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Unser Geld in grünen Händen?

Die Sparkasse auf dem Prüfstand

Sparkassen haben einen guten Ruf: in öffentlicher Hand und gemeinwohlorientiert, mit hoher Filialdichte und gutem Service überzeugt das Angebot immerhin rund 50 Millionen Kunden hierzulande. Oft kann der Sparer sehen, was mit seiner Einlage geschieht – aber nicht immer. Auch bei den Sparkassen und den zugehörigen Instituten liegt es somit nicht immer in der Hand des Kunden, ob seine Anlage nachhaltig ist.


Bodenständig aus Tradition?

Die Struktur des Sparkassenmodells ist nicht in einem Satz zu erklären, die Finanzgruppe fasst ein ganzes Bündel an Instituten unter einem Dach zusammen. Der aus dem 19. Jahrhundert stammende Ansatz sah die öffentlich-rechtlichen Institute für Kleinsparer als Alternative zu privatwirtschaftlichen Bankhäusern. Gewinne der Sparkassen werden zur Absicherung und zur Förderung von Gemeinwohlbelangen verwendet. Die Filialen der Sparkassen kümmern sich um Giro- und Sparkonten sowie die Kreditvergabe. Die Dekabank übernimmt das Geschäft mit Wertpapieren und Immobilien, die Landesbanken sind mit Bankaufgaben für die Bundesländer und der Wirtschaftsförderung betraut.

Filiale entscheidet über Ausrichtung

Die Geschäftsbereiche sind zwar getrennt, die Überschneidungen jedoch vielfältig. Zunächst steht jede Sparkassenfiliale für sich selbst, setzt mit ihren Gewinnen unterschiedliche Akzente: Die Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg etwa ehrt mit dem Umweltpreis „Ein Kuss für die Umwelt“ vorbildliche Ehrenämtler, Sparkasse und Stadtwerke Einbeck kooperieren bei der Einbecker Wind-Anlage. Ein Blick in die Satzungen zugehöriger Stiftungen zeigt einen Schwerpunkt bei Kultur und Sozialem (291 Stiftungen) gegenüber Umwelt (14 Stiftungen), 376 Stiftungen folgen darüber hinaus mehreren Zielen und sind nicht eindeutig zuzuordnen (Stand 2013). Um mit einem Konto bei der Sparkasse nachhaltige Ziele zu verfolgen, muss sich der Kunde also die Schwerpunkte seiner persönlichen Filiale ansehen, das Angebot ist zu unterschiedlich um eine allgemeine Aussage treffen zu können.

Verspiegelte Fassaden der Landesbanken

So kundennah und transparent die einzelnen Sparkassenfilialen sein mögen, so undurchsichtig scheinen dagegen die Landesbanken. Ihre heutige Form wurde in der Nachkriegszeit mit dem Ziel der Wirtschaftsförderung eingerichtet. Ab den 1970er-Jahren begann ihre Expansion, die in den vergangenen Jahren die Negativschlagzeilen bestimmte: Durch Investitionen in später gescheiterte Auslandsprojekte ging viel Geld verloren, das letztlich von Steuerzahlern und Sparkassenkunden aufgebracht werden musste, je nach Anteilstruktur der jeweiligen Landesbank – die Bayerische Landesbank etwa gehört zu 75 Prozent dem Freistaat und zu 25 Prozent dem Bayerischen Sparkassenverband.

Atomkredite trotz Ausstiegsgesetz

Am Beispiel Bayerns wird ein weiteres Problem deutlich: "Einerseits gibt es in Deutschland ein Gesetz zum Atomausstieg, andererseits wird seit 2005 der Bau des finnischen AKW Olkiluoto von der Bayerischen Landesbank mitfinanziert, mittlerweile gibt es allerdings kein Geld mehr für neue AKW oder die Förderung von Kernbrennstoffen." Neben dem möglichen Verlust des Anlagevermögens riskieren manche Landesbanken so auch Umweltgefahren. „Die Landesbanken haben teilweise eine sehr aggressive Geschäftspolitik entwickelt, sind in Steueroasen aktiv und in bedenklichen Fonds“, kritisiert Jutta Sundermann, Koordinatorin der „Krötenwanderung“, einer gemeinsamen Initiative von Organisationen wie attac und BUND, die Verbraucher zum Bankwechsel bewegen will.

Landesbanken sind zudem schwer zu greifen, führt Sundermann weiter aus: „Deren Entscheidungen sind zu einem großen Teil weit vom Alltag in den Sparkassen vor Ort entfernt. Aber sie gehören den Sparkassen und den Bundesländern. Als politische Bürgerinnen und Bürger können wir Druck machen, sowohl auf die Landespolitik als auch über die lokalen Sparkassen, die Vertreter in die Landesbank-Gremien entsenden“ – mitunter ein langer Weg. Doch auch bei den Landesbanken gibt es große Unterschiede, Sparkassenkunden sollten sich die Geschäfte in ihrer Region also genau ansehen.

Keine Anti-Personen-Minen oder Nahrungsmittelspekulation

Das Fondsgeschäft übernimmt für die Sparkassen die Dekabank, sie wirtschaftet im konventionellen Geschäftsbereich den Landesbanken vergleichbar: „Dort gibt es leider sowohl Beteiligungen an Rüstungs- und Atom-Konzernen als auch im Kohle-Bereich“, erklärt Sundermann. Markus Rosenberg von der Dekabank stellt dagegen die nachhaltig gemanagten Fonds der Bank heraus, hier würden „alle Titel aus der Auswahlliste ausgeschlossen, die gegen fest definierte Nachhaltigkeitskriterien verstoßen. Dazu gehören unter anderem die Produktion von Waffen, Alkohol und Tabak, Glücksspiel oder auch gravierende Menschenrechtsverstöße sowie Korruption“, zählt er auf. Auch für die konventionellen Fonds gäbe es Standards: „Darüber hinaus investieren die von der Dekabank gemanagten Fonds grundsätzlich nicht in Unternehmen, die Anti-Personen-Minen oder Cluster-Munition herstellen oder vertreiben.“ Auch Jutta Sundermann lobt an dieser Stelle: „Die Dekabank war die erste der Banken, die sich gegen die Nahrungsmittelspekulation entschied.“

Fehlt nachhaltigen Finanzprodukten die Nachfrage?

Laut Markus Rosenberg verwalte die Bank in nachhaltigen Finanzprodukten rund 4,2 Mrd. Euro (Stand 31.12.2013), bei einem insgesamt in Wertpapier- und Geldmarktfonds verwalteten Vermögen von knapp 96 Mrd. Euro. „Das ist noch nicht viel“, räumt er ein und vermutet verschiedene Ursachen: „Zum einen gibt es die nachhaltigen Produkte erst seit wenigen Jahren, denn wir legen erst dann Produkte auf, wenn uns die Sparkassen eine entsprechende Nachfrage signalisieren.“ Daneben spiele auch die aktuelle Niedrigzinsphase eine Rolle, etwa wenn beim Webauftritt der Dekabank nachhaltige Produkte in den Hintergrund träten: „Im Augenblick müssen die Sparkassenmitarbeiter ihre Kunden ja erst einmal überzeugen, dass das Geld nicht nur auf dem Sparbuch gut aufgehoben ist, sondern auch in Wertpapieren“, sagt Rosenberg.

Lösung Sparkasse + Alternativbank

Was also tun, wenn man jegliche Quersubventionierung von Atom-, Kohle- oder Rüstungsindustrie mit seinem Geld vermeiden will? „Wer [dies] sicherstellen möchte, ist am besten beraten zu einer der ethischen Banken wie GLS-Bank, Ethikbank oder Triodos zu wechseln“, sagt Jutta Sundermann. Kunden, die auf nahegelegene Zweigstellen nicht verzichten können, empfiehlt sie, ihrem Geldhaus Fragen zur Geschäftspraxis zu stellen. Und sie fügt abschließend hinzu: „Eine gute Lösung ist übrigens auch eine Kombination aus einem Girokonto bei einer Bank vor Ort für den täglichen Geldverkehr und Sparanlagen bei einer ethischen Bank.“

Gäbe es nur den Kundenbereich der Sparkassen, dieses Modell läge unter Nachhaltigkeitsaspekten weit vorne. „Uns berichten aber auch Sparkassenangestellte von verschärften Bedingungen angesichts der Niedrigzinsphase, in der [...] soziale und ökologische Folgen des Sparkassenhandelns in den Hintergrund treten“, bemängelt Sundermann. Und auch andere Bereiche unter dem Finanzgruppendach schmälern die Nachhaltigkeits-Bilanz, sie sind dem Einfluss der Kunden weitgehend entzogen oder einfach konventionelles Bankengeschäft. Hier gibt es noch viel Potenzial.

Thema: Grünes Geld & Finanzen, Stand: 16.07.2014 von
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