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Im Interview

Tatort-Kommissar allein unter Gurken

Viele kennen Andreas Hoppe alias Mario Kopper bereits seit vielen Jahren an der Seite von Ulrike Folkerts im "Tatort". Nun hat der Schauspieler auch auf dem Acker Recherche betrieben. Wer hätte das gedacht? Der "Tatort-Kommissar" im Interview mit natur + kosmos über seinen Versuch, ein Jahr nur Regionales zu verspeisen.


Zuerst erschienen in "natur + kosmos",11/2009.

„Ein Gemüsebeet ist wie eine Yogagruppe“ - "Tatort-Kommissar" Andreas Hoppe und Jacqueline Roussety über ihr Buch „Allein unter Gurken“:

n + k: Frau Roussety, Herr Hoppe, Ihr Buch beginnt mit einem starken ersten Satz ...
Hoppe: „Die Leiche begann zu gähnen“. Super Satz, stimmt! Ist natürlich von Jacky.

... und einer irren Szene von einem Tatort-Dreh ...
Hoppe: ... in der ich angesichts des Catering-Buffets beschließe, endlich mein Essverhalten zu ändern, während die Leiche sich in der Drehpause mit dem ungenießbaren Zeug lustvoll den Bauch vollhaut und das ganze später in hohem Bogen wieder von sich gibt, worauf sie erst die richtige Leichenblässe bekommt, die dann den Regisseur begeistert. Auch von Jacky. Wie überhaupt alle genialen Ideen in dem Buch. 

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Ist das dichterische Freiheit oder Tatort-Realität?
Roussety: Sagen wir: interpretierte Realität. Ich bin ja auch Schauspielerin und kenne den Dreh- und Probenalltag. Das ist zwar harte Arbeit, aber meistens doch relativ unspektakulär. Hier aber brauchten wir einen guten Einstieg in das Buch, der außerdem den dramatischen Moment verdeutlicht, in dem der Gesinnungswandel des Helden beginnt.

Ist das Essen bei Drehs wirklich so schlecht?
Hoppe: Naja … jetzt muss ich aufpassen, was ich sage, sonst krieg ich nichts mehr (lacht). Nein, im Ernst: Die geben sich schon Mühe. Aber es sind eben oft schwierige Bedingungen. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, es ist Sommer, man dreht irgendwo auf einem Studiogelände, das sind ja lange Tage, und dann steht da so eine Platte mit Käsebrötchen – Billigschrippen, Plastikkäse – Sie können sich vorstellen, wie das aussieht nach zwei Stunden in der Sonne.

Lecker.
Hoppe: Genau.

Sind Sie schon früher als Aktivist gegen diese Zustände aufgefallen? Oder wie entstand die Idee zu dem Buch – und dem Vorsatz, sich ein Jahr lang nur von regionalen Produkten zu ernähren?
Hoppe: Das Buch war eine Idee aus dem Verlag; aber den Impuls, mich bewusster zu ernähren und darüber eine Art Tagebuch zu führen, den hatte ich unabhängig davon. In meinem Umfeld wussten auch schon viele Leute, dass ich teilweise auf dem Land bin und versuche, da mit meinem Obst und Gemüse klarzukommen.

Sie haben einen kleinen Hof in Mecklenburg. Der klassische Traum vom Leben auf dem Land?
Hoppe: Bei mir spielt meine Kindheit eine große Rolle. Ich bin, obwohl in Westberlin, mit viel Grün aufgewachsen – vor allem im Schrebergarten meines Großvaters. Das war der Platz, an dem ich mich am meisten zu Hause gefühlt habe. Das war eine richtige grüne Oase, mitten in der Stadt. Da gab es eigenes Gemüse, es wurde ganz viel selbst gemacht, Marmelade eingekocht, Brot gebacken, Kuchen. Und wenn ich Pflaumenkuchen gegessen hab, dann wusste ich, dass die von dem Baum sind, auf dem ich immer sitze, träume, spiele … Das war schon ein anderes Gefühl als diese Entfremdung, die wir heute ja im Prinzip haben. Und dieses Kindheitsgefühl habe ich auf dem Land wieder.

Sie haben eine Stadtwohnung und einen Landsitz. Wie viel Benzin verbraucht das Auto, mit dem Sie zwischen beiden hin- und herdüsen?
Hoppe: Hüstel ... ja, also, ich fahre so einen benzinschluckenden Geländewagen – den brauche ich aber auch, weil ich ja alles Mögliche transportiere: Pferdemist, Erde, Maschinen ... Es gibt leider keinen regionalen mecklenburgischen Elektro-Lieferwagen. Ich warte noch drauf. 

Wie haben Sie das Gärtnern eigentlich gelernt?
Hoppe: Also, im Prinzip galt immer: „Mach deine eigenen Fehler, nur so kannst du auch aus ihnen lernen“ (lacht). Aber die Leute aus dem Dorf haben mir wahnsinnig geholfen. Der Nachbar hat am Anfang immer geguckt, wie ich zurechtkomme, und natürlich bin ich nicht zurechtgekommen. Das ist eine ganz alteingesessene Dorfgemeinschaft, und trotzdem haben die mich akzeptiert. Die haben immer schon Selbstversorgung praktiziert, zumindest teilweise – jeder hat einen Gemüsegarten, manche machen ihren eigenen Käse, ihre eigene Wurst. Von denen habe ich unheimlich viel gelernt.

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Thema: Politik & Gesellschaft, Stand: 10.11.2010 von

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