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Sigmar Gabriel im Live-Chat

"Solche Fragen wünsch' ich mir im Parlament!"

Der erste Live-Chat auf Utopia war gleich ein voller Erfolg - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel überzog den Chattermin sogar bereitwillig um ein paar Minuten, weil es ihm so gut gefiel: "Solche Fragen würde ich mir mal im Parlament wünschen!" Danke an alle Utopisten! Den gesamten Diskussionsstrang können Sie hier nachlesen.


Moderator: Herzlich Willkommen beim Chat mit Sigmar Gabriel. Für uns bei Utopia ist dies eine Premiere - wir bitten daher um Verständnis, falls kleinere Pannen auftreten sollten. Nun freuen wir uns auf eine spannende Stunde mit dem Umweltminister und Ihren Fragen.
Herr Gabriel, sind Sie bereit?

Sigmar Gabriel: Ja gerne.


Moderator: Schön. Kommen wir gleich zur ersten Frage. Viele Utopisten interessieren sich für die Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Umweltministerium.


Pilgermutter: Wird das Ministerium mit Strom durch einen Ökostromanbieter versorgt?


Sigmar Gabriel: z.B.: Wir beziehen Ökostrom, wir stellen unsere Kfz Flotte von der sehr C0 2 intensiven Kfz Flotte (der Grünen :-)) um auf verbrauchsärmere Kfz und wir sind EMAS zertifiziert.

Antwort an Pilgermutter: ja.

Sonja Haider: Gibt es in der Kantine des BMU ausschließlich Bio-Essen?


Sigmar Gabriel: Wir haben leider keine eigene Kantine im BMU, sondern sind (leider immer noch) Mieter in einem Gebäude, in dem auch eine Reihe von anderen Mietern sind. Die Kantine ist deshalb ein privates Unternehmen, auf das wir keinen Einfluss haben. Und deshalb gibt es nicht nur KEIN Bioessen, sondern es schmeckt auch sonst begrenzt gut.


Christina: Wann wird es Standard, dass zumindest öffentliche Gebäude vollständig mit regenerativer Energie ausgestattet werden? Energieautonomie ist machbar, werden Sie sich zukünftig stärker dafür einsetzen?


Sigmar Gabriel: Nein, sicher nicht vollständig. Aber wir wollen in der öffentlichen Beschaffung durchsetzen, dass der Anteil nach und nach steigt.


Moderator: Als nächstes eine Frage, die von den Utopisten als eine der zehn wichtigsten bewertet wurde.


strandlaeufe: Wäre es nicht Vorschrittlich die Represäntation der BRD nicht auch dadurch zu demonstrieren indem Energiesparende Fahrzeuge im Staatsdienst zum einsatz kämen


Sigmar Gabriel: Na dann mal los ...

natürlich wäre es das. Deshalb tun wir es im Umweltministerium auch und versuchen unsere Kolleginnen und Kollegen davon auch zu tun. Allerdings gibt es bei einigen Minister/innen sogenannten "sondergeschützte" Kfz, bei denen das nicht geht.

Moderator: Können Sie "sondergeschützt" näher erläutern?


Sigmar Gabriel: Das sind Kfz, die gepanzert sind.


Lucas CA: kann ein gepanzertes KFZ nicht Hybrid sein?


Sigmar Gabriel: Soweit ich das beurteilen kann (ich bin Germanist, kein Ingenieur :-) kann es das zumindest heute noch nicht. Diese Kfz müssen auch im Gefahrenfall bestimmten Sicherheits- und Geschwindigkeitsanforderungen genügen. Bei der heutigen Hybridtechnik dürfte das noch nicht gehen. Aber ich fahre gerade einen Hybrid zur Probe, das erst 2009 auf den Markt kommen wird. Das zeigt, dass sich diese Technik rasant weiterentwickeln wird.


Moderator: Verraten Sie uns, was für ein Hybrid das ist, den Sie fahren?


Sigmar Gabriel: Eine S-Klasse von Daimler, der weniger als 10 Liter auf 100 km Verbrauch hat. Aber wir fahren auch Erdgasfahrzeuge und Fahrzeuge mit noch geringerem Verbrauch.


Miraculix01: Welche Möglichkeiten der Förderung nachhaltiger Mobilität - insbesondere von Solarfahrzeugen - sehen Sie?


Sigmar Gabriel: Die Zukunft der Mobilität im Kfz Bereich besteht sicher zu einem großen Teil in der Elektromobilität ...

... aber ich vermute nicht, dass der Massenmarkt durch Solarfahrzeuge bedient werden wird. Diese Fahrzeuge werden sich noch eine Reihe von Jahren brauchen, bis sie z.B. für Familien und für Dienstleitungen so entwickelt sind, dass sie tatsächlich einem großen Kundenkreis nützlich erscheinen ...
... was aber passieren wird, ist die Entwicklung von Full-Hybrids und von Plug-In-Hybrids, die zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der Stadt auf dem Parkplatz an der Steckdose hängen ...
... beim Kauf eines Autos wird dann zugleich ein Energiedienstleistungsvertrag geschlossen, denn die Autos stehen mehr als 90 % des Tages und können mit der Batterie zum Einspeisen in das Netz oder zum Laden genutzt werden ...
... diese Technik ist vor allem für die Nutzung der schwankenden regenerativen Energien (Wind, Sonne) wichtig, denn sie verringert die sogenannten Lastspitzen im Netz und macht erneuerbare Energien wirtschaftlicher. Was wir dafür aber brauchen, ist die "Rückkehr" der Batterietechnik nach Deutschland. Daran arbeiten wird.

manu: Ich würde mir wünschen, das der Strom dazu aus Solarenergie kommt und in Form von Wasserstoff zwischengespeichert wird. Wird das gefördert?


Sigmar Gabriel: ja.


Moderator: WIe konkret könnte diese Förderung aussehen?


Sigmar Gabriel: Zur Zeit besteht sie vor allem in der Forschungsförderung, denn die Batterien und die dazu gehörende Systemtechnik existieren noch nicht oder sind noch zu teuer. (Eine Litium-Ionen Batterie, die mehr als 30 km Reichweite haben soll, kosten zur Zeit 10.000 EURO und wir müssen es schaffen, dass sie nicht mehr als 3.000 EUR0 kostet) ...

... und die Forschungsförderung der Wasserstofftechnik richtet sich vor allem auf die Produktion, den Transport und die Speicherung von Wasserstoff (z.B. aus solarthermischen kraftwerken). Denn Wasserstoff ist nicht das Problem, sondern seine C0 2 und nuklearfreie herstellung.

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Thema: Politik & Gesellschaft, Stand: 10.06.2008 von

Kommentare (3)   Kommentare abonnieren

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  • schrieb am 17.12.2009 um 13:36
    Herr Gabriel, lesen Sie doch mal etwas über wissenschaftliche Hintergrundinformationen unser Klima betreffend:
    http://www.ib-rauch.de/datenbank/vortrag-leipzig.html
  • schrieb am 20.06.2008 um 01:48
    Auch wenn er nicht selbst gefragt worden ist, so hat er doch immerhin freiwillig verraten, dass er seine Urlaubsflüge kompensiert.
    Ich fand die Chance insgesamt gut genutzt. Und auch bei seinen Antworten habe ich durchaus neue Argumentationslinien entdeckt, die zwar eigentlich naheliegend sind, aber im Forum so auch noch nicht erschienen sind: Dass die Zahl der Kohlekraftwerke nicht entscheidend ist, sonder die Anzahl Zertifikate im Umlauf und ihr Preis.
    Er hat so an verschiedenen Stellen darauf verwiesen, wie Macht und Politik funktionieren, etwa auch bei seiner Beurteilung der Tempolimitdiskussion.
    @Martin: Streng muss so einer wenigstens scheinen, wenn er sich als Minister länger als ein paar Tage halten will. Nehmt Ihn beim Wort und begleitet Ihn einen Tag, Einladung annehmen, sofort! mehr weniger
  • schrieb am 19.06.2008 um 12:29
    Grundsätzlich finde ich es richtig, sogenannte "Entscheider" mit unangenehmen Fragen zu konfrontieren. Nur so bekommen diese Leute konkretes Feedback aus der Basis, d.h. nicht aufbereitet und gefiltert in Form von Powerpoint-Präsentationen etc..
    Vermisst habe ich eine Frage nach Minister Gabriels persönlichen Beiträge zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Leider man kann ja nicht alle Themen in einer Stunde behandeln.
    Kompliment an die Redaktion mit der Aufforderung, den nächsten "Entscheider" einzuladen und zu befragen.
    Silberstreif
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