Deutschlands Website Nr. 1 für nachhaltigen Konsum
Im Test

Wie viel Coffee to Müll?

Wie viele Pappbecher landen jährlich durch den Coffee-to-go-Konsum der Deutschen auf dem Müll? In Mode kam der Kaffee zum Mitnehmen in Deutschland im Jahr 1999. Nach dem ersten Jahrzehnt stellt Utopia nun die Rechnung auf.


Vor zehn Jahren war die Welt noch in Ordnung: Am Arbeitsplatz tranken die Deutschen Kaffee aus der Warmhaltekanne. Zuhause gab es mit Freunden zusammen zu Kaffee auch Kuchen und die lieben Gäste dürften die neuen Espresso-Tässchen oder den Luxus-Milchschäumer begutachten. Heutzutage, bei den stressigen Zeiten, ist das etwas anders. Beliebt macht sich, wer den Kollegen aus der Mittagspause einen schnellen "Coffee to Go" mitbringt. Mit extra viel Schaum oder süßem Geschmack. Schnell muss es auch am Samstagnachmittag bei Starbucks gehen -  mit der Freundin einen Frappuccino (Espressomix mit Eis) holen und ab damit durch die City zum Shoppen, bevor die Läden schließen. Und so türmen sich die Pappbecher Tag um Tag.

Etwa 1500 "Coffe to go"-Shops gibt es deutschlandweit. Starbucks eröffnete 2002 die erste Filiale in Berlin. Sieben Jahre später ist der amerikanische Konzern mit rund 140 Kaffeeläden in Deutschland vertreten. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Die Fast-Food-Kette Mc Donald's baut ihr "Coffee to go"-Angebot sukzessive aus und unterbietet Starbucks mit Niedrigpreisen. Und auch deutsche Unternehmen haben längst begriffen, dass die Idee mit den Bechern zieht.

Vanessa Kullmann war mit der ersten deutschen Kaffeekette sogar schneller auf dem deutschen Markt als Starbucks. Vor zehn Jahren gründete die Deutsche die ersten "Coffee to go"-Shops in Hamburg und Berlin. Die Idee brachte sie damals aus New York mit. Inzwischen betreibt Kullmann in der Hansestadt 20 Filialen, und weitere in Hannover und Lüneburg. Ähnlich erfolgreich ist die bayerische "San Franciso Coffee Company", mit 27 Filialen in München. Die Firma "Black Bean" mit Sitz in Eggenfelden bietet sogar Biokaffee im Pappbecher - und verkauft diesen in Nürnberg, Passau, Regensburg, München, Weiden, Jena und Hamburg. Die Liste mit "Coffee to go"-Läden ließe sich deutschlandweit fortsetzen.

Doch was bedeutet die Umstellung von der Tasse auf den Pappbecher für die Umwelt? Oder besser gefragt: Wie viele Becher und Plastikdeckel werfen die deutschen Kaffeetrinker im Schnitt am Tag in den Müll - von den vielen Plastikdeckeln einmal ganz zu schweigen?

150 Liter Kaffee trinkt der Deutsche nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes im Jahr im Durchschnitt (macht 0,41 Liter am Tag und somit etwa zwei Tassen Kaffee). Etwa 40 Prozent unserer täglichen Kaffeedosis konsumieren wir außer Haus, wie etwa die Wirtschaftswoche recherchiert hat. 40 Prozent von 150 Litern macht 60 Liter im Jahr, die der Durchschnittsdeutsche außerhalb seiner eigenen vier Wände trinkt. Von den 60 Litern können wir wohl getrost zwei Drittel abziehen - wer kann schon einen ganzen Büro-Tag lang mitgebrachte "Coffee to gos" trinken? Auch in vielen Restaurants und Café wird schließlich immer noch Kaffee in der Tasse serviert.

Bleiben also etwa 20 Liter Kaffee, die der Deutsche im Durchschnitt im Jahr aus Pappbechern schlürft. Umgerechnet auf das Durchschnittsvolumen eines "Coffee-to-Go"-Bechers, nämlich 0,25 Liter, landen somit 80
Pappbecher plus Plastikdeckel je Person im Jahr im Müll. Diese Zahl auf 82 Millionen Einwohner hochgerechnet, lässt die Becherzahl samt der Deckel in schwindelerregende Milliardenhöhe schnellen: 6.560.000.000 werden demnach im Jahr von Deutschen verbraucht.

Alle Becher aufeinander gestapelt - ein 0,25 Liter-Becher ist normalerweise neun Zentimeter hoch - enstünde ein 590.400 Kilometer hoher Müllberg. Zum Vergleich: Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze, ist 2.962 Meter hoch. Bevor wir den Bechermüll jetzt noch in gefällte Bäume umrechnen, sollten wir für den nächsten "Coffee to go" besser gleich mit dem Thermosbecher losziehen. Denn bei einem Äquatorumfang von rund 40.000 Kilometer könnten wir Deutschen unsere Coffee-to-go-Becher mit den Deckeln jedes Jahr etwa 14 Mal um die Erde wickeln.

Fazit: Dieser Trend ist einer, den die Welt nicht braucht!  

 

+++ Wirtschaftswoche+++

+++ "Coffee to go"-Becher für jeden Tag +++

Thema: Klima- und Umweltschutz, Stand: 28.06.2009 von

Kommentare (7)   Kommentare abonnieren

alle Kommentare (7)
  • schrieb am 28.09.2011 um 17:07
    Jetzt korrigieren wir die zahlen mal ein wenig in Richtung Wahrheit:
    - Nicht jeder der in Deutschland lebenden trinkt Kaffee. Gehen wir mal von einem eintrittsalter in die Kaffeewelt von 15 Jahren aus, kommen wir auf 70,7797 mio Kaffeetrinker. (Quelle: Statistisches Bundesamt: http://goo.gl/kjuyE)

    Somit kommen wir auf 80 Becher * 70.779.700 Menschen = 5.662.376.000 Becher pro Jahr.

    - Wenn wir über Müllberge reden, sollten wir auch richtig stapeln. Niemand stapelt Müll (bzw. Becher) immer in abwechselnder Reihenfolge, so das 2 becher nicht 9 cm hoch sind, sondern 9,5 cm (9cm für den ersten Becher, jeder weitere ist ja nur noch mit dem Rand sichtbar, und selbst da ist noch luft zwischen den böden...).

    Somit kommen wir auf 5.662.376.000 Becher * 0,005 m + 0,09 m = 28.311,88 km "Becherturm" (und der recht nicht einmal um die Erde...)

    - Berechnen wir das ganze noch einmal anders durch:

    Ein Becher mit 220ml wiegt plus deckel 11,5g. Der Deckel macht davon 3,3 g aus, dem Becher schreiben wir 8,2 g zu.

    Nehmen wir das gewicht aller Becher incl. Deckel sind wir also bei 59454,94 t BecherDeckel-Müll.
    Oder 80 * 11,5g = 920g Bechermüllgemisch pro person pro Jahr.

    Verglichen zu den 239kg (Kilogram!) altpapier pro person pro Jahr (oder mit korrektur auf 15+-jährige ~250kg pro person & der vermutung das altpapier der täglichen post nicht weniger gesundheitsschädlich ist (Hochglanzdruck, teilweise in Plastik eingepackte prospekte...) sind 920g nicht das Schlimmste was wir der welt antun können...

    Ich werde mich also weiterhin ab und an mit einem Becher in den Park legen, und empfehle einen "bitte keinen Werbung einwerfen"-Kleber um die welt zu retten...

    Fazit: Wenn man Hochrechnungen macht, sollte man sich wenigstens sinnvoll nahe der realtät beziehen... mehr weniger
  • schrieb am 13.07.2010 um 15:03
    Das würde bedeuten, bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung der Deutschen von angenommen 80 Jahren, dass man aus den Pappbechern die alle Deutschen zusammen in ihrem Leben für coffe to go verschwenden einen 47.232.000 Kilometer hohen Berg bauen könnte.

    PS allein die 590.400 Kilometer eines Jahres würden reichen um eine Brücke zum Mond zu bauen wenn ich mich nicht täusche mehr weniger
  • schrieb am 15.07.2009 um 12:11
    Aufgeschäumte Milch ist als Getränk der hippen Mainstreamszene sowieso völlig überbewertet.
  • schrieb am 14.07.2009 um 20:10
    Ganz genau...
    Kaffee ist ein Genußmittel, man sollte sich dazu in Ruhe hinsetzen, den Duft genießen, ein Gespräch beginnen, eine Zeitung lesen oder einfach nur entspannen...
    aber für sowas haben die Geh-Kaffee Konsumenten wohl kein Gespür.
    davon mal abgesehn trinke ich lieber Tee und zwar nur "to restawhile" mehr weniger
  • schrieb am 08.07.2009 um 22:11
    Kaffee-zum-Gehen, das bedeutet wieder ein Opfer an unsere beschissen schnell drehende Welt. Nicht mal mehr Zeit für einen Kaffee, sitzend auf einem Stuhl, ist mehr übrig. Das finde ich noch viel erbärmlicher als diese Pappbecher.
alle Kommentare (7)
Kommentar schreiben
(5000/5000)
Mehr zu Klima- und Umweltschutz
  1. Alles nur heiße Luft?Er ist der Experte für energiesparendes Bauen – und bei uns konnten Interessierte Ronny Meyer mit ihren Fragen bombardieren. Hier gibt's den Live-Chat mit ihm über den Dämm-Hype, ökologische Dämmstoffe, moderne Heizungen und Wärmepumpen zum Nachlesen.

    Alles nur heiße Luft?
  2. Beeinflusst die Wurstsemmel das Weltklima?Es wird viel gefeiert in diesen Tagen – und geschlemmt. Leider setzt auch die Produktion und Bereitstellung von Lebensmitteln das fürs Klima schädliche CO2 frei. In welchem globalen Kontext ist das zu sehen? Utopia bietet eine Einführung mit einfachen Regeln, die Sie persönlich beachten können.

    Beeinflusst die Wurstsemmel das Weltklima?
  3. Das ABC des Guerilla GardeningGärtnern ohne Grenzen: Utopia hat im Buch von Englands bekanntestem Guerilla-Gärtner Richard Reynolds gewildert.

    Das ABC des Guerilla Gardening