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Utopistin "wuerzsilie" im Interview

Ohne Scheiß: Der bio-vegane Garten

Kuhmist, Gülle und Hornspäne kommen ihr nicht auf den Acker. Die Utopistin „wuerzsilie“ ist leidenschaftliche Selbstversorgerin mit hohen Ansprüchen. Im Interview erfahren Sie von der engagierten Gärtnerin, warum ihr Bio zu wenig ist und Sie verrät ihre größte Öko-Sünde.


Utopia: Die Würzsilie ist auch unter dem Namen Muskatkraut bekannt. Wie kamst du darauf dich so zu nennen?

wuerzsilie: Anbau, Ernte und Zubereitung von Nahrungspflanzen sind Schwerpunktthemen, über die ich mich auf Utopia austauschen wollte, insofern passte dieses alte, weitgehend in Vergessenheit geratene Küchenkraut, das meinen Spitznamen „Silie“ enthält und zum „Würzen“ geeignet ist, ganz gut.

Baust du dieses Kraut auch selbst an und kannst du uns ein leckeres Rezept empfehlen, in dem es Verwendung findet?

wuerzsilie: In meinem ersten Garten mit Lehmboden hatte ich die Würzsilie angebaut. Sie mag hier den Sandboden offenbar nicht, oder mein Saatgut war zu alt geworden. Wie der Zweitname „Muskatkraut“ besagt, kann sie überall dort eingesetzt werden, wo Muskatnuss passt, aber auch - frisch oder getrocknet - in Suppen, Salaten oder Kräutercremes.

Auf deinem Utopia-Blog berichtest du aus deinem Selbstversorgungs-Garten. Wie und wann hast du das Gärtnern für dich entdeckt?

wuerzsilie: 2003 fing ich an, mich für Permakultur zu interessieren und habe zunächst auf dem Balkon Kartoffeln, Tomaten und Kräuter angebaut. Insbesondere das Buch „Gärtnern im Biotop mit Mensch“ von den Klebers hat mich sehr beeindruckt. Im Rahmen einer regionalen Veranstaltung zur Agrarstrukturellen Entwicklungsplanung suchte ich dann nach Mitstreiter_innen für einen Gemeinschaftsgarten. Diese fand ich dort zwar nicht, aber dafür ein Stück Land für meinen ersten Garten.


Etwa zur gleichen Zeit hatte ich die romantische Phantasie, irgendwann einmal eine kleine Ziegenherde zu haben. Ich aß derzeit noch gern Ziegenkäse. Als mir in Gesprächen dann klar wurde, dass für Ziegenkäse die weiblichen Tiere immer wieder geschwängert werden müssen und ihnen die Jungen nach der Geburt weggenommen werden, denen wiederum die Muttermilch vorenthalten wird, und dass die männlichen Zicklein nach kurzer Zeit getötet werden, hatte sich diese Phantasie erledigt. Das war zugleich der Anstoß, warum ich vegan wurde. Glücklicherweise stieß ich gleich zu Beginn meiner Gartenarbeit noch auf ein weiteres Schriftwerk, welches beide Ambitionen – permakulturell Gärtnern und tierausbeutungsfrei Leben – vereinte und die für vegane Produkte geforderte Abwesenheit tierlicher Zutaten auf den biologischen Land- und Gartenbau ausdehnte: Die Zeitschrift "Regenwurm" des Netzwerks für biologisch-veganen Garten- und Landbau.

Was ist das Besondere an einem bio-veganen Garten?

wuerzsilie: In einem biologisch-veganen Garten treffen die Ideale der Ökolandbaubewegung auf die Grundsätze des Veganismus, bei dem es darum geht, Produkte, für die Tiere ausgebeutet wurden oder zu Schaden kamen, im Konsumverhalten zu vermeiden. Folglich gibt es in einem bio-veganen Garten wie auch in solcherart betriebener Landwirtschaft weder tierliche Einträge wie Mist, Gülle, Horn-, Knochen-, Blutmehl, Tierhaare/- federn oder sonstige Schlachtabfälle, noch werden Vernichtungsmittel gegen vermeintliche Schädlinge eingesetzt. Es können zwar mechanische Ausschlussmittel wie Netze oder Zäune zum Einsatz kommen, aber in erster Linie werden Strukturen angelegt, welche die Artenvielfalt erhöhen und dadurch biologischen Unbalancen entgegenwirken: Hecken, Wildobstgehölze, Blühstreifen, Wasserstellen und naturbelassene Zonen, die einen idealen Lebensraum für Wildtiere bieten.

Tiere spielen also durchaus eine große Rolle, sie werden aber nicht „gehalten“, sondern können kommen und gehen, wie sie wollen. Bei uns leben beispielsweise Spitzmäuse, Molche, Maulwurf oder Teichfrosch, Libellen(larven), Igel und verschiedene Vogelarten – manche schauen nur kurz vorbei, wie das Eichhörnchen, die Ringelnatter oder der Buntspecht.

Thema: Utopisten-Interviews, Stand: 29.10.2012 von
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