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Ist es ökologisch unkorrekt nachts Strom zu verbrauchen?

hessen-bursche fragte am 22.03.2011 um 15:20

Ich frage mich immer wieder, ob der Stromverbrauch außerhalb der Spitzenlastzeiten, also z.B. spät nachts, ökologisch problematisch ist. Da ja Atom- und Kohlekraftwerke wohl kaum geregelt werden können und das Speichern von Strom über Wasserbecken auch eingeschränkt ist, müsste es doch nachts zu viel Strom geben. Kann ich also mit einem grünen Gewissen, wenn mir das Geld egal ist, nachts z.B. meine halb-volle Spül- oder Waschmaschine anschalten, statt zu warten, bis sie gefüllt ist?

  • antwortete am 23.03.2011 um 08:50
    Ich kann gut verstehen, (umgekehrt) den Stromverbrauch in solche Phasen zu verschieben, indem ein "Überfluß" vorhanden ist, z.B. bei eigenen PV-Anlagen, die unter voller Einstrahlung ins Netz einspeisen. Unter eigener Regie produzierter Strom ist m.E. selbstbestimmter zu verwenden wie zu verschwenden. In dem Moment, wo ich mit meinen Verbrauchsverhalten in das Netzverhalten und Stromproduktion ANDERER eingreife, wächst die Verantwortung.
    Für eine Auswirkung relevant kann jedoch nur das Massenverhalten sein. Einen Trend für unökologisches Verhalten zu begründen, verböte mir der kategorische Imperativ.

    "Kann ich also mit einem grünen Gewissen, wenn mir das Geld egal ist, ..."
    Natürlich kannst du dir ein grünes Gewissen herbeireden, wir tun das alle in einem selbst definierten Bereich. Betrachten wir den ökologischen Fußabdruck unserer Gesellschaft mit einer anderen, die weniger auf Techniknutzung getrimmt ist. Eine einzige Interkontinental-Flugreise mag die gesamte Ökobilanz eines engagierten Haushaltes unterlaufen. Doch niemals wird unser Streben in den Industrieländern die Bilanz einer Person oder Familie in einem "unterentwickelten" Land erreichen. Nicht mal ansatzweise. Um ein Vorbild weltweit zu werden, bedarf es mehr als einem "Weniger", sondern ein Rütteln an den Grundfesten.

    Meine Predigt lautet seit langem, die Gesamtbilanz zu betrachten, diese in Summe zu bewerten, nicht Einzelaspekte oder rein statische Minimaleffekte überzubewerten. Die halb leere Wasch-Geschirrspülmaschine als Ausnahme fände ich belanglos, als Regel verbesserungswürdig. Ohne deren Anteil am Gesamtverbrauch zu kennen, ist ein Urteil darüber haltlos.

    Beispiel: ein sparsamer Haushalt genehmigt sich die halbvolle Maschine bei Gästen (Geschirr wie Bettwäsche). Demgegenüber: ein voll elektrifiziertes Lichtspielhaus verschwendet durchgehend 50% des Stroms für ineffiziente Halogen-Spielereien, da mögen effziente, halb gefüllte Spülmaschinen ein Klacks sein. Der Kontext ist m.E. entscheidend. Einsparung sollte dort stattfinden, wo ein bedeutsamer Faktor in der persönlichen Bilanz verbesserungsfähig ist.

    Das könnte in deinem Fall sein: jede Woche gezielt 1-2 Mal auf´s Auto verzichten, umsteigen auf Rad oder ÖPNV, dann könnte die halbleere Maschine mit "gutem Gewissen" laufen. Der langfristige Effekt, sollte deine Lust auf Fahrrad oder Carsharing steigen, wäre enorm. Der Effekt, die Maschine statt halbleer voll laufen zu lassen, wesentlich geringer.

    So meine Meinung. Ich finde es vorbildhaft, dass du diese Frage offen und dich der Kritik stellst.
  • antwortete am 22.03.2011 um 16:52
    Wind weht auch Nachts, Wellen gibt es ebenfalls auch Nachts, Flüsse fließen auch Nachts und Solarenergie aus Speichern (z.B. aus einem Gebirgssee mit Pumpspeicherkraftwerk) ist auch Nachts nutzbar, so dass ich da kein allzu großes Problem sehe, auch nicht bei Ausbau der erneuerbaren Energien

    Energiesparen bleibt aber auch grundsätzlich auch weiterhin eine Tugend, auch Nachts ;`)
  • antwortete am 22.03.2011 um 17:23
    Die von Dir beschriebenen Gedankengänge haben dazu geführt, daß in Belgien nahezu das gesamte Autobahnnetz beleuchtet wird. Macht das Sinn? Keineswegs! Wie im Großen, so im Kleinen. Es gibt keine Entschuldigung für unnötigen (Strom-)Verbrauch.
  • antwortete am 22.03.2011 um 17:58
    Hey hessen-bursche,

    egal ob tags oder nachts, strom sparen ist IMMER mega-wichtig. Es ist tagsüber genauso wichtig wie nachts.
    Stell dir vor, wir würden nachts keinen Strom mehr verbrauchen - da müssten die AKW alle sofort abschalten, da sie ein tägliches auf und ab garnicht verkraften würden.
    Also bitte nicht die Maschinen halbvoll laufen lassen :-)

    viele Grüße!
    Mela
  • antwortete am 23.03.2011 um 10:48
    Aufgrund der nächtlichen Überschüsse wurden einmal Nachtspeicher-Heizungen propagiert und mit Billig-Preis subventioniert.

    Mancherorts sorgte dies dann für Spitzenlasten und zusätzliche Ausbauten!

    Wenn man das genau wissen wollte, müsste man genau das Strom erzeugende/leitende Umfeld betrachten.

    Wenn ich meine 99%-autarke Anlage auf Sardinien mit dem Netz nachlade, dann nur nachts, weil dort wirklich ungenutzte Überschüsse anstehen, weshalb auch automatisch (ohne Antrag) dieser Strom dann zig Prozent günstiger ist.


    http://www.oeko-energie.de/energieberatung/index.php#6043659eab1007a01
    .
  • antwortete am 26.03.2011 um 21:13
    Wie kommst Du denn auf die Idee, dass Kohle- oder Atomkraftwerke nicht geregelt werden können? Das wäre ja furchtbar. Energieerzeuger (egal mit welchem Rohstoff) prodozieren Strom nach einem sogenannten Fahrplan. Der wird möglichst genau dem Bedarf angepasst. Da der Strombedarf aber nicht hindertprozentig prognostiziert werden kann, gibt es immer Überschüsse oder Engpässe, die dann ver- oder dazugekauft werden müssen. Und zwar zum momentanen Börsenpreis, der auch negativ sein kann. Das bedeutet Überkapazitäten, die ins Netz eingespeist werden. müssen wenns dumm läuft auch noch vom Einspeiser bezahlt werden. Soviel mal vereinfacht zu den Grundlagen. Wenn also der Fahrplan besagt, dass ein Kraftwerk nachts nur in der Grundlast zu fahren ist, so ist das selbstverständlich möglich.

    Es ist in Ordnung nachts Strom zu verbrauchen, weil Du mit Deinem Haushaltsstrom ohnehin nur im Promillebereich des Stromverbrauches eines Gebietes liegst. Mir scheint, Du hast keine Ahnung (nicht bös gemeint) von den Relationen. Wenn Du nur einmal bedenkst, dass ein stinknormaler Supermarkt im Jahr um die 100.000 kWh und mehr verbraucht, dann ist Deine Spülmaschine kaum zu bemerken.

    Ansonsten gebe ich Mela uneingeschränkt recht. Niemals Strom vergeuden und bitte die Stromverbraucher effizient nutzen. Also Waschmaschine, Geschirrspüler und co. nur wenn sie wirklich voll sind. Dann auch bedenkenlos nachts.

    Viele Grüße Gaggag

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