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Discounter in der Kritik

Aldi Check: Mehr bös' als billig

Stichwort Discounter: Welcher Name fällt Ihnen als erstes ein? Zugegeben, die Frage ist nach der Artikelüberschrift nicht gerade fair, aber – Sie werden sehen – das passt zum Artikel. Wäre es ohnehin Aldi gewesen? In vielen Fällen lautet die Antwort wohl: ja.


Aldi zählt zu den führenden deutschen Discountern, rund 80 Prozent der hiesigen Haushalte kaufen bei Aldi zumindest gelegentlich ein. Mit seiner brüderlichen  Trennung in Nord und Süd zeichnet das Handelsunternehmen seine eigene Deutschlandkarte. Zusammengenommen gibt es in Deutschland mehr 4.000 Filialen, weltweit sind es über 9.000.

Das Aldi-Imperium ist groß und Imperien werden selten in weißen Westen geschaffen. Haben Sie auch das Gefühl, schon einige schlechte Dinge über Aldi gehört zu haben? Aber der Discounter scheint bei Verbauchern eine Art Sympathiebonus zu genießen und so einen richtigen handfesten Skandal wie etwa die Mitarbeiterüberwachung von Konkurrent Lidl hat man irgendwie auch nicht parat.  Das Resümee der Utopia-Serie „Auf dem Prüfstand“ von 2009 klingt ähnlich: „Aldi wusste sich aus Negativschlagzeilen immer weitgehend rauszuhalten, dennoch bleiben viele Flecken dunkel, die für ein nachhaltiges Unternehmen selbstverständlich wären“.

Die dunklen Flecken wurden nun ein weiteres Mal beleuchtet – von der WDR-Sendung "markt". Einige Erkenntnisse dieses „Aldi Checks“ mögen zwar nicht neu sein, aber in geballter in Form und mit O-Tönen von Aldi-Mitarbeitern zwingt einem die Dokumentation unweigerlich eine Frage auf: Will ich wirklich bei Aldi einkaufen?

Das müssen Sie über Aldi wissen

Für alle, denen das 45 Minuten Video in der WDR Mediathek zu lang ist, fassen wir die wichtigsten Punke zusammen. Neben vielen wissenswerten Hintergrundinformationen bewertet der WDR Aldi Check den Discounter in drei Kategorien:

1. Produktqualität

Check-Urteil: ordentlich


2. Preisvorteil

Aldi-Check-Urteil: überschätzt

Interessanterweise gibt es entgegen dem gängigen Glauben bei Produkten der Eigenmarke keinen nennenswerten Preisvorteil gegenüber anderen Supermärkten wie Rewe, Edeka oder Lidl.  Zum Vergleich wurde jeweils ein Warenkorb von 15 Produkten für eine Lebensmittel-Grundausstattung gefüllt. Markenprodukte, zum Beispiel Süßwaren wie Nimm2, Haribo Goldbären oder Raffaello, sind dagegen tatsächlich günstiger – zwischen 15 und 33 Prozent.


3. Fairness

Aldi-Check-Urteil: unzureichend

Hier wird es für den bewussten Konsumenten, der ohnehin nicht nur auf den Preis schielen sollte, besonders interessant und darum auch besonders ausführlich. Was unterstütze ich und wem schade ich mit meinem Einkauf bei Aldi – ob ich will oder nicht.

 

Aldi ist nicht fair zu seinen Zulieferern

In der Dokumentation wird berichtet, wie Aldi zum Beispiel Druck auf den Milchpreis ausübt und Bauern damit in existenzielle Nöte bringt.

Das gilt auch für Menschen von weiter her, aus China. Aldi-Süd bezieht Kleidung aus chinesischen Fabriken, in denen Näherinnen unter miserablen Bedingungen bis zu 130 Überstunden im Monat machen und trotzdem kaum von ihrer Arbeit leben können. In einer Stellungnahme ließ Aldi dazu verlauten, dass „wir nicht für die vollumfängliche Einhaltung“ der „nach unserer Auffassung einzuhaltenden Regeln und Werte (…) entlang der Lieferkette verantwortlich gemacht werden können.“
Das ist natürlich genauso traurig wie peinlich.

Aldi ist nicht fair zu seinen Mitarbeitern (und Kunden)

Der Aldi Check zeigt auf, wie Aldi-Süd seit Jahren unter großen Anstrengungen die Gründung eines Betriebsrates verhindert. Luft anhalten: Ein Unternehmen mit über 30.000 Mitarbeitern ohne Betriebsrat!

Aldi-Süd begründet diese Lücke mit der großen Zufriedenheit, die bei Mitarbeiterbefragungen festgestellt werden konnte. Ein schönes Bild, aber die WDR-Doku zeigt auch Beispiele, die nicht so recht hineinpassen wollen: Etwa die Tatsache, dass Mitarbeiter aufgrund von permanenter Unterbesetzung dazu gezwungen sind, unbezahlte Überstunden zu machen, ohne die das Tagesgeschäft nicht laufen könnte.
Während der Arbeitszeit werden die Mitarbeiter dazu massiv unter Druck gesetzt. Eine Kassiererin – die im Video nicht erkannt werden möchte – berichtet von elektronischen Protokollen, die genau festhalten, wie viele Produkte pro Sekunde über das Band gezogen werden oder wie viel Zeit zwischen zwei Kunden benötigt wird. Sie spricht von gläsernen Menschen an der Kasse und bestätigt, dass darum auch die Kunden bei Aldi während des Bezahlvorgangs unter Druck gesetzt werden müssen ...

Check: Und haben Sie jetzt noch Lust, bei Aldi einzukaufen?

Thema: Unternehmen, Stand: 07.09.2011 von
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