Deutschlands Website Nr. 1 für nachhaltigen Konsum
Tiefgekühlt, importiert und voller Enzyme

So falsch ist unser Billig-Brot

„Unser täglich Brot aufbacke uns heute - und vergib uns unseren Geiz.“ Angesichts der momentanen Entwicklungen auf dem Bäckermarkt müsste man das "Vater Unser" fast umschreiben. Unrealistisch niedrige Brötchenpreise und riesige Industriekonzerne bestimmen das Bild. Darunter leiden nicht nur die Handwerks-Bäcker, sondern auch die Verbraucher.


Billig-Brot essen Bäcker auf

Jeden Tag schließt in Deutschland eine Bäckerei. Man kann das als Tragödie sehen oder als ein Symptom einer Branche im Wandel der Zeiten. Tatsache ist jedoch, dass mit den Bäckereien eine Handwerkstradition ausstirbt, die beinahe so alt ist wie die menschliche Zivilisation. Brot gilt als eine der großen Errungenschaften auf dem Weg zur modernen Gesellschaft. Haltbar, nahrhaft und vielseitig kombinierbar, diese Eigenschaften vereint kaum ein anderes Grundnahrungsmittel. Die Zeiten, in denen gelernte Meister der Backkunst unser Brot in Handarbeit herstellten, scheinen jedoch gezählt. Längst regieren Industriekonzerne die Branche. Ihr großer Vorteil: das Tiefkühlfach.

Tiefgefroren aus dem Niedriglohn-Land

Bei Aldi, Lidl & Co. kann man inzwischen "frisch gebackenes" Brot aus dem Automaten holen. Kaum jemand wird sich der Illusion hingeben, dass hinter dem Automaten Menschen den Teig gerade frisch kneten. Aber auch Back-Shops und Bäckerei-Ketten haben ihre Backstube längst für eine Tiefkühltruhe eingetauscht. Meist halb gebacken und tiefgefroren werden die sogenannten Teiglinge per LKW geliefert. Produziert werden sie in riesigen Fabriken in ganz Europa, oft in Niedriglohn-Ländern wie Polen. Knusprig und frisch duftend liegen Breze und Brötchen in der Auslage nur dank spezialisierter Aufback-Öfen.

Das Enzym-„Wunder“

Fabriken mit Laufbändern sind nicht geeignet für den gewöhnlichen Brot-Teig. Er würde Zahnräder verkleben und so die Produktion lahm legen. Die Industrie bedient sich deshalb genetisch modifizierter Enzyme, die den Teig weniger klebrig, länger haltbar und rundum optimaler machen. Das hat mit Natürlichkeit nur noch wenig zu tun. In Zutatenlisten müssen die Enzyme nicht deklariert werden, angeblich zerfallen Sie beim Backvorgang und sind für den Verbraucher nicht schädlich. Groß angelegte Studien gibt es darüber jedoch noch keine und die Branche gibt sich extrem verschwiegen.

Was Bio und Handwerk besser machen

Brötchen, die immer identisch aussehen und schmecken, kann echtes Handwerk nicht bieten – und genau darin liegt seine Stärke. Frische, ehrliche Bäckerei schmeckt und sieht man. Bio-Brot und -Brötchen bestehen darüber hinaus tatsächlich nur aus Mehl, Wasser, Gewürzen, Kernen oder Saaten und einem Triebmittel: Hefe, Backferment oder Natursauerteig. Perfektion aus dem Labor kommt nicht in den Ofen.

So kaufen Sie die richtigen Brötchen

Der Kunde merkt von all dem relativ wenig. Enzyme, Tiefkühlreisen quer durch Europa und das aussterbende Handwerk bleiben an der Theke eines Backshops unsichtbar. Wer dem Ende einer jahrtausendealten Tradition entgegen wirken und frisch zubereitetes Backwerk will, muss Filialen meiden, etwas tiefer in die Tasche greifen und bisweilen geduldig suchen. Echte Bäcker muss man heute erst einmal finden, zu viele von ihnen haben vor dem Preiskampf kapituliert und bereits die Pforten geschlossen.

Wenn Sie das Glück haben, noch einen Bäcker der alten Schule in Ihrer Nähe zu finden, dann sollten Sie diesen mit Ihrem Einkauf unterstützen. Fragen Sie ruhig einmal nach, wie er seine Waren herstellt, er wird sich über das Interesse freuen. Ebenfalls empfehlen können wir den Einkauf bei einer Bio-Bäckerei aus unserer Bestenliste.

Stand: 28.08.2013 von

Kommentare (126)   Kommentare abonnieren

alle Kommentare (126)
  • schrieb am 13.07.2015 um 17:11
    Im Bio-Bereich dürfen genauso Enzyme eingesetzt! Da muss man nachfragen um zu wissen, dass keine drinnen sind! Die meisten schmeißens rein, weil es nicht deklarationspflichtig ist
  • schrieb am 22.02.2015 um 18:53
    Es fehlt nur noch der angebliche Teigling aus China, die sich schon vor Jahren bei genauerem Hinsehen als Frühlingsrollenteig entpuppte. Ansonsten hat der Autor wirklich kein Klischee ausgelassen und einen Gegensatz aus Handwerk und Industrie konstruiert, der viel über seine mangelnde Kenntnis der Realität aussagt. Wunschdenken und Lieblingsfeinde haben mit Aufklärung wenig zu tun. Schade, dass Utopia solch manipulative Texte veröffentlicht. mehr weniger
  • schrieb am 28.12.2014 um 20:49
    ist doch schön wenn man in einen Bäckerladen geht und im Verkaufsraum sieht man einen Backautomaten. darum schmeckt keine Semmel und kein Brot mehr. Das schönste ist wenn man in OB in einen Bäckerladen geht und ein selbstgemachtes Florianbrot kauft, ein halbes Jahr später geht man in Schleswig-Holstein in einen Lidl SB und bekommt das selbe Brot dort auch!
    Das zum Bäckerhandwerk in Ober-Bayern. mehr weniger
  • schrieb am 02.10.2014 um 22:55
    Mir ist es egal, welche Backwaren auf den Markt kommen, denn ich backe selbst. Was mir aber überhaupt nicht egal ist ist die Tatsache, dass viele nicht sehen wollen, was uns mit Monsanto auf´s Land kommt, das betrifft mit Sicherheit auch bald die wenigen, noch verbliebenen Biobauern, denn die Felder der Agrarindustriellen werden rücksichtslos breitflächig gesprüht und das ist leider übergreifend. Die Biobauern dürften ihre Felder nicht im selben Ort haben und da frage ich mich, wie soll das gehen. Obwohl ich zu denen gehöre, die über begrenzte Mittel verfügen kaufe ich nur noch mein Getreide bei Demeterbetrieben, in der Hoffnung, dass die wenigstens weit genug vom Schuß sind. Wie lange wollen wir diesem Politzirkus eigentlich noch zusehen? mehr weniger
  • schrieb am 02.10.2014 um 19:27
    www.E.P Backwaren.de

    hier wird noch immer gebacken ohne Zusatzstoffe....nur Mehl, Wasser, Salz und Hefe und Natursauerteig .......ein Reinheitsgebot für Backwaren!!

    Bei uns arbeiten Bäcker und kein chemiker!!
alle Kommentare (126)
Kommentar schreiben
(5000/5000)
Mehr zu Ernährung
  1. Der Gen-Food-WahnsinnWie gefährlich sind gentechnisch veränderte Organismen wirklich? Wie mächtig sind Monsanto & Co.? Und welche Rolle spielen die Verbraucher in der Gentechnik-Debatte? Die Dokumentation "Der Gen-Food-Wahnsinn" stellt die aktuellen Erkenntnisse über die Gentechnik-Branche in den USA vor.

    Der Gen-Food-Wahnsinn
  2. Warum Bio-Wein besser istEines vorweg: Am Geschmack erkennt man einen Bio-Wein nicht. Warum es sich trotzdem lohnt, biologisch angebauten Wein zu kaufen und was Bio-Winzer anders machen können Sie hier nachlesen.

    Warum Bio-Wein besser ist
  3. Wie nachhaltig fischt die Nordsee?Nach eigenen Angaben verkauft die Fast-Food-Kette Nordsee nur Fisch aus „nachhaltig zertifizierten Beständen“. Stimmt das und ist damit schon genug getan?

    Wie nachhaltig fischt die Nordsee?