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Erdgas Förderung

Fracking – Brennt uns bald der Wasserhahn?

Es ist das neue Zauberwort in der Energiebranche: Fracking ermöglicht die Förderung bisher unerreichbarer Erdgas-Vorkommen. Wirtschaftsminister Rösler sieht darin „erhebliche Chancen“, während Umweltverbände vor unkontrollierbaren Risiken warnen. Wir erklären Ihnen, was es mit Fracking auf sich hat, welche Gefahren dabei entstehen und zeigen den momentanen Stand in Deutschland.


Erdöl und Erdgas, die magischen Zutaten der Industriellen Revolution, gehen langsam zur Neige. Immer waghalsigere Manöver werden unternommen, um an die noch verbliebenen Vorräte heran zu kommen. Im Gas-Sektor ist nun ein Verfahren in aller Munde, das ungeahnte (Druck)Wellen wirft. Hydraulische Frakturierung, auf englisch Hydraulic Fracturing oder kurz Fracking, heißt das Zauberwort, das Energiekonzernen die Augen leuchten lässt, die Politik spaltet und Bürger verunsichert.

Was ist Fracking?

Beim Fracking wird eine Flüssigkeit, das sogenannte Fracfluid, mit enormem Druck in eine Gesteinsschicht gepumpt. Dadurch entstehen Risse im Gestein, in denen sich im Fracfluid enthaltener Sand ablagert. Die kleinen Sandkörner halten die Risse geöffnet, durch die nach dem Abpumpen des Fracfluids Stoffe ausströmen können, die im Gestein eingeschlossen waren. Das mit Fracking förderbare Erdgas ist nicht in einer großen Blase unter einer undurchlässigen Schicht eingeschlossen, sondern in kleinen Teilen in einer porösen Schicht verteilt. Dieses sogenannte unkonventionelle Erdgas galt bis vor kurzem als nicht erschließbar.  Mit der Erfindung des Erdgas-Fracking tun sich für Energiekonzerne ungeahnte Möglichkeiten auf. Die USA werden dank Fracking wohl bald vom Energie-Importeur zum Exporteur.

Fracking Infografik Erklärung Risiken Gefahren

Gefahren des Fracking

Gesicherte Erkenntnisse und objektive Studien gibt es dabei bisher so gut wie keine, Langzeitstudien sind aufgrund der Neuartigkeit des Fracking zeitlich noch gar nicht realisierbar. Trotzdem wird vor allem in den USA bereits fleißig vollgepumpt, aufgebrochen und abgezogen. Bisher haben sich drei hauptsächliche Risikofaktoren gezeigt:

  • Chemikalien
    Obwohl die Energiekonzerne gerne betonen, dass das Fracfluid zu 98 Prozent aus Wasser und Sand besteht, halten sie sich über die restlichen zwei Prozent gerne bedeckt. Diese setzen sich nämlich aus einer Reihe von Chemikalien und Schmiermitteln zusammen. Einige von ihnen sind giftig und sogar krebserregend und dürfen auf keinen Fall in das Trinkwasser gelangen. Die größte Gefahr geht dabei nicht von der Frakturierung an sich aus, sondern von unsicher gelagerten Abwässern nach der Bohrung.
    Die Firmen pochen weiterhin auf den geringen Prozentsatz. Beachtet man jedoch, dass bei einer einzigen Frakturierung ungefähr zehn Millionen Liter Fracfluid in das Bohrloch gepumpt werden, dann summieren sich zwei Prozent zu ca. 200.000 Litern Chemikalien pro Frac. Von diesen wird nur ein Bruchteil wieder abgesaugt. Bei einer Bohrung in Niedersachsen hat ExxonMobil nur etwa 30 Prozent des Fracfluid wieder zurückholen können. Zigtausende Liter Chemikalien sind damit wohl für immer im Boden unter Niedersachsen verteilt.  Was damit passiert, weiß niemand.

  • Gasaustritte
    In den USA, wo Fracking schon seit einigen Jahren im großen Stil praktiziert wird, hat sich in der Nähe von Bohrlöchern vermehrt Methangas im Trinkwasser angesammelt. Stellenweise war die Konzentration so hoch, dass aus der Wasserleitung ein explosives Gemisch ausgetreten ist, das man schon mit einer Zigarette zum Entflammen hätte bringen können. Mögliche Gründe dafür sind laut Untersuchungen undichte Stellen in den Rändern der Bohrlöcher oder Risse vom Fracturing, die bis zum Grundwasser führen.



  • Erdbewegungen
    Erdbewegungen sind gleich doppelt gefährlich. Zum einen können die seismischen Messungen im Vorfeld der Bohrungen sowie das Fracking selbst Verwerfungen in den Gesteinsschichten hervorrufen. Grundwasser wird möglicherweise verschmutzt, Hohlräume stürzen ein. Es besteht die Gefahr, dass ehemals undurchlässige Schichten porös werden und unter ihnen eingeschlossene Stoffe freisetzen.
    Zum anderen können natürliche Erdbewegungen in einem bereits erschlossenen Fracking-Gebiet vormals sichere Bohrlöcher undicht  werden lassen. Ehemals unter festem Fels versiegelte Schieferschichten erhielten eventuell einen Zugang zu höheren Schichten und dem Grundwasser. Aufgestautes Fracfluid und Erdgas fände mitunter seinen Weg zurück an die Oberfläche.

Fracking in Deutschland

Bisher ist Fracking in Deutschland ungefähr 300 mal durchgeführt worden, allerdings nur selten im Zusammenhang mit Erdgas. Fracking wird nämlich schon seit längerer Zeit für Grundwassergewinnung und Geothermie-Bohrungen eingesetzt. Der Konzern ExxonMobil führt 2008 in Niedersachsen Probebohrungen und Fracs für Erdgas-Gewinnung durch. Als jedoch 2010 das Thema vermehrt in den Medien auftaucht und sich in der Bevölkerung breiter Widerstand regt, stellt der Konzern seine Erdgas Frackings bis auf weiteres ein. Am 26.02.2013 legen Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) einen gemeinsamen Gesetzesentwurf vor, der verbindliche Bestimmungen zum Fracking festsetzt. Altmaier will den Entwurf als „faktisches Moratorium“ und Schutz der Umwelt und Bürger verkaufen. Aus großen Teilen der Opposition und von Organisationen wie Greenpeace kommt jedoch der entrüstete Vorwurf: Vernebelungstaktik! Ein klares Verbot des Fracking ist das Gesetz ganz und gar nicht, vielmehr lässt es für die Zukunft viele Türen offen. Dies verwundert angesichts der Beteiligung des FDP-Politikers Rösler nicht, der weiterhin „erhebliche Chancen“ im Fracking sieht. Auch wenn satte Gewinne mit dieser unkonventionellen Fördermethode winken, eine wahrhaftige Energiewende kann so nicht funktionieren.

Was man gegen Fracking tun kann

Die Fracking-Vorhaben von ExxonMobil in Niedersachsen sind hauptsächlich am Widerstand regionaler Gruppen und Gemeinden gescheitert. Politische Einflußnahme ist bei diesem Thema der größte Hebel. Verbreiten Sie das Thema in Ihrem Umfeld, beteiligen Sie sich an Initiativen vor Ort und unterzeichnen Sie den aktuellen Appell von Campact:

Fracking stoppen: Keine Chemie ins Grundwasser!

Thema: Klima- und Umweltschutz, Stand: 13.03.2013 von

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  • schrieb am 10.03.2014 um 14:45
    Das ganze Thema der fossilen Brennstoffe ist doch heute eine Farce. Würde man sich ernsthaft mit der Umsetzung von Desertec beschäftigen, wären sämtliche Energieprobleme gelöst. Natürlich gibt es beim Umwandeln und dem Transport von Strom Verluste. Doch Sonnenenergie ist unbegrenzt vorhanden. Man könnte sogar gegnügend Strom für Entsalzungsanlagen produzieren und damit elementare Probleme in Afrika lösen. Aber das wird nicht gewollt. Könnte ja der heimischen Industrie und vor allem deren lobbyisten schaden. mehr weniger
  • schrieb am 21.08.2013 um 14:37
    Nun, wer sich mit dem Fracking etwas näher beschäftigt und den Grund warum Herr altmeier diesen Entwurf gegen seine Überzeugung nunn doch vorgelegt hat, der versteht was Geld alles in der Lage ist zu bewerkstelligen. Nein nicht Geld, dass er genommen haben könnte, nei, das Lobbygeld, dass die Politik, vor allem die blau-gelbe, beeinflusst ist der Casus Cnactus. In den USA und Kanada wird mit Fracking auch schon nach Öl gesucht, bzw. Ölschlamm gewonnen., das was dann überbleibt übersteigt an Natur die Umweltzerstörung des Braunkohleabbaus um Lichtjahre, die versuchen wenigstens etwas wieder zu renaturieren, aber die in nordamerika die haben leider nur die Dollars in den Augen und weniger ein Gewissen. Kamentieren und meckern nützt aber nichts, sondern sich selbs informieren und nicht nur auf Schlagzeilen achten, nur dann kann man abwägen was man selbst lieber hat. Energie und kaputte Umwelt oder Umwelt und andere Energieformen..... mehr weniger
  • schrieb am 09.04.2013 um 19:54
    Argumentieren oder 'Mundtotmachen' - das ist hier die Frage.
  • schrieb am 08.04.2013 um 16:14
    @klangengel
    Der Einzige, der sich hier dreht ist dialog114, und diese "Dreher" gibt es zu allen Themen in allen Foren. Deshalb nicht verzweifeln :-))
  • schrieb am 08.04.2013 um 15:48
    @dialog 114: "Fracking gibt es in Deutschland schon länger - ohne dass es nennenswert aufgefallen war". Dieses Argument gab es auch schon weiter oben, ohne dass es nenneswert überdacht war. Dass die neueren Technologien unter dem Namen "Superfracking", duie sich auf unkonventionelle Erdgaslager beziehen, nicht mit den in Deutschland bisher eingesetzten konventionellen Verfahren in einen Topf gehören, hat mich an Deinen Begründungsversuchen für rückhaltlose Prinzipienlosigkeit schon vor Wochen gestört, aber entsprechen de Hinweise verpuffen offensichtlich, und so dreht sich die Diskussion hier im Kreis. Kann man vielleicht auch Turbinen mit betreiben, mit dieser Kreisbewegung, und daraus Energie gewinnen... mehr weniger
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