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Debatte

Energiewende selber machen

Es gibt keine Energie jenseits der großen Konzerne – falsch! Utopist und Bürgerenergie-Befürworter Stephan Rieping erklärt, wie die Energiewende von unten gelingt und was jeder von uns dazu beitragen kann.


Eigentlich wäre alles recht einfach. Denn die Sonne schickt uns keine Rechnung – das ist eine uralte Erkenntnis, die erstaunlicherweise nach wie vor Gültigkeit hat. Denn noch immer pumpt unser Zentralgestirn jede Sekunde Unmengen an Energie völlig kostenfrei an jeden Ort der Erde.

Doch wenn man sich die schrägen Debatten über die Kosten der Energiewende anhört, könnte man auf den Gedanken kommen, dass da oben doch jemand sitzt und Rechnungen schreibt. Ja schlimmer noch, da muss ein regelrechtes Kartell der Kassierer am Werke sein, das dem energiearmen Bürger den letzten Cent aus der Tasche zieht und der ach so gebeutelten Industrie (pdf) die Wettbewerbsfähigkeit nimmt. Aber ich schwörs euch, da oben sitzt niemand, der Rechnungen für Brennstoffe schreibt.

Müssen wir der Erde wirklich unter großem energetischen Aufwand und üblen ökologischen und arbeitsrechtlichen Bedingungen Bodenschätze entreißen, diese im Zweifel einmal um die ganze Welt transportieren, um sie dann in ineffizienten Zentralkraftwerken in klimaschädlichen Rauch aufgehen zu lassen?

Glaubt wirklich jemand, dass diese „Nach-mir-die Sintflut-Ökonomie“ kostengünstiger ist als erneuerbare Energie? An die Hinterlassenschaften, insbesondere denen der radioaktiv strahlenden Fraktion, möchte ich lieber gar nicht denken.

Nein, da ist Betrug im Spiel! Aber die Betrogenen haben leider keine Lobby, weil sie noch gar nicht geboren sind.

Atempause für Energiekonzerne

Und dann kommt Frau Merkel und fordert eine Atempause für Erneuerbare Energien. Wenn ich so etwas höre, könnte ich als Bürgerenergiegenosse und Vater dreier junger Erdenbewohner gleich das HB-Männchen geben.

Die Atempause brauchen wohl eher die großen Energiekonzerne, denen - gejagt von den vielen kleinen sonnengespeisten Photovoltaikanlagen der Energiebürger - langsam die schiefen Argumente und das Geld ausgehen.

Es bleibt dabei, Frau Merkel: Die Sonne schickt keine Rechnung! Wohl aber Ihr Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Gabriel, der mit seiner „Sonnensteuer“ und den kontraproduktiven Ausschreibungsmodellen verzweifelt versucht, die alten Energiekartelle wieder an die Schaltpulte zu bekommen.

Meine Empfehlung für kritische Konsumenten

Aber was macht nun der verantwortungsbewusste Energiebedürftige? Ganz einfach, er lässt sich von der großen Politik und den Konzernen nicht weiter veräppeln und bestellt vornehmlich Energie aus dezentralen Erzeugungsanlagen mit Sonnenantrieb.Getreu dem Motto: In meine Leitung kommen nur Ökostrom und Ökowärme aus eigenem Anbau. Den Rest kann ich (mir) dann sparen. Nur so bleibt der Druck von unten zum Wandel ausreichend hoch.

„Ökostrom-selber-ziehen“ kann übrigens jeder, der etwas Fläche sein eigen nennt. Da kann er dann von der kleinen Guerilla PV-Anlage zur Deckung der Grundlast im Haus bis hin zur großen Windkraftanlage zur Mitversorgung der Nachbarn alles aufstellen, was solare Energien einfangen und speichern kann. Wer keinen Platz zur Energieerzeugung hat, kann sich oft schon für kleines Geld an Bürgerenergiegesellschaften beteiligen. Die organisieren die Ökoenergieerzeugung dann stellvertretend.

Und wenn dann, auch nach größten Einsparbemühungen, doch noch Bedarf an Energie aus dem Netz da ist, kauft man sich möglichst Solarenergie direkt vom Erzeuger aus der Nähe. Das hält die Wertschöpfung vor Ort und das Gemeinwesen am Leben. Ganz wichtig gerade für die ländlichen Regionen!

Das geht nicht, sagt ihr? Geht doch! Fragt mal die Kollegen vom Grünstromwerk oder von den Bürgerwerken. Die geben Euch den Rest! Garantiert konzernenergiefrei.

Sonnige Grüße,
Stephan

P.S.: Ach so, einen hab ich noch: Dezentrales Energiesparen geht natürlich auch über Magen und Darm. Und deshalb empfehle ich allen Bürgerenergiebeflissenen die Einführung eines „Nahbereichsfleischtages (pdf)“. Pro Woche versteht sich! Denn die grünste Kilowattstunde ist ja immer noch jene, die gar nicht erst produziert werden muss.

Thema: Erneuerbare Energien, Stand: 11.02.2015 von
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