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Pannenhilfe, Beratung und Tests

Alternativen zum ADAC

Manipulationen bei der Autopreisverleihung, Rettungshubschrauber für Dienstflüge und eine Luxusvilla finanziert aus Mitgliedsbeiträgen – dem ADAC geht das Vertrauen verloren. Für verantwortungsvolle Verbraucher gibt es aber längst einen anderen Grund die Mitgliedschaft bei Deutschlands größten Automobilclub zu beenden.


Der ADAC und die katholische Kirche haben etwas gemeinsam: Beide haben in Deutschland viele Millionen Mitglieder, die nicht austreten – obwohl sie mit vielem nicht einverstanden sind, was zum „Kerngeschäft“ der Institution gehört. Zumindest der Grund für den Verbleib im ADAC ist von dieser Welt und einfach zu benennen: Die Leute wollen einen guten Pannendienst. Den bietet der ADAC zweifelsohne, die aktuellen Skandale haben damit auch wenig zu tun. Aber der ADAC ist weit mehr als der nette Verein von neben an, der mit seinen gelben Engeln aus der Patsche hilft, wenn es mal nötig ist.

ADAC: eine milliardenschwere Lobby für PS-Fans

Mit der ADAC Beteiligungs-GmbH hält der ADAC zahlreiche Tochtergesellschaften für Angebote wie Fernbusse, Mietwagen, Kreditkarten, Reiseangebote und Versicherungen. Diese erwirtschaften einen Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro. Der ADAC selbst ist als nicht-gewinnorientierter Verein organisiert, darum braucht er keine internen Kontrollinstanzen wie einen Aufsichtsrat. Dem Vorstand des Vereins steht es damit grob gesagt frei, zu machen was er will – im Namen aller Mitglieder. Und 18 Millionen Mitglieder geben dem ADAC eine mächtige Stimme, die er für Lobbyarbeit nutzt. Der ADAC ist bekanntlich ein Automobilclub und damit tritt er selbstverständlich als Fürsprecher für Automobilität auf. Aufgrund der aufgezeigten Konstellation sehen Kritiker den ADAC allerdings im Interessenkonflikt. Vorsichtig formuliert vermuten sie, dass der ADAC in seiner Rolle als Stimme der Autofahrer die wirtschaftlichen Ziele seiner Tochterunternehmen nicht gefährden möchte. Zu dieser Einschätzung passt auch die unzeitgemäße PS-Politik, die der ADAC immer wieder verfolgt. Oder spricht der ADAC etwa für Sie, wenn er Propaganda gegen Elektro-Autos macht, die Promillegrenze ablehnt oder das Tempolimit auf Autobahnen verhindern will?

Alternative für die Pannenhilfe

Wer mit seinem Geld lieber einen Verein unterstützen möchte, der sich nicht hauptsächlich fürs Autofahren stark macht, findet im Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine echte Alternative. Als ökologischer Verkehrsclub verfolgt er eine zukunftsfähige Verkehrspolitik: „Ein nach ökologischen Kriterien sinnvolles Miteinander der unterschiedlichen Verkehrsmittel, weniger umweltschädigende Autos, ein ausgereifteres Bus- und Bahnangebot, die Stärkung des Rad- und Fußverkehrs und vieles mehr“. Zu den wichtigsten Projekten gehören die jährlich erscheinende Auto-Umweltliste, ein Qualitätscheck der Bahn und Kampagnen für bessere Luftqualität.

Tatsächlich hat der VCD auch einen Autoschutzbrief mit zugehöriger Pannenhilfe im Angebot. „So schnell und zuverlässig wie der ADAC kann ein kleiner alternativer Club wohl kaum sein“, mag man denken. Aber das ist falsch. Der VCD ist der Pannenhilfe von Assistance Partner angeschlossen, der sogenannten „Silbernen Flotte“. 500 zugehörige Pannenhilfsunternehmen mit 1700 Fahrzeugen in ganz Deutschland bieten die gleiche Kapazität wie sie der ADAC vorweisen kann; und auch im Ausland ist für Hilfe gesorgt.

Fairerweise wollen wir nicht verschweigen, dass hinter Assistance Partner Deutschlands große Auto-Versicherer stehen. Ein Anteil der Schutzbriefgebühr kommt also auch hier Unternehmen mit klarem Interesse pro Automobilität zugute. Für den Mitgliedsbeitrag gilt das aber nicht, der fließt komplett an den VCD.  Dieser kostet im Jahr ab 50 Euro aufwärts. Der KFZ-Schutzbrief ist ab 29 Euro pro Jahr zu haben – je besser die Schadstoffklasse des Autos ist, desto günstiger ist der Beitrag. Eine vergleichbare ADAC–Plus-Mitgliedschaft gibt es ab 84,00 Euro. Auch alle weiteren vergleichbaren Tarife von ADAC und VCD liegen in einer ähnlichen Preisklasse.

Alternativen für Sicherheitstests und Beratung

Der ADAC gilt seit vielen Jahren als fachkundige Instanz für allerlei Sicherheits- und Qualitätsfragen. Aber vertraut man weiterhin einer Institution, die nachweislich gelogen und ihre Abstimmung zum Lieblingsauto der Deutschen mehrfach manipuliert hat? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für einige Testbereiche gib es jedenfalls vertrauenswürdige Alternativen, für andere nicht. Letzteres gilt zum Beispiel für Crashtests. Zwar gibt es das European New Car Assessment Programme (Euro NCAP), doch auch der ADAC gehört der Organisation an und ist teilweise für deren Sicherheitstests verantwortlich.

Wenn es um die Sicherheit von Auto-Kindersitzen oder Fahrradhelmen geht, ist die Stiftung Warentest eine gute Adresse. Es gibt kaum ein Produkt, das die staatlich geförderte Verbraucherorganisation nicht unter die Lupe nimmt. Ob ein Produkt ökologisch oder gesundheitlich bedenkliche Stoffe enthält, erfährt man am besten bei Öko-Test. Ob ein Produkt rundum nachhaltig ist, prüft das Verbrauchermagazin allerdings nur selten.

Und an dieser Stelle wollen wir mit leisen Tönen auf uns verweisen. In den Utopia-Bestenlisten präsentieren wir eine breite Produktpalette: von Carsharing-Portalen, über echte Ökostromanbieter bis hin zu fairen Bio-Jeans. Die Anbieter werden sorgfältig von unserer Redaktion recherchiert, richtig wertvoll werden sie aber erst durch die Bewertung unserer Community. Utopia ist mit 75.000 Mitgliedern die größte deutsprachige Plattform für nachhaltigen Konsum. Viele Utopisten sind Experten in Sachen Nachhaltigkeit und mit ihrer sachkundigen Meinung wollen wir unsere Bestenlisten zu einer echten Instanz wachsen lassen.

Thema: Auto & Elektromobilität, Stand: 29.01.2014 von

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  • schrieb am 02.02.2014 um 17:55
    Mein Austritt von Kirche und ADAC kam ziemlich gleichzeitig - schon vor zig Jahren.

    Für das Eine braucht man keinen Verein, für das Andere nur die passende Versicherung oder eben den VCD...
  • schrieb am 01.02.2014 um 00:14
    es geht im Wesentlichen um diesen Passus der Satzung

    § 2 Zweck und Ziele des Clubs
    (...)
    3. Der Club verfolgt diese seine Zwecke und Ziele in ständigem
    Austausch von Erfahrungen mit seinen Mitgliedern. Er setzt
    sich für diese, deren Aufklärung, Beratung und insbesondere
    deren Schutz als Verbraucher ein.(...)

    Stünde dort nicht "Schutz des Verbrauchers" wäre die Sachlage nicht so prekär.

    Quelle: http://www.adac.de/_mmm/pdf/Satzung_e.V._7233418_2012_99817.pdf mehr weniger
  • schrieb am 31.01.2014 um 20:19
    Wo macht der ADAC bitte "Propaganda gegen Elektro-Autos"? Ich verfolge für meine Website http://sedl.at/Elektroauto intensiv die Äußerungen diverser Organisationen, aber irgendwelche tendenziösen Aussagen sind mir beim ADAC nicht aufgefallen.
  • schrieb am 31.01.2014 um 19:36
    Ich sehe beim ADAC keine unlösbare Aufgabe, soferne das Hinterfragen der beanstandeten Vorfälle sichtbare Folgen zeitigt.
    Im Allgemeinen ist es wünschenswert, wenn die selbsternannten Vertreter der Mobilität in sich gingen und die Kosten - Nutzen - Vergleiche neutral darstellen könnten.

    Da die Öffi nicht überall und für alle Notwendigkeiten benutzbar sind, kann je nach Bedarf die persönliche Mobílität mit Fahrzeugen aller Art nicht ausgeschlossen werden. mehr weniger
  • schrieb am 31.01.2014 um 12:40
    Wenn jetzt die Staatsanwälte so gründlich wie beim Wulff sind, dann müsste die Gemeinnützigkeit des ADACs bald futsch sein!
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