Deutschlands Website Nr. 1 für nachhaltigen Konsum
Unternehmen

Adidas, Nike und Puma auf dem Prüfstand

Für die einen Spaß am Sport, für die anderen ein Riesengeschäft und für wieder andere eine Menge – unbezahlter? – Überstunden: Die weltweit größten Sportbekleidungshersteller Nike, Adidas und Puma statten insgesamt 26 der 32 teilnehmenden Mannschaften mit ihrem Logo aus und erwarten wachsenden Umsatz rund um die Fußballweltmeisterschaft. Grund genug, sich einmal anzusehen, ob es mittlerweile nachhaltig produzierte Trikots gibt.


Naht die WM, wird noch mehr genäht

Neben den Umwelt- und gesundheitlichen Aspekten stehen die sozialen Bedingungen der Hersteller weiterhin in der Kritik. Alle drei Unternehmen sind Mitglied der Fair Labour Association (FLA) und verfügen über eigene Codes of Conduct. Dennoch werden Arbeiterinnen in den Zulieferbetrieben vielfach unter Existenzniveau bezahlt, gehören Überstunden zum Alltag. „Einige Outdoorhersteller zahlen existenzsichernde Löhne, die auch die Kinder der Näherinnen umfassen. Die Firmenregeln von Nike, Adidas und Puma hingegen sind so formuliert, dass Schlupflöcher bleiben, um nur die eine Arbeiterin mit dem nötigsten zu versorgen“, bemängelt Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero e.V. (CIR).

Nike, Adidas und Puma argumentieren, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt werde, würden sie höhere Löhne zahlen. Das Trikot der deutschen Elf etwa kostet 80 Euro inklusive Mehrwertsteuer, vom Nettopreis werden gerade einmal gut fünf Prozent für Stoff, Näharbeiten und Verschiffung fällig, wie das Wall Street Journal zusammenfasst. „Es ist leider sehr unwahrscheinlich, aber eigentlich müssten sich die großen Drei nur zusammensetzen und menschenwürdige Löhne vereinbaren. In allen anderen Bereichen könnte der Markt ohne negativen Effekt für die Unternehmen beim Status quo bleiben“, wünscht sich Pflaum.

Kein erster Platz für Sozialstandards

Im Bereich der Lohn- und Arbeitsbedingungen unterscheiden sich die Marken überhaupt nicht: „Die drei sind sich hier so was von ähnlich, die lassen zum Teil in denselben Fabriken produzieren. Es ist reiner Zufall, bei wem ein Skandal entdeckt und öffentlich gemacht wird“, bedauert Pflaum.

Neben einer Einigung auf höhere Löhne sieht er zum einen längere Lieferfristen, denn zu oft soll die Ware zu schnell die Verkaufsländer erreichen, was die Arbeiterinnen unter Druck setzt. Zum anderen nennt Pflaum ein verbessertes Kontrollsystem: „Hier müsste eine unabhängige Lösung mit Arbeiter- und Multistakeholderbeteiligung geschaffen werden“, erläutert er, „die derzeitige Selbstkontrolle funktioniert nicht.“ Und schließlich trägt auch die zunehmend kritische Presse dazu bei, dass viele Menschen das Problem kennen und Abhilfe fordern.

Umwelt schützen – Gift vermeiden

Presse und Öffentlichkeit sind Instrumente, auf die sich Greenpeace versteht. Mit der Detox-Kampagne versucht die Organisation bereits seit 2011 die Unternehmensverantwortung für Umwelt und Verbraucher publik zu machen. Mit Erfolg: Wenige Wochen nach Start von Detox verpflichtete sich Puma, kurz darauf auch Nike und schließlich Adidas, gefährliche Chemikalien bis zum Jahr 2020 aus Produkten und Herstellungsprozessen zu verbannen. Dabei handelt es sich um Substanzen wie Nonylphenolethoxylate, die in die Nahrungskette gelangen, sich in der Umwelt anreichern und langfristig ein großes Risiko für die Gesundheit darstellen.

Rückschläge bleiben jedoch auch für Detox nicht aus, vor wenigen Tagen stellte Greenpeace alle drei Unternehmen erneut an den Pranger: Die WM-Kollektionen mit Fußballschuhen, Handschuhen und dem offiziellen WM-Ball Brazuca enthielten gefährliche Chemikalien. Die Rote Karte ging dabei an Adidas, Greenpeace sah hier deutlich weniger Maßnahmen umgesetzt als bei den beiden Konkurrenten.

Better Cotton und das PET-Recycling

Bei den verwendeten Materialien bewegen sich Nike, Adidas und Puma in die richtige Richtung – allerdings mit der Geschwindigkeit einer Altherren-Mannschaft. Kunstfasern werden zunehmend aus recyceltem Plastik wie PET gewonnen, die Herkunft von Leder wird dokumentiert, daneben gibt es Ziele, den Anteil nachhaltig produzierter Baumwolle zu erhöhen. Adidas zeigt sich hier als Fan der Better Cotton Initiative (http://bettercotton.org/): Bis 2015 sollen 40 Prozent, bis 2018 sogar 100 Prozent dieser zertifizierten Baumwolle verwendet werden. Bei Better Cotton handelt es sich um eine Initiative, die in Bezug auf Wasser und Böden sowie den Einsatz von Chemikalien umweltverträglicher angebaute Baumwolle fördert. Genmanipulierte Saaten bleiben allerdings erlaubt, Management und Prüfung für die Öffentlichkeit intransparent. Von echter Biobaumwolle sind weiterhin nur Spuren in den Kollektionen zu finden, die Entscheidung wird dem Käufer übertragen.

Muss unbedingt eine Medaille vergeben werden, dann geht sie an Puma ...

Auf den Verbraucher setzte der kleinste der drei großen Hersteller bereits seit der letzten WM. Zunächst brachte Puma 2011 eine Tüte aus Maisstärke auf den Markt, die in den kommenden Jahren Verpackungen wie den klassischen Schuhkarton ersetzen soll. 2013 folgte Pumas Öko-Kollektion, die die Umwelt ein Drittel weniger als herkömmliche Produkte belasten soll und das Cradle-to-Cradle-Prinzip verfolgt. Der kompostierbare Schuh InCycle ist mit 95 Euro aber rund zehn Euro teurer als ein Klassiker.

Vorausgegangen war diesem Angebot eine ökologische Gewinn- und Verlustrechnung, mit der Puma die Umweltbelastung seiner Produkte beziffern will – für das Geschäftsjahr 2010/2011 satte 94,4 Millionen Euro. Damit positionierte sich das Unternehmen als Pionier. Umweltbilanzen für Produkte werden seit Jahren von Experten als wichtiger Schritt zu Transparenz und Nachhaltigkeit gefordert, doch die Wirtschaft reagiert zögerlich. Das Unternehmen startete hier mit den beiden wichtigsten Faktoren Wasserverbrauch und Treibhausgasemissionen, wie Kerstin Neuber von Puma mitteilt, wird dieser Bereich jedoch mittlerweile vom französischen Mehrheitsaktionär Kering auf Konzernebene betreut.

Der Ball bleibt rund

Das Gewinnen wird also auch bei dieser WM den Sportlern überlassen, unter ihren Ausrüstern gibt es keinen klaren Favoriten. In Nachhaltigkeitschecks oder bei Ratingagenturen wechseln sich Nike, Adidas und Puma im mageren Mittelfeld ab. Im bislang unveröffentlichten 2014er-Update „Nachhaltigkeit in der Textilbranche“ (Skala A+ beste Note, bis D-) sieht die Ratingagentur oekom research Puma (C+) nun von Nike (B-) und Adidas (B-) überholt. Ausschlaggebend seien unter anderem Verbesserungen bei Kontrollsystemen und Standards gewesen – was der jüngste von Detox-Greenpeace aufgedeckte Vorfall bei Adidas allerdings nicht belegen kann.

Von entscheidenden Verbesserungen halten sich die drei Marken jedenfalls weiterhin gekonnt ab und verweisen insbesondere bei der Forderung nach fairen Löhnen auf den Konkurrenzdruck. Hier und da bewegt sich der ein oder andere im Bereich der verwendeten Materialien oder dem Einsatz von Chemie. Das Golden Goal aber haben alle drei auch bei der WM 2014 wieder verpasst.

Thema: Unternehmen, Stand: 11.06.2014 von

Kommentare (2)   Kommentare abonnieren

alle Kommentare (2)
  • schrieb am 10.07.2014 um 17:34
    Unter den Bedingungen des marktlichen Wettbewerbs, sind Unternehmen zu dem Bemühen gezwungen, entweder besser Produkte als die Konkurrenten hervorzubringen oder gleiche bzw. ähnliche Produkte vergleichsweise günstig anzubieten. Lückenhafte Regelwerke um Sozial- und Umweltstandards kommen da gerade recht um Kosten zu sparen.

    Wir brauchen eine Strengere Regulierung der globalen Märkte. Unternehmen müssen verpflichtet werden transparent und verbindlich zu berichten welche Auswikungen ihre Geschäfte, und vorallem die ihrer Zulieferer, auf Mensch und Umwelt haben!

    Initiativen wie die Detox-Kampagne finde ich absolut unterstüzenswert! mehr weniger
  • schrieb am 21.06.2014 um 18:01
    "Hier und da bewegt sich der ein oder andere im Bereich der verwendeten Materialien oder dem Einsatz von Chemie." Olé!

    Im Bereich Sneaker gibt es Alternativen: http://www.startnext.de/karma-chakhs
alle Kommentare (2)
Kommentar schreiben
(5000/5000)
Mehr zu Unternehmen
  1. Wie nachhaltig fischt die Nordsee?Nach eigenen Angaben verkauft die Fast-Food-Kette Nordsee nur Fisch aus „nachhaltig zertifizierten Beständen“. Stimmt das und ist damit schon genug getan?

    Wie nachhaltig fischt die Nordsee?
  2. Nespresso: Wie grün ist der Kaffee in Kapseln?An Nespresso scheiden sich die Geister: Für die einen attraktiv und verantwortungsbewusst, für die anderen viel brühheiße Luft und ganz bestimmt nicht nachhaltig – um nicht zu sagen ökologische Todsünde

    Nespresso: Wie grün ist der Kaffee in Kapseln?
  3. Amazon: Größter Onlinehändler mit grünem DefizitEine der wichtigsten Internetmarken und weltweit größter Online-Händler – aber spielt Nachhaltigkeit bei Amazon eine Rolle?

    Amazon: Größter Onlinehändler mit grünem Defizit