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E-Mobil laden

Neue Strom-Tankstellen: Ebee und Ubitricity

Elektroautos werden langsam günstiger und interessanter. Doch etliche Fans schreckt weiter die Frage ab, wo sie leere Akkus laden können. Utopia fand in Berlin neue Lösungen für Strom-Tanker.


Vor allem in den Ballungsräumen haben E-Mobil-Fahrer das Problem, wo sie Strom tanken sollen. Nicht jeder verfügt schließlich über eine Garage oder einen Carport mit Ladeanschluss. Nur Eigenheim-Besitzer haben es einfach: Schon für 700 Euro ist eine Wall Box zu bekommen, die das Laden eines Elektroautos daheim zum abgesicherten Kinderspiel werden lässt.

An Mieter wurde bei der Elektromobilität bislang kaum gedacht. Und wer im vierten Stock eines City-Quartiers wohnt, sollte eher nicht die Kabeltrommel aus dem Fenster baumeln lassen. Ja, es gibt öffentliche Ladesäulen; doch befinden die sich nicht immer in der Nähe. Und sie sind selten, auch weil ihre bis zu 20.000 Euro teure Aufstellung finanziell noch keinem Betreiber Freude einbrachte.

Eine smarte Antwort kommt aktuell aus Berlin: Dort probieren zwei Start-ups eine eigentlich einleuchtende Idee aus: Das E-Fahrzeug wird dort geladen, wo es nachts ohnehin oft steht – unter oder bei der Straßenlaterne. Die Modelle der zwei jungen Unternehmen könnten die Ladesäulendichte bei kleinem Aufwand erheblich vergrößern.

Ebee: Naturstrom aus der Laterne

Das E-Mobilitäts-Startup „Ebee“ hat im Bezirk Friedenau die ersten beiden von 100 genehmigten Ladepunkten an simplen Straßenleuchten-Masten in Betrieb genommen. Die Idee: Wo ohnehin Strom im öffentlichen Straßenraum verfügbar ist, braucht man weder neue Säulen noch Fundamente oder Kabelgräben. Das „Laternenparken“ bekommt so eine pfiffige neue Dimension.

Die Leuchte nachzurüsten, kostet nach Branchenangaben etwa 300 Euro. Ebee arbeitet mit dem Ökostrom-Anbieter „Naturstrom“ zusammen, der zertifizierten Grünstrom liefert. Abgerechnet wird über die Roaming-Plattform „intercharge“, die über 2.600 Ladepunkte in Europa vernetzt.

Ubitricity: intelligentes Ladekabel

Ein anderes Abrechnungssystem hat „Ubitricity“ gewählt, das vom Berliner Senat ebenfalls eine Genehmigung von 100 Lade-Laternen erhielt – von denen Ende März die Hälfte installiert sein soll. Bei Ubitricity liegt der Reiz in einem „intelligenten Ladekabel“, das als Zubehör für E-Mobile erhältlich ist. Der Zähler steckt im Kabel und registriert jede geflossene Kilowattstunde, egal aus welcher Quelle.

Bezahlt wird beim vorher gewählten Vertragspartner, der durchaus auch ein Ökostrom-Spezialist sein kann. Auf diese Weise wäre abrechnungstechnisch weder das Laden beim Arbeitgeber noch am Tiefgaragen-Sammelanschluss ein Problem.

Allerdings kann man an den „Ubitricity“-Leuchten ausschliesslich auf diese Weise laden - der Senat aber hätte es gern zugangsoffen.

Unter der Laterne …

Etwa 5.000 von den 200.000 Berliner Straßenlaternen gelten derzeit als geeignet und umrüstbar. An ihnen flösse zwar Normalstrom, der für Schnellladungen nicht taugt, doch das wird niemanden stören, dessen E-Mobil die ganze Nacht am Platz steht. Sowohl Ebee als auch Ubitricity erproben ihre Konzepte zunächst in der Hauptstadt, wollen sie aber auch auf andere Ballungsräume ausdehnen.

Womöglich kommt die Idee dann in die Stadt zurück, aus der sie eigentlich stammt: Bereits 2009 hatten die Düsseldorfer Stadtwerke eine solche Lade-Laterne in Betrieb genommen. Das Konzept blieb damals zunächst ohne Resonanz. Aber an der angezapften Leuchte hängt heute die Bordelektrik zweier Einsatzleitfahrzeuge des Stadtwerke-Notfallmanagements. Wenn die Gefahr ruft, müssen die Akkus voll sein.

Tom Jost/aw

Links: Ebee, Ubitricity, intercharge; Bestenliste: Ökostrom-Anbieter, Naturstrom

Thema: Auto & Elektromobilität, Stand: 30.03.2015 von

Kommentare (2)   Kommentare abonnieren

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  • schrieb am 01.04.2015 um 14:45
    Sind Elektroautos wirklich so "ökologisch"? So können dann neben den fossilen Brennstoffen, die wir traurigerweise so oder so ohnehin in die Luft blasen werden, noch weitere Ressourcen angezopft werden. Ähnlich wie beim Agrosprit, ist das dann auch ganz schnell eine soziale und globale Frage, wenn der Strom z.B. über Biogasanlangen erzeugt wird. Juhu (achtung sarkasmus), noch mehr fahren, unsere Felder voller Monokulturen und unser Essen von dorther importieren, wo die Währung der ansessigen Bevölkerung weniger wert ist..
    Da bleibt nur zu hoffen, dass Folgeunternehmen ebenfalls mit Ökostromanbietern zusammenharbeiten. Dann könnte der Ansatz - dort wo die Benutzung von Autos unausweichlich ist - durchaus sinnvoll sein. mehr weniger
  • schrieb am 01.04.2015 um 14:24
    . . . tolle Idee die sich auch bei den Stadtwerken schnell verbreiten sollte!!!! Ich wünsche "Ebee" viel Erfolg nicht nur in Berlin.
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