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Atom-Debatte

Moratorium: die Lügen der Bundesregierung

Bundeskanzlerin Angela Merkel begründete in ihrer Regierungserklärung vom 17. März 2011 das dreimonatige Moratorium für die ältesten Atomkraftwerke mit nachweislich falschen Aussagen. Greenpeace hat in dieser Kurzanalyse die Aussagen zu Anlagensicherheit, Klimaschutz, Strompreisen, Versorgungssicherheit und angeblich notwendigen Stromimporten widerlegt.


Lüge Nr. 1: Deutsche AKW sind sicher

 

Wahr ist: Keines der 17 deutschen AKW kann dem Absturz eines großen
Verkehrsflugzeuges standhalten. Zu diesem Schluss kommen Studien der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) und der Internationalen Länderkommission Kerntechnik (ILK), die Greenpeace 2009 veröffentlichte. Die acht ältesten Meiler sind selbst beim Absturz eines Sportflugzeuges oder einer Militärmaschine hochgradig gefährdet. Dabei ist laut ILK-Studie „bei einem Aufprall auf das Reaktorgebäude mit schweren bis katastrophalen Freisetzungen radioaktiver Stoffe zu rechnen“. Weiterhin sei gerade bei den ältesten Anlagen „eine bauliche Ertüchtigung aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht machbar bzw. nicht sinnvoll“. Aufgrund dieser Gefährdungslage klagt Greenpeace auf Widerruf der Betriebsgenehmigung gegen Philippsburg 1, Biblis A und B, Brunsbüttel, Krümmel, Isar 1 und Neckarwestheim 1.

Die ILK-Studie
Factsheet „Terrorziel Atomkraftwerk“

Lüge Nr. 2: Atomkraft ist eine Brückentechnologie

Wahr ist: Die Laufzeitverlängerung behindert den notwendigen Ausbau der Erneuerbaren Energien, wie selbst der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung bescheinigt hat. Eine von Greenpeace veröffentlichte Studie des ehemaligen Leiters der Bundesatomaufsicht Wolfgang Renneberg zeigt: Atomkraftwerke sind als Grundlastkraftwerke zu unflexibel, um die durch verstärkte Einspeisung der Erneuerbaren Energien entstehenden Lastschwankungen auszugleichen. Bei einem Abfahren auf Null - was erforderlich ist, wenn der aktuelle Stromverbrauch zeitweise allein durch Erneuerbare Energien gedeckt werden kann - können Atomkraftwerke nicht unmittelbar wieder auf volle Leistung gebracht werden. Sonst droht eine so genannte Xenonvergiftung. Greenpeace zeigt in seinem Energiekonzept "Klimaschutz Plan B 2050" und in der Studie „Erdgas – Brücke ins
regenerative Zeitalter“, dass die einzig notwendige Brückentechnologie hocheffiziente Erdgaskraftwerke sind.

Greenpeace-Studie zur Xenonvergiftung
Greenpeace-Studie „Erdgas – Brücke ins regenerative Zeitalter“


Lüge Nr. 3: Ohne Atomkraft entsteht eine Stromlücke

Wahr ist: In ihrer Regierungserklärung vom 17. März erklärt die Bundeskanzlerin: „Ich lehne es auch weiterhin ab, zwar die Kernkraftwerke in Deutschland abzuschalten, aber dann Strom aus Kernkraftwerken anderer Länder zu beziehen.“ Selbst das Umweltbundesamt geht davon aus, dass neun AKW in Deutschland sofort abgeschaltet werden können, ohne dass es zu Engpässen bei der Stromversorgung kommt (J. Flasbarth, Präsident des UBA am 17.03. in der Süddeutschen Zeitung). Dass eine Stromlücke in Deutschland droht widerlegt die Kanzlerin gerade selbst, indem sie ältesten sieben AKW und den Pannenmeiler Krümmel sofort stillzulegen, ohne dass in Deutschland ein einziges Licht ausgeht. Auch das Greenpeace Energiekonzept „Plan B 2050“ macht deutlich, dass ein vorgezogener Atomausstieg bis 2015 problemlos zu realisieren ist, ohne dass Stromimporte ausgeweitet werden müssen. Deutschland ist Stromexporteur, in 2009 wurden 21 TWh Strom in die Nachbarländer exportiert, dafür könnten allein drei AKW sofort abgeschaltet werden.

Die Greenpeace-Studie „Plan B 2050“
„Das Märchen von der Stromlücke“

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Thema: Erneuerbare Energien, Stand: 21.03.2011 von

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  • schrieb am 25.03.2011 um 17:14
    wie twitter ich das denn, mit dem link kommt eine zu lange url - gibts die in tiny? und könnt ihr das nicht gleich tiny ver-twitter-linken?
  • schrieb am 25.03.2011 um 09:26
    Dazu wäre noch zu sagen, dass die Hälfte des so exportierten Stroms auch noch durch den Leitungsverlust verloren geht, Was ein weiterer Grund für eine NEUE Politik und dezentrale Stromproduktion sein sollte.
  • schrieb am 24.03.2011 um 08:05
    Danke für diese Zusammenfassung! - Den Strom fürs Fernsehen kann man sich derzeit wieder sparen, da scheint die Atomlobby mit voller Kraft an der Volksverdummung zu arbeiten.
  • schrieb am 23.03.2011 um 00:11
    also abgesehen davon dass die atomkraftwerke früher oder später echt vom tisch müssen habe ich mit ein paar zahlen probleme.

    deutschland ist laut den meisten zahlen ein netto-exporteur von strom. fast ein drittel davon exportiert es angeblich in die schweiz. dort kommt aber von diesem strom nichts an wenn man den zahlen der schweiz glauben kann, die sind bei 0 import, eher sogar überproduktion.
    frankreich exportiert angeblich auch, ok dass kann stimmen da italien viel importiert.

    wo ist also zum beispiel der viele strom den deutschland an ein land liefert das kein strom braucht?

    entweder sind die zahlen über den export fantasie oder die zahlen der schweiz sind gelogen.

    solange diese zahlen nicht belegt aufgschlüsselt auf dem tisch liegen glaub ich keinem ein wort. weder den befürwortern noch den gegnern. ich kenn einige die genau über diesen punkt stolpern und ich denke eine rechnerisch schlüssige aufstellung wer wieviel wann wohin bringt und wer wieviel annimmt, würde sofern deutschland wirklich zuviel strom hat, einige zweifler auf die seite der atomgegner bringen. mehr weniger
  • schrieb am 22.03.2011 um 23:41
    Auf zum Endkampf kann ich da nur sagen.
    Noch 4 Tage Wahlkampf und dann bekommt Atom-Angie hoffentlich einen Watschen, der sie und alle ihre Atomverbrecherkollegen aus den Latschen haut.

    Atomkraftwerke - Abschalten !
    Atompolitiker - Abwählen !
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