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Utopist Martin Sprügl im Interview

"Burnout ist nur zu heilen, wenn man sich um 180° dreht"

Früher war „Richard-Burgenlandler“ ein erfolgreicher Unternehmer, der Stress hat ihn dazu gebracht, alles aufzugeben und neu anzufangen. Heute wohnt der Österreicher auf seinem eigenen Bauernhof und ist überzeugter Selbstversorger. Davon berichtet er eindrucksvoll auf seinem Utopia-Blog. Ein guter Grund für uns, beim Landwirtschafts - und Ernährungsexperten mal genauer nachzufragen.


Utopia: Du hast vor einigen Jahren einen Bauernhof im österreichischen Burgenland gekauft und bist zum Selbstversorger geworden. Was hast du vor dieser Zeit gemacht und wie kam es zu der Entscheidung, anders zu leben?

Richard-Burgenlandler: Da muss ich einen großen Bogen spannen und drehe daher die Zeit um 29 Jahre zurück. Als ich meine Frau kennen und lieben gelernt habe, waren wir beide Studenten. Sie hatte gerade mit dem Französisch- und Spanisch-Studium begonnen und ich studierte Violoncello im Hauptfach auf der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz. Da wir beide aus kinderreichen Familien stammen und wir unsere Kindheit mit Vorliebe auf Bauernhöfen verbracht haben, entstand bald der gemeinsame Wunsch nach eigenen Kindern und einem Bauernhof, auf dem wir unsere Vorstellungen vom Umgang mit Kindern verwirklichen wollten.

Hat das sofort geklappt?

R.B.: Nein, wie das im Märchen auch so ist, kommen vor den Meisterjahren die Prüfungen, die es zu bestehen gilt. Ich habe mein Musikstudium abgebrochen, ging fünf Jahre in die Abendschule, um Maschinenbauer zu werden - danach habe ich  in verschiedenen Firmen gearbeitet. Eines Tages habe ich festgestellt, dass es noch etwas anderes geben muss, als bis zur Pensionierung von früh bis spät zu arbeiten. Während dieser Zeit schenkte uns meine Frau drei außergewöhnliche Töchter, die für uns beide stets an erster Stelle standen. 
Die Karriereleiter hatte ich soweit erklommen, dass kein Weiterkommen mehr möglich war, es sei denn ich werde mein eigener Chef. Also kündigte ich und gründete meine eigene Firma, gemeinsam mit zwei Kollegen. Nach drei Jahren hatte ich die Firma alleine am Hals, sie lief gut, aber die Arbeit von Dreien alleine zu schaffen ist unmöglich, also Burnout, Firma weg, Neuanfang.

Eines war mir klar, ein Burnout ist nur zu heilen, wenn man sich um 180° dreht und in die andere Richtung los marschiert. Also weg von der Technik hin zur Pädagogik, ab in die Privatschule, in der meine Frau seit 10 Jahren arbeitete. Werken, Turnen, Physik, Tischlern mit Kindern von der ersten bis zur zwölften Klasse. Vier wundervolle Jahre, bis der Traum wieder ganz klar vor Augen stand. Der eigene Bauernhof muss her!

Los gings’s also mit der Suche nach dem eigenen Bauernhof...



R.B.: Wir begannen zu suchen. Unzählige Bauernhöfe in der Gegend, der eine zu teuer, zu laut, totsaniert, zu klein zu groß, es war frustrierend. Ein guter Freund bot uns die Besichtigung seines seit drei Jahren leerstehenden Bauernhofes an. Es war Liebe auf den ersten Blick: Genug Arbeit für mich, am A…. der Welt - nennt man ruhige Alleinlage, viel unberührte Natur, geeignet für Schafe, Esel und unsere pädagogischen, sozialen und künstlerischen Projekte. Ein Finanzierungsmodell handelten wir aus, bei dem keine Bank etwas verdienen sollte, mit Handschlagqualität… so etwas gibt’s!



Dein Dach-Renovierungsprojekt hat viele Leser interessiert und begeistert. Vielleicht kannst du uns da auf den neuesten Stand bringen. Wieviel hast du vor dem Winter noch geschafft und was sind die Pläne für 2012?



R.B.: Die kritischen Bereiche des Scheunen- und Stalldaches sind soweit gerichtet, dass keine Gefahr mehr im Verzug ist. Nach drei Monaten auf dem Dach hatte ich auch genug davon. Ob ich die Fertigstellung des gesamten Stalldaches heuer noch in Angriff nehme, weiß ich zurzeit noch nicht.
Stattdessen wäre noch der Bau eines Kellers und Lageraums für unsere Vorräte notwendig, die Inbetriebnahme des Brunnens hinterm Haus für das Brauchwasser, der Bau eines Unterstandes für Schafe und Esel,…ja und eine ganze Menge mehr. 
Nebenbei will natürlich der Garten bearbeitet, die Bienen gepflegt, das Obst gepresst, das Holz für den Winter gemacht werden.
In weiterer Folge, soll der Hof auch für pädagogische und soziale Projekte geöffnet werden. Zu diesem Zweck haben wir im November eine erste Impulsveranstaltung gemacht, daraus haben sich einige konkrete Ideen ergeben, die wir jetzt schön behutsam auspacken und entwickeln. Ich werde sicher auf meinem Blog davon berichten, sobald sie Hand und Fuß haben. 
Und im Sommer kommen die Enkelkinder wieder zu Besuch, da geht dann gar nichts! 
Da wird dann entschleunigt!

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Thema: Utopisten-Interviews, Stand: 13.02.2012 von
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