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Ökotest-Bericht

Der große Schwindel mit regionalen Lebensmitteln

In der aktuellen Septemberausgabe lässt Ökotest eine Bio-Bombe platzen: „Regionale Lebensmittel sind bei Verbrauchern beliebt und sie sind bereit, dafür mehr zu bezahlen. Doch unser Test zeigt: Es ist zumeist rausgeschmissenes Geld“. So lautet das ernüchternde Fazit der Untersuchung.


Das Verbrauchermagazin hat 53 regionale Lebensmittel aus ganz Deutschland unter die Lupe genommen, lediglich 14 wurden von den Testern als "echtes Regionalprodukt" befunden. Denn laut Ökotest werden entweder die Lebensmittel in der Herkunfts-Region der Rohstoffe verarbeitet, dann aber bundesweit vermarktet oder sie werden tatsächlich regional hergestellt und angeboten, aber die Rohstoffe kommen nicht aus der Region.

Utopia stellt Ihnen zunächst drei Bespiele von unterschiedlicher Qualität aus der Ökotest-Studie vor und versieht sie mit einem kleinen Fazit.

1. Kaffee aus Norddeutschland

Der Hersteller Plaza/Sky (Coop) verkauft unter der Marke „Unser Norden“ unter anderem Reis, Kaffee und Rotbuschtee als regionales Produkt in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen und Brandenburg. Selbstverständlich wächst keiner der drei Rohstoffe auch nur annähernd in diesen Regionen. Das Unternehmen begründet das regionale Label damit, dass alle Lebensmittel entweder in Norddeutschland produziert, veredelt oder abgepackt werden.

Utopia Fazit: Wer drei klassische Import-Produkte als regionales Lebensmittel vermarkten möchte, hat nichts anderes im Sinn, als durch Verbrauchertäuschung Profit zu machen.

2. Heimat aus 1.000 Kilometer Entfernung

Die Regionalmarke von Lidl heißt „Ein Gutes Stück Heimat“. Unter dieser Bezeichnung verkauft der Discounter beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern einen Birnen-Johannisbeer-Direktsaft, der in dem rund 1.000 Kilometer entfernten Lindau hergestellt wurde. Auch die Absatzgebiete für die „Unsere Heimat“-Produkte von Edeka Nord und Südwest sind nach Ökotest viel zu groß für echte Regionalprodukte.

Utopia Fazit: 1000 Kilometer Entfernung entsprechen nicht dem allgemeinen Verständnis von Regionalität.  Und wer „Heimat“ auf einem Etikett liest, denkt wohl nicht an Deutschland, sondern an eine viel kleinere Region. In diesem Sinne handelt es sich auch hier um Verbrauchertäuschung. Aber dennoch ist ein Saft, dessen Früchte in Süddeutschland  angebaut und verarbeitet werden auch in Norddeutschland besser („regionaler“) als etwa ein Übersee-Produkt wie ein Bananen-Ananas-Papaya-Mix.

3. Regional aber doch nur nahe dran

Etikettenschwindel wurden nicht nur bei den großen Discountern festgestellt, auch die kleinen Regionalanbieter werden laut Ökotest den eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Das Label der Initiative „Landmarkt Hessische Direktvermarkter“ etwa dürfen Hersteller laut eigener Aussage nur verwenden, wenn 100 Prozent der Rohstoffe aus Hessen stammen. Aber Ökotest hat beispielsweise herausgefunden: „Röhner Eiernudeln“, die bei Rewe verkauft werden und mit dem Label der Initiative gekennzeichnet sind, bestehen zu 70 Prozent aus Hartweizengrieß, der aus Baden-Württemberg stammt.

Utopia Fazit: Wer Röhner Eiernudeln kauft, will Eiernudeln aus der Rhön. Und die liegt nun mal nicht in Baden-Württemberg, aber auch nicht allzu weit weg. Der Etikettenschwindel ist nicht von der Hand zu weisen, aber genauso wenig, dass es sich nach regionalen Gesichtspunkten um kein schlechtes Produkt handelt.

Rechtliche Uneindeutigkeit

Eine Ursache für die chaotische Situation sind fehlende gesetzlich vorgeschriebene Anforderungen für regionale Produkte. Es ist nicht geregelt, wie "Region" zu definieren ist: als Bundesland, als Gebiet wie die Rhön, die sich über mehrere Bundesländer erstreckt oder als Entfernung z. B. „im Umkreis von 60 Kilometern“. Dass viele Lebensmittelhersteller das ausnutzen, ist leider genauso unzweifelhaft wie bedauernswert. Hier ist die Politik gefragt!

Ökotest-Ergebnis: ein richtiges Signal?

Das Ergebnis der Ökoteststudie ist für die Lebensmittelindustrie das richtige Signal: Für sie gilt es, Verbraucher mit Transparenz statt Etikettenschwindel zum Kauf zu bewegen. Saft aus Deutschland (der prinzipiell kein schlechtes Produkt ist) sollte auch als solcher deklariert sein und nicht als regionale Delikatesse, die er oftmals nicht ist. Ob das Ergebnis der Ökoteststudie auch das richtige Signal an die Verbraucher ist, ist fraglich. In den Medien wird es bereits aus dem Kontext gerissen und folgendermaßen zitiert: „Produkte aus der Region sind zumeist rausgeschmissenes Geld.“ (z.B. auf merkur-online). Solche Pauschalisierungen sind vermutlich nicht im Interesse von Ökotest, dennoch hat die eigene Formulierung des Testmagazins genau das provoziert.

Was Verbraucher von der Öko-Studie tatsächlich mitnehmen können

Viele als regional gekennzeichnete Produkte versprechen mehr „Region“ als sie letztlich einhalten. Trotzdem sind es im Grunde oft keine schlechten Produkte – vor allem für Supermärkte. Insbesondere bei denen liegt das eigentliche Problem: global handelnde und großflächig verbreitete Supermarktketten sind wohl nur in Ausnahmefällen mit der Idee des regionalen Konsums zu vereinbaren.

So können Sie richtig regional einkaufen

Wer wirklich die Umwelt durch kurze Transportwege schonen und die lokale Wirtschaft stärken möchte, sollte sein Geld besser im Hofladen oder auf dem guten alten Markt ausgeben. Dort bekommt man in der Regel frische Ware aus der Region. Die Bauern aus der Umgebung verkaufen dort ihre eigenen saisonalen Produkte. Aber auch hier gilt: achten Sie auf die Herkunftsangabe. Oder fragen Sie auch einfach mal den Verkäufer wo seine Ware herkommt.

Thema: Bio, Stand: 31.08.2011 von
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