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Aktuelles: Die Olympischen Spiele 2012 in London

London 2012: Ökolympia?

Von Freitag, den 27. Juli bis Sonntag, den 12. August finden in London die Olympischen Sommerspiele 2012 statt. Die Veranstalter sprechen von den grünsten Spielen aller Zeiten. Doch wie nachhaltig kann eine Massenveranstaltung von derartigem Ausmaß überhaupt sein?


Olympia so grün wie nie

Im Osten Londons ist eine Sportstätte entstanden, die den Olympischen Spielen, die dort veranstaltet werden sollen, den Titel „Grünste Spiele aller Zeiten“ eingebracht hat. Studien haben bestätigt, dass London 2012 diesen Beinamen zu Recht tragen wird. Im Problemviertel Stratford wurde ein internationaler Bahnhof erbaut, der bald (aber leider erst nach der Olympiade) Passagiere vom europäischen Festland per Direktanbindung nach London bringen soll. Das Olympiastadion ist so sparsam und intelligent gebaut worden, dass es 75 Prozent leichter als vergleichbare Stadien ist. Darüber hinaus wurden bei seinem Bau und dem der anderen Gebäude ein hoher Anteil an recycelten Materialien verwendet. Der olympische Park mit Grünflächen und Veranstaltungsorten erstreckt sich heute auf eine Fläche von zweieinhalb Quadratkilometern, die bis vor kurzem noch eine vergiftete Industriewüste gewesen ist.

Die dunkle Seite der Goldmedaille

Doch all diese Hoffnungsschimmer für die Umwelt werfen anderswo lange Schatten. Das Reinigungspersonal wird in Baracken untergebracht, die an ein Flüchtlingslager erinnern. Nachhaltige Arbeitspolitik sieht anders aus. In puncto Verkehrsplanung geht London 2012 neue Wege und verzichtet komplett auf Besucherparkplätze; das Publikum soll ohne Auto anreisen. Doch es sind ausgerechnet Radfahrer, die sich über chaotische Zustände zur Olympiade beschweren, und die Tatsache, dass London gerade mal ein Zehntel der Mieträderanzahl Pekings vor vier Jahren bereitstellt, zeugt nicht gerade vom Zweirad-Enthusiasmus der Planer. Die Zuschauer werden außerdem gigantische Berge an Müll produzieren. Es bleibt abzuwarten, ob davon wie angekündigt wirklich 70 Prozent recycelt werden.

Der Langzeitnutzen der Olympischen Bauten

Ein großes Argument der Organisatoren ist der Nutzen, den die Anlagen nach den Spielen dem Stadtteil Stratford bringen sollen. Bis auf das Stadion sind alle Einrichtungen bereits verplant. Die Schwimmhalle etwa soll ein öffentliches Schwimmbad werden. Das olympische Dorf, ein ökologischer Vorzeigebau, wird zu Privatwohnungen umfunktioniert, die Hälfte davon sollen Sozialwohnungen sein. Die Anwohner allerdings merken von den positiven Effekten bis jetzt wenig. Im Gegenteil, ein neu errichtetes Einkaufszentrum lässt die Umsätze des Einzelhandels einbrechen. Kann ein zweiwöchiges Sportereignis ein ganzes Viertel auf Vordermann bringen? Das Olympia-Gelände ist ein nachhaltiges Prestigeprojekt – inmitten einer Stadt, die berüchtigt ist für Smog und Verschmutzung. 

Wem nutzt Olympia wirklich?

Bei aller ökorrekter Entrüstung über Massenveranstaltungen darf man die positiven Veränderungen, die die „grünsten Spiele aller Zeiten“ verkörpern, nicht schlecht reden. Die Sommerolympiade 2012 in London wird einen neuen Maßstab in puncto Nachhaltigkeit für Sportereignisse setzen. Jede zukünftige Olympiade, jede Weltmeisterschaft wird sich an dieser grünen Pionierleistung messen müssen. Doch es bleibt die Frage, wer in unserer heutigen Zeit wirklich von solchen Megaevents profitiert. Sind es die Sportler? Das Ausrichterland und seine Bevölkerung? Wir Zuschauer? Etwa gar die Umwelt? Oder vielleicht doch eher die hoch bezahlten IOC-Kommissare und die milliardenschweren Sponsoren? Zu denen gehören in London übrigens die nicht sonderlich grünen Konzerne BP und Rio Tinto.

Thema: Klima- und Umweltschutz, Stand: 26.07.2012 von
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