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Better Cotton

Die neue Nachhaltigkeit von H&M und Co.

Die Preise für Baumwolle sind dieses Jahr auf dem Weltmarkt gestiegen wie noch nie. Das hat Konsequenzen. Nicht nur für H&M und Co. Einige Unternehmen setzen jetzt auf 'Better Cotton'. Klingt nach Bio, ist es aber nicht.


Wasser und Gift in rauhen Mengen

Der Anbau von Baumwolle verursacht weltweit beträchtliche Schäden an Mensch und Umwelt. Schätzungsweise 10.000 Menschen sterben jährlich an den Vergiftungen, die durch ungeschützten Umgang mit Pestiziden beim Baumwollanbau zustande kommen. Bei einem bisherigen Anteil von 2,4 Prozent an der Agrarfläche weltweit, werden auf Baumwollfeldern elf Prozent der Pestizide und sogar 25 Prozent der Insektizide eingesetzt. Das vergiftet ganze Landstriche und das Grundwasser gleich mit. Apropos Wasser. Der Baumwollanbau schluckt jährlich soviel Wasser, wie alle privaten Haushalte zusammen genommen – weltweit versteht sich. Er ist mitverantwortlich für die fortschreitende Austrocknung des Aralsees und dafür, dass sich im Nahen Osten Länder um die Nutzung grenzüberschreitenden Flusswassers streiten. Er führt zur Versalzung und Erosion der Böden und vergiftet das Grundwasser.

Weltweiter Baumwollhunger wächst

Und es wird zukünftig noch mehr Baumwollfelder geben. Weil der Mode-Hunger auch in den Schwellenländern wächst. Immer mehr Bauern steigen momentan sogar von Getreideanbau auf Baumwolle um, weil diese mehr Profit verspricht. Die New York Times spekuliert bereits, dass sich die großflächige Umstellung auf Baumwolle auf die Lebensmittelpreise auswirken könnte. Allein in den USA wächst der Anbau der Hauptsorte Upland Baumwolle in diesem Jahr um 19 Prozent, teilweise auf Flächen, die vorher dem Weizenanbau gedient haben.

Preisexplosion am Weltmarkt

Der Grund dafür, dass immer mehr Bauern auf den vermeintlich watteweichen Zug aufspringen, ist die momentane Explosion der Baumwollpreise auf dem Weltmarkt, die selbst wenn sie, wie es sich bereits abzeichnet, wieder sinken sollten, immer noch dicke Gewinne versprechen. Der aktuelle Baumwollpreis hat verschiedene Ursachen, zum einen ist der steigende Wohlstand und mit ihm die wachsende Nachfrage für Baumwolle in Indien und China ein immenser Faktor. Zum anderen haben Fluten in Pakistan und Australien für Ernteausfälle gesorgt. Aber auch der Trend zur Investition in Rohstofffonds heizt den Preisanstieg kräftig an.

Hier gibt's Kleidung aus Bio-Baumwolle:

Gewinneinbußen bei H&M

Einige Hersteller wie Nike und Adidas haben offenbar beschlossen, die gestiegenen Kosten an Händler und Kunden weiterzugeben, während beispielsweise H&M eisern an seiner Preisstrategie festhält. Effekt: Gewinneinbußen beim weltweit zweitgrößten Bekleidungskonzern. Diese sollen sich laut Süddeutscher Zeitung bereits einer halben Milliarde annähern. Daniel Terberger, Chef des Einkaufsverbundes Katag nennt der Süddeutschen Zeitung gegenüber die Zuwendung des Handels zu aufwändigeren und höherpreisigen Artikeln als mögliche Strategie, die Einbußen gering zu halten. Aus ökologischer Sicht wäre diese Taktik wünschenswert. Falls sich gleichzeitig eine quantitative Änderung im Shoppingverhalten einstellen würde. Eine weitere Möglichkeit zur Preisargumentation liegt in der Verwendung hochwertigen Materials.  

Die Better Cotton Initiative

Dieser Ansatz, also moderat höherpreisig zu verkaufen, mit der Rechtfertigung "guter Stoff", zeichnet sich momentan ab. Die "Better Cotton Initiative" (BCI) wurde 2005 unter anderem von H&M, Ikea, Migros, Adidas und dem WWF gegründet und zielt auf einen nachhaltigeren und sozialeren Baumwollanbau. Für BCI sollen weniger Pestizide eingesetzt, durch sinnvollere (aber teurere) Bewässerungsmethoden der Wasserverbrauch reduziert, der Boden im Vergleich zum konventionellen Baumwollanbau geschont und ein besseres Sozialwesen für die Farmarbeiter geschaffen werden. Bis 2015 sollen vier Prozent der Weltproduktion an Baumwolle aus der BCI kommen.

Umstieg auf nachhaltigere Baumwolle bei Adidas, H&M und C&A

Adidas hat im Frühjahr bekannt gegeben, dass sie bis 2018 komplett auf Better Cotton umgesteigen wollen, was auch bedeuetet, dass es ab 2018 kein Bio-Segment mehr geben soll. H&M möchte bis 2020 in Gänze zu nachhaltigerer Baumwolle wechseln. Bei H&M bedeutet dies vermutlich einen Hauptanteil Better Cotton, ein wenig Recyclingstoff und eine Produktnische für Bio-Baumwolle.
Kirsten Brodde, die Autorin des Buches "Saubere Sachen" sieht im Voranpushen von Better Cotton "einen schleichenden Ausstieg aus der Biobaumwolle". Und tatsächlich lässt sich fragen, wieso eigentlich nicht gleich der Anbau von Biobaumwolle gefördert wird. Denn auch wenn die Maßnahmen der BCI sinnvoll sind, grüßt doch wieder nur der Einäugige unter den Blinden und versucht sich als Adlerauge zu verkaufen.

Als Konsument die Trendwende vorantreiben

Letztlich bleibt der Baumwollanbau ein invasives Geschäft, das sich so nicht rechtfertigen lässt. Allein in Deutschland sortieren wir etwa 1,5 Milliarden Textilien aus, selbstredend nicht, weil die Löcher an den Jeansknien schon zu groß geworden sind, der Stoff der Bluse an den Ellenbogen durchscheint oder aufgrund sonstiger irreparabler Verschleißerscheinungen. Höchste Zeit für eine Trendwende von wöchentlichen Shoppingtouren hin zum gelegentlichen Kauf von zeitlos schönen Kleidungsstücken. Das höhere Budget pro Teil lässt sich dann auch in tatsächlich hochwertige Ökotextilien mit GOTS-Siegel investieren. Völlig ökorrekt lassen sich hemmungslose Einkaufsräusche aber auch im Secondhandladen ausleben. 


Quellen: New York Times, Financial Times Deutschland, Hamburger Abendblatt, WWF Schweiz, Adidas, H&M, oeko-fair, Grüne Kleidung Blog, fairwertung 


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