als Gallionsfigur,
- eigtl. muss ich "wieder" sagen (denn mit der FDP war's ja teilweise noch schlimmer) -
die Klimaschutzziele ebenso wie eine erfolgreiche Energiewende
aufs Spiel, und leitet eine versteckte Kohle-Wende ein.

Da mimte Frau Atalay in der Phoenix Runde gestern
wieder einmal recht gut "die Durchschnittsbürgerin/den Durchschnittsbürger"

denn auch in dieser Phoenix-Runde
www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/diskussionen/_koalition_unter_strom_wer_zahlt_die_energiewende_/798733?datum=2014-01-22
wie in jeder, die ich in den ca letzten 2 oder 3 Jahren zu ähnl. Thema gesehen habe,
scheint sie nicht zu verstehen, dass gigantische Kosten,
- monetär berechnet: Hunderte Milliarden Euro seit Jahrzehnten -,
die fossiler und atomarer Energieverbrauch
allein in Deutschland verursacht,

nicht im Strompreis bzw. Benzin-, Heizöl-Preis etc enthalten sind,

sondern versteckt über Steuern

oder gar von Menschen anderer Länder
und zukünftigen Generationen

bezahlt werden.

Nun, in der letzten Sendung gab es einen Hoffnungsschimmer
Da schien es ihr doch endlich zu dämmern - im positiven Sinn.

Wann wird es, so frage ich fast schon verzweifelt, bei den meisten Deutschen auch endlich dämmern?

(die Ergebnisse der bisherigen Bundestags- und Europawahlen
deuteten ja leider nicht darauf hin,
dass es bei der Mehrheit in dieser und anderen Fragen
schon allzusehr gedämmert hat -
ein Trauerspiel
- tragisch, weil die meisten Handelnden sich auch selbst damit massiv schaden;
noch mehr, als sich selbst, allerdings (schaden sie damit) Menschen weltweit,
die z.B. am Klimawandel noch viel mehr zu leiden haben
(sogar oft noch mehr, als z.B. deutsche Hochwasseropfer)
und viele Menschen auch kommender Generationen.

Grüße mit einem Rest an Hoffnung,
Euer Bernie W.

p.s.

Die UN Klima-Kommissions-Chefin hat erst gestern in Davos ausdrücklich alle Staaten der Welt dazu
aufgerufen, noch viel mehr, als bisher gegen die Klimakatastrophe zu tun - nicht weniger

und n.b. die Klimakatastrophe ist nicht der einzige, aber sicher einer der wichtigsten Gründe für
die Energiewende - neben den AKW und Atommüllrisiken, neben Umweltzerstörungen durch Kohle- und
Erdöl förderung und Verbrennung, Geldverschwendung für fossile Rohstoffimporte (v.a. für arme
Länder und arme Menschen der Welt sind Kosten für Erdöl, Benzin etc ein direkter Veramungsfaktor
(bis hin zu Menschen in Slums, die statt Solarkochern bis heute oft mit Benzin kochen) und anderen
Gründen

    berniewa schrieb am 23.01.2014 um 18:22

    zurecht wurde zwar in der erwähnten Runde angesprochen,
    dass Elektrizität nur einen. T e i l. der Energiewende betrifft,
    und auch Wärme, Verkehr etc dazu gehören,

    bezeichenderweise wurde aber auch diesmal fast kein einziges Wort
    darauf verwendet,
    dass auch die Ernährung ein Teil davon ist,

    weil schon eine Umstellung von nur 50% der bisherigen
    Nahrungsmittel aus Fleisch, Milch und Eiern
    auf rein pflanzliche,
    neben anderen positiven Effekten
    auch einen großen Klimaschutz-Effekt hätte.

    n.b. Weil es immer noch viele Menschen nicht wissen
    oder immer wieder allzuleicht vergessen:

    Weit mehr als die Vierfache landw. Fläche wird benötigt
    um dieselbe Menge Proteine etc zu erhalten,
    wenn diese auf dem Umweg über Tierfutter aus Fleisch,
    Milch oder Eiern stammt,
    statt direkt aus Pflanzen
    (welche nicht nur den Bedarf an Kohlehydraten,
    sondern auch den an Proteinen
    sehr wohl völlig problemlos decken können)

    lukita schrieb am 23.01.2014 um 21:41

    Danke für die Info und den Link! Das ist eine interessante Gesprächs-Runde.

    lukita schrieb am 23.01.2014 um 23:04

    So, jetzt habe ich mir mal ein paar Notizen zur Sendung gemacht....

    Pinar Atalay diskutiert in der phoenix-Runde mit
    Bärbel Höhn (B90/Grüne Vorsitzende Umweltausschuss Bundestag)
    Hermann Falk (Geschäftsführer Bundesverband Erneuerbare Energien e.V.)
    Swantje Küchler (Leiterin Energiepolitik "Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft")
    Andreas Kuhlmann (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW)

    Kuhlmann: Ziel der GroKo sei, dass Ausbau der Erneuerbaren in verlässlichem, vernünftigem Rahmen stattfindet... Ziel: effizient, straff und mit ambitioniertem Zeitplan…

    Falk: Wir müssten mutig vorangehen, um Klimaschutzziele zu erreichen… mehr Mut im Ausbau der Erneuerbaren gewünscht… 45% Erneuerbare bis 2020 sei mal selbst von der CDU für möglich gehalten worden… These, dass zum Jahreswechsel 2014/2015 der Anteil des Ausbaus der Erneuerbaren in der EEG-Umlage nicht weiter steigen wird… neue Anlagen im Bereich Wind und PV würden nicht zur weiteren Kostenentwicklung beitragen … teilweise vorauseilender Gehorsam der Regierung in Hinblick auf Angleichung auf EU-Ebene…

    Höhn: Eckpunkte-Papier von Gabriel gehe in die falsche Richtung…. Papier würde auch von Ministerpräsidenten der Länder kritisiert… zwei Gewinner der Erneuerbaren: Wind an Land und PV… weiterer Ausbau dieser Energien würde die Preise für Verbraucher nicht nennenswert erhöhen… 0,01 – 0,1 Cent/kWh… genau diese beiden Energieformen sollen gedeckelt werden… Windparks haben lange Vorlaufzeiten bis zur Realisierung… alleine durch die Ankündigung der Kürzung würden Arbeitsplätze gefährdet… Energieministerin Rheinland-Pfalz spräche von 3.000 Arbeitsplätzen in der Windkraft, die gefährdet seien… Windkraft sollte verstärkt im Süden gebaut werden im Ausgleich zu den abzuschaltenden Atomkraftwerken…

    Höhn: Versuch der Grünen, über die Länder Einfluss zu nehmen… Gabriel gehe es um den Erhalt der Kohle-Arbeitsplätze…

    Küchler: Konventionelle seien eigentlich viel teurer… da EEG-Umlage auf Stromrechnung ausgewiesen wird, sei es offensichtlich, dass hier eine Energie gefördert wird… die Förderung der konventionellen Energien seien versteckte Kosten… Atomenergie 187 Mrd Euro Subvention seit 1970… Folgekosten seien nicht eingepreist… Kohlekraftwerk zahlt 5 Euro pro Tonne CO2… tatsächlichen Kosten lägen bei 80 Euro pro Tonne…

    Kuhlmann: 50% des Strompreises seien Steuer-Abgaben, ¼ Vertrieb und Erzeugung, 20% Netz-Entgelte …. Debatte, wer muss welche Umlagen zahlen…

    Küchler: Kosten bei konventionellen Energien seien höher, tauchen aber nicht auf der Stromrechnung auf, sondern laufen über die Steuer… Folgekosten würden wir zukünftigen Generationen anlasten…

    Höhn: Großbritannien überlege, neue AKW zu bauen… es würde überlegt, einen garantierten Preis für 35 Jahre von 13 Cent/kWh festzuschreiben… Windkraft 7-9 Cent/kWh, PV unter 13 Cent/kWh… in GB würden Investoren fast den doppelten Preis verlangen… Investition in AKW sei inzwischen teurer als Investition in Erneuerbare Energien… Atommüll und Lagerung sei bei dieser Rechnung noch nicht enthalten…

    Kuhlmann: Preise in der Stromrechnung seien für manche eine schwierige Belastung… für mittelständische Unternehmen und Haushalte mit geringem Einkommen… gesunkene Börsenpreise würden teilweise weitergegeben…

    Höhn: Einkaufspreis an der Börse habe sich halbiert… 2008 sei er bei 8 Cent/kWh gewesen, jetzt bei 4 Cent/kWh… gesunkener Börsenpreis käme noch zu selten bei den Kunden an…

    Kuhlmann: Wettbewerb… Kunde könne doch wählen…

    Höhn: Fairer Strompreis: Wir müssten an die Befreiung der Unternehmen von der EEG-Umlage ran… Strompreis könnte man um 1 Cent/kWh senken, wenn man Unternehmen wieder aus der Befreiung von der EEG-Auslage rausnehmen würde, die nicht ausgenommen sein müssten…

    Falk: Durch die Erneuerbaren sei der Strompreis an der Börse inzwischen halbiert worden… viele Unternehmen sollten wieder zurück in die EEG-Umlage kommen…

    Kuhlmann: Da sei was aus dem Ruder gelaufen… wer Strom selbst verbraucht, braucht keine EEG-Umlage zahlen… auch keine Steuer und Netzentgelte etc. … bei der Industrie gäbe es auch Punkte…

    Falk: Eine Investition in Erneuerbare Energien sei immer noch auch Risiko-Kapital und eine Investition, die auch schief gehen könne…

    Küchler: Es sei sinnvoll, den Eigenverbrauch zu fördern… ob Beteiligung an EEG-Umlage, sei zu überdenken… Finanzierung der Kosten über Strompreis sei sinnvoll, um auch deutlich zu machen, dass Strom etwas kostet…

    Höhn: Wir würden zu wenig über die Heizkosten reden… bei der Heizenergie habe es eine stärkere Erhöhung der Preise gegeben als beim Strom… Vorteil der Erneuerbaren, dass wir uns unabhängig machen… das Geld nicht mehr in die arabischen Länder und zu Putin überweisen…

    Höhn: Wir hätten alle drei Jahre eine Jahrhundertflut… wir müssten unseren CO2 Ausstoß reduzieren… warum würde die EU nicht ehrgeiziger an die Aufgabe rangehen…

    Falk: Mit dem neuen Ausbaukorridor lt. Eckpunkte-Papier seien die Klimaschutz-Ziele nicht zu erreichen…

    Kuhlmann: Es gäbe zwei Ziel-Ebenen: Europa und national… nationale Ziele seien nur zu erreichen, wenn mehr Aktivitäten auch auf dem Wärmemarkt…

    Höhn: Höhere Ziele für Deutschland als auf EU-Ebene… in Deutschland pro Kopf mehr CO2-Ausstoß als im europäischen Durchschnitt…

    Küchler: Wirtschaftskrise… Überschuss an Zertifikaten im Markt…

    Kuhlmann: Mengenziel würde aktuell erreicht werden… Preise für Zertifikate würden steigen bei höheren Klimaschutz-Zielen…

    Höhn: Es seien zu viele Zertifikate ausgegeben worden… CDM in China sei billig… Emissionshandel sei ausgehöhlt worden… ursprünglich 35-50 Euro pro Zertifikat… aktuell 5 Euro… Zertifikate müssten raus aus dem Markt… Börsenpreis würde dann steigen und die EEG-Umlage dadurch niedriger ausfallen… Braunkohle müsste ein bisschen mehr zahlen…

    Kuhlmann: Wenn wir in Deutschland weniger emittieren würden, könnten andere mehr emittieren… der Dreck von Deutschland würde dann einfach nur ausgelagert…

    Küchler: Zielanpassung… Zertifikate aus dem Markt nehmen… wenn wir die Energiewende hinkriegen und weniger Zertifikate bräuchten, würden wir es im ersten Moment leichter für ausländische Kohlekraftwerke machen… aber wir würden es auch leichter für verschärfte Ziele machen - in der Zukunft oder heute…

    Höhn: Niederlande habe Steuer auf Kohlekraftwerke… der Strompreis an der Strombörse in Deutschland sei niedriger als in den Niederlanden und in Frankreich… Alu-Unternehmen aus den Niederlanden habe Insolvenz angemeldet, weil deutsche Konkurrenz zu günstig anbieten könne…

    Kuhlmann: Stromproduzenten in NL würden sich ärgern… Stromverbraucher würden sich freuen…

    Falk: Pressemeldung des niederl. Alu-Konzern habe auf deutsche Konkurrenz verwiesen… Kraftwerke in NL hätten Schwierigkeiten… Export-Überschuss: wir würden mehr am Export von Strom verdienen als wir für den Import zahlen müssten…

    Höhn: Gaskraftwerke würden aus dem Markt gedrängt… Braunkohle würden boomen... da ist was faul…

    Falk: Energiewende sei auf so vielen Schultern und Füßen unterwegs… das sei nicht mehr aufzuhalten… Energiewende-Dividende: durch Erneuerbare Unterschreitung der Kostenentwicklung, die wir mit konventionellen Energien hätten…

    Zum Weiterlesen:
    Kosten und Subventionen der konventionellen Energieträger
    Strompreis-EEG-Umlage 2013- warum steigt der Strompreis?

    berniewa schrieb am 24.01.2014 um 14:05

    danke für die ausführliche protokollierung bzw notierung vieler gesprächsdetails

    und die beiden links zu 2 informativen gruppenforen zu diesen themen

    berniewa schrieb am 24.01.2014 um 14:06

    Zusammenschau von Kritik, Hintergründen und Aktionsaufrufen
    zum neuen Energiekonzept der dt.Bundesregierung:

    1. http://www.gruene-bundestag.de/themen/energie/gruener-plan-fuer-eine-erfolgreiche-energiewende_ID_4390529.html

    2. http://eurosolar.de/de/index.php/medien-mainmenu-53/pressemitteilungen-mainmenu-16/1833-eurosolar-energieminister-gabriel-ist-noch-auf-dem-falschen-weg ;

    3. außerdem erinnernswert die Studie des FÖS, worin die staatl. Subventionen für
    Kohle- und Atomenergie seit 1970 verglichen werden mit denen für Erneuerbare Energien:
    http://www.foes.de/pdf/2012-08-Was_Strom_wirklich_kostet_Factsheet.pdf

    4. Desweiteren, als Hintergrund-Info, eine Grafik, die unter anderem zeigt, dass
    bei den klimaschädlichen Emissionen weltweit Deutschland immer noch ganz weit vorn
    mit dabei ist http://gizmodo.com/the-worlds-biggest-global-warming-offenders-visualize-1503302838?utm_campaign=socialflow_gizmodo_facebook&utm_source=gizmodo_facebook&utm_medium=socialflow

    5. Campact Petition: https://www.campact.de/energiewende/appell-2014/teilnehmen/

    6. Energiewende-Demo in 7 deutschen Landeshauptstädten am 22. März
    und eine evtl. zentrale Demo am 10.Mai: http://energiewende-demo.de
    (ich persönlich finde, v.a. weil es anfahrtstechnisch viel umweltfreundlicher ist,
    die de-zentrale Variante in mehreren Städten besser !)

    lukita schrieb am 24.01.2014 um 14:12

    zu 3) Die wesentlichen Punkte der Studie des FÖS finden sich in dem Beitrag Kosten und Subventionen der konventionellen Energieträger in der Utopia Gruppe "Erneuerbare Energien".

    berniewa schrieb am 24.01.2014 um 14:18

    ja, unter anderem

    (n.b. auch ich hab schon öfter an versch. stellen darauf verwiesen, oder auf die wesentlichen inhalte (wenn auch ohne direkten link zur studie, sondern ggf indirekt z.b. als bei greenpeace energy eine zusammenfassung wichtiger fakten stand u.s.w. --
    ein direkter link hier in der zusammenschau dürfte trotzdem für viele hilfreich sein denk ich)

    berniewa schrieb am 24.01.2014 um 14:22

    In der FÖS Studie sind übrigens, das sei allen noch zusätzl ins Bewusstsein gerufen, viele andere "Kosten" - monetäre oder humanitäre etc - noch nicht einmal miteingerechnet, sondern v.a. die direkten Subventionen in Deutschland aus dem jew Staatshaushalt - für Kohle, Atom etc im Vgl zu EE

    noch nicht z.B. bzgl Erdöl und seine Derivate wie Benzin etc (Kriege wie der Kuwaitkrieg in den 1990ern oder Militärrüstung für wenig demokratische Staaten wie etwa Saudi-Arabien etc) oder ökol. und humanitäre Folgen von Kohleimporten, etwa aus Kolumbien ... oder auch Klimafolgekosten weltweit