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Utopist Andreas Meißner

"Mensch, was nun?"

Vor kurzem hat mir der Utopist Andreas Meißner geschrieben: „Ich habe nun aus meiner psychiatrischen und psychotherapeutischen Sicht ein Buch fertig gestellt, indem ich die mögliche Haltung zur Ökokrise genauer untersuche und Perspektiven aufzeige.“ Das ist mal ein anderer Ansatz, weswegen ich mit ihm ein kurzes Interview über "Mensch, was nun?" geführt habe.


Utopia:  Wie kam es denn zu Ihrem Buch-Projekt?
Andreas Meißner: Zu dem Buchprojekt kam es über mein Internetzeitungsprojekt "Zukunft und Grenzen". Hier habe ich zu ökologischen Fragen, die mir zunehmend Sorgen gemacht haben, eine pdf-Zeitung ab 2007 mehrmals erstellt und an Freunde und Interessenten vermailt. Dadurch hat sich eine Auseinandersetzung mit dem Thema ergeben, was ich in größerer Form darstellen wollte, vor allem dann auch mit dem psychologischen Blickwinkel. Meine Fragestellungen sind: Warum geschieht so wenig, obwohl wir soviel wissen? Und: Wie kann man eine lebenswerte Haltung entwickeln, ohne immer die Krise verdrängen zu müssen?.

Aus psychiatrischer Sicht die Ökokrise zu betrachten ist zunächst ungewöhnlich - was ist Ihre These? Kann von einem Mutmacher-Buch gesprochen werden?
A. M.: Meine These ist, dass sich die ökologische Krise zwar nicht abwenden lässt,  trotzdem können Ohnmachtsgefühle überwunden werden. Ausgangspunkt: in der Wirtschaft, der Politik und in anderen Lebensbereichen sind psychische Motivationen, das Bauchgefühl, die Intuition oder auch Vertrauen entscheidend für Handlungen. Dies wird bisher in den vielen Publikationen zu Nachhaltigkeit kaum beachtet.


Warum sollten Utopisten das Buch lesen? Oder welche Zielgruppe möchten Sie ansprechen?
A. M.: Utopisten sind ja offenbar an einer Änderung ihres Lebensstils interessiert  – auch wenn der Konsum an sich vielleicht bei utopia.de nicht in Frage gestellt wird.  Folglich werden auch sie die Ohnmachtgefühle kennen, die einen bei der Beschäftigung mit dieser Frage zwangsläufig einholen. Man bemüht sich, und oft ist es doch das Verkehrte. Gutes Beispiel sind die Bio-Erdbeeren aus Spanien, für die jedoch immens viel Wasser dort verbraucht wird.

"Ich kann doch eh nichts tun und die anderen machen doch auch nichts?" Was sagen Sie jemandem, der so einen Satz von sich gibt?
A. M.: Meine Antwort wäre: "Schaue nicht nur auf die anderen! Finde eigene Antworten für Dich, löse Dich mutig aus der Masse und handele so, wie Du selbst es für richtig hältst, egal, ob die anderen schon mitziehen."

Womit haben Sie persönlich angefangen? Und wann?
A. M.: Begonnen hat es mit viel Lesen zu dem Thema. Wenn Sie wollen, dürfen Sie zahlreiche Demonstrationen gegen Wackersdorf in den 80er-Jahren vor allem 1986 und 1988 dazu zählen; dann Mitmachen beim Car-Sharing, schon in den Jahren 1995 bis1999. Beziehe auch eine Ökokiste seit rund zehn Jahren; bin Grün-Wähler seit 18. Lebensjahr  – wenn auch immer öfter frustriert. Immer, schon in der eigenen Schulzeit, bin ich eifrig mit dem Rad gefahren oder auch dem Zug. Jetzt als Hausbesitzer haben wir eine Photovoltaik- und Wassersolaranlage auf dem Dach, wir haben die Heizungspumpe gewechselt gegen eine energiesparende Variante und natürlich seit einiger Zeit bin ich Utopist und BN-Mitglied. Puh, das klingt aber jetzt alles supertoll und dick aufgetragen, dabei habe ich bei weitem noch das Gefühl, zu wenig zu tun!

Was treibt Sie an?
A. M.: Mich treibt die Wut und das Erschrecken über die Situation an. Gerade das letzte Update zum Bericht an den Club of Rome ("Grenzen des Wachstums", 2004) hat endgültig meine Verdrängungs- und Verleugnungsmechanismen gekippt. Das Buch  "Kollaps" von Jared Diamond kam 2007 dazu, des Weiteren im selben Jahr die vielen Klimaberichte.

Was macht Sie in diesem Zusammenhang so richtig wütend?
A. M.: So richtig wütend macht mich in diesem Zusammenhang die Ignoranz vieler Mitmenschen, ohne dass ich verlangen wollte, dass alle nun Öko-Engel werden. Aber blind so weiterzumachen wie bisher geht nicht mehr. Gar nicht so extrem wütend bin ich auf die Politiker - denn die sind auch nur Menschen wie wir alle, mit denselben psychologischen Verdrängungsmechanismen, demselben Trieb, vor allem für das eigene Überleben und das der ihnen nahestehenden Gruppe zu sorgen. Wütend bin ich aber dafür umso mehr auf Leute wie Thilo Bode, früher Greenpeace, die sich hier in München bei einer Diskussion der Münchner Rück-Stiftung hinstellen und meinen, die Bedeutung des Einzelnen spiele keine Rolle, behauptet Politik und Wirtschaft müssten das umsetzen, was längst bekannt ist. Genau diese "Muss-Appelle" aber funktionieren nicht! Der Einzelne ist wichtig, auch natürlich dabei, welchen Druck er nach oben ausübt oder was er wählt. Denn ökologisch aktive Politiker mit unbequemen Entscheidungen werden eben doch meist rasch wieder abgewählt.

Zum Inhalt: Die ökologische Krise mit all ihren vielfältigen Folgen ist unabwendbar, schmerzhafte Einschnitte werden auf die Menschheit zukommen - von dieser These geht der Psychiater und Psychotherapeut Andreas Meißner zunächst aus. Das ist frustrierend, lähmend, nicht gerade freudig stimmend zu lesen. Zumal er dann der therapeutischen Perspektive heraus genauer untersucht, warum die Menschen so wenig für eine bessere Zukunftsaussicht unternehmen, obwohl sie doch wissen oder zumindest ahnen, was auf sie zukommt. Da wird verleugnet, ignoriert und nur kurzfristig gedacht. 

Doch im Buch werden dann Möglichkeiten des persönlichen Krisenmanagements aufgezeigt: eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation ist möglich, ohne zu sehr von gefühlter Ohnmacht gelähmt zu werden. Denn zumindest ist es entlastend sich klar zu machen, dass wir heute Lebenden uns dieses Umwelt- und Ressourcendilemma nicht ausgesucht haben und uns in der Zielsetzung des Weltverbesserungsanspruchs nicht übernehmen müssen. Und ganz nebenbei finden sich im ganzen Text immer wieder konkrete Vorschläge dazu, was der Einzelne selbst praktisch tun könnte.

Das Buch erscheint in Kürze – mehr Infos unter http://www.mensch-was-nun.de/

Ein Teil des Verkaufspreises vom Buch wird als Spende an den Bund Naturschutz gehen.

Zu Andreas Meißners Utopisten Profil.

Thema: Utopisten-Interviews, Stand: 04.08.2009 von

Kommentare (6)   Kommentare abonnieren

alle Kommentare (6)
  • schrieb am 24.06.2010 um 13:09
    Lese-Empfehlung:

    Im Text wird es erwähnt (... das letzte Update zum Bericht an den Club of Rome "Grenzen des Wachstums", 2004 ..) und hier kommen noch mal alle Eckdaten inkl. Verweis auf einen Wikipedia-Artikel.

    Grenzen des Wachstums - Das 30-Jahre-Update: Signal zum Kurswechsel
    von Donella Meadows (Autor), Jorgen Randers (Autor), Dennis Meadows (Autor)
    # Broschiert: 350 Seiten
    # Verlag: Hirzel, Stuttgart; Auflage: 3., Auflage (1. Dezember 2008)
    # Originaltitel: Limits to Growth - The 30-Year Update

    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums#2004:_Das_30-Jahre-Update

    Ich habe gerade erst angefangen, das Buch zu lesen und bin schon von den ersten Seiten sehr bewegt.

    Es beleuchtet genau die Szenarien, die wir hier bei Utopia immer wieder besprechen, wie z.B. in den Antworten zu der "guten Frage": https://utopia.de/0/gutefragen/fragen/gibt-es-einen-lebensstil-der-es-der mehr weniger
  • schrieb am 03.12.2009 um 17:03
    gefällt mir gut. ich bin selbst diplom-psychologe und familientherapeut und gleichzeitig auch noch ehrenamtlich sprecher eines grünen kreisverbandes. dazu auch bn mitglied und utopist ;-)
    ich glaube, die oben beschriebenen gefühle gut zu kennen. gerade in anbetracht des klimawandels, der so gewaltig wirkt, fühlt man sich schnell ohnmächtig, in seiner resignation hofft man dann, dass uns die kanzlerin oder wenigstens obama rettet. dann gibts wieder phasen, wo man geradezu aktionistisch wird, gefolgt wieder von resignation "man kann ja doch nichts machen". das kommt mir gerade auch bekannt vor aus der therapeutischen praxis.....
    wie gesagt, die ideen gefallen mir sehr gut. und auch, dass der autor das buch als eine art selbstklärung, eine zeit des bei sich seins geschrieben hat, find ich eine schöne idee.
    habe das buch bestellt und wenn ich es gelesen habe, schreib ich was dazu in meinem utopia blog.

    ach so, als anmerkung: was mir gegen den strich geht, sind aussagen, die genau das gegenteil von dem zitierten thilo bode beschreiben: "es zählt nur das persönliche, der individuelle beitrag". dabei wird völlig außer acht gelassen, dass es sowas wie gesellschaft und politik schlicht gibt, und manche probleme auch nur politisch gelöst werden können (z.b. das desaster um die klimaschädlichen subventionen, die deutsche regierung immer noch gerne vergibt u.v.a.). wobei die politik (und auch die wirtschaft) ja nicht losgelöst von uns agiert. mehr weniger
  • schrieb am 06.08.2009 um 09:26
    Gerade heute morgen las ich über verschiedene Zugänge, sich zu engagieren:
    Naturforscher ( Ziel: Wissen, Zusammenhänge erkennen) "Nur, was man kennt, schützt man"
    Naturfreunde ( Ziel: Freude, Spaß, Harmonie erleben) " nur was man liebt, schützt man."
    Naturschützer( Ziel: bedrohte Natur bewahren "nicht reden, sondern anpacken"
    Umweltschützer( Ziel: Verhaltensänderungen erwirken " Umweltbewußtsein wird handeld erworben".

    Wenn sie sich doch alle mal zusammen tun würden!

    Solange wir Menschen uns nicht als Teil der Natur begreifen sondern außerhalb, über ihr als fragwürdige Krone der Schöpfung, ist alles irgendwie halbherzig.

    Guter Anfang : www.anders-besser-leben.de
    Viel Glück dem Buch! mehr weniger
  • schrieb am 06.08.2009 um 09:09
    Ich denke, es ist überhaupt nicht ungewöhnlich die Krise aus psychologischer Sicht zu betrachten.
    Meiner Meinung nach ist es der einzige Weg, um wirklich zu verstehen was wir mit uns und unserm Heimatplaneten gerade machen. Noch besser wäre es, das passende Gefühl dazu nicht zu verdrängen.
    Da ist schlichtweg bei vielen die ANGST – zu kurz zu kommen wenn wir Maßnahmen ergreifen oder die ANGST wenn wir gar nichts tun, irgendwann die Existenz hier zu verlieren.
    Man kann sich das wie bei Suchtkranken vorstellen: ich kann mein Verhalten nicht aufgeben, weil ich mir ein Leben ohne ........ nicht vorstellen kann. Die Konsequenz meines zerstörerischen Handelns/Nichthandelns ist mir lieber als eine Veränderung mit ungewissem Ausgang.
    (wer mal mit dem Rauchen aufgehört hat, der kennt das Gefühl etwas zu verlieren gut)
    So geht es vielen in Beziehungen, im Job und und und. Wir bleiben aus Angst obwohl die Zustände unhaltbar sind.
    Um die Angst zu überwinden braucht es Mut. Aber der scheint der breiten Masse zu fehlen. Lieber wird die Angst betäubt anstatt etwas an der eigenen Lebenssituation zu ändern. Das ist einfach menschlich.
    Fühlen wir hin – geben wir zu – Ja verdammt noch mal, ich habe eine Scheißangst vor einer einschneidenden ökologischen Krise.
    Gehen wir weiter und heilen (nicht bekämpfen) die Angst mit dem Wissen um die vielen gesunden Alternativen. Machen wir uns schlau.
    Werden wir mutig und treten wir aus einer durch Konzerne zur doofen, konsumierenden Massengesellschaft degradierten Menge heraus und stehen für das ein was uns heilig ist. Was ist uns heilig ?
    Betrachten wir uns einfach im Spiegel und schauen uns tief in die Augen. Dann stellen wir fest ob es noch hakt oder ob wir im Einklang sind.
    Schon mal probiert ? Auch nicht einfach. Nichts ist einfach. Für alles brauchen wir Durchhaltevermögen.
    (( | ^^ mehr weniger
  • schrieb am 06.08.2009 um 08:37
    Ja, so ist es die Muss-Appelle nutzen nichts, wir müssen wieder lernen NEIN zu sagen, doch die Menschen sind gewohnt JA zu sagen, und die Umwelt und sich zu zerstören und nur NEIN zu meinen. Deshalb müssen wir ARBEIT von EINKOMMEN trennen für jeden Menschen, erst dann muss er nicht weiter, höher schneller im Turobokapitalismus mitmachen, da geht es dem Politiker nicht anders wie dem Unternehmer. Der erste Schritt zur nachhaltigen Regionalisierung bei gleichzeitiger globalen Vernetzung ist das AUSREICHENDE BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN; das ist die Grundlage, damit die Vorstellungen die hier propagiert werden verwirklicht werden können.
    luis carlos
    telefon
    0043 650 80 800 95 mehr weniger
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