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US-Energieminister Steven Chu

"Streichen Sie die Städte weiß"

"Streichen Sie die Dächer weiß, lackieren Sie Autos in hellen Farben und lassen Sie sie auf hellen Straßen rollen." So lautet der Rat des US-Energieministers Steven Chu an Gastgeber Prince Charles beim Klimawandel-Symposium in London. Es ist einer von vielen ernst gemeinter Ratschläge zur Eindämmung des Klimawandels, die bei der Versammlung von 19 Nobelpreisträgern diskutiert werden.



Eine globale Initiative zur Änderung der Farbe von Dächern, Straßen und Pflaster, erklärte der Physik-Nobelpreisträger Chu in seinem Vortrag, könnte eine wichtige Rolle beim Kampf gegen die globale Erwärmung spielen. Die Reflektion von Sonnenlicht durch helle Oberflächen würde immense Energieeinspareffekte erbringen. So könnte etwa auf Kühlenergie, zum Beispiel für Klimaanlagen, stärker verzichtet werden. Entsprechende Bauvorschriften müssten vorsehen, dass Flachdächer Weiß und sichtbare, geneigte Dächer zumindest in hellen Farben gehalten sein sollten, um irritierende Blendeffekte zu vermieden. Das Gleiche gelte für Straßenbelag.

Chus These stützt sich auf die Arbeit des Physikers Art Rosenfeld, der am Lawrence Berkeley Nationallabor in Kalifornien an der Energieeffizienz von Gebäuden forscht. Rosenfeld war die treibende Kraft hinter der Verschärfung der kalifornischen Bauvorschriften, die seit 2005 vorsehen, dass Flachdächer auf Geschäftsgebäuden weiß sein müssen. Gemeinsam mit zwei Kollegen hatte er berechnet, dass das Aufhellen der Oberflächen in den 100 größten Städten der Welt ein CO2-Äquivalent von rund 44 Milliarden Tonnen einsparen würde.

Mit mutigen Ideen wie dieser ist Chu nicht allein. Gigantische, bisweilen absurd anmutende "Geo-Engineering"-Projekte zur Minderung des Klimawandels, sind wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt, seitdem dessen mögliche Folgen klarer umrissen sind. "Große Licht absorbierende Flächen hell anzustreichen könnte eine Möglichkeit sein, den Treibhauseffekt zu mindern", bestätigte auch der Chemiker Michael Braungart gegenüber Utopia, der sich dabei allerdings auf Flächen außerhalb der Städte bezog.

"Sie mögen darüber schmunzeln", so Chu in der britischen "Times", "aber Rosenfeld hat es ausgerechnet: Wenn Sie alle Gebäudedächer Weiß streichen, alle Straßen in Betontönen statt in Schwarz halten und zwar einheitlich, ergäbe das CO2-Emissionseinsparungen, die der Stilllegung sämtlicher Autos der Welt für rund elf Jahre entsprächen."

Thema: Politik & Gesellschaft, Stand: 27.05.2009 von

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  • gelöscht am 18.07.2009 um 20:44 von Wilma
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
  • schrieb am 30.05.2009 um 21:10
    Klingt etwas nach diesen "Plastikplättchen ins Weltall schießen" - Aktionismusideen.

    Wir sollten zunächst aufhören, immer mehr Straßen zu bauen, auf denen immer mehr Auto fahren, bevor wir über die Betonsanierung der alten nachdenken.

    A propos: Wenn meine Hoffnungen in Sachen bevorstehender Ölkrisen zutreffen, dann wird das mit den sechs Jahren "Autos stillegen" einfacher als nur einen Bruchteil unserer Straßen aufzuhellen.

    Außerdem befürchte ich, dass so etwas von der schwer fassbaren Komplexität der Aufgabe, die von uns steht, ablenkt. Ich höre die Leute schon sagen: "Wärmedämmung? Ökostrom? Auf Flüge verzichten? Was denn noch, wir haben doch schon das Dach in lichtgrau gedeckt!"

    Gut gemeinter Tipp, aber von einem Nobelpreisträger erwarte ich viel umfassendere Weltrettungskonzepte. mehr weniger
  • schrieb am 30.05.2009 um 16:19
    Nachvollziehen kann ich, dass die Sonnenstrahlen auf hellen Flächen verstärkt reflektiert werden und damit Energie für Kühl- und Klimanlagen eingespart würde. Aber was nützt das, wenn die auf den weissen Flächen reflektierte Sonnenenergie dann wieder vom CO2 und den anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre zurückgehalten wird und für eine noch weitere Erwärmung im »Treibhaus Erde« sorgt, so dass Kühl- und Klimaanlagen unter den weissen Flächen dann doch wieder stärker laufen werden?

    Warum wird so viel Gehirnschmalz ver(sch)wendet, damit wir nur nicht unsere aktuelle Energieversorgung und Lebensweise hinterfragen müssen?

    Weg mit Kohle- und Atomstrom, Solaranlagen auf jedes Dach statt weisser Farbe, Geothermie statt CSS-Technik, viel weniger Autos bauen und fahren, egal welche Farbe … mehr weniger
  • schrieb am 29.05.2009 um 12:41


    allerdings find ichs bekloppt, einerseits die wirkung von solarenergie wegzureden und auf der anderen seite dächer weiß streichen zu wollen.
    wäre nicht die forderung "auf jedes dach eine photovoltaikanlage" (oder zumindest irgendwas zum wassererwärmen)effektiver als jedes dach weiß zu streichen und damit die sonnenstrahlen zu reflektieren? also anstatt dafür zu sorgen, dass weniger sonnenenergie zur erwärmung genutzt wird, dafür zu sorgen, dass die energie genutzt wird, um unseren energiebedarf zu decken.

    ansonsten find ich die idee, schwarze flächen hell zu machen eig ganz gut. (straßen, autos ect) mehr weniger
  • schrieb am 28.05.2009 um 21:50
    ..JBM's Schrei an..

    Genial, Genial, Genial!

    Solche Ideen bringen die Menschheit vorwärts..

    Außerdem ist weiß zumindest hierzulande eine positive 'Farbe' und würde vielleicht das ein oder andre dunkle Gemüt etwas aufhellen (:
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