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Utopia-Fahrtest: E-Bikes

Der Tod der Vespa

Nirgends werden die Vorteile des Elektromotors so deutlich wie bei den so genannten Kleinkrafträdern, die als E-Bikes und Roller durch die Stadt fahren. Utopia fuhr zwei sehr unterschiedliche Konzepte, die reichlich Spaß und wenig Lärm machen.


Der Schock sitzt tief. Die Mimik der Autofahrer lässt keinen anderen Schluss zu. Wer mit dem E-Spire (siehe Bildergalerie) an der Ampel Gas – sorry, Strom – gibt und zur Unterstützung in die Pedale tritt, verblüfft die umgebenden Verkehrsteilnehmer. Ob das an der starken Beschleunigung liegt oder am Design, das ein italienisches Ducati-Motorrad mit einem Mountainbike kreuzt, ist unklar. Ganz sicher dagegen ist, dass das Selbertreten ein Grund für die langen Gesichter ist: So entsteht der Eindruck, dass hier jemand aus eigener Kraft mit affenartiger Geschwindigkeit durch die Stadt schießt.

Das Geheimnis liegt im Elektromotor. Der hat zwar mit 1200 Watt nur so viel Leistung wie ein Fön, aber ein gigantisches Drehmoment von 150 Newtonmeter von der ersten Umdrehung an. Übersetzt: Die volle Kraft ist sofort da, während eine Verbrennungsmaschine erst mühsam hochgedreht werden muss. Das gequälte Geräusch der klassischen Stadtmotorräder und Roller hat aber noch eine zweite Ursache. Immer noch fahren Pizza-Bringdienste und Vespa-Fans mit einem Zweitaktmotor. Der verbrennt das Öl, mit dem er geschmiert wird. Er ist laut, stinkt und emittiert Abgase, die bei einem Auto niemand mehr akzeptieren würde.

Schluss mit den Zweitaktmotoren!

Eine Sauerei, die bald ein Ende in Form des Stromantriebs finden wird, weil die Nachteile bei den so genannten Kleinkrafträdern kaum ins Gewicht fallen. Große Reichweiten werden in der Stadt nicht gebraucht. Darum kann die Batterie kleiner ausfallen, was sie preisgünstig und leicht macht. Ein Elektromotor ist sehr simpel aufgebaut und wartungsarm – und es gibt auch keinen Ölwechsel mehr. Gleichzeitig wiegen die Vorteile in dieser Fahrzeugklasse besonders schwer: Weil die alten Zweitakter extrem laut und dreckig sind, ist der Sprung zum leisen und sauberen E-Motor besonders groß. Dass Utopisten nur Ökostrom tanken, gehört hoffentlich selbstverständlich dazu.

Beim E-Spire wird die Suche nach der dazu gehörigen Steckdose leicht. Denn der Akku kann mit einem Handgriff herausgenommen werden. In weniger als drei Stunden ist das 820 Wattstunden-Aggregat voll. Bei rund 60 Kilometer Reichweite ergibt das einen Verbrauch von einer guten Kilowattstunde auf 100 Kilometer, was der Energiemenge von 0,1 Litern Benzin entspricht. Mindestens 1.000 Ladezyklen soll das Lithium-Element aushalten. Zurzeit würde ein Ersatz rund 800 Euro kosten. Ein Schnäppchen im Vergleich zum Gesamtfahrzeug: 7.000 Euro sind kein Sonderangebot. Die Zielgruppe beschränkt sich also tendenziell auf alle, die vielleicht schon ein Triathlon-Rad mit Karbonrahmen haben und die auch sonst nicht auf den Euro schielen müssen. Der Hersteller des in Deutschland gefertigten E-Spire lässt durchblicken, dass es von diesen Kunden eine ganze Menge gibt.

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Thema: Auto & Elektromobilität, Stand: 23.06.2010 von

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  • gelöscht am 12.06.2014 um 21:03 von Amocin
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
  • schrieb am 16.12.2010 um 21:26
    Im Jahr 1991 hat die CDU/CSU-Regierung das Stromeinspeisegesetz erlassen. Damit wurden Windkraftanlagen wirtschaftlich. Sogleich habe ich, als Student, mit an einem der ersten Windparks in Deutschland ( http://www.uww-hamburg.de ) beteiligt. 1992 kaufte ich mir mein erstes Auto ein gebrauchtes Elektro-Auto Namens MiniEl, heute CityEl ( http://www.CityEl.de Neu: 15.000 DM. Meines: 8.000 DM). Dies hatte Bleiakkus und eine Reichweite von ca. 40 km. Die Blei-Akkus stellten sich als untauglich heraus. Also mußte ein anderes Fahrzeug her. Ein TWIKE ( http://www.twike.de ) wäre nicht schlecht. Allerdings war der damalige Importeur zum vereinbarten Termin nicht da. Also kaufte ich mir 1994 einen MicroCar light. Ein 2-sitziges Fahrzeug mit NiCd-Akkus (Neupreis: 40.000 DM, gebraucht: 27.000 DM-4.000 DM=23.000 DM). Die Reichweite lag bei 80 km und die Geschwindigkeit bei ca. 80 km/h. Ab jetzt gab es keine Akku-Probleme mehr. Das Fahrzeuggewicht inklusive Akkus betrug ca. 500 kg. Auch Urlaubsreisen nach Basel (200 km) und zurück nach Mössingen stellten kein Problem dar. Im Jahr 1996 kaufte ich mir einen Citroen AX electrique mit NiCd-Akkus. Reichweite ca. 100 km. Geschwindigkeit ca. 90 km/h. Ladezeit an jeder Steckdose ca. 4 Stunden. An einer Schnellladestation genügten 30 Minuten. Damit in den Urlaub nach Schleching, eine Fahrstrecke ca. 300 km. Dies mit der ganzen Familie mit 2 Kindern. Im Jahr 1995 brachte PEUGEOT den Elektro-Roller Scoot'elec auf den Markt. Leider gab es keine ABE für Deutschland. Diese gab es erst 1999. Da bestellte ich mir gleich ein Fahrzeug. Ich bekam vorab ein Fahrzeug zum Testen. Ich war so davon so begeistert, das ich bei PEUGEOT anfragte ob ich Händler werden könne. Dies klappte und ich verkaufte von 1999-2001 über 100 Fahrzeuge. Leider hat PEUGEOT im Jahr 2001 die Produktion des Scoot'elec eingestellt. Mein Fahrzeug ist nun 10 Jahre alt und hat ca. 7.000 km auf dem Buckel. Der von meinem Vater ist auch 10 Jahre alt. Ich kenne 2 im Kreis Tübingen, die über 20.000 km auf dem Tacho haben und einen weiteren mit über 40.000 km. Die NiCd-Akkus haben dabei immer noch die volle Reichweite von 40 km wie am ersten Tag. Die Ladezeit für 40 km beträgt an jeder normalen Steckdose ca. 2 Stunden, also pro 30 Minuten 10 km. Die Akkus dürften 20-30 Jahre halten und 80.000 km und mehr schaffen. Im Frühjahr 2011 bringt nun PEUGOT mit dem E-VIVACITY wieder ein Modell auf den Markt.
    Sonnige Grüße
    Jürgen Werner
    http://www.ElektroRoller-Werner.de mehr weniger
  • schrieb am 22.07.2010 um 18:41
    ich hatte eine Vespa. Das fahrgefühl ist wundervoll, aber der Radau und Gestänk habens mir verleidet.
    Wo bleiben die schicken, bezahlbaren E-Roller, die nicht aussehen, als kömen sie vom Mars?
    und mit denen ich auch jemand hinten drauf mitnehmen kann?
    Gucke mich schon seit längerem um, war aber nie zufrieden.

    Hmm, mal abwarten. Vielleicht werd ich hier ja schlauer. mehr weniger
  • schrieb am 15.07.2010 um 15:51
    Wir werden ein E-Bike kaufen und unser Auto oft stehen lassen.
  • schrieb am 04.07.2010 um 08:55
    Also das eSpire (das rote Ding) eignet sich sehr gut, um auch Jugendliche zu begeistern. Und wenn sich die dafür interessieren, statt für den neusten tiefergelegten Golf oder das nächste 200 PS Motorrad ist das doch gut. Mit einem Retroroller, auch elektrisch, wird das schwieriger. Damit spricht man dann vielleicht eher Mädchen an. Wichtig ist doch, dass möglichst viele Leute von elektrischer Mobilität angesprochen werden und nicht nur die paar wenigen "Überzeugungstäter" ,die jetzt schon elektrisch fahren. Dazu braucht man einerseits Fahrzeuge wie ein eSpire oder einen Tesla, um die Begeisterung zu wecken, andererseits auch "normale" Elektroroller (mit Staufach usw.), Autos und Pedelecs für den Alltgaseinsatz.

    Und eins kann ich Euch sagen, das eSpire ist furchtbar schnell und mach irren Spass zu fahren! Starke Suchtgefahr ;-)

    Wer's nicht glaubt kann bei mir in den Laden kommen und selbst eins fahren. mehr weniger
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