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Wie schädlich ist Biogas?

merchalien67 fragte am 13.02.2018 um 19:50

Hallo Zusammen.
Ich beziehe seit mehr als einem Jahr Naturstrom aus Biogas und bin eigentlich sehr glücklich damit. Bis vor kurzem ein paar Freunde bei uns waren und uns über die vermeintlichen Nachteile von Biogas aufgeklärt haben. Monokulturen, fehlende Anbauflächen, ihr kennt die Argumente.
Das Hauptargument von unseren Freunden war (knapp zusammengefasst), dass Strom aus Biogas immer nur für eine priviligierte Minderheit hergestellt werden kann, denn sobald die Mehrheit der Leute diese Art von Strom will, muss der Rest der Welt verhungern (keine Anbauflächen für Lebensmittel mehr). Würdet ihr sagen unter dem Gesichtspunkt ist Biostrom sinnlos, bzw. was haltet ihr im allgemeinen von dieser Art Strom?

  • antwortete am 14.02.2018 um 14:03
    Ich beziehe jetzt seit zwei Jahren Ökostrom und hab mir die Frage, die du stellst, auch schon oft gestellt. Die Nachteile, die deine Freunde da beschreiben, gibt es, das steht schon mal fest. Es gibt sogar noch viel mehr. Nicht umsonst hat der Bund die Förderung von Biogasanlagen massiv gedrosselt: http://www.sueddeutsche.de/news/wissen/umwelt-strom-aus-guelle-bauern-sehen-sich-bei-biogas-im-umbruch-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-170724-99-365875

    Letztendlich ist Strom aus Biogas vielleicht nicht die perfekte Lösung, aber wesentlich besser als Atom- oder Kohlestrom etc. Denn natürlich gammelt nicht in jeder Anlage Mais aus Monokulturen. Ein großer Teil des Gases kommt eben auch aus Kläranlagen oder von Mülldeponien. Also Gas, das so oder so entsteht, egal wie wenig Mais irgendwo angebaut wird. Wichtig ist nur, dass der Methangehalt hoch genug ist. Biomüll z.B. hat einen höheren Methangehalt als etwa Maissilage ( vgl. http://www.preisvergleichgas.org/biogas-oekogas/ ). Würden mehr Leute ihren Müll vernünftig trennen, dann wäre in die Richtung schon mal einiges getan.

    Aber zu der grundsätzlichen Frage: Klar, auf der einen Seite möchte man mikropolitisch möglichst viel erreichen und hofft, dass jeder Cent, den man für das richtige Produkt ausgibt, hilft, auf der anderen Seite gibt es den Kapitalismus, der so viel (im negativen Sinne) regelt und sich nicht einfach abschalten lässt, in dem man Bio kauft. Am Ende braucht es immer eine reflektierte Kapitalismuskritik und man muss vermutlich auch mal Marx lesen. Klar, Öko/Bio wird niemals die ganze Welt ernähren und ist immer nur für eine privilegierte Minderheit möglich. Aber gerade weil man Teil dieser privilegierten Minderheit ist, ist man auch in der Verantwortung, Mikropolitik zu betreiben. Mit Naturstrom wird der Planet nicht gerettet, aber vielleicht lebt er ein paar Jahrzehnte länger.

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