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EU-Emissionshandel

Wie Sie selbst Emissionsrechte auf Eis legen

Eignet sich der EU-Emissionshandel nur für die Großindustrie? Nein, denn der Verein „The Compensators“ hat einen Weg gefunden, auf dem jeder Bürger Emissionszertifikate kaufen und entwerten kann. Gründungsmitglied Armin Haas erklärt, wie der Verein arbeitet – und welche Tücken der Emissionshandel hat.


"Wenn Sie in ein Waldprojekt in Indonesien investieren, kann das seriös sein“, sagt Armin Haas, der als Wirtschaftswissenschaftler am „Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung“ (PIK) tätig ist. Doch die Seriosität lässt sich aus der Ferne schwer einschätzen. Daher hat es Haas vorgezogen, vor der eigenen Türe zu kehren: „Wir wollten unsere individuellen CO2-Emissionen mit Rechten aus dem CO2-Handelssystem abdecken“, so der Wissenschaftler. Der erste Versuch scheiterte: „Wir sind einfach zu einer Bank gegangen und wollten für zwei Tonnen CO2 Verschmutzungsrechte kaufen“, erzählt Haas, „die Banker waren damit völlig überfordert“. Kein Wunder: Das gesamte Handelssystem ist für Großemittenten gedacht – „da können Sie 20.000 Tonnen kaufen, aber keine zwei Tonnen“, erklärt der Wissenschaftler.



Dann gründete er 2006 mit ein paar Kollegen den Verein „The Compensators“ – völlig unabhängig vom PIK. Weil der Verein mit befreundeten Emissionshändlern zusammenarbeitet, ist es ihm gelungen, Emissionsrechte auch für kleine Mengen CO2 zu kaufen. Das geschieht in vier Schritten:

  • „The Compensators“ erhält einen Mitgliedsbeitrag oder eine Spende. Dann wird so lange gespart, bis genug Geld zusammen ist, um eine Bestellung für Emissionsrechte aufzugeben.
  • Der Verein nimmt Kontakt mit einem Händler auf und teilt ihm mit, wie viele Emissionsrechte gewünscht sind.
  • Der Händler überweist die Emissionsrechte auf das Emissionshandelskonto des Vereins.
  • „The Compensators“ löscht die Emissionsrechte auf seinem Konto – und erhält dafür eine Bestätigung von der Registrierungsstelle. Der ganze Vorgang wird auf der Website des Vereins dokumentiert, um eine hohe Transparenz zu sichern.

Auf diese Weise hat der Verein bis heute Emissionsrechte für 2.400 Tonnen CO2 aus dem Verkehr gezogen: Sie wurden stillgelegt und stehen dem Handel nicht mehr zur Verfügung. Nur ein Tropfen auf den heißen Stein? „Das ist vor allem ein politisches Signal“, sagt Haas, „wenn das eine Massenbewegung würde, hätten wir auch Einfluss auf den Preis“.

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Thema: Klima- und Umweltschutz, Stand: 22.09.2010 von

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  • schrieb am 23.09.2010 um 20:00
    Die Idee klingt verlockend: Der Durchschnittsbürger stößt ca. 10 t CO2 pro Jahr aus. Die kosten grad mal 100-200 Euro. Und schon ist das Auto, die Flugreise und die Ölheizung umweltfreundlich?

    Schön wär's! Der Haken dabei: Die Anzahl der Zertifikate ist nicht gottgegeben sondern wird von der Politik bestimmt. Sie würde es nicht zulassen, dass deren Preis "durch die Decke geht". D. h. wenn wirklich die Zertifikate knapp würden, würde die Politik eingreifen (auf Druck der Wähler, die unter der Inflation stöhnen - siehe 2008) und die Idee "Emissionsrechte auf Eis legen" geht nicht auf.

    Umgekehrt besteht das Risiko, dass das gesamte ausgegebene Geld für nichts ist: In der 1. Handelsperiode gab es auch schon Vereine, die Emissionsrechte aufkauften:

    "Das engagierte Team von Climate Company kauft für Sie an Europäischen Börsen CO2-Zertifikate – dort, wo es auch die großen Unternehmen tun. Die Zertifikate werden von Climate Company gelöscht und stillgelegt."
    http://www.openpr.de/news/124661/Weltpremiere-Radiosender-sendet-klimaneutral.html

    Am Ende stellte sich heraus, dass der Markt ohnehin viel zu viele Zertifikate hat (siehe S. 3 des Artikels). Das Wegkaufen war also rausgeschmissenes Geld.

    Besser in Wärmedämmung, effizientere Heizungen, sparsamere Autos usw. investieren. Die CO2-Zertifikate sind meiner Auffassung nach eigentlich nur eine etwas bessere Form der CO2-Steuer. Die großen Veränderungen löst sie nicht aus. mehr weniger
  • schrieb am 23.09.2010 um 16:15
    Die Idee klingt interessant. Allerdings wird wohl nicht so viel zusammen kommen, dass die Gesamtemission signifikant gesenkt wird. Das wird ja im Artikel schon angesprochen.
    Immerhin kann ich damit mein eigenes Gewissen beruhigen, indem ich wenigstens meine geschätzen 11 Tonnen pro Jahr kompensiere. Oder ist es mehr als Gewissensberuhigung?

    Wie kann ich den Marktpreis für Emissionszertifikate erfahren, damit ich weiß, wieviel ich spenden muss?
    Auf der Seite von The Compensators gibt es etwas versteckt den Link zum European Energy Echange:
    http://www.eex.com/en/Market%20Data/Trading%20Data/Emission%20Rights mehr weniger
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