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KOMMENTAR HANNOVER MESSE

Chance Elektroauto – doch der Staat schläft


Technologieoffene und höhere CO2-Steuer

Ob es dabei sinnvoll ist, wie in allen anderen großen Industrienationen pauschale Subventionen ab 5.000 Euro aufwärts zu verteilen, darf munter diskutiert werden. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hingegen meint ja, Elektroautos sollten sich bitte einfach so am Markt durchsetzen. Grundsätzlich hat er Recht, wenn er meint, dass E-Autos ökonomisch wettbewerbsfähig sein müssen. Aber zurzeit fördert der Staat durch seine Politik einseitig den Absatz CO2-intensiver Autos. Der Dreh an der Kfz-Steuer – also die Verteuerung von Neuwagen mit hohem Verbrauch – könnte den ökologischen Vorteil CO2- und geräuscharmer Elektroautos automatisch beschleunigen. Ohne Einmalzahlungen, die doch nur den üblen Beigeschmack der Abwrackprämie hätten.

Das Steuermodell des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), dass Autos erst ab 60 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer von der Abgabe befreit und darüber erheblich höhere Sätze als zurzeit vorsieht, ist dabei vorbildlich. Wie die Hersteller ihre Werte senken, ist theoretisch technologieoffen. Faktisch wird es unter diese Schwelle aber nur mit teil- und vollelektrischen Konzepten gehen.

Geringere Abhängigkeit von fossilen Ressourcen

Beschämend ist, wenn Kanzlerin Angela Merkel Deutschland zum „Leitmarkt für Elektromobilität“ ausruft. Das erinnert ein wenig an die Endzeit des seligen Arbeiter- und Bauernstaats DDR, in dem Leitbilder propagiert wurden, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Wenn die Bundesregierung nicht bald von der Bremse geht, werden die vielen Ideen und Anwendungen, die kluge Köpfe in agilen kleinen und mittelständischen Unternehmen haben, im Nichts verpuffen oder von der internationalen Konkurrenz kassiert werden. Diese ökonomische Chance darf nicht verspielt werden! Dasselbe gilt für das volkswirtschaftliche Potenzial, das in der Diskussion um Elektroautos gerne übersehen wird. Jedes Jahr werden Milliarden Euro für den Import von Rohölprodukten ausgegeben. Zumindest ein Teil davon könnte eingespart werden.

Dem Staat fehlt der Mut


Die Macher des TW4XP und des Stromos schlafen nicht. Der Staat schläft. Die Frage ist, ob er das tut, weil die deutschen Großhersteller von Mercedes bis Volkswagen noch keine serienreifen Produkte anbieten können? Wenn das passiert, also in zwei bis drei Jahren, könnte es zu spät sein. Zu spät für die kleinen und mittleren Betriebe, die traditionell das Rückgrat der Wirtschaft bilden.

So, wie die Bundesregierung im Moment die Zügel schleifen lässt, droht ein Horrorszenario: Pünktlich zum nächsten Bundestagswahlkampf im Sommer 2013 verkündet Angela Merkel eine Initiative, die Subventionen für Käufer von teil- und vollelektrischen Autos ab Januar 2015 vorsieht. Sie verbietet Atom- und Kohlestrom mit dem Hinweis auf das Gespenst der Stromlücke nicht. Und in der Zwischenzeit macht die Konkurrenz aus Fernost und anderswo der heimischen Industrie wie bei den Fotoapparaten mit Fäustchenlachen den Garaus. Nur, weil dem Staat der Mut fehlt, endlich die entscheidenden Rahmenbedingungen zu setzen.


TW4XP, noch ohne Karosserie, auf Youtube:

 

Foto: TW4XP

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Thema: Auto & Elektromobilität, Stand: 19.04.2010 von

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  • schrieb am 11.05.2010 um 17:33
    Der "Staat" schläft nicht, der "Staat" bzw. seine Legislative, fährt mit der Fahrbereitschaft des Bundestages. Übrigens sogar zur Vorstellung eines Elektroautosalons in Berlin. Mobilität von Morgen, darf nicht nur auf die Frage der Antriebsart reduziert werden. Dazu ist das Thema zu komplex. Der elektrische Antrieb ist zwar deutlich effizienter, bringt aber nichts, wenn wir dem heutigen Geschwindigkeitswahn weiter so viel Bedeutung geben. Dies ist sogar kontraproduktiv. Derzeit sind leider sogar unsere Solarpäpste der Fraktion Schneller- Weiter- Höher auf den Leim gegangen. Einer war richtig böse, als die Umweltverbände sich gegen eine finanzielle Förderung von Emobilen aussprachen. Was ich wiederum begrüße. Die Autoindustrie sollte erst einmal Michael Schumacher zum Energiesparkurs schicken, dannach brauchen sie keine Staatsknete für tonnenschwere Elektroraser mehr. Die Atomstromer hoffen ebenfalls auf Geld für die Markteinführung der Atommobile.
    Grundsätzlich finde ich allerdings auch die Haltung der Umweltverbände diskusionswürdig. Einige Experten haben sich das Diskutieren leider abgewöhnt und argumentieren immer nur noch aus ihrer Position bei allen möglichen Organisationen.
    Greenpeace geht mal wieder mit dem SMILE von 1995 hausieren und behauptet im Chor mit dem VCD , dass der Verbrennungsmotor erst einmal genug Potential bietet, die Schadstoffe des Verkehrs zu reduzieren.
    Die Experten vergessen dabei oft , dass über die Motorart hinaus nur eine allgemeine Entschleunigung und die Verkehrsvermeidung bei der Stadt und Regionalplanung, die Basis für eine Verkehrswende ist.
    Die leichten und langsamen (provokativ) SolarMobile, kommen übrigens sogar mit deutlich weniger Energie aus als 1 ltr. Schon 1992 wurde das Twike für die Stiftung Warentest gemessen es erreichte damals den Wert von 0,40 ltr. Benzinäquivalent auf 100 km. Mit 65 km/h Spitzengeschwindigkeit sind sie eben keine universalen Langstreckenfahrzeuge mit "Knautschzone". mehr weniger
  • schrieb am 26.04.2010 um 06:56
    Ich war auch auf der Hannover-Messe und habe da insbesondere viele Vorträge angehört im Forum "Life needs Power" von VDE und ZWEI (siehe http://www.life-needs-power.de/programm.html ).

    Zum Thema "verschläft die Bundesregierung" kamen da interessanterweise beide Ansichten:
    Ja, Deutschland ist drauf und dran zu verschlafen und
    Nein, die Bundesregierung ist dran
    (Leider habe ich dazu den passenden Vortrag im Forum MobiliTec nicht hören können)

    Das entscheidende Datum für die Beantwortung der Frage ist der 3. Mai, da findet ein großes Treffen zur E-Mobilität statt, dann kommen die Karten auf den Tisch. mehr weniger
  • schrieb am 21.04.2010 um 09:45
    Der Sinn von Elektroautos kann ja nur sein, den Verbrauch an Primärenergie so weit wie irgend geht zu verringern. Der hängt aber zu einem erheblichen Teil von Fahrweise und eben auch Gewicht der Fahrzeuge ab. Insofern kann es ja nur ein Irrweg sein, "normale" Autos mit einem Elektroantrieb auszustatten und die gleichen Anderthalbtonner durch die Gegend zu bewegen.

    Lösungen à la Twike (www.twike.de) oder vielleicht bald TW4XP sind daher richtig und wichtig, um unseren Blick auf individuelle Mobilität zu ändern. Das Twike ist immerhin jetzt und hier voll und alltgstauglich verfügbar und benötigt keine besondere Infrastruktur - ganz im Gegensatz zu anderen Fahrzeugen, siehe den Bericht über "Tesla" bei SPIEGEL online (dort suchen). Das Twike benötigt dabei weniger als einen Liter Benzin pro 100 km Primärenergie, was eben an einer normalen Steckdose leicht zu laden ist (also ca. 8 kWh gegenüber 44 bei Tesla und ähnlichen).

    Im Übrigen sind "überflüssige" Fahrten eben auch der Einkauf bei Aldi, den man leicht per Fahrrad erledigen kann. Die meisten Dinge aus dem Baumarkt lassen sich meiner Erfahrung nach ebenfalls so transportieren. Auch hier kann ein Fahrzeug wie das Twike (in das leicht vier Bierkästen passen), das die eigene Muskelkraft nutzt, die Einstellung zum eigenen Beitrag zur Mobilität verändern. mehr weniger
  • schrieb am 20.04.2010 um 17:09
    Wenn

    ich mir diese überdachten Dreiräder wie den TW4XP anschaue, überkommen mich arge Zweifel, ob mit diesem "Fahrzeug" so alltägliche Dinge wie eine Kiste Bier, der regelmäßige Einkauf im Baumarkt oder bei aldi damit zu erledigen sind.
    Solange der Gesamtwirkungsgrad bei der Stromerzeugung schlechter ist als bei hocheffizienten Verbrennungsmotoren sind E-mobile Unsinn. Ob das CO2 im PKW/LKW Motor entsteht oder ein paar Hundert KM weiter in einem Kraftwerk ist unserer Atmosphäre egal !
    Wichtiger in meinen Augen ist die Vermeidung von unsinnigem Verkehr : tägliche Fahrten zur Arbeit von mehr als 100 km ...... überflüssige Transporte wie zB die Büsumer Krabben , die mit dem Kühl-LKW nach Marokko zum Puhlen gebracht werden um anschließend wieder bei uns in den Regalen im Supermarkt zu landen ...... und und und

    Gruß Thomas mehr weniger
  • schrieb am 20.04.2010 um 16:29
    Warum ist alle Welt auf einmal so scharf auf Elektroautos? – die dann wahrscheinlich mit Atom- oder Kohlestrom betrieben werden.

    Wäre es nicht besser das Hybrid-Auto weiter zu entwickeln?

    Irgend wann mal , wenn es nur noch Ökostrom gibt, können wir dann ja meinetwegen reine Elektroautos fahren.

    Johanna mehr weniger
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