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Sicherheitspolitische Studie zu Peak Oil

Bundeswehr: Erst wird das Öl knapp, dann die Nahrung

Das Dokument klingt nach Science-Fiction, tatsächlich handelt es sich um ein bisher wenig beachtetes Forschungs-Szenario der Bundeswehr: „Peak-Oil“ – was passiert, wenn das Öl knapp wird, fragt die Studie. Der Zusammenbruch des globalen Wirtschaftssystems und eine Nahrungsmittelkrise sind nur zwei der möglichen Gefahren.


Die Bundeswehr ist derzeit Hauptdarsteller vieler medialer Schlagzeilen. Bekanntermaßen hat man es mit der Ordnung nicht erwatungsgemäß militärisch gehalten. Weitestgehend unbeachtet blieb dagegen ein Dokument der Bundeswehr, dessen Brisanz durchaus eine investigative Aufdeckung durch Wikileaks gerechtfertigt hätte. "Peak Oil - Sicherheitspolitische Implikationen knapper Ressourcen" lautet der Titel der frei zugänglichen und bereits im August 2010 veröffentlichten Studie.

Warum beschäftigt sich die Bundeswehr mit Peak Oil, dem Zeitpunkt, zu dem das weltweite Ölfördermaximum erreicht ist? Droht ein Ölkrieg? Abgesehen davon, dass man dazu geneigt ist, die Begebenheiten um die globale Erdölförderung allesamt unter der Kategorie „Krieg“ zu subsumieren, ist davon nicht explizit die Rede. Aber die entworfenen Szenarien mutmaßen derartig drastische globale Folgen, dass eine friedliche politische Neuordnung nur schwer vorstellbar erscheint. So wird Peak Oil auch zur sicherheitspolitischen Frage, mit der sich die Bundeswehr auseinandersetzten muss. Beginnen wir am Anfang:

Die Ausgangslage

„95% aller industriell gefertigten Produkte hängen heute von der Verfügbarkeit von Erdöl ab. Erdöl ist nicht nur der Ausgangsstoff für die Produktion von Treib- und Schmierstoffen, sondern in Form von Rohbenzin auch für alle organischen Polymere (Kunststoffe). Es ist damit der wichtigste Rohstoff bei der Herstellung von so unterschiedlichen Produkten wie Pharmazeutika, Farbstoffen oder Textilien. Als Ausgangsstoff für verschiedene Treibstoffarten ist Erdöl eine Grundvoraussetzung für den Transport großer Warenmengen über lange Strecken. Containerschiffe, Lastkraftwagen und Flugzeuge bilden neben der Informationstechnologie das Rückgrat der Globalisierung.“ S.7


Szenario: Was passiert, wenn das Öl knapp wird?

Kurzfristig reagiert die Weltwirtschaft proportional zum Rückgang des Ölangebots.

1. Steigende Ölpreise senken den Konsum und den Output. Es kommt zu Rezessionen.
2. Der steigende Anteil der Transportkosten verteuert alle gehandelten Waren. Die Handelsvolumina gehen zurück. Für einige Akteure brechen lediglich Einnahmequellen weg, andere können sich lebensnotwendige Nahrungsmittel nicht mehr leisten.
3. Staatshaushalte geraten unter extremen Druck. Die Ausgaben für die Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung (Verteuerung der Nahrungsmittelimporte) oder Sozialausgaben (steigende Arbeitslosigkeit) konkurrieren mit den notwendigen Investitionen in Erdölsubstitute und Green Tech. Die Einnahmen sind durch die Rezession und die notwendigen Steuererleichterungen dabei erheblich gemindert.“S.48

 

Mittelfristig bricht das globale Wirtschaftssystem und jede marktwirtschaftlich organisierte Volkswirtschaft zusammen.

1. Die Wirtschaftssubjekte realisieren die dauerhafte Kontraktion und müssen von einer nachhaltig schrumpfenden Weltwirtschaft ausgehen.
2. Tipping Point: In einer auf unbestimmte Zeit schrumpfenden Volkswirtschaft werden Ersparnisse nicht investiert, weil Unternehmen keine Gewinne machen. Unternehmen sind auf unbestimmte Zeit nicht mehr in der Lage, Fremdkapitalkosten zu zahlen oder Gewinne an Eigenkapitalgeber auszuschütten. Das Bankensystem, die Börsen und die Finanzmärkte insgesamt brechen zusammen.
3. Die Finanzmärkte sind das Rückgrat der Weltwirtschaft und ein integraler Bestandteil moderner Gesellschaften. Alle anderen Subsysteme haben sich koevolutionär mit dem Wirtschaftssystem entwickelt. Eine Desintegration kann deshalb nicht im Rahmen des heutigen Systems analysiert werden. Es würde sich ein völlig neuer Systemzustand einstellen.“ S.49
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Thema: Erneuerbare Energien, Stand: 03.02.2011 von
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