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Plädoyer von Martin Tillich

Gegen Atomkraft – ein unsachlicher Kommentar

Dieser Text wurde geschrieben als sich die schwarz-gelbe Regierung im September 2010 auf eine Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke geeinigt hat. Als im Frühjahr 2011 die Tragödie in Fukushima ihren Lauf nahm, hat er sich rasch im Internet verbreitet. Der Reaktorunfall jährt sich heute zum zweiten Mal. Ein trauriger Tag – aber der richtige Zeitpunkt, an das uns umgebende Sinnbild moderner Selbstzerstörung zu denken.


Dieser Text ist nicht objektiv, das will er auch nicht und kann er auch nicht sein. Als Laie weiß man doch recht wenig über Atomkraft. Vielleicht hat der ein oder andere noch eine Idee davon wie Kernspaltung in den Lehrbüchern der Physik funktioniert, vielleicht auch nicht. 
 
Wir alle aber wissen: Atomkraft ist gefährlich. „Gefährlich“ ist dabei wohl eine niedliche Untertreibung. Wir alle kennen die erschütternden Bilder von Menschen mit körperlichen Missbildungen aus der Region um Tschernobyl. Wir müssen nicht einmal bis an die unwirklich wirkenden Bilder der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki denken, die wir alle mit ehrfürchtigen Schrecken gesehen haben. Atomkraft – das Sinnbild moderner Selbstzerstörung - begleitet uns überall und allgegenwärtig. Unter all den grauen Kühltürmen schlummert im Unsichtbaren ein räumlich und zeitlich uneingrenzbares Risiko, das von Menschen selbst erzeugt wurde.

Mit Atomkraft geht Menschlichkeit verloren

In der Nacht zum Montag haben nun einige Menschen, die wir zu unseren politischen Entscheidern gewählt haben, sich bewusst dazu entschieden, dieses Risiko noch einige Jahrzehnte länger einzugehen. Das versetzt mich in ein Gefühl von Unverständnis, Unsicherheit und Unbehagen.
 
Es mag sein, dass es für eine Laufzeitverlängerung gute Gründe geben mag. An vorderster Front steht wohl stets die Deutungsmacht der Wirtschaftlichkeit. Mich persönlich interessiert ehrlich gesagt kein Argument für Atomkraft – mag es noch so objektiv sein. Die dramatischste Zahl könnte mich nicht beeindrucken. Die oben geschilderten Eindrücke geben mir das Gefühl, dass es um Atomkraft keine Debatte geben darf. Mit Atomkraft geht die Menschlichkeit verloren. Gegen Atomkraft zu sein wirkt dieser Tage wie eine tragische, humanistische Haltung.
 
Übrigens: Laut einer aktuellen, repräsentativen Meinungsumfrage von TNS-Emnid lehnen fast zwei Drittel der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger die Laufzeitverlängerung alter Atomkraftwerke ab. Wäre es nicht an der Zeit, Ablehnung in Aktionismus umzuwandeln? 

Gegen Atomkraft - das können Sie jetzt tun

1. Verbrauchermacht nutzen: auf Ökostrom umsteigen und damit gegen Atomkraft stimmen: Die besten Ökostrom-Anbieter

2. Andere informieren: das geht auch ungewöhnlich, zum Beispiel mit anfixenden Tupperpartys

3. Sich gegen Atomkraft engagieren, zum Beispiel Petitionen unterschreiben!


Thema: Erneuerbare Energien, Stand: 11.03.2013 von
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