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PET-Flaschen als Bau-Material

Häuser aus Plastikmüll

Die weltweiten Plastikberge wachsen und wachsen. Nachdem die Entwicklungsländer schon lange wieder Nützliches aus dem Müll machen, ziehen auch die Industrieländer nach – und lassen aus den Plastikmüllbergen futuristische Häuser und Hallen entstehen.


Ungefähr 800 Millionen PET-Flaschen sind pro Jahr in Deutschland im Umlauf. Seit der Einführung des Pflichtpfands im Jahr 2003 werden 99% aller PET-Flaschen in Deutschland im „dualen System“ recycelt. 30 Prozent davon werden wieder zu PET-Flaschen recycelt, doch 70 Prozent treten erst mal eine lange Schiffsreise an und landen in China. Hier werden sie meist zu Textilfasern, Folien oder Füllstoffen für Teddybären verarbeitet. Ein Großteil des recycelten PET-Mülls kommt meist in Form von Kleidung als Fleece-Pullover, Decke oder Einkaufstasche und als Futterstoff für Sakkos wieder zu uns zurück.

Relativ neu ist aber ihre Wiederverwertung in Industrieländern als innovativer Baustoff: Ob in Bausteine umgegossen oder mit nicht-organischem Abfall gefüllt für den Bau von Schulgebäuden oder sogar als Wärmedämmungsmaterial für Ökohäuser.

Revolutionär muten die neuen Müllbausteine „Pollibricks“ an. Die wabenförmigen, futuristisch aussehenden Plastikbausteine hat der taiwanesiche Architekturprofessor Arthur Huang für Miniwiz entwickelt: Für ihre Herstellung werden alte Plastikflaschen und Plastikmüll aus Poylenthylenterephtalat (PET) zu mit Luft gefüllten Plastikhohlformen recycelt. Um eine Fassade zu „bauen“, werden sie einfach an einem Stahlgerüst montiert. Die sechseckigen Bausteine werden in der Industrie oft verarbeitet, wenn leichtes und gleichzeitig stabiles Material benötigt wird, beispielsweise in der Luftfahrt oder auch um erdbebensichere Gebäude zu entwickeln. Die Plastiksteine haben aber noch weitere Vorteile: Sie sind lichtdurchlässig, feuerfest, extrem haltbar und weisen als „Recyclingelement“ auch eine optimale Ökobilanz auf. Da sie leicht montier- und demontierbar sind, sind sie auch ideal für temporäre Bauwerke wie Ausstellungs-, Messe- oder Montagehallen geeignet.

In Entwicklungsländern werden schon lange Dinge aus gebrauchten PET-Flaschen hergestellt wie Häuser, Boote, Lampen. Allein in Nigeria landen jährlich Millionen von Plastikflaschen in Gewässern und auf freien Flächen. Sie verursachen dabei Verschmutzung und Erosion, sie verstopfen Bewässerungsanlagen und sie machen noch dazu krank. Plastikflaschen brauchen, so wird geschätzt, hunderte Jahre bis sie in der Natur zersetzt werden. Da Plastik aber kaum biologisch abgebaut werden kann, sondern lediglich in immer kleinere Teile zerlegt wird, verschwindet es nur optisch. Mit Erde gefüllt und mit Lehm vermauert werden hier Häuser daraus gebaut, die potentiell Tausende von Jahren halten.

Sollten sich die Flaschenhäuser- und Plastikbaustoffe durchsetzen, wären sie zumindest eine Chance einen Teil des gefährlichen Plastikmülls aus der Umwelt zu nehmen und ihn nützlich zu machen. Doch trotz der praktischen Verwendung stellt sich die Frage, ob dies wirklich sinnvoll ist? Rechtfertigt dies den enorm hohen Verbrauch von Plastikflaschen?

Sammle, sammle, Häusle baue – was meinen Sie dazu?

Thema: Selber machen, Stand: 31.08.2011 von
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