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Recycling oder Urban Mining

Handy: Die Schatzkiste in der Schublade

Jeder hat eins, jeder braucht eins – und am besten jedes zweite Jahr ein Neues: Das Handy ist nicht mehr wegzudenken. Die Mobilfunkindustrie kann sich seit Jahren über explodierende Verkaufszahlen freuen. Doch was passiert mit den Rohstoffen, die dafür verwendet werden? Utopia wirft einen Blick in die Schatzkiste Handy.


Von Heidi Tiefenthaler
 
Wir hassen und lieben sie, stecken sie in Babysocken oder lassen sie trotzdem regelmäßig fallen – ganz egal welcher Art unsere Beziehung zum Handy ist, jeder hat eine. Das zeigen auch die Verkaufszahlen: 1997 gingen weltweit 100 Millionen Mobiltelefone über den Ladentisch; 2009 war es bereits weit über eine Milliarde, Tendenz steigend. 
 
Doch wer weiß schon genau, was drin steckt in seinem Handy? Indium, Tantalum, Palladium – für die meisten von uns wäre das bis vor kurzem auch als ayurvedische Teemischung durchgegangen. Erst seit die Diskussion um die Handy-Recyclingquote an Fahrt aufnimmt, tröpfeln Begriffe wie diese langsam in unser Bewusstsein. Und mit ihnen die Erkenntnis: Was da an Millionen ausgedienter Geräte in unseren Schubladen, Schränken und Kartons vor sich hindämmert, ist das reinste Bergwerk.
 

Rohstoffe: Ohne die geht’s nicht

 
Etwa 60 verschiedene Rohstoffe stecken in jedem Handy, ungefähr die Hälfte davon sind Metalle. Pro Gerät sind das etwa neun Gramm Kupfer,  3,6 Gramm Kobalt, 250 Milligramm Silber, 24 Milligramm Gold und neun Milligramm Palladium. Auf den ersten Blick nicht viel, doch die Masse macht’s: Das Umweltbundesamt schätzt, dass in Deutschland rund 60 Millionen Handys unbenutzt in Schubladen liegen. Das sind umgerechnet rund drei Tonnen Gold, 30 Tonnen Silber, 1.900 Tonnen Kupfer, 151 Tonnen Aluminium und 105 Tonnen Zinn.
 
Bei den explodierenden Produktionszahlen droht der Bedarf an einigen Metallen inzwischen sogar die Fördermengen zu übertreffen (siehe Tabelle). Und es sind gerade jene, die nur in winzigen Mengen verarbeitet werden, die den Herstellern das meiste Kopfzerbrechen bereiten.

Der Rohstoffexperte Armin Reller von der Universität Augsburg nennt sie „spice metals“, Gewürzmetalle. Obwohl sie nur in allerkleinsten Dosen benötigt werden, sind sie für das Produkt unverzichtbar, genauso wie manche Gewürze für ein bestimmtes Gericht. All diese „Gewürzmetalle“ wie Palladium, Indium oder Lithium haben eines gemeinsam: Sie kommen nur in sehr begrenzter Menge vor und viele kleinere Produzentenländer liegen in politisch instabilen Regionen.
 
Palladium beispielsweise macht nur 0,015 Prozent des Handygewichts aus; 15 Tonnen davon reichen für die weltweite Jahresproduktion. Weiß man jedoch, dass die Minen weltweit pro Jahr nur 220 Tonnen produzieren, wird klar, warum sich der Preis mancher „spice metals“ im letzten Jahrzehnt verzehnfacht hat.

Ausweg: Urban Mining

Um die wertvollen Rohstoffe und „Gewürzmetalle“ zu bewahren, ist das Rückführen der Rohstoffe in den Stoffkreislauf fast schon Pflicht und im Fachjargon wurde dafür der Begriff des Urban Mining geprägt. Dieser steht für die Tatsache, dass jede dicht besiedelte Stadt in einem industrialisierten Land eine riesige Rohstoffmine ist. Mittels Urban Mining wird einerseits die Abhängigkeit von steigenden Rohstoffpreisen und Importen verringert. Zum anderen spart Urban Mining Geld. Entsorgungsunternehmen ersparen der deutschen Volkswirtschaft durch das Recycling schon heute jährlich rund vier Milliarden Euro. Das hat das Institut der Deutschen Wirtschaft ermittelt. Durch das Recycling von Abfällen werden laut IW derzeit rund 20 Prozent der Kosten für Metallrohstoffe eingespart.

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Thema: Selber machen, Stand: 10.09.2010 von

Kommentare (6)   Kommentare abonnieren

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  • schrieb am 13.09.2010 um 16:49
    Das Thema betrifft nicht nur Handys, sondern alle Elektronischen Geräte, wie PCs, Pocket PCs, Notebooks usw usw

    Zum Lithium gibts noch was zu sagen. Alle modernen Akkus werden zum großteil aus Lithium hergestelt. Bolivien hat das größte Lithiumvorkommen der Welt auf seinem Territorium stehen
    und man mags ja kaum glauben, Bolivien ist Weltweit das einzige Land, indem eine Revolte gegen die Privatisierung der Wasserversorgung erfolgreich war. Das mag ja erstmal gut klingen.
    Tatsache ist aber, dass die Revolte, dessen Ergebniss der Sturz der Regierung war, von Amerikanischen Organisationen unterstützt wurde und man mags ja wieder kaum glauben, die neue Regierung ist Amerikafreundlich... mehr weniger
  • schrieb am 11.09.2010 um 10:18
    China hat eben erst den Export von "seltenen Erden" stark begrenzt, in denen solche Metalle stecken. Für nächstes Jahr erwartet man, dass China die Weltproduktion dieser Metalle selbst benötigt und keine Exporte mehr zulässt.
  • schrieb am 10.09.2010 um 19:38
    Entgegen allen Behauptungen der Behörden gibt es gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse über die schädlichen Auswirkungen der Handystrahlung auf das biologische System.

    Die Mobilfunkstrahlung gefährdet unsere Gesundheit – flächendeckend, lautlos - weshalb sich ein immer grösser werdender Widerstand formiert.

    Formiert Euch mit. Es ist 5 vor 12. mehr weniger
  • schrieb am 10.09.2010 um 13:37
    In meinem Alter hat ja jeder mindestens zwei Handys und die werden auch jedes halbe Jahr gewechselt.
    Aus Protest benutze ich jetzt ein 10 Jahre altes Handy und werd mein erst ein-Jahr altes Handy wieder verkaufen..
    Mal abgesehen davon dass man irgendwann vom Handy abhängig wird (ich hatte leider auch
    mal so eine Phase) gab es dauernd irgendwelche Probleme. Es ist dauernd hängen geblieben,
    der Akku war sowieso Schrott und so gings weiter...Für 200 € kann man glaub etwas anderes erwarten...
    Aufjedenfall bin ich jetzt glücklich mit meinem "Asbach uralt"-Handy, wie es von meinen Freunden netterweise genannt wird. Man kanns sogar gegen die wand schmeißen ohne das irgendwas passiert! mehr weniger
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