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Falsche Meldungen machen den Eier-Skandal zum Bio-Betrug

Voll auf die Bio-Eier

Wenn gegen die eigene Sache getreten wird, tut es weh – besonders wenn die Angreifer mithilfe von Täuschungen arbeiten. Utopia erklärt, wie die Medien mit falschen Meldungen den Eier-Skandal zum Bio-Betrug machen.


„200 Höfe unter Verdacht: Der Bio-Ei-Schwindel“ (BILD), „Falsche Bio-Eier“ (SZ), „Betrug mit Bio–Eiern“ (Spiegel). Bestimmt hat Sie in den letzten Tagen eine solche Meldung erreicht und mal wieder einen faulen Beigeschmack an den „guten Bio-Produkten“ hinterlassen. Das wäre bedauerlich, denn der Bio-Eier-Skandal ist kein Bio-Eier-Skandal, sondern ein Eier-Skandal, in dem Bio-Eier auch eine Rolle spielen.

Bio-Eier werden bewusst schlecht geredet

Richtig ist, dass die Staatsanwaltschaft gegen rund 200 Legebetriebe in Norddeutschland ermittelt. 150 davon stehen in Niedersachsen. Richtig ist auch, dass die Betriebe Vorschriften bei der Haltung von Legehennen missachtet haben. Deutlich mehr Hühner wurden in den Ställen gehalten, als es die jeweilige Haltungsform erlaubt. Es trifft aber nicht zu, dass die falsch deklarierten Eier allesamt als Bio-Eier in den Handel gelangt sind, wie es der Spiegel und nachfolgend viele andere Medien fälschlicherweise behaupten. Der eigentliche Verdacht besteht darin, dass bei Eiern aus jeder Haltungsart gegen die Vorschriften verstoßen wurde und sie trotzdem ohne Beanstandung in den Handel gelangt sind.

Von einem reinen Bio-Skandal zu sprechen entspricht also nicht der Faktenlage. Das bestätigte uns auch der niedersächsische Landwirtschaftsminister. Christian Meyer äußerte gegenüber Utopia, dass es noch keine genauen Zahlen bezüglich der Haltungsarten gebe. Es seien wohl einige Bio-Höfe betroffen, aber in großer Mehrheit konventionelle Betriebe mit Freilandhaltung in den Skandal verwickelt. Genauso seien konventionelle Bodenhaltungs- und sogar Kleingruppenhaltungsbetriebe in ungeklärtem Ausmaß betroffen. Zudem ärgert es den niedersächsischen Landwirtschaftsminister, dass die Medien den Eier-Skandal zum Bio-Betrug umtiteln. „Ich werde zwar nicht falsch zitiert, aber in den Medien wird mit irreführenden Überschriften aufgemacht, die bewusst die Bio-Haltung schlecht reden.“

Wir wollen nicht spekulieren, welche Absichten hinter dem Bio-Eier-Bashing stecken. Klar ist, dass sich Überschriften besser verkaufen, die nicht nur allgemein skandalisieren, sondern  eine angeblich gute Sache als trügerisch enttarnen. Verstehen Sie uns nicht falsch, wir wollen den Skandal nicht klein reden. Scheinbar wurden Verbraucher massiv getäuscht. Das verlangt Aufklärung, ein konsequentes Vorgehen gegen die Verantwortlichen und schärfere Kontrollen in der Zukunft. Aber wir wollen den Skandal richtig einordnen.

Freiland-Eier sind keine Bio-Eier

Eine mögliche Ursache für das Bio-Eier-Bashing liegt in der irreführenden Bezeichnung der Haltungsformen von Legehennen. Die macht es nicht nur Verbrauchern, sondern auch Medienvertretern schwer zu unterscheiden (beziehungsweise leicht, falsche Meldungen zu generieren). Davon zeugen die Artikel zum Eier-Skandal, in denen „Bio-“ fast deckungsgleich mit „Freilandhaltung“ verwendet wird. In der Tat klingt schon Freiland nach Hühnern, die ihr Leben lang den ganzen Tag auf idyllischen Bauernhöfen Urlaub machen und hin und wieder mal ein Ei legen.

Fakt ist, dass Hühnern in Freilandhaltung tagsüber ein Auslauf von mind. 4 m² pro Tier zur Verfügung steht. Die Bedingungen im Stall entsprechen nur denen der Bodenhaltung: Neun Hennen pro Quadratmeter in riesigen Hallen mit bis zu 6000  Hühnern. Wenn Sitzstangen und Legenester in mehreren Etagen angebracht sind, dürfen es sogar 18 Hennen pro m² sein. Und so kommt es auch in scheinbar idyllischer Freilandhaltung zu Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus.

In der Biohaltung hat jedes Huhn ebenfalls mindestens 4 m² Auslauf und im Stall dürfen maximal 6 Tiere pro Quadratmeter leben. Mindestens ein Drittel der Stallfläche ist ein eingestreuter Scharraum, Legenester und Sitzstangen stehen zur Verfügung. In einem Stall dürfen maximal 3.000 Hennen untergebracht sein. Die Zahlen zeigen, auch in der Bio-Haltung bleiben Hühner Nutztiere, aber ihren Bedürfnissen wird wesentlich besser entsprochen als in der Freilandhaltung.

Welche Eier soll ich kaufen?

Lassen Sie sich durch den Eier-Skandal nicht verunsichern und bleiben Sie unkonventionell! Profitgierige Menschen, die gute Dinge illegal zur ihren Gunsten ausnutzen, wird es immer geben. Der guten Sache wird damit geschadet, aber trotzdem bleibt sie eine gute Sache. Vor dem Eier-Skandal gilt also das Gleiche wie zuvor. Wer Eier im Supermarkt einkauft, sollte ausschließlich zu Bio-Eiern greifen. Für verantwortungsvolle Konsumenten sind Eier aus Käfig- (bzw. Kleingruppen-), Boden- und auch Freilandhaltung keine Option. Bio-Eier haben neben mehr Platz und besseren Verhaltensbedingungen für die Tiere weitere unverzichtbare Vorteile: Prophylaktischer Antibiotikaeinsatz ist verboten. Das Futter wird ohne Pestizide, chemisch-synthetische Dünger und Gentechnik hergestellt.

Wenn Sie Eier von Hühnern möchten, die unter noch höheren Standards gehalten wurden, kaufen Sie Bio-Eier der Anbauverbände Demeter, Bioland oder Naturland. Solche bekommen Sie zum Beispiel in Bioläden. Im Eiercode sind auch diese mit einer 0 gekennzeichnet. Und wie bei allen Lebensmitteln gilt: weniger ist mehr.

Thema: Bio, Stand: 27.02.2013 von
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